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Veröffentlicht am 17.05.2026

Es geht im Leben nicht darum, allen anderen zu gefallen

The Iced Caramel Coffee Agreement
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Im zweiten Band von Kyra Grohs Lower Whilby Reihe „The Iced Caramel Coffee Agreement“ dreht sich dieses Mal alles um das selbstlose Mauerblümchen Eleanore Morley und den jungen, aber verbrauchten Musiker ...

Im zweiten Band von Kyra Grohs Lower Whilby Reihe „The Iced Caramel Coffee Agreement“ dreht sich dieses Mal alles um das selbstlose Mauerblümchen Eleanore Morley und den jungen, aber verbrauchten Musiker Dex mit dem Bad Boy Image. Die Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden. Wer den Reihenauftakt bereits kennt, darf sich auf eine Wiederbegegnung mit alten Bekannten freuen. Das Hörbuch wird stimmungsvoll, der Atmosphäre des Textes entsprechend, gesprochen von Jesse Grimm und Sandra Voss.
Eleanore ist jedermanns Liebling in Lower Whilby, jedoch ohne dabei als Mensch mit eigenen Bedürfnissen wirklich gesehen zu werden. In der Liebe vollkommen unerfahren, möchte sie nun endlich auch als Frau wahrgenommen werden. Doch in dieser Hinsicht absolut naiv und blauäugig, benötigt sie dringend Unterstützung. Dass die Nachhilfe ausgerechnet in Person des ausgebrannten Musikers Dex Cartwright vor ihr steht, macht die Sache nicht einfacher. Schließlich ist Eleanore seit ihrer bisher ersten und einzigen kurzen Begegnung vor beinahe einem Jahrzehnt bis über beide Ohren in Dex verliebt und Dex steckt aktuell zweifelsfrei in einer persönlichen Krise.
Titel und Cover passen sehr gut zum ersten Band der Reihe, wirken aber in Bezug auf den Inhalt meiner Meinung nach wenig anschaulich.
Kyra Groh gelingt es erneut bildhaft die Kleinstadtatmosphäre sehr stimmig in Worte zu fassen. Kein Zweifel: Hier kennt jeder jeden, es wird fleißig ge- und verurteilt und die Nachbarn wissen mehr über dich als du selbst. Durch die wechselnde Ich-Perspektive aus (Elea)Nores und Dex‘ Sicht werden die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten sehr intensiv greifbar. Leider muss ich sagen, dass mich der Roman trotz des wirklich tollen Schreibstils nicht so recht abgeholt hat. Im ersten Band der Reihe hat Eleanore sich zu meiner Lieblingsfigur entwickelt – sympathisch, zuverlässig, loyal und ein kleinwenig frustriert in Liebesdingen. Genau das ist Nore auch, allerdings eher sehr frustriert, äußerst unsicher und mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet, das sich auf dem Niveau der Grasnarbe befindet. Mit diesen Eigenschaften abgestraft, zerfließt Nore über weite Teile des Romans in Selbstmitleid – im Hörbuch durch treffende Stimmmodulation ausgesprochen wirkungsvoll hervorgehoben. Glücklicherweise und eigentlich auch recht voraussehbar bekommt sie mit der Unterstützung von Dex und ihrer Freundin Jude doch noch die Kurve. So erkennt Nore schließlich, dass zunächst einmal sie selbst mit sich zufrieden sein, nicht jedem ihrer Mitmenschen alles recht machen und ihre eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und danach handeln muss. Zweifelsfrei wichtige Einsichten, die sie gewinnt. Dex wiederum ist trotz seines Rockstar-Images eigentlich ein sehr liebenswerter Kerl. Er nimmt sich Nore jedoch auch deswegen an, um seine eigenen Dämonen ein Stück weit zu verdrängen. In seinem Inneren leidet auch er vor sich hin, fühlt sich auf andere Weise ebenso unzulänglich wie Nore und es dauert eine ganze Weile ehe er einige der guten Ratschläge, die er ihr so fleißig erteilt auch selbst beherzigt. Dieses langanhaltende Klagelied der Protagonisten ist mir persönlich einfach ein bisschen zu viel – gerade für eine cozy small-town-romance – und lässt mich die Eigeninitiative auf beiden Seiten vermissen, um aktiv etwas zu ändern. Ein wenig irritiert hat mich beim Hören an einigen Stellen wie hart und zeitweise ungerecht James mit seinem Bruder Dex umgeht, gerade mit Bezug auf Nore.
Auch wenn der Roman bzw. das Hörbuch mich nicht völlig überzeugen konnte, beschert es durch den eindrücklichen Schreibstil doch eine angenehme Lesezeit und liefert mit vielen schrulligen Figuren und paradoxen Lebenseinstellungen, die aufeinandertreffen immer wieder Anlass zum Schmunzeln.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Humorvolle und spice gespickte Small-Town-Romance

The Pumpkin Spice Latte Disaster (Lower Whilby 1)
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„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ ist der Auftakt zu Kyra Grohs neuer Romanreihe „Lower Whilby“.
Seit acht Jahren führt ihr sprunghaftes Nomadenleben die inzwischen 26-jährige Jude kreuz und quer durch ...

„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ ist der Auftakt zu Kyra Grohs neuer Romanreihe „Lower Whilby“.
Seit acht Jahren führt ihr sprunghaftes Nomadenleben die inzwischen 26-jährige Jude kreuz und quer durch Europa. Nun ist die Musik-Podcasterin, Gelegenheitsjobberin und das schwarze Schaf der Familie für die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester zurückgekehrt in den verhassten Heimatort Lower Whilby. Zwar will Jude zunächst schnell wieder verschwinden, doch neben alten Vorurteilen trifft sie auf ein äußerst interessantes neues Gesicht: James, der mürrisch wirkende neue Besitzer des Cafés ist nicht nur äußerst attraktiv, sondern auch noch der Sohn zweier berühmt-berüchtigter Brit-Pop-Legenden. Leider stellt James sich quer, als Jude ihm Insider-Infos für ihren Pod-Cast entlocken will. Statt aufzugeben erhöht Jude jedoch nur ihren Einsatz. Als sie zur Aushilfe im Café anfängt kommen die beiden sich näher als ihnen lieb ist.
Das orangefarbene Cover ist herbstlich gestaltet und zeigt die beiden gesichtslosen Protagonisten. Voneinander durch den Titel und einen titelgebenden Pumpkin Spice Latte getrennt.
Das Hörbuch wird gelesen von Sarah Dorsel und Leonard Hohm. Im Großen und Ganzen konnte ich mich gut an die Stimmen gewöhnen, hätte mir Judes Stimme allerdings etwas lebhafter und impulsiver gewünscht und tue mich generell schwer mit Hörbuch-Dialogen, sodass James Bruder Joe in meinen Ohren eher wie ein müder alter Mann klang.
Kyra Groh beweist wieder einmal einen lebendigen und mitreißenden Schreibstil, der den Lesern die Protagonisten und ihre Gefühle sehr nah bringt. Durch die vielen inneren Monologe wurde die Diskrepanz zwischen Fühlen und Handeln, ebenso wie das Gefühlschaos von James und Jude sehr greifbar. Der Schlagabtausch zwischen den beiden ist oft ziemlich erheiternd. Lediglich der inflationäre Jugendsprachgebrauch von James Mitarbeiter und ein paar wenigen Längen schmälern den positiven Eindruck ein klein wenig. Die cosy Small-Town-Romance hat durchaus einige Spannungsfelder zu bieten. Zumal Judes Problemrucksack weit schwerer wiegt als der, in dem sie ihr Leben durch die Welt trägt. Neben traumatischen Jugenderinnerungen und einem stark getrübten Verhältnis zu ihrer Familie, die absolut kein Vertrauen in sie hat, ist Jude ausgesprochen chaotisch, mag oberflächliche Beziehung, scheut vor engen Bindungen jedoch zurück. James stellt als planvoller und strukturierter Mr. Grumpy einen enormen Kontrast zu ihr dar. Doch auch für sein gewähltes zurückgezogenes Leben hat seine Gründe. In der sich entwickelnden Nähe zwischen den beiden ist der Fokus meiner Meinung nach etwas zu sehr auf spice ausgerichtet – ein bisschen weniger spice und dafür mehr authentische Emotionen wären schön gewesen. Dabei zeigen sich in dem Roman eigentlich zwei recht tiefgründige Charaktere, obwohl mir beide Protagonisten nicht uneingeschränkt sympathisch sind. Neugierig geworden bin ich beim Hören auf jeden Fall auf Teil 2 der „Lower-Whilby“-Reihe in dem sich alles um die zuverlässige, allseits beliebte aber doch übersehene Eleanore und James‘ ziemlich verbitterten Bruder Dex (Joe) dreht. Auch wie es um die Ehe von Judes mustergültiger Schwester Olive steht, würde ich gern noch erfahren.
Insgesamt hat mir das knapp 14 stündige Hörbuch „The Spice Latte Disaster“ gut gefallen und mir eine humorvolle und angenehme Zeit beschert. Trotzdem gibt es für mich einige Bücher von Kyra Groh an denen ich weit mehr Gefallen gefunden habe.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Zwischen berührend und oberflächlich

Die verlassene Tochter
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„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen ...

„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen und lassen sich daher unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesen.
Als Rose nach dem Tod ihrer Mutter nicht weiß, wie ihr Leben weiter verlaufen soll, erhält sie überraschende Post aus Argentinien. Sie soll das Erbe einer ihr bis dato unbekannten vermögenden Urgroßmutter antreten, die ihre Tochter - Roses Großmutter – vor Jahrzehnten nach der Geburt in London zur Adoption freigab. Alles scheint mit dem rätselhaften Holzkästchen zusammenzuhängen, dass Rose zuvor aus einem ehemaligen Londoner Frauenhaus erhalten hat. In Argentinien angekommen verliebt sich Rose nicht nur in das Anwesen ihrer Urgroßmutter. Auch ein attraktiver Polospieler lässt ihr Herz schneller schlagen. Außerdem versucht Rose das Rätsel um die verstorbene Verwandte zu lösen. Aber eigentlich gehört sie nach London, dort sind ihr Zuhause und ihr Leben – oder vielleicht doch nicht?
Das Cover zeigt ein herrschaftliches weißes Wohnhaus inmitten üppiger Natur. Es passt zum Inhalt des Buches ohne wirklich etwas zu verraten.
Der Roman spielt, wie auch die weiteren Bücher der Reihe, auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart steht Rose im Mittelpunkt, die bei ihrer Recherche über die Urgroßmutter Valentina in Argentinien von Polospieler Benjamin unterstützt wird. In der vergangenen Zeitebene ist Valentina die zentrale Figur, deren Entwicklung vom verliebten Mädchen zur jungen Frau von tragischen Ereignissen überschattet wird. Gerade dieser vergangenen Zeitebene gibt Autorin Soraya Lane große emotionale Tiefe. Einige Erlebnisse Valentinas gehen richtig unter die Haut. Im Gegensatz dazu bleibt die Gegenwart in meinen Augen leider in jeder Hinsicht ziemlich flach und wirkt stellenweise sehr weit hergeholt, auch im Vergleich mit einigen anderen Romanen der Reihe. Spannung kommt ebenfalls vor allem in Valentinas Leben auf, denn wie sich die Gegenwart entwickelt ist, abgesehen von kleinen Überraschungen leicht zu erahnen. Alles andere wäre aber sicherlich auch enttäuschend.
Die Charaktere wirken insgesamt recht sympathisch, haben aber auch ihre Schwächen, was sie menschlicher macht. Manche bleiben leider etwas flach. Vor allem Jessica wirkt als Roses beste Freundin unheimlich liebenswert. Trotz ihres Lebens auf einem anderen Kontinent mit zwei kleinen Kindern, Mann und einem Job ist sie stets zur Stelle, wenn Jessica sie braucht. Eine solche Freundin kann man sich nur wünschen. Rose selbst stellt ihr Leben und vor allem ihren Job als Anwältin nach dem Tod von Großmutter und Mutter in Frage und wirkt sehr unentschlossen. Zwar scheint sie in London kaum engere Kontakte zu haben, aber sie hängt sehr an ihren Erinnerungen. Eigentlich wirkt Rose durchaus sympathisch, allerdings erfährt man abgesehen von ihrer Trauer bedauerlich wenig über Roses Gefühle und Zukunftspläne. Auch die Gespräche mit Benjamin bleiben recht oberflächlich, obwohl er Roses Leben ziemlich durcheinander wirbelt. Benjamin liebt sein Land und seine Familie. Er unterstützt Rose umsichtig bei ihrer Recherche, verhält sich mitunter allerdings auch durchaus dominant und nicht sonderlich offen. Sehr gefühlsbeladen und berührend ist dafür die Darstellung von Valentina. Bei all ihren Schicksalsschlägen leidet man beim Lesen regelrecht mit. Es stimmt mich ein wenig traurig, dass sie so hart kämpft, um dann doch „nur“ das Lebenswerk ihres geliebten Vaters fortzuführen statt ihr eigenes Leben zu leben und ihr Glück zu finden. Dennoch wirkt Valentina durchaus zufrieden. Einige ihrer Entscheidungen kann ich jedoch nicht recht nachvollziehen und hätte mir gewünscht ihre Beweggründe zu erfahren. Im Gegensatz zu Valentina stammt Felipe nicht aus einer reichen Familie, sodass die beiden ihre Liebe in ihrer Jugend zunächst geheim halten müssen. Trotz seiner liebevollen, etwas forschen Art bin ich durch seine übereilte Reaktion, die spätere Heimlichtuerei und Feigheit doch ein wenig enttäuscht vom ihm.
Insgesamt ist „Die verlassene Tochter“ ein durchaus lesenswerter Roman, der vor allem mit dem vergangenen Zeitebene punktet, dabei aber nicht ganz so überzeugen kann wie die Vorgängerromane.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Vor den goldenen Erinnerung steht jede Menge Grau

Memories So Golden Like Us (Blue Eternity 2)
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„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen ...

„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen gestaltet, in denen immer wieder Pinselstriche zu erkennen sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Farbschnitt, dem noch ein wenig lila beigemengt ist und der sich bedauerlicherweise nur über die Längsseite, nicht jedoch über Ober- und Unterseite erstreckt.
Seitdem ihr Bruder Sam vor einem Jahr gestorben ist, stürzt sich Künstlerin und It-Girl Blair mit Partys, Alkohol und Männern von einem Skandal in den nächsten. Als ihre Eltern ihr den Geldhahn zudrehen, ist sie gezwungen ihr Leben im fernen St. Ives neu zu ordnen. Sie soll endlich an einer neuen Bildreihe arbeiten, deren Malprozess filmisch begleitet wird. Doch es ist ausgerechnet Connor, Sams bester Freund, Blairs heimliche Liebe seit Teenagertagen und Freund ihrer ehemals besten Freundin, der nicht nur die Kamera führt, sondern über Wochen mit Blair unter einem Dach lebt.
Der Roman beinhaltet die Tropes Forced Proximity und Brother‘s Best Friend. Trauer(bewältigung), Body- & Slutshaming und mediale Macht, sowie Alkoholmissbrauch sind ebenfalls zentrale Themen des Romans. Autorin Gabriella Santos de Lima stellt in ihrem Buch sehr nahbar den emotionalen Aufruhr in der Gefühlswelt ihrer Protagonistin Blair dar. Die einzelnen Kapitel sind teils aus Blairs Sicht, teils aus Connors Sicht in Ich-Perspektive verfasst, sodass die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten ungefiltert aufgenommen werden. In Blairs Fall sind es zeitweise beinahe zu viele Emotionen, die völlig durcheinander und immer wieder auf’s Neue auf den Leser einprasseln. Insgesamt lässt sich der Roman sehr flüssig lesen, wobei sich die Handlung für meinen Geschmack an einigen Stellen ein wenig zu sehr in die Länge zieht – weil eben eigentlich gar nicht allzu viel geschieht. Durchbrochen wird die Handlung immer wieder von Artikeln der Boulevardpresse und entsprechenden Hasskommentaren der Leser. In der Art wie sehr viele Menschen sich profilieren, indem sie ohne jedes Hintergrundwissen über andere urteilen bzw. sie verurteilen wirkt diese Einschübe erschreckend authentisch. Blairs Unberechenbarkeit im Zusammenspiel mit ihrer Verurteilung in den Medien sorgt für ein gewisses Spannungsniveau.
Die 24-jährige Protagonistin Blair hat mit dem Tod ihres älteren Bruders den Halt im Leben vollkommen verloren. Ehemals privilegiert und sehr selbstbewusst, ist sie nun oft verunsichert und hypochondrisch. Mit jedem neuen Tag bringt ihr Handeln sie noch ein Stück näher an den Abgrund. Partys, Alkohol und Männer sind ihre Mittel mit dem Verlust umzugehen. Zwar erkennt Blair durchaus oft, wohin ihr Handeln sie führt, doch von ihrem Verstand lässt sie sich trotzdem kaum leiten. Unerklärlicherweise scheint aber auch ihre Familie sie nicht zu einer Therapie zu drängen. Während sie selbst ihr Leben zertrümmert, schlagen und treten Presse und Follower noch zusätzlich sinnbildlich auf die am Boden liegende Blair ein. Auch wenn Blair keineswegs sonderlich sympathisch erscheint – manchmal sogar ein wenig nervig und unreif - ruft die mediale Verurteilung absolute Abscheu hervor. Der eher introvertierte Connor bildet einen ziemlichen Gegensatz zur impulsiven Blair. Er ist die meiste Zeit ruhig und besonnen. Seine Mitmenschen können sich auf ihn verlassen. Doch auch er leidet nach dem Tod seines besten Freundes und seine Gefühle für Blair treiben ihn in eine Gewissensnot. Auch Blair ist seit ihren Teenagertagen heimlich in Connor verliebt, was die gemeinsamen Wochen unter einem Dach nicht eben leichter machen. Zwar öffnen sich die beiden einander nach und nach, doch Blairs Angst vor tiefgehenden Gefühlen und Connors Moralvorstellung stehen ihnen im Weg. Die Entwicklung ihrer Beziehung erscheint mir zunächst sehr stagnierend, um sich dann ziemlich abrupt zu verändern. So angenehm das Buch sich auch liest, springt der Funke hier doch nicht so ganz auf mich über.
Obwohl der Roman mich auf der Beziehungsebene der Charaktere nicht gänzlich überzeugt, ist er emotionsbeladen, lässt sich sehr angenehm lesen und spricht wichtige und hochaktuelle Themen an.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Kommerz vs. Nachhaltigkeit und jede Menge japanisches Flair

Das Kamelienhaus
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„Das Kamelienhaus“ ist der Auftakt zu Tabea Bachs „Kamelienhaus-Saga“ und knüpft mit der nächsten Generation an „Die Kamelien-Insel-Saga“ an.
Nach langen Jahren der Abwesenheit kehrt Lucy nach ihrer Ausbildung ...

„Das Kamelienhaus“ ist der Auftakt zu Tabea Bachs „Kamelienhaus-Saga“ und knüpft mit der nächsten Generation an „Die Kamelien-Insel-Saga“ an.
Nach langen Jahren der Abwesenheit kehrt Lucy nach ihrer Ausbildung und mit erster Berufserfahrung auf die Kamelieninsel zurück, um als zweite Geschäftsführerin in das Unternehmen ihrer Mutter Sylvia - das Kamelienhaus - einzusteigen. Als familiäre Umstände Sylvia an der geschäftlich so dringend notwendigen Japanreise hindern, springt Lucy kurzerhand ein. Nicht ahnend, dass die Reise zur Kamelienölmanufaktur ihr ganzes Leben verändern wird, denn sie verliert ihr Herz nicht nur an den sympathischen Finn, sondern auch an die beschauliche Insel Soshima und ihre Bewohner. Als sich ausgerechnet Finn als Vertreter eines Heuschrecken-Investors entpuppt, setzt Lucy alles daran das marode Unternehmen und damit die Insel zu retten.
Die wunderschöne Aufmachung des Romans fällt sofort ins Auge. Das Tiefrosa im spirituell anmutenden Farbschnitt und auf dem Umschlag erinnert an die Farbe einer bekannten Kamelienart. Im Zentrum des Cover erblickt man wie durch ein rundes Fenster die japanische Kamelieninsel – sehr passend denn schließlich handelt es sich hierbei um den zentralen Schauplatz des Romans.
Tabea Bach fasst den japanischen Geist mit enormer atmosphärischer Dichte in Worte. Obwohl ich noch nie in Japan war und mich bisher auch nicht sonderlich mit Land und Kultur auseinandergesetzt habe, konnte ich in diese andere Welt regelrecht abtauchen und habe unheimlich viel über das Land, die Menschen, Kultur und Traditionen erfahren. Leider ist das Verhältnis in meinen Augen allerdings nicht ganz ausgewogen, denn durch die intensiven Schilderungen kommt stellenweise die Handlung ein wenig zum Erliegen. Ein weiterer Kritikpunkt an einem Roman, dessen Lektüre ich insgesamt durchaus genossen habe, ist der etwas schleppende Start. Durch die vielen Personen, die bereits aus den „Kamelien-Insel“ Romanen bekannt bzw. mir leider unbekannt waren, musste ich häufig zur Personenübersicht zurückblättern, was meinen Lesefluss und die Freude im ersten Viertel des Buches doch ein wenig getrübt hat. Umso erfreulicher fand ich es, den Roman schließlich doch mit jeder Seite etwas mehr genießen zu können. Das Spannungsniveau ist überschaubar, was ich von der Autorin z. B. aus der großartigen „Rosenholzvilla-Saga“ durchaus anders gewohnt bin. Es gibt zwar einige dramatische Ereignisse, doch die meisten lösen sich vorhersehbar und unproblematisch in Wohlgefallen auf. Zwar zeigen die einzelnen Charaktere durchaus Kampfgeist, aber vieles fällt ihnen eben für meinen Geschmack doch etwas zu leicht in den Schoß und wirkt damit nicht unbedingt authentisch. Spannung ist hier also eher im Bereich der leichten Unterhaltungsliteratur gegeben, was ich zwar ein wenig überraschend, aber durchaus in Ordnung finde.
Viele Charaktere, allen voran Lucys Familie gehörten zur „Kamelien-Insel-Saga“, einige neue Figuren tauchen nur kurz in diesem Auftaktband auf und bekommen vermutlich erst in den Folgebänden eine größere Bühne. Als Protagonisten stehen Lucy und Finn im Mittelpunkt des Geschehens. Beide sind jung, ehrgeizig, großartig ausgebildet und haben sich Hals über Kopf ineinander verliebt. Doch obwohl Lucy ihre Gefühle für Finn nicht abstellen kann, büßt er bei ihr doch jegliche Sympathie ein, als sein beruflicher Auftrag klar wird. Während Finn seinem Auftraggeber durch den Kauf der Kamelienölmanufaktur den größtmöglichen Profit sichern soll, sucht Lucy nach einer nachhaltigen Lösung, um ökonomischen, ökologische und persönliche Interessen in Einklang zu bringen. Die Insel und ihre – liebenswert, aber etwas einfältig dargestellten Bewohner sind ihr innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen. Doch während sich in Japan deutlich ihr Gewissen zeigt, lässt sie es in der Heimat vor allem ihrer Mutter gegenüber mitunter ein wenig an Feingefühl mangeln und verfolgt eher egoistisch ihre Ziel. Dieser Gegensatz macht Lucy in meinen Augen zwar nicht sympathisch, aber zu einer interessanten und facettenreichen Protagonistin. Finn hingegen weiß, dass er bei Lucy nur eine Chance bekommt, wenn er sein Leben von Grund auf ändert. Ob dieses Wissen allerdings eine echte Änderung seiner inneren Einstellungen und Überzeugungen bewirken kann, bleibt abzuwarten.
Für Japanfreunde führt an „Das Kamelienhaus“ kaum ein Weg vorbei. Auch alle anderen Leser finden einen unterhaltsamen, toll geschrieben Roman vor, der meine zugebenermaßen recht hohen Erwartungen nicht gänzlich erfüllt, mir aber durchaus Lesefreude bereitet hat.

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