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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.12.2025

Dem Führer hinterher

Hitlers treues Volk
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Millionen Menschen wurden als Arbeitssklaven ausgebeutet und schließlich ermordet. Friedliche Nachbarländer wurden brutal überfallen und erobert. Christen verehrten einen menschlichen Führer statt Christus. ...

Millionen Menschen wurden als Arbeitssklaven ausgebeutet und schließlich ermordet. Friedliche Nachbarländer wurden brutal überfallen und erobert. Christen verehrten einen menschlichen Führer statt Christus. Wer widersprach, riskierte sein Leben. Das Dritte Reich war eine Zeit schwersten Unrechts. Wie konnte ein ganzes Volk diesem Wahnsinn zustimmen?

Lange Zeit lautete die Antwort vieler Eltern und Großeltern: Wir haben davon nichts gewusst. Doch stimmt das auch? Schon früh wurden Juden öffentlich entrechtet, ausgegrenzt und verfolgt. Dennoch jubelte ein ganzes Land dem Mann zu, der für diese Politik stand. Warum?

Genau dieser Frage geht das Buch nach. In 24 Aufsätzen beleuchtet es unterschiedliche Aspekte der gesellschaftlichen Zustimmung zum Nationalsozialismus. Jeder Beitrag gleicht einem Puzzleteil – gemeinsam zeichnen sie das Bild eines Landes, das die NS-Ideologie begeistert aufnahm. Themen sind unter anderem die Stimmung in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, die Wirtschaftskrise, antisemitische Einstellungen, das propagierte Gemeinschaftsgefühl, aber auch Bereiche wie Sport, Freizeit und Urlaub. Die faschistische Ideologie durchdrang alle Lebensbereiche, bot einfache Antworten und stiftete Sinn. Abschließend richtet das Buch den Blick auf die Gegenwart und stellt die beunruhigende Frage, ob sich Geschichte wiederholen könnte.

Die Beiträge sind leicht verständlich und in ihrem Stil an Zeitschriftenartikel angelehnt. Zahlreiche Bilder unterstützen und veranschaulichen den Text. Viele Kapitel stützen sich auf Tagebucheinträge und zeitgenössische Schriften aus den frühen Jahren des Dritten Reiches, was den dargestellten Meinungen besondere Authentizität verleiht. Auffällig ist, wie selten Zweifel oder Angst zum Ausdruck kommen: Stattdessen dominieren Begeisterung und Euphorie über das „neue“, vereinte Reich – ein Zukunftsprojekt, an dem angeblich alle teilhaben konnten. Alle zumindest, die den vorgegebenen Anforderungen entsprachen. Die anderen wurden aussortiert.

Fazit: Das Buch ist spannend, aufschlussreich und gut gestaltet. Die thematische Vielfalt deckt zahlreiche Lebensbereiche ab, und die Quellenverweise verleihen den Beiträgen hohe Glaubwürdigkeit. Sehr empfehlenswert – insbesondere für Leser, die sich für die deutsche Geschichte interessieren.

Veröffentlicht am 02.12.2025

Auf frischer Tat erwischt

Auf der Seite der Frauen
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„Wo Sexkauf erlaubt ist, kommt es bei den Freiern zu einer Normalisierung und Abstumpfung. Grenzen werden verwischt, und was man früher für extrem hielt, ist heute zum Greifen nah.“

Der Kriminalkommissar ...

„Wo Sexkauf erlaubt ist, kommt es bei den Freiern zu einer Normalisierung und Abstumpfung. Grenzen werden verwischt, und was man früher für extrem hielt, ist heute zum Greifen nah.“

Der Kriminalkommissar Simon Häggström leitet die Prostitutionseinheit in Stockholm. In seinem Dienst begegnet er täglich schwerem Leid, und dennoch weiß er, dass er genau dort hingehört. Besonders erfüllt es ihn, wenn es gelingt, eine junge Frau aus einem Leben der Sklaverei zu befreien.

In Schweden ist der Kauf von Sex illegal – ein Kernpunkt des sogenannten „Nordischen Modells“. Häggström ist von diesem Ansatz überzeugt und setzt sich international dafür ein. Strafbar sind ausschließlich die Freier. Frauen hingegen erhalten Unterstützung, denn wie der Autor betont, kaum eine Frau wählt diese Tätigkeit aus freien Stücken, sondern fast immer aus der Not heraus.

In seinem Buch berichtet Häggström von Einsätzen und Begegnungen aus seinem Arbeitsalltag. Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Zitat einer Person, die in irgendeiner Weise mit Prostitution zu tun hat – oft von einer betroffenen Frau selbst. Diese Stimmen geben wertvolle Einblicke in ihre Erfahrungen und Sichtweisen.

Nach einer kurzen Einführung schildert Häggström konkrete Einsätze und weist an vielen Stellen auf den größeren Zusammenhang hin. Was kennzeichnet Männer, die Prostituierte aufsuchen? Wie hängen Pornografie und Prostitution zusammen? Und ist die Gefahr für Frauen nicht noch größer, wenn Prostitution illegal ist und somit im Verborgenen geschieht?

Seine Berichte sind authentisch und eindringlich. Häggström begegnet den Frauen mit spürbarem Mitgefühl. Besonders eindrucksvoll sind seine offenen Selbstreflexionen über eigene Fehler, Ohnmacht und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit angesichts des Bösen. Er schreibt: „Ich nahm mir vor, ehrlich zu beschreiben, wie ich als Polizist, Mensch und Mann mit dieser Wirklichkeit umgehe und sie verarbeite.“

Über das Sexgewerbe zu berichten ist schwierig. Das Erlebte kann zu sauber geschildert werden, als wäre das alles gar nicht so schlimm. Doch der Autor entscheidet sich bewusst dafür, die dunklen und abstoßenden Seiten der Prostitution zu zeigen. So sind manche Schilderungen schon sehr grafisch, was beim Lesen stören kann. Sein Anliegen dabei erklärt er im Epilog: „… die Realität sollte ungeschminkt dargestellt werden. Es ist das wirkliche Leben vieler Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen. Zu beschönigen, was sie jeden Tag erleben, wäre ein Verrat an ihnen.“

Fazit: Ein bewegender und aufrüttelnder Bericht über den Alltag eines Polizisten, der gegen Prostitution kämpft. Die Geschichten der betroffenen Frauen machen das Unrecht greifbar und wecken Mitgefühl – und das Bedürfnis, nicht wegzusehen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 27.11.2025

Manche Rätsel werden wohl nie gelöst werden!

Geheimnisse aus der Geschichte
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Dieses Buch, hervorgegangen aus einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung, versammelt die spannendsten Beiträge über ungelöste Rätsel und Geheimnisse, die im Laufe von zehn Jahren erschienen sind. Die Themen ...

Dieses Buch, hervorgegangen aus einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung, versammelt die spannendsten Beiträge über ungelöste Rätsel und Geheimnisse, die im Laufe von zehn Jahren erschienen sind. Die Themen könnten vielfältiger kaum sein: Mal geht es um Musiker oder Maler, dann wieder um Tiere, Politiker, mysteriöse Todesfälle sowie Mythen und Legenden – und noch vieles mehr.

Die insgesamt 71 Beiträge lassen sich alle in wenigen Minuten lesen. Es macht Freude, das Buch an einer beliebigen Stelle aufzuschlagen und sich überraschen zu lassen. Die Artikel sind nach Erscheinungsdatum angeordnet, sodass sich Themen und Autoren abwechseln. Der Schreibstil ist flüssig, und die Länge der einzelnen Texte passt perfekt.

Einige der behandelten Fragen lauten etwa: Was hat es mit dem rätselhaften Lächeln der Mona Lisa auf sich? Wo könnte die Bundeslade der Israeliten sein? Wer war für den Tod Vincent van Goghs verantwortlich? Was haben Zugvögel mit deutschem Bier zu tun? Und ist das Turiner Grabtuch authentisch? Selten führen die Überlegungen zu einer eindeutigen Lösung. Stattdessen werden verschiedene Indizien und Erklärungsansätze einander gegenübergestellt, sodass die Leser selbst entscheiden können, welche Interpretation ihnen am plausibelsten erscheint.

Besonders reizvoll ist die thematische Bandbreite. So erfährt man etwa von einem kuriosen Versuch, Menschen mit Affen zu kreuzen, oder liest über das erstaunliche Verhalten von Aalen. Natürlich wird jeder je nach persönlichem Interesse bestimmte Beiträge spannender finden als andere, doch angesichts der großen Vielfalt dürfte für alle etwas dabei sein. Mich persönlich begeistern vor allem die skurrilen Fakten und überraschenden Geschichten.

Fazit: Ein unterhaltsames Buch zum Schmökern und Stöbern, voll faszinierender Geheimnisse und verblüffender Anekdoten. Ideal als Geschenk oder als schnelle Lektüre für zwischendurch. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 25.11.2025

Tosende Wellen und panische Angst

Halt in der Brandung
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„Nur weil wir auf Gott vertrauen, heißt das nicht, dass es keine Stürme, kein Leid und keinen Tod gibt. Aber wir wissen, dass er uns ewiges Leben schenken wird und wir im Himmel kein Leid mehr erfahren ...

„Nur weil wir auf Gott vertrauen, heißt das nicht, dass es keine Stürme, kein Leid und keinen Tod gibt. Aber wir wissen, dass er uns ewiges Leben schenken wird und wir im Himmel kein Leid mehr erfahren müssen. Was kann uns da noch Angst machen?“

Emilie wartet gespannt auf den Heiratsantrag. Schon bald wird sie die Herrin von Schloss Holdenstedt sein, wo sie einen wunderbaren Abend bei einer Feier verbringt. Sie versteht nicht, warum Leopold sie nicht sofort um ihre Hand bittet.

Am nächsten Morgen erreicht sie die Schreckensnachricht: Ihre Mutter und ihr älterer Bruder sind bei einem tragischen Kutschenunglück gestorben. Vom Familienanwalt erfährt sie dann noch, dass ihr Bruder ihr Vermögen aufgebraucht hat und sie auch ihr Zuhause verlieren wird. Ihre einzige Hoffnung ist ein Bruder, der seit acht Jahren verschollen ist.

Auf der Suche nach ihm unternimmt Emilie die weite Reise nach Kapstadt in Südafrika. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das ein ungewöhnliches und gefährliches Unterfangen für eine junge, unverheiratete adlige Frau. Zum Glück findet sie auf einem Missionsschiff Passage und fühlt sich zumindest vor unerwünschten Zudringlichkeiten sicher. Sie ahnt nicht, wie sehr sich ihr Leben durch diese Reise verändern wird.

Besonders spannend an dieser Geschichte sind die ungewöhnlichen Themen. Während der Anfang des Buches an andere Geschichten über diese Ära erinnert, ändert sich dies, als Emilies Zukunftspläne scheitern. Es gibt nur wenige Bücher, die von der Reise einer Gruppe von Missionaren in ein unbekanntes Land berichten oder das alltägliche Leben europäischer Siedler in Südafrika schildern. Dies macht das Buch zusammen mit seinen sympathischen Charakteren besonders lesenswert.

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen Fragen nach Leid und dem Gefühl, von Gott enttäuscht worden zu sein. Emilies innerer Kampf, Gott trotz Leid zu vertrauen, wird gut nachvollziehbar geschildert. Naturbeschreibungen, Ängste und Sehnsucht sind weitere Themen, in denen dieser Roman glänzt. Die Liebesgeschichte ist teilweise vorhersehbar, bietet aber dennoch Überraschungen.

Fazit: Ein spannender Roman über die abenteuerliche Reise einer jungen Frau. Sehr empfehlenswert, besonders für Leserinnen, die einzigartige historische Romane mit romantischen Elementen lieben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2025

Trauer und Freude - Hand in Hand

Ich hab noch nie so gern gelebt
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In ihrem umfangreichen neuen Buch erzählt Bianka Bleier, wie sie die Jahre 2013 bis 2022 erlebt hat. Es fehlt lediglich das Coronajahr 2021.

Manche Einträge sind kurz, andere gehen über mehrere Seiten. ...

In ihrem umfangreichen neuen Buch erzählt Bianka Bleier, wie sie die Jahre 2013 bis 2022 erlebt hat. Es fehlt lediglich das Coronajahr 2021.

Manche Einträge sind kurz, andere gehen über mehrere Seiten. Die Autorin beschreibt nicht alle Einzelheiten ihres Alltags, sondern erzählt von dem, was sie besonders freut, herausfordert oder zum Verzweifeln bringt. Dabei klingt sie stets authentisch. Sie verschweigt weder das Aneinanderreiben in der Ehe noch ihre Zweifel an Gottes Beistand.

Wiederkehrende Themen in diesem Buch sind das Älterwerden und der Tod. Sie stellt fest, dass ihr Körper sich verändert, Kräfte nachlassen, Krankheit und Schmerz eine immer größere Rolle in ihrem Leben spielen. Gleichzeitig muss sie den Tod von Menschen verkraften, die ihr nahestehen. Neben der Freude am Leben, die aus dem Titel herausklingt, ist dieses Buch darum von schmerzhaften, zweifelnden Gedanken geprägt. Für Leser ist es hilfreich, dass sie solche Gedanken in Sprache fasst und nach Antworten sucht.

Freudige Themen dagegen sind die neue Erfahrung, Großmutter zu sein sowie Erlebnisse in ihrem beliebten Café „Sellawie“, die ihr an manch finsterem Tag wie Lichtblicke erscheinen. Dazu kommt die zunehmende Selbstständigkeit eines Sohnes, der mit Beeinträchtigungen leben muss. Wie an vielen anderen Stellen, gibt es auch da wichtige Lernmomente, denn Bianka Bleier stellt fest: „Durch unseren behinderten Sohn habe ich endgültig verstanden, dass ich begrenzt sein darf und geliebt bin.“

Wie schön wäre es, wenn wir einander in christlichen Gemeinden nicht vorspielen würden, perfekt zu sein. Das Buch zeigt wohltuend offen, dass Glaube und Zweifel nebeneinanderstehen dürfen. Trotz Schwierigkeiten und Enttäuschungen hält die Autorin an Gott fest – nicht, weil sie alles versteht, sondern weil ein Weg ohne ihn für sie noch schwerer und vor allem sinnlos wäre. Sie macht sichtbar, dass es nicht auf jede Lebensfrage eine schnelle, fromme Antwort geben muss. So ist dieses Buch, trotz der schweren Themen, die angesprochen werden, ermutigend und hoffnungsvoll. Wertvoll sind auch die vielen Zitate und Hinweise auf hilfreiche Bücher.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch, vor allem für Frauen ab 50. Offen und ehrlich, aufbauend und nachvollziehbar!