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Liselottchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2026

Narben auf Körper und Seele

Unaufhaltsam ehrlich
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Sein älterer Bruder animiert den siebenjährigen Michael dazu, eine Feuerwerksrakete zu zünden. Dabei wird er schwerstverletzt. Anschließend verbringt er Monate im Krankenhaus und auf Reha, erfährt er schließlich, ...

Sein älterer Bruder animiert den siebenjährigen Michael dazu, eine Feuerwerksrakete zu zünden. Dabei wird er schwerstverletzt. Anschließend verbringt er Monate im Krankenhaus und auf Reha, erfährt er schließlich, dass seine Eltern ihn zur Adoption freigegeben haben. Er kommt bei liebevollen Pflegeeltern unter, dennoch kann er nie verwinden, dass seine Eltern ihn »weggegeben« haben. Als Erwachsener versteckt er die Narben unter seinem Hemd und zeigt sich niemals ohne. Durch die Begegnung mit seinem Professor an der der Uni, der ebenfalls Brandwunden allerdings auf Gesicht und Hals trägt, wird ihm bewusst, dass er keinen Grund hat, sich zu schämen. Und er beschließt, einen Dokumentarfilm über Menschen zu machen, die unter ihrem Äußeren leiden. Auch Madeleine meldet sich, die sich beide Brüste hat amputieren lassen müssen ...

Die Autorin hat hier ein bedeutendes Thema aufgegriffen, das mich in der Umsetzung leider nicht ganz abholen konnte. Es schien mir auch, dass sie ein Zuviel an Problemen hineingepackt hat, die jedoch dann für mich ein wenig an der Oberfläche blieben. So beispielsweise Drogen und Alkoholkonsum, Krankenhaus und lange Reha, Adoption, Altersunterschied in einer Beziehung, Krebserkrankung und einiges mehr. Spannend war das Gespräch mit einem 103-Jährigen, der bei der Olympiade 1936 gewonnen und Hitler die Hand geschüttelt hat, statt ihm ins Gesicht gespuckt zu haben. In einem späteren Kapitel wird in einem Nebensatz erwähnt, dass er gestorben ist. Genauso Michaels Liebe Madeline: Der Altersunterschied wurde öfter erwähnt als ihre tödliche Krebserkrankung.
Meine Lieblingsfigur war Professor Dunning, eine starke Persönlichkeit, der mit seinem Schicksal beneidenswert offen und positiv umgeht. Gut dargestellt fand ich auch Michaels (schreckliche) leibliche Familie und wie viel besser er sich abseits von ihnen entwickeln konnte.
Fazit: Eine Story, die wichtige Themen anspricht und zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Komplex aufgebauter Thriller mit einer Prise schwarzem Humor

Down Cemetery Road
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Sarah Tucker ist eine »gelangweilte Hausfrau«, verheiratet mit dem wohlhabenden Mark, hat jedoch keine Kinder. Von der Ehe ist der Lack ab, dennoch spielt sie die brave Gastgeberin auch mal für unliebsame ...

Sarah Tucker ist eine »gelangweilte Hausfrau«, verheiratet mit dem wohlhabenden Mark, hat jedoch keine Kinder. Von der Ehe ist der Lack ab, dennoch spielt sie die brave Gastgeberin auch mal für unliebsame Geschäftspartner ihres Mannes. Während ein potenzieller Partner von Mark mit seiner Freundin bei ihnen zu Gast ist, explodiert das Nachbarhaus, in dem eine alleinstehende Frau mit kleinem Kind wohnt. Das Kind überlebt, doch neben der Mutter kommt auch ein Mann ums Leben, der später als Ehemann der Frau identifiziert wird. Eigenartigerweise ist der Ehemann angeblich jedoch schon vor Jahren ums Leben gekommen. Und als Sarah das kleine Mädchen im Krankenhaus besuchen möchte, schient die Kleine wie vom Erdboden verschluckt zu sein und niemand will ihr Auskunft geben. Sarah erwacht aus ihrem »Hausfrauenschlaf« und beginnt Fragen zustellen, stellt sogar einen Privatermittler ein, der einiges an Merkwürdigkeiten zutage bringt. Doch ehe sie die Sache noch weiter verfolgen können, stirbt der Mann und die Polizei sieht in ihm einen Drogendealer. Als auch bei Sarah Drogen gefunden werden und ihr Mann sie mit Pillen ruhigstellen möchte, klingeln bei ihr sämtliche Alarmglocken ...

Der Roman war für mich schwierig zu lesen, ständig wechselnde Schauplätze, eine Menge an Personen und rätselhafte Szenen. Der Anfang hat mich gleich gefesselt, im ersten Kapitel wird ein Mensch gefangengehalten, das wurde so eindrücklich geschildert, dass ich fast selbst in der Zelle saß. Und der Einstieg des Geschäftsessens im zweiten Kapitel war mit herrlich viel schwarzem Humor gewürzt – leider verlor ich bald den Faden. Bis zur Mitte konnte ich keinerlei Zusammenhänge erfassen, erst danach gibt es einige Stränge, die mit einem »Aha« zusammengeführt werden. Zur Hauptperson Sarah fand ich keinen Zugang, sie lebt in den Tag hinein, hadert zeitweise mit ihrem Schicksal – gelangweilt trifft es. Dennoch kennt sie nicht einmal die Menschen in ihrer nächsten Nachbarschaft. Daher war es für mich nicht nachvollziehbar, dass sie sich plötzlich dafür interessiert, was aus dem kleinen Mädchen wird. Die anderen Personen agieren wie Statisten, sehr spät kommt Zoe (die Witwe des Detektivs) ins Spiel. Und dann auch Ex-Soldat Michael (da hatte ich endlich die Verbindung zum ersten Kapitel). Irgendwie fand ich zu der Geschichte nicht so den Draht, komplex und verworren – vermutlich müsste ich sie ein zweites Mal lesen, um wirklich sämtliche Zusammenhänge zu durchschauen. Der Schluss lässt einiges offen – was mich nachträglich nicht verwundert, da es offenbar eine Serie ist, die bereits verfilmt wurde. Leserinnen und Leser, die gern verwickelte Thriller haben, bei denen man miträtseln kann, werden an dieser Geschichte ihre Freude haben. Für mich war sie zu konfus.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Ein Suizid, der Wellen schlägt

Der unsichtbare Elefant
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Thomas Siebenmorgen, ein tüchtiger Anwalt, der für eine große Kanzlei arbeitet, springt vor den Augen einer Kollegin in den Tod. Im letzten Moment scheint er es sich anders zu überlegen, kann sich an einem ...

Thomas Siebenmorgen, ein tüchtiger Anwalt, der für eine große Kanzlei arbeitet, springt vor den Augen einer Kollegin in den Tod. Im letzten Moment scheint er es sich anders zu überlegen, kann sich an einem Kabelbinder festhalten, lässt jedoch letztlich los, ohne Hilfe anzunehmen. Marie beschäftigt das »Warum?«, genauso wie den Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams Viktor und den jungen ehrgeizigen Anwalt Simon, dessen Vater aus Ruanda stammt. Lediglich die Polizei ermittelt nicht, weil es ein eindeutiger Selbstmord war. Viktor, der mit Thomas zusammen in einer Grundschulklasse war, sucht die Eltern auf, um ihnen als Psychologe beizustehen, Simon soll innerhalb der großen Anwaltskanzlei Licht ins Dunkel bringen. Dazu spricht er mit den Kollegen und einem ehemaligen Kollegen, der Thomas Siebenmorgen ausgenutzt und mit Arbeit überhäuft hat. Und auch Maria lässt der Tod ihres Kollegen nicht los und sie durchsucht sein Büro nach Hinweisen.

Das Buch in ein Genre einzuordnen, ist mir nicht gelungen, vielleicht psychologische Gegenwartsliteratur. Der erste Teil hat mir sehr gut gefallen. Der Autor hat verschiedene Perspektiven in kurzen Kapiteln gewählt, sämtliche Beteiligte möchten der Sache auf den Grund gehen, warum Thomas Siebenmorgen in den Tod gesprungen ist. Dazu hätte er mehr als ein Motiv gehabt: ständige Überarbeitung, keinerlei Wertschätzung für seine Hingabe für den Beruf, das Übergehen bei der Beförderung, die drohende bevorstehende Kündigung und eine unglückliche Liebe. Stück für Stück wird entschlüsselt, wie oft Siebenmorgen ausgenützt, übergangen - ja sogar belächelt – wurde, auch die hohe Erwartungshaltung der Eltern wurde angerissen. Und genau hier begann für mich im zweiten Teil der Faden abzureißen: Die Story verliert sich in zahlreichen Nebensträngen, es erschien mir fast so, als wollte der Autor möglichst viele Themen hineinpacken. Immer mehr Nebenpersonen treten auf, ihre eigenen Hintergründe werden beleuchtet, die den Lesefluss hemmen und nichts zur Aufklärung des Falls beitragen. Gegen Ende gibt es beispielsweise ein Klassentreffen, bei dem man gefühlt die Geschichte jedes ehemaligen Klassenkameraden/in erfährt. Zumindest weiß ich nun, dass es in einer großen Anwaltskanzlei nicht gerade zimperlich zugeht und die Kollegen einander großteils egal sind, beziehungsweise als Rivalen gegenüberstehen. Hoffentlich trifft das nicht auf jede Kanzlei zu. Auch der historische Teil von Thomas‹ Großeltern und dass vergangene Traumata bei ihm nachgewirkt haben könnten, konnte mich nicht überzeugen. Der Schluss war versöhnlich doch für mich unbefriedigend, denn aufgelöst wurde nichts.
Der Schreibstil war flüssig lesbar, mir sind auch einige wunderbare Formulierungen aufgefallen, daher setze ich meine Bewertung in der Mitte an. Eine Leseempfehlung für all jene Leserinnen und Leser, die sich gern mit rätselhaften Fällen beschäftigen.

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Veröffentlicht am 13.11.2025

Viel Dramatik – sehr traurig

So nah wie der Himmel (Liebesroman)
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Aileen hat mit 10 Jahren ihren Vater durch einen tragischen Unfall während eines Ferienaufenthaltes in Bern verloren. Ihre Mutter zerbricht daran und lenkt sich mit viel Arbeit ab. Auch Aileen verarbeitet ...

Aileen hat mit 10 Jahren ihren Vater durch einen tragischen Unfall während eines Ferienaufenthaltes in Bern verloren. Ihre Mutter zerbricht daran und lenkt sich mit viel Arbeit ab. Auch Aileen verarbeitet das Geschehen nie, sie wird Reisereporterin und fährt ständig in der Welt herum. Ihre Freundin Melanie verschafft ihr einen Job ausgerechnet in Bern und sie kommt in einer netten Pension unter. Der Sohn der Besitzerin ist Maurice, der im Rollstuhl sitzt. Dennoch verlieben sie sich ineinander ...

Es fällt mir schwer, eine Bewertung für diesen Roman abzugeben, ich mag die Autorin und habe bis jetzt jedes Buch von ihr verschlungen. Bei dieser Story ist der Funke leider nicht übergesprungen. Die tiefe Melancholie war hier ständiger Begleiter und die zahlreichen negativen Begleitumstände haben mich dermaßen runtergezogen, dass ich öfter aufhören musste zu lesen.
Die Tragik, in so jungen Jahren den Vater zu verlieren, hätte mir gereicht. Die Liebesgeschichte zwischen Maurice und Aileen ist wieder sehr schön beschrieben, da sind wundervolle Begegnungen und Gespräche. Dennoch war mir zu viel Drama und Trauer: Die Großmutter stirbt, die Eltern sind kein Paar mehr, Maurice fasst einen folgenschweren Entschluss - mehr kann ich hier nicht preisgeben, ohne zu spoilern. Auch kann ich die Handlungsweise von Maurice und Aileen teilweise überhaupt nicht verstehen, sie verlieren viel Zeit dadurch. Und warum Maurice seinen Vorsatz (den ich hier nicht verraten kann), nicht um ein, zwei Monate hätte hinausschieben können, bis ein gewisses Ereignis stattgefunden hat, hat sich mir auch nicht erschlossen. Das Highlight in diesem Buch war Susie, die die durchweg traurige Stimmung wenigstens ein bisschen aufgelockert hat. Der Schluss ist zwar versöhnlicher, konnte für mich aber die Grundstimmung nicht retten und ließ mich nur halb befriedigt zurück.
Aus diesen Gründen war ich diesmal ein wenig enttäuscht. Der Schreibstil ist wie immer wunderbar, die hochemotionalen Szenen haben wieder zu Tränen gerührt, es war fesselnd zu lesen. Trotz allem freue ich mich schon auf das nächste Buch der Autorin.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Nachhilfeunterricht im »Sexy-Sein«

Touchdown fürs Herz
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Ruby lebte immer brav und angepasst, Musterschülerin, schlug nie über die Stränge und erlaubte sich niemals, die Regeln zu brechen. Nach einem unschönen Erlebnis hat sie mit Sex abgeschlossen und verbirgt ...

Ruby lebte immer brav und angepasst, Musterschülerin, schlug nie über die Stränge und erlaubte sich niemals, die Regeln zu brechen. Nach einem unschönen Erlebnis hat sie mit Sex abgeschlossen und verbirgt sich hinter der Maske des grauen Mäuschen. Ihr Beruf als Bibliothekarin trägt auch nicht dazu bei, dass sie Menschen kennenlernt. Als ihre Freundin Lauren ihr ein schlüpfriges Geburtstagsgeschenk macht, beschließt sie, ihr Leben zu ändern. Nur wie? Sie engagiert einen Escort, der ihr beibringen soll, wie sie auf Männer wirken kann. Doch es kommt zu einer Verwechslung: Griffin King, den sie aus ihrer Jugend kennt, kreuzt ihren Weg und als er von ihrem Problem hört, möchte er ihrem Sex-Appeal auf die Sprünge helfen ...

In die Geschichte kam ich schnell hinein, der Schreibstil ist locker und flüssig lesbar. Auch die Idee fand ich gut: gefeierter Footballstar und schüchterne Bibliothekarin. Leider konnte mich die Story nicht wirklich fesseln, es blieb alles ein wenig oberflächlich. Beispielsweise hatte Ruby eine Herztransplantation, lebt aber weitgehend unbeschwert. Es ist nicht von ärztlichen Kontrollen oder Medikamenten (sowie deren Nebenwirkungen) die Rede, erst am Schluss wird das am Rande gestreift. Griffins Charakter bleibt ein wenig blass, als ob die Autorin sich nicht entschließen könnte, ihn zum wirklichen Bad Boy zu machen. Auch den Bruderzwist konnte ich nicht nachvollziehen, ich hätte mir auch am Ende eine richtige Versöhnung der beiden gewünscht, nicht in zwei Nebensätzen abgehandelt.
Alles in allem eine nette Wohlfühlgeschichte, mit wenig Tiefgang, als Lektüre für zwischendurch zum Entspannen.
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