Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
offline

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2025

Leider Salvos schwächster Fall

Riccardino
2

Ich kenne die Hörbücher um Commissario Salvo Montalbano seit vielen Jahren und schätze die oft ungewöhnlichen Kriminalfälle, vermischt mit dem sizilianischen Ambiente, sehr. Nach insgesamt 28 Bänden findet ...

Ich kenne die Hörbücher um Commissario Salvo Montalbano seit vielen Jahren und schätze die oft ungewöhnlichen Kriminalfälle, vermischt mit dem sizilianischen Ambiente, sehr. Nach insgesamt 28 Bänden findet die Reihe mit „Riccardino“ nun seinen Abschluss.

Montalbano wird im Morgengrauen von einem Anrufer geweckt, der sich mit „Riccadino“ meldet und ihn fragt, wo er denn bleibe. Der Commissario ist verärgert über die Störung, sagt, er komme gleich, und legt sich wieder schlafen, obwohl ihm klar ist, dass eine Verwechslung vorliegen muss, da er keinen Riccardino kennt. Nur wenig später ist Riccardino tot, und Montalbano hat einen neuen Fall…

Die Geschichte beginnt wie ein klassischer Fall der Reihe. Skurille Figuren wie eine exzentrische Wahrsagerin und ihr Liebhaber sorgen für Abwechslung und humorvolle Momente. Andrea Camilleri webt ein Netz aus Verstrickungen zwischen Mafia, Kirche, Kleinkriminellen und korrupten Politikern, und je weiter der Roman fortschreitet, desto gespannter bin ich, wie sich alles auflösen wird. Gleichzeitig wächst jedoch die Befürchtung, dass ich enttäuscht werden könnte, denn ich ahne, dass dieser Fall anders sein wird, als ich es vom Autor gewohnt bin, und ich das Ende unbefriedigend finden werde. Dies bewahrheitet sich leider: Zu vieles bleibt vage, die Geschichte zerfasert und wirkt über weite Strecken unglaubwürdig und unlogisch.

Ungewöhnlich ist ein schriftstellerischer Kniff, den Camilleri in diesem Roman anwendet: Er lässt einen „Autor“ zu Wort kommen, der als „Schöpfer“ von Montalbano in Erscheinung tritt und Montalbano in Zwiegespräche über die Lösung des Falles verwickelt. Diese Metaebene mag literarisch interessant sein, ich empfand sie allerdings als störend, da sie mich gedanklich immer wieder aus dem eigentlichen Fall herausgerissen hat. Zudem zerstört sie die Illusion der Geschichte, da man ständig damit konfrontiert wird, dass alle Figuren fiktiv und ein Konstrukt des Autors sind. Hinzu kommt, dass der Autor und Montalbano immer wieder betonen, dass sie des Schreibens bzw. Ermittelns müde sind, sie wirken kraftlos und resigniert. Diese deprimierende Grundstimmung übertrug sich beim Hören auf mich und zog mich emotional runter.

Sehr gut gefallen hat mir der Sprecher Hans Jürgen Stockerl, dessen angenehmer Stimme ich gerne zugehört habe. Er liest lebendig und unterhaltsam, und das Sprechtempo ist genau richtig.

Für mich ist „Riccardino“ leider der schwächste aller mir bekannten Montalbano-Fälle, und ich hätte mir für die Reihe einen anderen Abschluss gewünscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Sprecher
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 07.06.2025

sehr skurrile Geschichte, mit der wir nicht warm wurden

Alpakas, Agate und mein neues Leben
0

Simon ist 12 Jahre alt und zieht mit seinen Eltern, einem katholischen Diakon und einer Bestatterin, in das Örtchen Augen-zu-und-durch, Nebraska. Dieser Ort ist besonders, da er komplett abgeschirmt von ...

Simon ist 12 Jahre alt und zieht mit seinen Eltern, einem katholischen Diakon und einer Bestatterin, in das Örtchen Augen-zu-und-durch, Nebraska. Dieser Ort ist besonders, da er komplett abgeschirmt von jeglicher elektromagnetischer Strahlung ist, um Wissenschaftlern zu ermöglichen, über große Radioteleskope auf kleinste Signale aus dem Weltraum zu lauschen. Doch Simons Familie hat einen anderen Grund, an einen Ort zu ziehen, an dem es weder Radio noch Fernsehen, Internet oder Handys gibt. Welcher dies ist, kristallisiert sich erst im Laufe der Geschichte heraus: Simon ist der einzige Überlebende eines Amoklaufes an seiner früheren Schule. In Augen-zu-und-durch Freunde sich Simon mit der Autistin Agate und Kevin an, und zusammen hecken sie unter Agates Führung einen Plan aus, um ein Signal von Aliens aus dem Weltraum zu faken.

Der Klappentext und die Auszeichnungen in Amerika haben mich dazu bewogen, dieses Buch mit meinem Sohn (11) zu lesen, doch ich muss sagen, dass ich etwas völlig anderes erwartet hatte. Die Geschichte ich reichlich skurril und gleichzeitig für mein Empfinden sehr zäh. Auch wenn der ironische Erzählstil von Simon, der in der Ich-Perspektive die Erlebnisse schildert, durchaus humorvoll und unterhaltsam ist und so das Grundthema – Traumabewältigung – auf eine leichtere Ebene gehoben wird, konnten wir mit der Handlung leider nichts anfangen. Auch die Protagonisten blieben uns fremd. Die Altersangabe ab 11 Jahren empfinde ich als nicht ganz passend, ich würde eher Jugendlichen ab 13 Jahren als Zielgruppe sehen.

Man spürt an vielen Stellen stark, dass die Geschichte für den amerikanischen Markt geschrieben ist, und auch die zugrunde liegende Geschichte eines Amoklaufs an einer Schule ist in Deutschland glücklicherweise weit weniger wahrscheinlich. Leider geht diese Thematik nicht aus dem Klappentext hervor, sonst hätte ich das Buch erst gar nicht mit meinem Sohn gelesen, da ich beim ihm keine Ängste in diese Richtung wecken möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2025

zu vorhersehbar

Wut und Liebe
0

Nachdem mich bereits Martin Suters letzter Roman „Melody“ nicht recht überzeugen konnte, wollte ich „Wut und Liebe“ nochmal eine Chance geben. Der Plot liest sich vielversprechend: Noah ist ein junger ...

Nachdem mich bereits Martin Suters letzter Roman „Melody“ nicht recht überzeugen konnte, wollte ich „Wut und Liebe“ nochmal eine Chance geben. Der Plot liest sich vielversprechend: Noah ist ein junger erfolgloser Künstler, der mit seiner großen Liebe Camilla zusammenlebt. Diese hat jedoch die Nase voll von einem Leben, in den sie jeden Cent zweimal umdrehen müssen, und sie verlässt Noah, obwohl sie ihn liebt. Sie wünscht sich einen wohlhabenden Mann, der ihr das ersehnte sorgenfreie Leben bieten kann. Noah ist am Boden zerstört, trinkt in einer Kneipe, wo er eine ältere Dame namens Betty trifft, die ihm einen lukrativen, aber höchst kriminellen Deal vorschlägt…
Ich konnte zu keiner der handelnden Figuren eine Beziehung aufbauen. Noah wirkt arg bedürftig, wie er Camilla hinterherläuft, und Camilla ist konsequent, aber durch ihren Wunsch, sich von einem reichen Typen aushalten lassen zu wollen, sehr unsympathisch. Bei Betty hatte ich von Anfang an ein ungutes Gefühl, ihr Handeln war für mich sehr manipulativ und durchschaubar. Überhaupt hatte ich in der durchaus wendungsreichen Geschichte sehr schnell eine Idee, wie sich am Schluss alles auflösen würde, und ich behielt Recht. Da der Plot äußerst vorhersehbar war, kam bei mir keine echte Spannung auf, und alles plätscherte so vor sich hin. Zudem wirkte die gesamte Handlung sehr unecht und konstruiert. Wie auch in seinen weiteren Romanen beschreibt Suter gerne ausführlich diverse Mahlzeiten; darauf könnte ich gut verzichten. Sehr negativ fiel mir zudem wie schon bei „Melody“ der ständige Alkoholkonsum auf, das ist wirklich nicht mehr zeitgemäß und verharmlost Alkoholmissbrauch.
Auch stilistisch hat mich Suter nicht überzeugt. Der Roman ist literarisch gewohnt solide geschrieben, aber auch nicht mehr. Für mich war es wohl das letzte Buch dieses Autors.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2025

Viel Selbstdarstellung, wenig Innovatives

Natürlich Maria
1

Maria Groß kannte ich bisher nicht, aber Cover und Klappentext versprachen genau das, was mir wichtig ist: Einfache, alltagstaugliche und bodenständige Rezepte, mit unkomplizierten, regionalen Zutaten, ...

Maria Groß kannte ich bisher nicht, aber Cover und Klappentext versprachen genau das, was mir wichtig ist: Einfache, alltagstaugliche und bodenständige Rezepte, mit unkomplizierten, regionalen Zutaten, die zum Nachkochen und Genießen einladen.
In mancherlei Hinsicht trifft das auch auf dieses Kochbuch zu, und dennoch hat es meine Erwartungen nicht erfüllt. Gleich beim ersten Durchblättern fällt auf, dass ein Großteil des Buches der Person Maria Groß, ihrem Umfeld, ihrer Philosophie und dem Restaurant „Bachstelze“ gewidmet ist – viel Werbung in eigener Sache, Selbstinszenierung, die mir unangenehm auffällt und mich überhaupt nicht interessiert. Von einem Kochbuch erwarte ich mir vor allem ansprechend bebilderte, ausführlich beschriebene und innovative Rezepte. Viele ganz- oder doppelseitigen Fotos des reich bebilderten Buches drehen sich jedoch ausschließlich um die Autorin. Die außergewöhnlich vielen Bilder verteuern das Buch nicht nur auf stattliche 36 EUR, sondern tragen auch zu seinem sehr intensiven chemischen Geruch bei.
Nur bei wenigen Rezepten bekomme ich Lust diese nachzukochen, die meisten sprechen mich überhaupt nicht an. Viele sind mir zudem zu einfach gehalten, etwa Rindertartar, Blutwurst, Milchreis oder Eierkuchen. Diese sind so simpel, dass ich mich wirklich wundere, diese überhaupt im Buch einer ambitionierten Köchin wiederzufinden. Entsprechend fallen daher auch die Anleitungen aus. Etwas mehr Raffinesse hätte ich mir hier schon erwartet. Die Kartoffelklößchen klingen lecker, sind im Wesentlichen aber simple Gnocchi, die ich schon seit Jahren zubereite. Ausprobieren werde ich demnächst die Rosenkohlquiche, allerdings nicht mit Blätterteig (Maria verwendet TK-Fertigware), da ich diesen nicht mag, sondern klassisch mit Mürbteig.
Insgesamt finde ich leider nicht mehr als 3 oder 4 Rezepte, die mich wirklich ansprechen, und das ist zu wenig.
Ich hatte mir bodenständige Küche mit Pfiff erwartet und wurde leider enttäuscht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2025

Hatte mir deutlich mehr erwartet

Sommer ohne Plan
0

Cassi befindet sich in einer privaten Krise, hat ihren gutbezahlten Beruf als Restaurantmanagerin hingeworfen und alle Brücken hinter sich abgebrochen. Sie lebt in einer kleinen Kellerwohnung, weiß nichts ...

Cassi befindet sich in einer privaten Krise, hat ihren gutbezahlten Beruf als Restaurantmanagerin hingeworfen und alle Brücken hinter sich abgebrochen. Sie lebt in einer kleinen Kellerwohnung, weiß nichts mit sich und ihren Mitmenschen anzufangen, als sie durch Zufall auf eine Immobilienanzzeige für ein heruntergekommenes altes Haus auf dem Land aufmerksam wird. Kurzentschlossen kauft sie das Haus und zieht dort hin. Durch ein Missverständnis verbreitet sich im Dorf das Gerücht, dass Cassi eine Art Selbsthilfe-Guru ist und ihre Dienste in Sitzungen und Kursen anbietet. Nach der ersten Verwunderung erkennt Cassi die Möglichkeiten, die sich ihr dadurch bieten und spielt mit...

Ich hatte eine humorvolle, mit einem Augenzwinkern erzählte kurzweilige Geschichte erwartet. Leider haben sich meine Hoffnungen nicht erfüllt.  Cassi ist mir von Anfang an äußerst unsympathisch, sowohl was ihr altes, in Rückblenden beschriebenes Ich als Restaurantmanagerin angeht, als auch die neue Cassi im Dorf. War sie früher perfektionistisch, unerbittlich mit sich und anderen, wenig empathisch und bestimmend, so vegetiert sie jetzt ungewaschen vor sich hin, betrügt durch ihre angebliche Erfahrung als Selbsthilfecoach und zeigt noch immer wenig aufrichtiges Interesse an ihren Mitmenschen. Mit einer Ausnahme: Mit Pavel, einem alten Mann, der ihr handwerklich hilft, verbindet sie bald eine Freundschaft, in der Cassi auch selbstlos handeln kann.

Chassis Verhalten in Bezug auf ihrem vermeintlichen Esoterik-Kult und ihre ständiges Geschwafel auf Kalenderspruchniveau war mir selbst beim Lesen peinlich. Ich war eher verärgert als belustigt, und empfand die Geschichte nicht als humorvoll. Der versprochene Witz oder gar Situationskomik stellte sich für mich nicht ein, sondern eher Fremdscham für Cassi. Die Handlung war sehr schnell vorhersehbar, und ich war einfach nur erleichtert, als ich das Buch beendet hatte. Meinen Geschmack hat es leider überhaupt nicht getroffen, und auch das sprachliche und erzählerische Niveau empfand ich als sehr durchschnittlich.  Daher leider nur 2 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere