Düsterer historische Roman mit einem wahren Kern
Wer die Toten stört"Wer die Toten stört" ist ein Buch, das sich gar nicht so leicht in ein Genre einordnen lässt. Ist es eher ein historischer Roman, ein Medizinthriller oder eine queere Romance? Es ist auf jeden Fall ein ...
"Wer die Toten stört" ist ein Buch, das sich gar nicht so leicht in ein Genre einordnen lässt. Ist es eher ein historischer Roman, ein Medizinthriller oder eine queere Romance? Es ist auf jeden Fall ein kleines Überraschungspaket, das mich durchweg begeistert hat.
Darum geht's:
Etwas naiv startet James Willoughby in sein Medizinstudium im schottischen Edinburgh. Schnell wird klar: wenn er praktisches medizinisches Wissen erlangen will, muss er einen Platz an einer der chirurgischen Privatschulen ergattern. Doch James muss bald feststellen, dass hinter den Privatschulen ein düsteres und illegales Geschäft mit Leichen steht - und er sich wohl oder übel darauf einlassen muss.
Meinung:
Gleich von der ersten Seite an hat mich der Schreibstil in Bann gezogen. Gehoben und bildgewaltig entspricht er James' Herkunft und der damaligen Zeit und versetzt einen sofort ins Edinburgh des 19. Jahrhundert.
Der moralische Konflikt zwischen wissenschaftlichem Fortschrittsdrang und ethischen Bedenken der damaligen Zeit wird durch James' Augen eindrucksvoll dargestellt. Er macht eine erstaunliche Charakterentwicklung durch: vom naiven Sohn aus gutem Hause zu einem bodenständigem Mann, der seine familiären Fesseln abstreift und seinen eigenen Weg geht.
Nicht ganz unschuldig daran ist der Einfluss des wissenschaftlichen Assistentin Aneurin. Er ist zunächst eine etwas mysteriöse Figur, deren Hintergrundgeschichte sich nach und nach entfaltet.
Zwischen turbulenten Verfolgungsjagden mit der Polizei und hartem Konkurrenzkampf mit den berühmte berüchtigten Leichenräubern Burke und Hare erwächst zwischen James und Aneurin ein zartes Band, aus dem bald schon mehr wird. Diese Liebesgeschichte kam für mich ganz unerwartet und ist ein schöner Kontrast zur eher düsteren Leichenraub-Geschichte.
Fazit: gelungene Mischung aus historischer Fiktion und wahrem Verbrechen, mit vielschichtigen Figuren und einer unerwarteten Liebesgeschichte.