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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.07.2024

Luxus, Leidenschaft und ein tragisches Familiengeheimnis

Northern Sky (Rosenborg-Saga, Band 3)
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„Northern Sky“ ist der dritte und damit abschließende Teil der Rosenborg-Saga, in der Autorin Inga Schneider ihre Leser mitnimmt in die dänische High-Society. Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Teile ...

„Northern Sky“ ist der dritte und damit abschließende Teil der Rosenborg-Saga, in der Autorin Inga Schneider ihre Leser mitnimmt in die dänische High-Society. Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Teile kann man sofort und problemlos in das Leben des jüngsten Bjerregaard Sprosses Frederik und der Journalistin Camilla eintauchen.

Frederik Bjerregaards Leben gleicht einer Party: Feiern, Alkohol und Frauen bis zum Abwinken und bloß keine Verbindlichkeiten eingehen. Doch als er unerwartet Camilla, die beste Freundin seiner Zwillingschwester wiedertrifft und die Geschwister ihm gemeinsam mit dem verhassten Vater auch noch einen Job aufs Auge drücken wird Frederiks Lebenswandel gehörig durcheinander gewirbelt. Ob er Camilla, die als Journalistin einen Artikel über das Jubiläum des Rosenborg-Imperiums seiner Familie schreiben soll, wohl anvertrauen kann, was sein Innerstes bewegt?

Inga Schneider lässt das Geschehen dank ihres wunderbar flüssigen und detailverliebten Schreibstils beim Lesen sehr lebendig erscheinen. Über den Großteil des Romans ist es eine regelrechte Freude diese präzisen Beschreibungen zu genießen. Einige weniger handlungsrelevanten Textstellen hätten für meinen Geschmack aber auch etwas kürzer abgehandelt werden können. Erzählt wird der Roman in der 3. Person, wodurch der Leser deutliche Einblicke sowohl in Camillas, als auch Frederiks Gefühls- und Gedankenwelt erhält.
Das Cover lässt schon einen ersten Einblick in die gesellschaftlichen Dimensionen des Romans erahnen. Da es sich um den dritten Band einer Familiensaga handelt, fehlt mir hier jedoch ein wenig der Bezug zur Familie. Dennoch passt das Cover hervorragend zu den beiden Vorgängern.
Obwohl Frederik Bjerregaard nach außen hin den verwöhnten, lebenslustigen Sunnyboy verkörpert und einen luxuriösen und eher oberflächlichen Lebenswandel pflegt, gibt es in seinem Leben doch so einige wunde Punkte. Ganz oben anzuführen ist dabei seine zerrüttete Familie und das miserable Verhältnis zu seinem Vater. Frederik ist durchaus bereit alles auf’s Spiel zu setzen, um sich an seinem Vater zu rächen und ihn in den Abgrund stürzen zu sehen. Von diesen Gefühlen besessen, lässt er sich zu einer ebenso unbeherrschten wie ungerechten Reaktion hinreißen, die nicht leicht verzeihlich ist. Andererseits zeigt Frederik sich aber auch immer wieder ausgesprochen einfühlsam und nimmt die Stimmung in seinem Umfeld sehr feinfühlig wahr. Journalistin Camilla hat einen gewaltigen inneren Konflikt auszutragen: Um ihre Lebenshaltungskosten zu begleichen, muss sie im Leben der Bjerregaards einen Skandal aufstöbern und darüber berichten. Doch Louise Bjerregaard ist ihre beste Freundin und Frederik gerade dabei ihr Herz zu erobern. Gefangen zwischen dem Vertrauen ihrer Freunde und ihrer prekären Finanzlage trifft Camilla eine folgenschwere Entscheidung, die ein lange verschwiegenes Familiengeheimnis ans Licht bringt und auch ihr eigenes Glück gefährdet.
Der Roman startet sehr unterhaltsam und legt einen deutlichen Fokus auf das Verhältnis von Camilla und Frederik. Mit zunehmender Kontroverse zwischen Frederik und seinem Vater und der zugespitzten Situation für Camilla nimmt auch die Spannung zu. Bis kurz vor Schluss bleibt die Frage um Camillas möglicherweise hochexplosiven Artikel ebenso offen, wie der Familienzwist. Auch zwischen Frederik und Camilla wird es noch einmal spannend. Hinzu kommt, dass die Familiengeschichte einen gesellschaftlich sehr relevante Hintergrund hat und durch diesen folgenschwer beeinflusst wurde, sodass die Handlung zum Schluss noch einmal deutlich an Tiefgang gewinnt.
Northern Sky vereint in einem hervorragenden Schreibstil Luxus, Leidenschaft und Tiefgang miteinander. Zum Abschluss der Saga wird nun auch endlich das alles beherrschende Familiengeheimnis gelüftet.

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Veröffentlicht am 07.05.2024

Familiäre Mordermittlungen mit einem Hauch von Hollywood

Tödliche Tide in St. Peter-(M)Ording (St. Peter-Mording-Reihe 3)
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Mit dem Krimi TÖDLICHE TIDE IN ST. PETER-(M)ORDING ist bereits der dritte Band der St. Peter-(M)Ording-Reihe aus der Feder von Tanja Janz erschienen. Wer die ersten beiden Bände bereits kennt, ist schon ...

Mit dem Krimi TÖDLICHE TIDE IN ST. PETER-(M)ORDING ist bereits der dritte Band der St. Peter-(M)Ording-Reihe aus der Feder von Tanja Janz erschienen. Wer die ersten beiden Bände bereits kennt, ist schon bestens mit Schauplätzen und Charakteren vertraut. Die Lektüre des dritten Bandes ist jedoch auch ohne diese Kenntnisse problemlos möglich.

Der Inhalt:
Im sonst so beschaulichen Urlaubsparadies an der Nordsee herrscht Hollywood-Stimmung. Eine bekannte Krimiproduktion hat ihre Zelte in St. Peter Ording aufgeschlagen. Schon bald geht es drunter und drüber: Der bekannte Filmstar Titus Frank wird tot in der Sauna seines abgebrannten Ferienhauses aufgefunden. Doch während die Ursache schnell klar ist - es war Mord – verlaufen die Ermittlungen der beiden Gemeindepolizisten Ernie und Fred eher schleppend. Gut, dass Ernies Schwester Ilva und ihre Kollegin Ute sich beinahe ebenso eifrig in die Ermittlungen einmischen, wie Freds Vater Ede, seines Zeichens Kommissar a. D. aus dem tiefsten Gelsenkirchen. Trotz vereinter Bemühungen stoßen sie bei ihren Nachforschungen jedoch auf viele widersprüchliche Spuren.

Tanja Janz gelingt es mit ihrem Schreibstil die besondere Atmosphäre der Küstenregion sehr bildhaft darzustellen. In Anbetracht des sehr ansprechenden Covers hätte ich mir indes etwas mehr Witz erwartet. Spannend ist hingegen der Wechsel der Erzählperspektiven innerhalb des Krimis. Während Tanja Janz den Großteil ihres Romans aus Sicht eines neutralen Erzählers darstellt, gibt es immer wieder für kurze Sequenzen einen Wechsel zum Ich-Erzähler und damit ins Innerste des Mörders. Eine wirklich spannende Idee.
Trotzdem kommt die Handlung zunächst noch etwas schleppend in Gang. Ein möglicher Grund dafür sind die vielen, nahezu gleichermaßen bedeutsamen Figuren. Entgegen üblicher Lesegewohnheiten, darf man sich in diesem Krimi nicht auf einen Hauptcharakter bzw. eine Identifikationsfigur festlegen und diese Umstellung braucht ein wenig Zeit. Dabei hilft allerdings die Tatsache, dass die Charaktere durchweg sympathisch und überaus authentisch erscheinen, obwohl die Polizisten auf charmante Art ein wenig einfältig wirken und das eine oder andere Klischee bedient wurde. Auch der feste familiäre Zusammenhalt bei den Feddersens und den Glabotkis wirkt absolut natürlich und sehr gefällig. Überhaupt ist die Zusammenstellung der Ur-Nordfriesen und der Ruhrpottler äußerst gelungen. Die beiden Welten hätten allerdings ruhig noch ein wenig deutlicher aufeinanderprallen dürfen.
Mit einem gewaltigen Spannungsbogen kann dieser Krimi sicher nicht aufwarten. Trotzdem bleibt die Mördersuche bis zum Schluss spannend. Es gibt schließlich so einige heiße Spuren, die im wahrsten Sinne im Sande verlaufen.

Insgesamt wird meine Erwartungshaltung auf einen humorigen Krimi mit Nordseeflair zwar nur teilweise erfüllt, das Buch liefert aber zweifelsfrei unterhaltsam-leichtes Lesevergnügen mit teils ulkigen Figuren. Ein ideales Buch für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Humorvolle und spice gespickte Small-Town-Romance

The Pumpkin Spice Latte Disaster (Lower Whilby 1)
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„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ ist der Auftakt zu Kyra Grohs neuer Romanreihe „Lower Whilby“.
Seit acht Jahren führt ihr sprunghaftes Nomadenleben die inzwischen 26-jährige Jude kreuz und quer durch ...

„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ ist der Auftakt zu Kyra Grohs neuer Romanreihe „Lower Whilby“.
Seit acht Jahren führt ihr sprunghaftes Nomadenleben die inzwischen 26-jährige Jude kreuz und quer durch Europa. Nun ist die Musik-Podcasterin, Gelegenheitsjobberin und das schwarze Schaf der Familie für die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester zurückgekehrt in den verhassten Heimatort Lower Whilby. Zwar will Jude zunächst schnell wieder verschwinden, doch neben alten Vorurteilen trifft sie auf ein äußerst interessantes neues Gesicht: James, der mürrisch wirkende neue Besitzer des Cafés ist nicht nur äußerst attraktiv, sondern auch noch der Sohn zweier berühmt-berüchtigter Brit-Pop-Legenden. Leider stellt James sich quer, als Jude ihm Insider-Infos für ihren Pod-Cast entlocken will. Statt aufzugeben erhöht Jude jedoch nur ihren Einsatz. Als sie zur Aushilfe im Café anfängt kommen die beiden sich näher als ihnen lieb ist.
Das orangefarbene Cover ist herbstlich gestaltet und zeigt die beiden gesichtslosen Protagonisten. Voneinander durch den Titel und einen titelgebenden Pumpkin Spice Latte getrennt.
Das Hörbuch wird gelesen von Sarah Dorsel und Leonard Hohm. Im Großen und Ganzen konnte ich mich gut an die Stimmen gewöhnen, hätte mir Judes Stimme allerdings etwas lebhafter und impulsiver gewünscht und tue mich generell schwer mit Hörbuch-Dialogen, sodass James Bruder Joe in meinen Ohren eher wie ein müder alter Mann klang.
Kyra Groh beweist wieder einmal einen lebendigen und mitreißenden Schreibstil, der den Lesern die Protagonisten und ihre Gefühle sehr nah bringt. Durch die vielen inneren Monologe wurde die Diskrepanz zwischen Fühlen und Handeln, ebenso wie das Gefühlschaos von James und Jude sehr greifbar. Der Schlagabtausch zwischen den beiden ist oft ziemlich erheiternd. Lediglich der inflationäre Jugendsprachgebrauch von James Mitarbeiter und ein paar wenigen Längen schmälern den positiven Eindruck ein klein wenig. Die cosy Small-Town-Romance hat durchaus einige Spannungsfelder zu bieten. Zumal Judes Problemrucksack weit schwerer wiegt als der, in dem sie ihr Leben durch die Welt trägt. Neben traumatischen Jugenderinnerungen und einem stark getrübten Verhältnis zu ihrer Familie, die absolut kein Vertrauen in sie hat, ist Jude ausgesprochen chaotisch, mag oberflächliche Beziehung, scheut vor engen Bindungen jedoch zurück. James stellt als planvoller und strukturierter Mr. Grumpy einen enormen Kontrast zu ihr dar. Doch auch für sein gewähltes zurückgezogenes Leben hat seine Gründe. In der sich entwickelnden Nähe zwischen den beiden ist der Fokus meiner Meinung nach etwas zu sehr auf spice ausgerichtet – ein bisschen weniger spice und dafür mehr authentische Emotionen wären schön gewesen. Dabei zeigen sich in dem Roman eigentlich zwei recht tiefgründige Charaktere, obwohl mir beide Protagonisten nicht uneingeschränkt sympathisch sind. Neugierig geworden bin ich beim Hören auf jeden Fall auf Teil 2 der „Lower-Whilby“-Reihe in dem sich alles um die zuverlässige, allseits beliebte aber doch übersehene Eleanore und James‘ ziemlich verbitterten Bruder Dex (Joe) dreht. Auch wie es um die Ehe von Judes mustergültiger Schwester Olive steht, würde ich gern noch erfahren.
Insgesamt hat mir das knapp 14 stündige Hörbuch „The Spice Latte Disaster“ gut gefallen und mir eine humorvolle und angenehme Zeit beschert. Trotzdem gibt es für mich einige Bücher von Kyra Groh an denen ich weit mehr Gefallen gefunden habe.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Zwischen berührend und oberflächlich

Die verlassene Tochter
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„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen ...

„Die verlassene Tochter“ ist der sechste Teil aus Soraya Lanes „Die verlorenen Töchter“ Saga und spielt auf einer großen Estancia in Argentinien. Die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen und lassen sich daher unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesen.
Als Rose nach dem Tod ihrer Mutter nicht weiß, wie ihr Leben weiter verlaufen soll, erhält sie überraschende Post aus Argentinien. Sie soll das Erbe einer ihr bis dato unbekannten vermögenden Urgroßmutter antreten, die ihre Tochter - Roses Großmutter – vor Jahrzehnten nach der Geburt in London zur Adoption freigab. Alles scheint mit dem rätselhaften Holzkästchen zusammenzuhängen, dass Rose zuvor aus einem ehemaligen Londoner Frauenhaus erhalten hat. In Argentinien angekommen verliebt sich Rose nicht nur in das Anwesen ihrer Urgroßmutter. Auch ein attraktiver Polospieler lässt ihr Herz schneller schlagen. Außerdem versucht Rose das Rätsel um die verstorbene Verwandte zu lösen. Aber eigentlich gehört sie nach London, dort sind ihr Zuhause und ihr Leben – oder vielleicht doch nicht?
Das Cover zeigt ein herrschaftliches weißes Wohnhaus inmitten üppiger Natur. Es passt zum Inhalt des Buches ohne wirklich etwas zu verraten.
Der Roman spielt, wie auch die weiteren Bücher der Reihe, auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart steht Rose im Mittelpunkt, die bei ihrer Recherche über die Urgroßmutter Valentina in Argentinien von Polospieler Benjamin unterstützt wird. In der vergangenen Zeitebene ist Valentina die zentrale Figur, deren Entwicklung vom verliebten Mädchen zur jungen Frau von tragischen Ereignissen überschattet wird. Gerade dieser vergangenen Zeitebene gibt Autorin Soraya Lane große emotionale Tiefe. Einige Erlebnisse Valentinas gehen richtig unter die Haut. Im Gegensatz dazu bleibt die Gegenwart in meinen Augen leider in jeder Hinsicht ziemlich flach und wirkt stellenweise sehr weit hergeholt, auch im Vergleich mit einigen anderen Romanen der Reihe. Spannung kommt ebenfalls vor allem in Valentinas Leben auf, denn wie sich die Gegenwart entwickelt ist, abgesehen von kleinen Überraschungen leicht zu erahnen. Alles andere wäre aber sicherlich auch enttäuschend.
Die Charaktere wirken insgesamt recht sympathisch, haben aber auch ihre Schwächen, was sie menschlicher macht. Manche bleiben leider etwas flach. Vor allem Jessica wirkt als Roses beste Freundin unheimlich liebenswert. Trotz ihres Lebens auf einem anderen Kontinent mit zwei kleinen Kindern, Mann und einem Job ist sie stets zur Stelle, wenn Jessica sie braucht. Eine solche Freundin kann man sich nur wünschen. Rose selbst stellt ihr Leben und vor allem ihren Job als Anwältin nach dem Tod von Großmutter und Mutter in Frage und wirkt sehr unentschlossen. Zwar scheint sie in London kaum engere Kontakte zu haben, aber sie hängt sehr an ihren Erinnerungen. Eigentlich wirkt Rose durchaus sympathisch, allerdings erfährt man abgesehen von ihrer Trauer bedauerlich wenig über Roses Gefühle und Zukunftspläne. Auch die Gespräche mit Benjamin bleiben recht oberflächlich, obwohl er Roses Leben ziemlich durcheinander wirbelt. Benjamin liebt sein Land und seine Familie. Er unterstützt Rose umsichtig bei ihrer Recherche, verhält sich mitunter allerdings auch durchaus dominant und nicht sonderlich offen. Sehr gefühlsbeladen und berührend ist dafür die Darstellung von Valentina. Bei all ihren Schicksalsschlägen leidet man beim Lesen regelrecht mit. Es stimmt mich ein wenig traurig, dass sie so hart kämpft, um dann doch „nur“ das Lebenswerk ihres geliebten Vaters fortzuführen statt ihr eigenes Leben zu leben und ihr Glück zu finden. Dennoch wirkt Valentina durchaus zufrieden. Einige ihrer Entscheidungen kann ich jedoch nicht recht nachvollziehen und hätte mir gewünscht ihre Beweggründe zu erfahren. Im Gegensatz zu Valentina stammt Felipe nicht aus einer reichen Familie, sodass die beiden ihre Liebe in ihrer Jugend zunächst geheim halten müssen. Trotz seiner liebevollen, etwas forschen Art bin ich durch seine übereilte Reaktion, die spätere Heimlichtuerei und Feigheit doch ein wenig enttäuscht vom ihm.
Insgesamt ist „Die verlassene Tochter“ ein durchaus lesenswerter Roman, der vor allem mit dem vergangenen Zeitebene punktet, dabei aber nicht ganz so überzeugen kann wie die Vorgängerromane.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Vor den goldenen Erinnerung steht jede Menge Grau

Memories So Golden Like Us (Blue Eternity 2)
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„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen ...

„Memories So Golden Like Us“ ist der zweite Teil von Gabriella Santos de Limas „Blue Eternity-Reihe“, kann aber problemlos unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Das Cover ist in verschiedenen Goldtönen gestaltet, in denen immer wieder Pinselstriche zu erkennen sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Farbschnitt, dem noch ein wenig lila beigemengt ist und der sich bedauerlicherweise nur über die Längsseite, nicht jedoch über Ober- und Unterseite erstreckt.
Seitdem ihr Bruder Sam vor einem Jahr gestorben ist, stürzt sich Künstlerin und It-Girl Blair mit Partys, Alkohol und Männern von einem Skandal in den nächsten. Als ihre Eltern ihr den Geldhahn zudrehen, ist sie gezwungen ihr Leben im fernen St. Ives neu zu ordnen. Sie soll endlich an einer neuen Bildreihe arbeiten, deren Malprozess filmisch begleitet wird. Doch es ist ausgerechnet Connor, Sams bester Freund, Blairs heimliche Liebe seit Teenagertagen und Freund ihrer ehemals besten Freundin, der nicht nur die Kamera führt, sondern über Wochen mit Blair unter einem Dach lebt.
Der Roman beinhaltet die Tropes Forced Proximity und Brother‘s Best Friend. Trauer(bewältigung), Body- & Slutshaming und mediale Macht, sowie Alkoholmissbrauch sind ebenfalls zentrale Themen des Romans. Autorin Gabriella Santos de Lima stellt in ihrem Buch sehr nahbar den emotionalen Aufruhr in der Gefühlswelt ihrer Protagonistin Blair dar. Die einzelnen Kapitel sind teils aus Blairs Sicht, teils aus Connors Sicht in Ich-Perspektive verfasst, sodass die Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten ungefiltert aufgenommen werden. In Blairs Fall sind es zeitweise beinahe zu viele Emotionen, die völlig durcheinander und immer wieder auf’s Neue auf den Leser einprasseln. Insgesamt lässt sich der Roman sehr flüssig lesen, wobei sich die Handlung für meinen Geschmack an einigen Stellen ein wenig zu sehr in die Länge zieht – weil eben eigentlich gar nicht allzu viel geschieht. Durchbrochen wird die Handlung immer wieder von Artikeln der Boulevardpresse und entsprechenden Hasskommentaren der Leser. In der Art wie sehr viele Menschen sich profilieren, indem sie ohne jedes Hintergrundwissen über andere urteilen bzw. sie verurteilen wirkt diese Einschübe erschreckend authentisch. Blairs Unberechenbarkeit im Zusammenspiel mit ihrer Verurteilung in den Medien sorgt für ein gewisses Spannungsniveau.
Die 24-jährige Protagonistin Blair hat mit dem Tod ihres älteren Bruders den Halt im Leben vollkommen verloren. Ehemals privilegiert und sehr selbstbewusst, ist sie nun oft verunsichert und hypochondrisch. Mit jedem neuen Tag bringt ihr Handeln sie noch ein Stück näher an den Abgrund. Partys, Alkohol und Männer sind ihre Mittel mit dem Verlust umzugehen. Zwar erkennt Blair durchaus oft, wohin ihr Handeln sie führt, doch von ihrem Verstand lässt sie sich trotzdem kaum leiten. Unerklärlicherweise scheint aber auch ihre Familie sie nicht zu einer Therapie zu drängen. Während sie selbst ihr Leben zertrümmert, schlagen und treten Presse und Follower noch zusätzlich sinnbildlich auf die am Boden liegende Blair ein. Auch wenn Blair keineswegs sonderlich sympathisch erscheint – manchmal sogar ein wenig nervig und unreif - ruft die mediale Verurteilung absolute Abscheu hervor. Der eher introvertierte Connor bildet einen ziemlichen Gegensatz zur impulsiven Blair. Er ist die meiste Zeit ruhig und besonnen. Seine Mitmenschen können sich auf ihn verlassen. Doch auch er leidet nach dem Tod seines besten Freundes und seine Gefühle für Blair treiben ihn in eine Gewissensnot. Auch Blair ist seit ihren Teenagertagen heimlich in Connor verliebt, was die gemeinsamen Wochen unter einem Dach nicht eben leichter machen. Zwar öffnen sich die beiden einander nach und nach, doch Blairs Angst vor tiefgehenden Gefühlen und Connors Moralvorstellung stehen ihnen im Weg. Die Entwicklung ihrer Beziehung erscheint mir zunächst sehr stagnierend, um sich dann ziemlich abrupt zu verändern. So angenehm das Buch sich auch liest, springt der Funke hier doch nicht so ganz auf mich über.
Obwohl der Roman mich auf der Beziehungsebene der Charaktere nicht gänzlich überzeugt, ist er emotionsbeladen, lässt sich sehr angenehm lesen und spricht wichtige und hochaktuelle Themen an.

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