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Veröffentlicht am 15.12.2025

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Im Leben nebenan 
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Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni ...

Wie das eigene Leben wohl verlaufen wäre, wenn man an bestimmten Punkten eine andere Entscheidung getroffen hätte? Während diese Frage gewöhnlich rein hypothetisch bleibt, erwacht die Protagonistin Toni eines Tages plötzlich in einem Haus ihres Heimatdorfes anstatt in ihrer gewohnten Stadtwohnung. An ihrer Seite ist nicht ihr Freund Jakob, sondern ihre Jugendliebe Adam, und neben ihr liegt Hannah, offenbar ihr gemeinsames Baby.

Anne Sauer erzählt kapitelweise abwechselnd von Tonis Leben mit Jakob und der surrealen Situation, in der sich Toni (in diesen Kapiteln Antonia genannt) plötzlich als Mama und Ehefrau von Adam wiederfindet. Während sie als Antonia versucht, ihre Mutterrolle zu finden, unterzieht sich Toni einer Kinderwunschbehandlung, ohne sich wirklich sicher zu sein, ob sie tatsächlich ein Kind möchte oder lediglich versucht, den allgemeinen Erwartungen an sie als Frau gerecht zu werden.

Die Ausgangssituation klang sehr spannend, und so bin ich mit großer Neugier an das Hörbuch herangegangen. Leider konnte mich die Umsetzung der Idee durch die Autorin nicht überzeugen. Die Protagonistin bleibt mir in beiden Szenarien zu passiv und selbstbezogen, geradezu selbstmitleidig. Ich kann keine echte Entwicklung erkennen, und auch eine Kommunikation mit ihren Partnern findet quasi nicht statt. In Antonias Kapiteln geht es zudem großteils darum, dass sich die Protagonistin fragt, wie sie plötzlich in diese Lage geraten ist. Das ist zwar verständlich, hat jedoch mit der Realität nichts zu tun. Viel mehr hätte mich gereizt, darüber zu lesen, wie Toni bzw. Antonia mit den unterschiedlichen Herausforderungen als Mutter bzw. kinderlose Frau umgeht. Welche Chancen und Konfliktpotentiale bieten sich in den jeweiligen Situationen für Beruf, Partnerschaft, Freundschaften? Verläuft das alternative Leben als Mutter und Ehefrau so, wie es sich die kinderlose Toni vielleicht ausmalt, und umgekehrt? Diese Fragen kommen mir zu kurz und der Roman schöpft hier sein Potential leider bei weitem nicht aus.

Das Hörbuch wird von Chantal Busse mit sehr angenehmer Stimme und Geschwindigkeit eingesprochen. Es gelingt ihr gut, die Figuren zu verstimmlichen und ich habe ihr sehr gerne zugehört. Dass mich das Buch an sich nicht überzeugen konnte, lag keinesfalls an der Sprecherin.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Eher zäh und mit Schwächen in der Konstruktion

Das Geheimnis der weißen Weihnacht
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Da ich ein großer Fan der Kriminalromane von Agatha Christie, Josephine Tey und Dorothy L. Sayers bin und auch Gladys Mitchell immer wieder zu diesem Kreis gerechnet wird, war ich neugierig auf „Das Geheimnis ...

Da ich ein großer Fan der Kriminalromane von Agatha Christie, Josephine Tey und Dorothy L. Sayers bin und auch Gladys Mitchell immer wieder zu diesem Kreis gerechnet wird, war ich neugierig auf „Das Geheimnis der weißen Weihnacht“. Für mich war es der erste Roman der Autorin.

Hauptfigur ist die Psychiaterin Mrs Bradley, die wohl in mehreren von Mitchells Romanen ermittelt. Sie verbringt die Weihnachtstage bei ihrem Neffen und dessen Frau in den Cotswolds, wo die beiden seit kurzem ein Gut besitzen. Über die Feiertage werden einige Gäste erwartet. Es kommt zu merkwürdigen Vorfällen, anonyme Briefe tauchen auf, und nach einem heftigen Wintereinbruch gibt es einen Toten. Mrs Bradleys Neugier ist geweckt und sie beginnt, eigene Hypothesen aufzustellen und zu ermitteln.

So vielversprechend die Ausgangslage klingt, wurde ich mit diesem Krimi leider nicht warm. Die Figuren blieben blass und wenig greifbar, die Handlung drehte sich immer wieder im Kreis und wurde zusehends langatmiger, so dass es für mich eine eher zähe Lektüre war und die Spannung auf der Strecke blieb. Die ausgedehnten Beschreibungen von Landschaft, Spaziergängen und einer Treibjagd machten es nicht besser. Auch sprachlich konnte mich Mitchell nicht überzeugen, da sich einige Phrasen immer wieder wiederholen. Von der Leichtigkeit und dem feinen Humor einer Christie oder Sayers ist auch nichts zu spüren.

Ärgerlich fand ich, dass man als Leser:in über den genauen Wortlaut der anonymen Briefe im Dunkeln gelassen wird und so weniger Wissen hat als die Figuren im Buch. Man erfährt lediglich in vagen Andeutungen, worum es geht. Für mein Empfinden sind die Theorien, die Mrs Bradley im Buch verfolgt, teils recht abwegig und auch logisch widersprüchlich. Da der Roman um das Jahr 1950 spielen dürfte (definitiv nach dem Zweiten Weltkrieg), fragte ich mich auch, ob es damals in Bezug auf Gerichtsbarkeit, polizeiliche Ermittlungen, Testamentsvollstreckung und gewisse Rechtsgeschäfte tatsächlich in England so stümperhaft zuging, dass diese Theorien überhaupt eine realistische Grundlage gehabt haben könnten.

Konzeptionell kann Mitchell für mich nicht mit Christie und Sayers mithalten. Mir fehlen ein klarer roter Faden, Rafinesse und eine stringente Handlung. Auch nach Beendigung des Buches konnte mich der Fall in der Rückschau nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt

Protokoll eines Verschwindens
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Ich war gespannt auf dieses Buch, das auf einem wahren Fall basiert, und hatte mir eine sachliche Aufarbeitung des Falles, Einblicke in die Psyche des Täters, die Ermittlungsarbeit und auch den Gerichtsprozesses ...

Ich war gespannt auf dieses Buch, das auf einem wahren Fall basiert, und hatte mir eine sachliche Aufarbeitung des Falles, Einblicke in die Psyche des Täters, die Ermittlungsarbeit und auch den Gerichtsprozesses erwartet.

Der Autor setzt jedoch andere Schwerpunkte und schmückt diese für meinen Geschmack zu sehr mit persönlichen Vermutungen über die Gedanken und Empfindungen der Angehörigen aus. Generell halte ich eine Vermischung von Fakten und freien Ausschmückungen für problematisch, und ich habe mich mehrfach gefragt, was wohl die Angehörigen des Opfers dazu sagen, wenn sie dieses Buch lesen. Einige Passagen empfand ich diesbezüglich als sehr distanzlos. Auch der Schreibstil von Alexander Rupflin konnte mich nicht überzeugen, er wirkte übertrieben pathetisch, teilweise geradezu kitschig („Normalerweise liebte sie es, im OP zu stehen, wo jeder Handgriff mit der Exaktheit einer Atomuhr zu funktionieren hatte. Wo das Adrenalin einen in Rausch versetzte, sollte die Atomuhr doch einmal für eine Millisekunde aus dem Takt geraten. An diesem Ort, an dem sich alles konzentrierte auf den Herzschlag, auf das Leben selbst.“).

Am Interessantesten waren für mich die Gespräche, die Alexander Rupflin mit dem Täter im Gefängnis geführt hat und die einen Einblick in dessen Persönlichkeit erahnen ließen.

Insgesamt hat die Herangehensweise an diesen sehr interessanten und auch verstörenden Fall leider meine Erwartungen nicht erfüllt.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Leider Salvos schwächster Fall

Riccardino
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Ich kenne die Hörbücher um Commissario Salvo Montalbano seit vielen Jahren und schätze die oft ungewöhnlichen Kriminalfälle, vermischt mit dem sizilianischen Ambiente, sehr. Nach insgesamt 28 Bänden findet ...

Ich kenne die Hörbücher um Commissario Salvo Montalbano seit vielen Jahren und schätze die oft ungewöhnlichen Kriminalfälle, vermischt mit dem sizilianischen Ambiente, sehr. Nach insgesamt 28 Bänden findet die Reihe mit „Riccardino“ nun seinen Abschluss.

Montalbano wird im Morgengrauen von einem Anrufer geweckt, der sich mit „Riccadino“ meldet und ihn fragt, wo er denn bleibe. Der Commissario ist verärgert über die Störung, sagt, er komme gleich, und legt sich wieder schlafen, obwohl ihm klar ist, dass eine Verwechslung vorliegen muss, da er keinen Riccardino kennt. Nur wenig später ist Riccardino tot, und Montalbano hat einen neuen Fall…

Die Geschichte beginnt wie ein klassischer Fall der Reihe. Skurille Figuren wie eine exzentrische Wahrsagerin und ihr Liebhaber sorgen für Abwechslung und humorvolle Momente. Andrea Camilleri webt ein Netz aus Verstrickungen zwischen Mafia, Kirche, Kleinkriminellen und korrupten Politikern, und je weiter der Roman fortschreitet, desto gespannter bin ich, wie sich alles auflösen wird. Gleichzeitig wächst jedoch die Befürchtung, dass ich enttäuscht werden könnte, denn ich ahne, dass dieser Fall anders sein wird, als ich es vom Autor gewohnt bin, und ich das Ende unbefriedigend finden werde. Dies bewahrheitet sich leider: Zu vieles bleibt vage, die Geschichte zerfasert und wirkt über weite Strecken unglaubwürdig und unlogisch.

Ungewöhnlich ist ein schriftstellerischer Kniff, den Camilleri in diesem Roman anwendet: Er lässt einen „Autor“ zu Wort kommen, der als „Schöpfer“ von Montalbano in Erscheinung tritt und Montalbano in Zwiegespräche über die Lösung des Falles verwickelt. Diese Metaebene mag literarisch interessant sein, ich empfand sie allerdings als störend, da sie mich gedanklich immer wieder aus dem eigentlichen Fall herausgerissen hat. Zudem zerstört sie die Illusion der Geschichte, da man ständig damit konfrontiert wird, dass alle Figuren fiktiv und ein Konstrukt des Autors sind. Hinzu kommt, dass der Autor und Montalbano immer wieder betonen, dass sie des Schreibens bzw. Ermittelns müde sind, sie wirken kraftlos und resigniert. Diese deprimierende Grundstimmung übertrug sich beim Hören auf mich und zog mich emotional runter.

Sehr gut gefallen hat mir der Sprecher Hans Jürgen Stockerl, dessen angenehmer Stimme ich gerne zugehört habe. Er liest lebendig und unterhaltsam, und das Sprechtempo ist genau richtig.

Für mich ist „Riccardino“ leider der schwächste aller mir bekannten Montalbano-Fälle, und ich hätte mir für die Reihe einen anderen Abschluss gewünscht.

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Veröffentlicht am 07.06.2025

sehr skurrile Geschichte, mit der wir nicht warm wurden

Alpakas, Agate und mein neues Leben
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Simon ist 12 Jahre alt und zieht mit seinen Eltern, einem katholischen Diakon und einer Bestatterin, in das Örtchen Augen-zu-und-durch, Nebraska. Dieser Ort ist besonders, da er komplett abgeschirmt von ...

Simon ist 12 Jahre alt und zieht mit seinen Eltern, einem katholischen Diakon und einer Bestatterin, in das Örtchen Augen-zu-und-durch, Nebraska. Dieser Ort ist besonders, da er komplett abgeschirmt von jeglicher elektromagnetischer Strahlung ist, um Wissenschaftlern zu ermöglichen, über große Radioteleskope auf kleinste Signale aus dem Weltraum zu lauschen. Doch Simons Familie hat einen anderen Grund, an einen Ort zu ziehen, an dem es weder Radio noch Fernsehen, Internet oder Handys gibt. Welcher dies ist, kristallisiert sich erst im Laufe der Geschichte heraus: Simon ist der einzige Überlebende eines Amoklaufes an seiner früheren Schule. In Augen-zu-und-durch Freunde sich Simon mit der Autistin Agate und Kevin an, und zusammen hecken sie unter Agates Führung einen Plan aus, um ein Signal von Aliens aus dem Weltraum zu faken.

Der Klappentext und die Auszeichnungen in Amerika haben mich dazu bewogen, dieses Buch mit meinem Sohn (11) zu lesen, doch ich muss sagen, dass ich etwas völlig anderes erwartet hatte. Die Geschichte ich reichlich skurril und gleichzeitig für mein Empfinden sehr zäh. Auch wenn der ironische Erzählstil von Simon, der in der Ich-Perspektive die Erlebnisse schildert, durchaus humorvoll und unterhaltsam ist und so das Grundthema – Traumabewältigung – auf eine leichtere Ebene gehoben wird, konnten wir mit der Handlung leider nichts anfangen. Auch die Protagonisten blieben uns fremd. Die Altersangabe ab 11 Jahren empfinde ich als nicht ganz passend, ich würde eher Jugendlichen ab 13 Jahren als Zielgruppe sehen.

Man spürt an vielen Stellen stark, dass die Geschichte für den amerikanischen Markt geschrieben ist, und auch die zugrunde liegende Geschichte eines Amoklaufs an einer Schule ist in Deutschland glücklicherweise weit weniger wahrscheinlich. Leider geht diese Thematik nicht aus dem Klappentext hervor, sonst hätte ich das Buch erst gar nicht mit meinem Sohn gelesen, da ich beim ihm keine Ängste in diese Richtung wecken möchte.

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