Auf Instagram bin ich über Sulwe gestolpert, als der Verlag viel Werbung mit der durch den Kinofilm Black Panther berühmten Autorin gemacht hat. Und ich war neugierig, wie die Thematik „ich bin ein Schwarzes ...
Auf Instagram bin ich über Sulwe gestolpert, als der Verlag viel Werbung mit der durch den Kinofilm Black Panther berühmten Autorin gemacht hat. Und ich war neugierig, wie die Thematik „ich bin ein Schwarzes Kind und werde deshalb diskriminiert“ in eine kindgerechte Geschichte verpackt würde.
Als mein Neffe noch klein war hatte ich erstmals einen persönlichen Bezug zu dem Thema und mir fiel auf: Ja, tatsächlich gibt es vergleichsweise sehr wenige Kinder- und Jugendbücher mit Schwarzen Figuren oder BIPoC auf dem Cover, geschweige denn als Hauptfiguren. Das war nichts wirklich etwas grundlegend Neues für mich, aber mein privates Interesse daran hat meinen Blick darauf doch etwas geschärft.
Inzwischen gehört das große Poster, das als Beilage im Buch war, meiner Nichte und ich habe endlich Worte gefunden, um dieses tolle Bilderbuch zu beschreiben.
Meiner Meinung nach ist Sulwe ein großartiges Bilder- und Vorlesebuch für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren. Die Geschichte führt auf fantasievolle, aber leicht verständliche Weise an den Konflikt heran und zeigt dem kleinen Mädchen Sulwe, dass Schwarze Haut genauso wunderschön ist wie jede andere Hautfarbe und die Welt aus verschiedenen Eigenschaften bei verschiedenen Menschen besteht. Es geht in Sulwe dabei weniger um Rassismus, sondern viel mehr um Colorism: Menschen derselben race werden unterschiedlich behandelt, je nach Dunkelheit ihrer Hautfarbe.
Besonders toll finde ich die Illustrationen, die ohne Klischees auskommen und Schwarzes Haar in seiner Struktur großartig abbilden. Das ist leider nicht immer der Fall, weshalb es mir hier so positiv aufgefallen ist.
Vielleicht ist ein Grund dafür die Tatsache, dass an der Produktion dieses Kinderbuchs scheinbar ausschließlich Schwarze Frauen beteiligt waren, von Autorin über Verlegerin bis hin zur deutschen Übersetzung. Man merkt beim Lesen und Betrachten der Seiten, dass der Fokus auf den richtigen Aspekten lag, um die gewünschte Message zu übermitteln.
Mein einziger Kritikpunkt, wenn ich unbedingt einen nennen sollte, ist dieser: weil die Hauptfigur der Geschichte, Sulwe, eindeutig weiblich zu lesen ist, fällt damit den Jungs erfahrungsgemäß möglicherweise die Identifikation schwer. Vielleicht hätte die Geschichte auch funktioniert, wenn das Kind nicht einem Geschlecht zugeordnet wäre, und hätte damit mehr Kinder an einem wichtigen Punkt in ihrem Leben abgeholt, an dem sie die hier erzählte Botschaft von „Du bist toll so, wie du bist!“ so dringend brauchen.
Da es aber wirklich in erster Linie um kleine Mädchen geht, die hier erreicht werden sollen, ist das nur ein kleiner Gedanke am Rande – und so, wie das Buch jetzt ist, ist es auch schon großartig genug, um nie wieder mein Bücherregal zu verlassen.
The Serpent and the Wolf ist eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, und ein starker Anwärter auf mein Jahres-Highlight!
Originelle Fantasy, interessante Magiekonzepte und die wahnsinnig ...
The Serpent and the Wolf ist eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, und ein starker Anwärter auf mein Jahres-Highlight!
Originelle Fantasy, interessante Magiekonzepte und die wahnsinnig natürlich wirkende Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren haben mich sogar Gefallen an den politischen Machtspielchen und Strategiesitzungen finden lassen, die mich sonst eher langweilen. Schon die allererste Szene von The Serpent and the Wolf hat mich um den Finger gewickelt, indem unsere Heldin mich an die starken Frauenfiguren von Patricia Briggs (zum Beispiel Mercy Thompson) und Jeanine Frost (ganz besonders Cat)erinnert hat. Und auch ihr männlicher Gegenpart sammelte schnell Sympathiepunkte, als er die Entscheidung über bestimmte Dinge der Person überlässt, die diese Entscheidung treffen sollte, anstatt sie an sich zu reißen (wie es viele Männer in seiner Position getan hätten).
Vaasas Situation hat mich ab und zu an Daenerys Targaryen aus Game of Thrones erinnert: die Eltern tot, vom Bruder per Heirat an einen Feind verkauft, um sich Macht gegen einen weiteren Feind zu sichern – und diese eine Misskalkulation des Bruders eröffnet ihr dann plötzlich ganz neue Möglichkeiten.
Ich habe es nicht durchgehend analysiert, aber mein Eindruck ist, dass in der Welt von Vaasa und Reid Feminismus und Respekt ziemlich groß geschrieben werden – abgesehen von ein paar idiotischen, traditionsversessenen machthungrigen Männern. Es gibt queere Paare, deren Existenz kaum kommentiert oder infrage gestellt wird – das war sehr angenehm zu lesen. Eines hat sogar mindestens ein Kind, was ich bisher sehr selten insbesondere in Fantasyromanen gesehen habe.
Gegen Ende war ich unsicher, ob die Geschichte in diesem Band abgeschlossen würde, aber der Cliffhanger und schließlich die Websites von Verlag und Autorin klären auf: es folgen noch zwei Bände. Ich werde die Fortsetzung auf jeden Fall lesen!
Hinweis: Auf der Website des deutschen Verlags dtv wird The Serpent and the Wolf einer Trilogie zugeordnet, die Autorin schreibt in ihrer Danksagung von einer Dilogie und auf der Website der Autorin ist inzwischen auch von einer Trilogie die Rede. Die Geschichte war also wahrscheinlich mal für zwei Bände entwickelt worden, was sich mit der Zeit zu drei Bänden entwickelt hat.
Nach dem fiesen Cliffhanger von Band 1, The Games Gods Play, war ich extrem neugierig auf diese Fortsetzung – es ist lange her, dass ich derart gespannt auf einen zweiten Band gewartet habe. Und das Beste? ...
Nach dem fiesen Cliffhanger von Band 1, The Games Gods Play, war ich extrem neugierig auf diese Fortsetzung – es ist lange her, dass ich derart gespannt auf einen zweiten Band gewartet habe. Und das Beste? The Things Gods Break enttäuscht nicht!
Weil The Things Gods Break der zweite Band der Reihe Schattenverführt ist, enthält diese Rezension, ebenso wie der Klappentext, kleine Spoiler für Band 1, The Games Gods Play. Meine Meinung zum ersten Band findest du hier.
Wie schon im ersten Band rasen wir auch in The Things Gods Break nur so mit Lyra durch die Geschichte, einem unbekannten Strippenzieher hinterher und immer auf der Suche nach einem Weg, aus dem Tartaros herauszukommen und zu Hades zurück zu gelangen. Es hat mir großen Spaß gemacht, Lyras kurze Zeitreisen in verschiedene Momente der Vergangenheit zu verfolgen. Diese werden ausgelöst durch eine mysteriöse Macht im Tartaros. Der Schmetterlingseffekt (eine Kleinigkeit in der Vergangenheit zu verändern kann große Auswirkungen auf die Gegenwart haben) spielt eine wichtige Rolle, sodass Lyra nach und nach begreift, warum sich Hades in bestimmten Szenen auf eine bestimmte Weise verhalten hat.
Solche Details mag ich sehr: Ich bekomme dadurch den Eindruck, dass die Autorin ihre Geschichte von Anfang bis Ende geplant und beim Schreiben keine Zufälle zugelassen hat. Oder sie schafft es außerordentlich gut, die Fragezeichen aus Band 1 nachträglich in Band 2 aufzulösen.
Auch die Charakterentwicklung hat mir in The Things Gods Break gut gefallen. Der Titel ist super gewählt, denn er kann vielschichtig interpretiert werden: Einerseits sind Menschen gegenüber den griechischen Gottheiten einfach sehr zerbrechlich und können ihren gelegentlichen Gewaltausbrüchen kaum etwas entgegensetzen, wie man im sogenannten Crucible, den Spielen der Götter mit menschlichen Champions aus Band 1, gut sehen konnte. Andererseits spielt es auch auf die Beziehungen an, die im Lauf der Handlung durch die Götter zerstört, neu aufgebaut oder verändert werden.
Lyra wächst an ihren Aufgaben und mit ihrer neuen Umgebung. Hades, dessen Perspektive wir in vereinzelten Kapiteln einnehmen, zerbricht an seinen Gefühlen und dem Versuch, nicht auszurasten (vergeblich – wie gesagt, die Götter haben eine kurze Zündschnur und neigen zu Gewaltausbrüchen). Neu dazu kommen die Titanen und andere Personen, denen Lyra im Tartaros begegnet und die einen ganz neuen Blickwinkel auf das bieten, was bisher als Realität wahrgenommen wurde. Das ist der Autorin extrem gut gelungen, ohne irgendwie konstruiert zu wirken!
Auch die vielen Anspielungen an die griechische Mythologie finde ich toll. Ich bin sicher, dass ich einige gar nicht bemerkt habe, aber die, die mir auffielen, sind extrem geschickt in die Handlung verwoben, ohne klobig, störend oder belehrend zu wirken.
Mir fällt nur ein Kritikpunkt ein, wenn ich über The Things Gods Break nachdenke: Ich hätte gern mehr Zeit mit Hades oder sogar anderen Figuren außerhalb des Tartaros verbracht. Klar, Lyra ist die Hauptfigur, in deren Kopf wir meistens stecken. Es ergibt absolut Sinn, den Fokus auf sie zu legen. Leider führt das meiner Meinung nach dazu, dass einige Ereignisse gegen Ende etwas aus dem Nichts kommen, weil wir den Weg dorthin nicht begleiten und damit besser nachvollziehen konnten.
Neben Hades wäre da beispielsweise Persephone, die Lyra im Tartaros kennenlernt, oder auch Boone, dessen Rolle in The Things Gods Break größer ist als im ersten Band. Sogar die anderen Götter aus dem ersten Band – Zeus, Hermes, Aphrodite und so weiter – hätte ich gern ein Stück weit beobachtet. Dass jemand nach so langer Zeit plötzlich in den Tartaros gezogen wird müsste doch für Aufruhr sorgen! Was passiert auf dem Olymp, während Lyra im Tartaros feststeckt?
Vielleicht wäre das Buch zu dick geworden und die Geschichte zu lang (und langweilig), wenn auf diese Perspektiven mehr Rücksicht genommen worden wäre. Es ist gut möglich, dass diese Version der Geschichte die sinnvollste ist. Ich hätte mir einfach für einige Momente etwas mehr Hintergrundgeschichte gewünscht und hoffe, dass es vielleicht in Band 3 weitere Details dazu gibt.
Beim Lesen habe ich immer wieder selbst versucht, das neue Rätsel zu lösen, vor dem Lyra nun steht, und dabei wurde mir nicht langweilig. Das Buch hatte ich innerhalb von 3-4 Tagen durch und konnte es tagsüber kaum erwarten, nach Feierabend weiterlesen zu können. Ich hatte wirklich Spaß beim Lesen! The Things Gods Break ist definitiv ein Highlight des Jahres für mich!
Jetzt warte ich wieder auf die Fortsetzung, die erst Ende 2026 erscheint – denn auch The Things Gods Break endet wieder in einem heftigen Cliffhanger!
Nachdem ich zuletzt etwas mit langen High-Fantasy-Romanen oder gar Sammelbänden kämpfen musste, las sich Ein Cookie für den Dämon unfassbar schnell und entspannt. So war es mir schon mit dem ersten Band ...
Nachdem ich zuletzt etwas mit langen High-Fantasy-Romanen oder gar Sammelbänden kämpfen musste, las sich Ein Cookie für den Dämon unfassbar schnell und entspannt. So war es mir schon mit dem ersten Band der Reihe Guild Codex: Spellbound gegangen, und auch dieser Reihenauftakt, der in derselben Welt spielt und in dem einige Charaktere aus der anderen Reihe hier am Rande ebenfalls auftauchen, trifft einfach genau meinen Geschmack.
Ein Cookie für den Dämon ist lockere Urban Fantasy: Eine uns Lesenden bekannte, moderne Welt mit einer großzügigen Prise Übernatürlichkeit wie beispielsweise Supernatural, aber keine komplett eigene Welt wie zum Beispiel Mittelerde aus Der Herr der Ringe. In diesem Fall liegt der Fokus auf Dämonenbeschwörung mitsamt all ihren Tücken und Details. Robin ist eine Hauptfigur, die wie für mich geschrieben ist: eher still und introvertiert, an Büchern interessiert, wissbegierig, und wenn man ihr und ihren Liebsten krumm kommt, dann nimmt sie das – nachdem sie sich selbst gut zugeredet hat – nicht einfach so hin.
Weil es schon etwas her ist, dass ich Drei Magier und eine Margarita gelesen habe, konnte ich mich nicht mehr an alle Details der Welt erinnern; an die politischen Strukturen und die Agentur, die alles Übernatürliche organisiert, die Gilden und so weiter. Hier hätte ich mir tatsächlich einmal gewünscht, dass es in den ersten paar Kapiteln ein bisschen mehr Erklärungen gäbe.
Es hat mir gut gefallen, dass Robin und ihr Dämon Zylas über Umwege mit denselben Leuten zu tun bekommen die ich aus der anderen Reihe schon kenne. Diese Cameos, und das finde ich sehr gut gelungen, schreibt die Autorin nicht „Robin begegnet Person sowieso“, die man dann namentlich erkennen müsste. Stattdessen es ist eher so: „Robin sieht ein paar komische Leute, die sich sonderbar verhalten, und läuft ihnen immer öfter über den Weg – vielleicht sind die wichtig?“
Bis kurz vor dem Ende von Ein Cookie für den Dämon werden ihre Namen nicht genannt, sodass man die Charaktere zusammen mit der Hauptperson in diesem und den folgenden Bänden kennenlernen kann, ohne Vorwissen über die anderen Guild Codex-Bücher zu brauchen. Wenn ich das andere Buch nicht gelesen hätte, wären es einfach irgendwelche Nebenfiguren gewesen, und so sollte diese Art von Cameos meiner Meinung nach immer funktionieren.
Der Schreibstil ist für mich wieder ein absolutes Highlight! Ungelogen, ich habe diese etwa 300 Seiten innerhalb von 4 Stunden inhaliert. Wie eingangs schon beschrieben ist das nach vielen sehr langen, sehr zähen Büchern wie Jay Kristoffs Das Reich der Verdammten und V. E. Schwabs Shades of Magic geradezu eine Wohltat gewesen. Der Humor und der Tonfall, mit dem alles beschrieben wird, war sehr unterhaltsam und erinnerte mich wieder einmal an Patricia Briggs‘ Stil, den ich in ihrer Reihe um Mercy Thompson so lieben gelernt habe.
Ich hatte zum ersten Mal seit Längerem wieder so richtig Spaß am Lesen und weniger das Gefühl, eine Aufgabe zu erfüllen.
Jetzt habe ich große Lust, direkt weiterzulesen! Und da Robins Geschichte in Ein Cookie für den Dämon gerade erst beginnt, weshalb die Fortsetzung dieser Guild Codex: Demonized-Reihe noch nicht erschienen ist, werde ich mich nun wohl endlich in die Fortsetzung der Guild Codex: Spellbound-Reihe stürzen, dessen fünfter Band im Oktober 2025 erscheint und damit zum Greifen nah ist.
Ich hatte Blood and Steel überhaupt nicht auf dem Schirm, bevor ein NetGalley-Newsletter in den Posteingang flatterte. Joa, klingt ganz interessant, dachte ich mir. ...
Hui, hat mich dieses Buch überrascht!
Ich hatte Blood and Steel überhaupt nicht auf dem Schirm, bevor ein NetGalley-Newsletter in den Posteingang flatterte. Joa, klingt ganz interessant, dachte ich mir. Das Cover sah irgendwie unfertig aus, wie ein nicht beendeter Entwurf (zu diesem Thema kommt bald ein eigener Artikel), aber der Inhalt schien genau nach meinem Geschmack zu sein. Kann man ja mal ausprobieren. Und jetzt, 2 Tage später, ist das Buch durchgelesen und ich habe ein paar Stunden Schlaf verloren, weil ich einfach nicht mittendrin abbrechen konnte.
Es ist nicht perfekt, dieses Szenario aus Menschen, Monstern und Magie. Manches ist etwas zu dick aufgetragen oder ein kleines bisschen zu vorhersehbar. Aber es gibt viele Elemente, die mir richtig gut gefallen und super umgesetzt sind, und auch bemerkenswert viele Wendungen, die für mich tatsächlich überraschend kamen.
Feminismus ist ein sehr grundlegender Bestandteil der Handlung: Es gab eine Prophezeiung, nach der Frauen keine Waffen mehr tragen, geschweige denn wie früher zu Kriegerinnen ausgebildet werden dürfen. Freiheiten wie eigene Entscheidungen zu treffen wurden den Mädchen und Frauen weitestgehend entzogen. Die Männer – besonders die, die Krieger werden wollen – fanden Gefallen an diesem Machtverhältnis und tun nun alles dafür, dass sich daran nichts mehr ändert. Und dann spaziert eine junge (erwachsene, das finde ich wichtig für die „spicy“ Szenen) Frau herein, die seit Jahren heimlich mit einem Dolch trainiert, den sie eigentlich gar nicht haben dürfte, und mit einer Mischung aus Hochmut, Sturheit und Naivität verlangt, ausgebildet zu werden. Nicht zur Alchemistin wie ihre Schwester, sondern zur Kriegerin.
Ich habe eine Schwäche für Frauenfiguren in Büchern, die nicht auf den Mund gefallen sind und die wissen, was sie wollen. Deshalb mag ich die Reihe um Mercy Thompson von Patricia Briggs oder die Guild Codex-Reihen von Annette Marie so gern.
In Blood and Steel ist Thea aber angenehmerweise nicht die einzige Frau, die sich trotz dieses extrem patriarchalischen und für sie lebensfeindlichen Umfelds zu behaupten weiß. Auch ihre Schwester, Freundinnen und ihre Vorgesetzte halten mal mehr, mal weniger heimlich gegen diese Strukturen an. Wegen dieses Grundverständnisses von „unsere Welt wird von Männern regiert, aber das ist nicht unbedingt gut, es war längst nicht immer so und das kann sich auch wieder ändern“ hat es mir großen Spaß gemacht, Blood and Steel zu lesen.
Denn es wurde kein massiver Fokus auf romantisierte Details gelegt, die in mittelalterlich angehauchter Fantasy viel zu gern gerechtfertigt werden mit „das war damals eben so“ (In einer Fantasy-Welt? Bitte.), „Frauen können das einfach nicht“ oder „ja, ist nicht schön, aber das gehört irgendwie dazu“, wie wir sie in Game of Thrones zum Beispiel zu Genüge gesehen haben. Keine übertriebene und unnötige Nacktheit von Frauen, keine scheinbar selbstverständliche Aufgabenverteilung, ohne dass die betroffene Frau innerlich oder auch lauthals protestiert, keine Grenzüberschreitungen ohne zumindest eine Andeutung von Konsequenzen.
Stattdessen haben wir Verwundbarkeit auf allen Seiten, auch mal sensible Männer, Frauen, denen der Kragen platzt, und Männer, die den Kopf gewaschen bekommen, wenn sie sich unmöglich verhalten. Und das beste? Trotz alledem dreht sich Blood and Steel um starke Krieger, deren Muskeln bewundert, und starke Frauen, die für das geschätzt werden, was in ihren Köpfen passiert und nicht (nur) für ihre Körper. Es geht doch! (Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Es geht doch, wenn eine Frau schreibt.)
Blood and Steel wird beworben als „spicy Romantasy“. Spicy könnte man meiner Meinung nach weglassen, denn es gibt nur eine einzige explizite Szene. Dieses Label zu verwenden sorgt nur dafür, dass die eine Hälfte des Zielpublikums mehr erwartet und dann enttäuscht werden könnte, und die andere Hälfte das Buch gar nicht erst in die Hand nimmt, in der Erwartung, mit mehr Sex als erwünscht konfrontiert zu werden.
Was Blood and Steel stattdessen hat, ist eine tolle Slow Burn Romance mit jeder Menge Spannung: Will they, won’t they? Wie lange wird es bis dahin dauern? Wer macht den ersten Schritt? Und so viele kleine Momente, kleine Berührungen, die den Charakteren tagelang in Erinnerung bleiben und hinterfragt werden. Diese Spannung ist genau das, was den Reiz für mich ausmacht, und deshalb trifft Blood and Steel den Nagel genau auf den Kopf.
Auch andere Tropes werden bedient, die der Verlag ganz korrekt auflistet: Enemies to Lovers, Found Family, Who did this to you? und Forbidden Love. Besonders der Moment, in dem buchstäblich „Who did this to you?!“ (auf Deutsch: „Wer hat dir das angetan?!“) gefragt wird, ist sehr gut gelungen und bescherte mir Gänsehaut und ein breites Grinsen voller Vorfreude!
Die Idee, dass Dämonen in eine Welt einfallen und die Menschen händeringend versuchen, einen scheinbar ausweglosen Krieg doch noch in die richtige Richtung zu lenken, ist nicht neu. Spontan fallen mir hierzu die Dämonentochter-Reihe von Jennifer L. Armentrout, Ein Käfig aus Rache und Blut von Laura Labas oder Kingdoms of Smoke von Sally Green ein. Auch die Aufteilung der Königreiche (und teilweise ihre Namen, das war schon etwas auffällig nah an beispielsweise Fourth Wing von Rebecca Yarros) und einige Charaktere kamen mir bekannt vor. Einer erinnerte mich mehr als einmal an Gabriel aus Jay Kristoffs Das Reich der Vampire.
Trotz all dieser kaum verschleierten Ähnlichkeiten zu anderen Büchern ist Blood and Steel keine einfache Kopie. Ja, das Buch erfindet das Rad nicht neu, aber durch dieses starke Basiselement um Frauenrechte, auf dem alles andere aufbaut – das Worldbuilding genau wie die Charakterentwicklung -, ist es eben doch eine ganz eigene Geschichte. Es macht eben einen großen Unterschied, wenn ganz offen gezeigt wird, dass ein großer Teil der Bevölkerung zwar kämpfen könnte und es zum Teil auch unbedingt will, aber dem bewusst ein Riegel vorgeschoben wird – einfach nur, weil es Frauen sind. Dass Männer dem eigenen Überleben ganz bewusst Stolpersteine in den Weg legen, nur um an der Macht zu bleiben.
Ich hatte vorher 3 Bücher aus dem neuen Imprint Bramble von Droemer Knaur gelesen und alle waren okay: Nicht total schlecht, aber auch nicht überwältigend gut. Deshalb war ich vorsichtig skeptisch, als mir auffiel, aus welchem Verlag Blood and Steel stammt. Ich muss gestehen, dass ich innerlich schon fast mit Bramble abgeschlossen hatte, obwohl ich vorab so große Hoffnungen hatte – das Programm las sich wie für mich persönlich gemacht. Die Umsetzung war bei allen 3 Büchern das Problem für mich: sie waren inhaltlich interessant, doch das WIE hat mich zu sehr gestört, um wirklich Gefallen an den anderen Büchern zu finden.
Aber Blood and Steel lässt mich wieder auf richtig gute Bücher aus diesem Imprint hoffen – und das sagt wahrscheinlich mehr aus als der ganze Rest meiner Rezension. 🙂