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Veröffentlicht am 15.12.2025

Düstere, atmosphärische Fantasy mit einigen Längen und zahlreichen Highlights

The Second Death of Locke
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In einer Welt, in der Magie nur noch als Zusammenspiel zwischen zwei Menschen existiert, ist Grey Flynn eine sogenannte Quelle: Sie verleiht einem Magier Macht, bezahlt dafür jedoch mit ihrer eigenen Kraft. ...

In einer Welt, in der Magie nur noch als Zusammenspiel zwischen zwei Menschen existiert, ist Grey Flynn eine sogenannte Quelle: Sie verleiht einem Magier Macht, bezahlt dafür jedoch mit ihrer eigenen Kraft. Seit Jahren steht sie Kier zur Seite, ihrem Beschützer und Magier. Als politische Intrigen, der drohende Verlust der Magie und das Geheimnis um die Insel Locke ihre Welt ins Wanken bringen, muss Grey sich entscheiden, wie viel sie noch bereit ist zu opfern - und wer sie eigentlich ist.

Wer "The Second Death of Locke" das erste Mal in den Händen hält, wird sicherlich ebenso begeistert wie ich von der tollen Aufmachung dieses Romans sein: Das Buch begeistert nicht nur mit einem wundervollen Wendecover, sondern auch noch mit detailreichen Inlays sowie einem zauberhaften Farbschnitt.

Doch auch inhaltlich hat der Roman - welcher erfrischenderweise ein eigenständiges, in sich abgeschlossenes Werk ist - einiges zu bieten. Die Autorin entführt den Leser in eine atmosphärische, düstere Fantasywelt, welche von Kriegen und einem mittelalterlichem Flair geprägt ist und in der Magie kein Geschenk, sondern stets mit einem Opfer verbunden ist. Der Einstieg gestaltet sich dabei als eher zurückhaltend und erfordert ein wenig Geduld seitens des Lesers, da einige Details lediglich angedeutet, nicht aber sofort erklärt werden. In Zusammenspiel mit einem feinen, einzigartigem Schreibstil sowie einem innovativem und hervorragend eingebundenem Magiesystem entsteht dadurch jedoch eine dichte, beinahe schwere Stimmung, die hervorragend zur Geschichte passt und den Leser in den Bann zieht. Trotz einiger Längen und seichten Momente lohnt es sich hier definitiv, dranzubleiben!

Im Mittelpunkt von "The Second Death of Locke" steht Grey Flynn, eine Protagonistin, die durch ihre Zurückhaltung und innere Zerrissenheit überzeugt. Sie ist es gewohnt, ihre eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und sich über ihre Funktion als Quelle zu definieren. Diese Selbstaufgabe wird an vielen Stellen deutlich, ist authentisch gezeichnet und wirkt teilweise fast schon schmerzhaft realistisch. Insgesamt wird Grey damit zu einer greifbaren und nahbaren Figur, welche im Zusammenspiel mit Kier eine entdramatisierte und realistische Beziehung zeichnet.

Wer Lust auf einen runden Fantasy-Einzelband mit einem gut ausgearbeiteten Magiesystem und Slow-Burn-Romance, die auch wirklich "slow" ist, hat, sollte sich dieses Buch unbedingt näher ansehen. Ich werde das nächste Buch der Autorin, welches im selben Universum spielt, mit Sicherheit auch lesen!
4,5/5 Sterne

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2025

Düster, atmosphärisch und anders als erwartet

House of the Beast
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Als uneheliche Tochter wächst Alma in bescheidenen Verhältnissen gemeinsam mit ihrer Mutter auf. Als diese erkrankt, ist Alma gewillt, alles zu tun, um sie zu retten. Auf den Spuren ihrer Vergangenheit ...

Als uneheliche Tochter wächst Alma in bescheidenen Verhältnissen gemeinsam mit ihrer Mutter auf. Als diese erkrankt, ist Alma gewillt, alles zu tun, um sie zu retten. Auf den Spuren ihrer Vergangenheit geht die junge Frau schließlich einen grausamen Handel mit den Averas, einem der mächtigsten Adelshäuser des Landes, ein: Sie tauscht ihren Arm und ihre Freiheit gegen die Gesundheit ihrer Mutter - bis diese schließlich dennoch stirbt. Gefangen auf dem Anwesen der Averas dürstet es Alma, unterstützt von einem grausamen Gott, nach Rache...

Wer "House of the Beast" zum ersten Mal aufschlägt, wird sicherlich begeistert von der wundervollen Gestaltung dieses Buches sein. Schnell wird hier deutlich, dass die Autorin auch als Illustratorin arbeitet. Immer wieder begegnen dem Lesenden kleine, liebevoll ausgewählte Zeichnungen.

Aber dieser Fantasy-Roman bietet so viel mehr: Bereits auf den ersten Seiten wird der Leser von einer dichten, atmosphärischen Stimmung umarmt, taucht schnell in die düsteren Ecken dieses Buches ab. Die Reise in Almas Welt beginnt mit einem kleinen Vorgeschmack auf ihre Zukunft bei den Averas, bevor man schließlich Stück für Stück in eine recht komplexe, fein ausgearbeitete Welt eingeführt wird. Aufgrund besagter Komplexität habe ich ein wenig gebraucht, bis ich vollends in "House of the Beast" angekommen bin. Und auch während des Lesens stieß ich manchmal auf Passagen, die ein bisschen Geduld erforderten - Dranbleiben lohnt sich aber an dieser Stelle.
Denn Michelle Wong hat hier eine unheimlich spannende Protagonistin ausgearbeitet, welche durchweg authentische, intensive Einblicke in ihr Sein ermöglicht. Alma ist absolut nicht perfekt, und genau das macht sie aus: Sie ist real, glaubwürdig und echt. Ihr Schmerz ist völlig nachvollziehbar, ihre Handlungen basieren auf einem festen Fundament. Und obwohl man eine genretypische Romance erwartet, wird Almas Entwicklung hier keineswegs davon überschattet. Der Fokus liegt hier definitiv auf den Figuren und dem Worldbuilding.

Wer Lust auf vielschichtige Buchcharaktere hat und einer düsteren, dunklen Atmosphäre mit teils recht bildhaften Schilderungen nicht abgeneigt ist, sollte sich dieses Buch näher ansehen.
4,5/5 Sterne

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2025

Gute Young-Adult-Fantasy, die hier und da ein paar Seiten mehr hätte vertragen können

House of Ash and Shadow - Die goldene Stadt 1
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Bereits als Säugling wird Fallon mit einem schrecklichen Fluch belegt: Sie kann niemals angefasst werden, ohne dabei furchtbare Schmerzen zu erleiden. Während einige sich einen Spaß daraus machen, ihr ...

Bereits als Säugling wird Fallon mit einem schrecklichen Fluch belegt: Sie kann niemals angefasst werden, ohne dabei furchtbare Schmerzen zu erleiden. Während einige sich einen Spaß daraus machen, ihr Haar und ihre Arme zu berühren, leiden Fallons Liebsten mit ihr: Selbst ihr Vater kann ihr niemals eine einzige, kurze Umarmung schenken. Und doch bedeutet dieser alles für sie. Als er eines Tages erkrankt und in Lebensgefahr schwebt, riskiert Fallon alles, um ihn zu retten und trifft dabei nicht nur auf den Heiler Ariyon, sondern auf düstere Gehemnisse, die ihr gesamtes Leben verändern werden...

"House of Ash and Shadow" beginnt mit einer emotionalen Szenerie, die den Leser sofort eine Verbindung zur Protagonistin Fallon spüren lässt und kurz darauf verdeutlicht, was für eine starke, mutige Figur sie ist. Binnen der ersten wenigen Seiten des Buches bin ich ein großer Fan von ihr geworden - und es letztendlich auch geblieben. Immer wieder wird deutlich, mit welchen Qualen Fallon tagtäglich leben muss. Und doch scheint es immer auch einen Funken Hoffnung und Zuversicht in ihrem Leben zu geben.
Ich habe mich sehr gefreut, dass in Leia Stones neuestem Roman auch andere Charaktere nicht zu kurz kommen. Ich mag es sehr, wenn Fantasy sich nicht ausschließlich auf Magie und spannende Gefechte konzentriert, sondern die menschliche und emotionale Komponente nicht außen vor lässt. Genau hier sehe ich auch die Stärke dieses Buches. Um Fallon herum gibt es zahlreiche weitere Figuren, die allesamt nicht nur als bloße Requisiten fungieren, sondern individuelle Persönlichkeiten haben und so das große Ganze hier vervollständigen. Ich bin mir sicher, dass vor allem ein unscheinbarer Begleiter Lesern genauso sehr ans Herz wachsen wird, wie mir!

Abgesehen von der Figurenentwicklung überzeugt die Autorin durch eine schnelllebige, flotte Geschichte. Es wird nie lange um den heißen Brei herumgeredet, vielmehr wird hier schnell und direkt auf den Punkt gekommen. Dazu trägt unter anderem auch der angenehme Schreibstil Stones bei, der jugendlich-locker wirkt und lebhafte Einblicke aus der Perspektive Fallons gewährt. Nichtsdestotrotz finde ich, dass einige Szenen ruhig ein paar Seiten mehr hätten vertragen können. Gerade zum Ende hin hatte ich ab und an das Gefühl, fast ein wenig zu sehr durch die Seiten geflogen zu sein. Für die eher jüngere Zielgruppe ab 14 Jahren dürfte das so wohl aber passen - typisch Young-Adult-Fantasy eben.

Ich bin mir sicher, dass dieses Buch nicht das letzte sein wird, welches ich von der Autorin lesen werde. Ich mag es sehr, wie hier Magie, starke Charaktere und ein begrenztes, aber durchdachtes Worldbuilding komprimiert werden und empfehle diese Lektüre jedem, der Lust auf einige kurzweilige, flotte und packende Lesestunden hat.
4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Fantastisches Worldbuilding und toller Schreibstil

These Ancient Flames 1: Awake
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Lange stärkten mächtige, uralte Drachen die magischen Bewohner Valtherras. Doch als diese vor vielen Jahren plötzlich verschwanden, begannen auch der Glaube an sie ebenso wie die magischen Kraftlinien ...

Lange stärkten mächtige, uralte Drachen die magischen Bewohner Valtherras. Doch als diese vor vielen Jahren plötzlich verschwanden, begannen auch der Glaube an sie ebenso wie die magischen Kraftlinien zunehmend ins Schwanken zu geraten. 100 Jahre nach dem Verschwinden der Drachen stehen die vier Kantone Valtherras kurz vor einem Krieg, als ausgerechnet Raven, der Sohn eines der Fürsten der Kantone, durch eine Warnung der verfeindeten Leibwächterin Meiling verhindert, dass ihr Clan hinterrücks angegriffen und womöglich ausgelöscht wird. Um weiteren Konflikten vorzubeugen, begeben sich die beiden auf eine gefährliche Suche nach den verschollenen Drachen. Aber kann Meiling dem anziehenden Raven wirklich vertrauen?

Als ich "These Ancient Flames" das erste Mal in der Hand gehalten habe, war ich sofort hin und weg von dem wundervollen, gold foliertem Cover und dem einzigartigen Farbschnitt, der ein verstecktes Muster offenbart, sobald man im Buch blättert. Einen solchen Farbschnitt habe ich bis dato noch nie gesehen - er macht einiges her. Abgerundet wird die Gestaltung durch eine Illustration der Hauptfiguren sowie einer Landkarte im Innenteil.

Letztere war für mich ein essentieller Teil des Lesens. Denn das Worldbuilding in diesem Buch ist durchaus komplex. Als Leser findet man sich in einer modernen, urbanen Welt wieder, welche um fantastische und altertümliche, ein wenig chinesisch angehauchte Elemente ergänzt wird. All das ist wunderbar durchdacht, hat stets einen roten Faden und bietet in Zusammenspiel mit dem Magiesystem, welches sich an magischen Kraftlinien orientiert, ein einzigartiges Leseerlebnis.

Ergänzt wird dieses durch einen geschliffenen Schreibstil der Autorin. Melanie Lane schreibt packend und gleichzeitig leichtherzig, setzt an den richtigen Stellen Schwerpunkte und lässt dabei einen gewissen Witz und Charme mit einfließen.

Dies lässt sich unter anderem in der Protagonistin Meiling (oder "Mei") wiederfinden. Mei überzeugt durch ihre starke Werte und Motivationen, ist aufmerksam, kämpferisch, manchmal ein wenig draufgängerisch, und doch auf ihre eigene Art und Weise charmant. Auch Raven hat seine Ecken und Kanten, scheint zunächst ganz wie der typische "Bad Boy", hat dennoch realistische, fassbare Beweggründe.
Beide Protagonisten für sich wären sicherlich volle fünf Sterne wert. Das Zusammenspiel der beiden erschien mir in den ersten Kapiteln aber ein wenig übertrieben: Gleich bei der ersten Begegnung besteht eine unerklärliche Spannung zwischen den beiden, Mei ist stets unheimlich wütend über Raven. Ich hätte mir gewünscht, dass sich diese Emotionen ein wenig länger angebahnt oder zumindest auf einer soliden Grundlage gefußt hätten. Zum Glück verlief sich dieses Problem im Laufe des Buches ebenso schnell, wie einige Längen im Mittelteil des Buches.

Insgesamt bin ich vor allem überzeugt vom wunderbaren Worldbuilding überzeugt worden. Hier stimmt für mich wirklich alles, sodass etwaige Schwächen des Romantasy-Romance in den Hintergrund treten.
4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Feministisches "Game of Thrones" mit keltischem Einschlag

A Fate Forged in Fire – Aus Flammen geboren
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Einst erblühte das Königreich Tìr Teine im Süden Erisocias in voller Pracht. Das Matriarchat verhalf Tìr Teines Drachen zu einzigartiger Stärke und das Feuer des Reiches brannte lichterloh. Doch seitdem ...

Einst erblühte das Königreich Tìr Teine im Süden Erisocias in voller Pracht. Das Matriarchat verhalf Tìr Teines Drachen zu einzigartiger Stärke und das Feuer des Reiches brannte lichterloh. Doch seitdem es vor Jahrzehnten in die Hände von Männern fiel, wird alles Magische zunehmend verteufelt, die Drachen von Tìr Teine stehen kurz vor dem Aussterben. Als nach langer Zeit die junge Aemyra das Licht der Welt erblickt, verspricht ihre unbändige, mächtige Feuermagie erstmals wieder Hoffnung. Aber der Weg zum Thron und zur Regentschaft ist von zahlreichen Hindernissen und Gefahren gesäumt...

Nach einem Blick auf das Cover sowie die umfassende Karte im Innenteil habe ich zunächst mit orientalisch, südländisch angehauchter Fantasy gerechnet. Bereits auf den ersten Seiten wurde ich dann allerdings eines Besseren belehrt: "A Fate Forged in Fire" besticht durch einen keltisch geprägten Einschlag. Das Setting entspricht einer mittelalterlichen Szenerie und wird durch gälisch klingende Namen sowie einzelne Vokabeln aus dieser Sprachgruppe ergänzt. Was im ersten Moment vielleicht ein wenig befremdlich wirkt (gerade die verschlungenen Namen haben es mir zunächst schwer gemacht), trägt im Verlauf des Buches gerade dazu bei, eine atmosphärische Szenerie zu schaffen. Und an die schwierigen Namen hat man sich auch schnell gewöhnt. Schon bald hatte mich so das Worldbuilding Erisocias schnell für sich vereinnahmt. Ich bin begeistert davon, wie gut durchdacht der Weltenaufbau hier ist, wie er über den Schauplatz Tìr Teines hinausgeht und weitere Königreiche sowie deren Geschichten thematisiert.
In Kombination mit der umfassenden, detaillierten und oft auch überraschenden Storyline, die neben dem Streben nach Macht unter anderem auch matriarchale (bzw. in der Zeit, in welcher die Handlung spielt, vor allem aufkommende patriarchale) Strukturen, Religion, majestätische Drachen und prickelnde Enemies-to-Lovers beinhaltet, habe ich mich so oft an "Game of Thrones" und das dazugehörige Prequel erinnert gefühlt. Und das ausschließlich positiv - obgleich "Game of Thrones" ja doch eine Hausnummer ist. Aber der Umfang, die Detailverliebtheit - ohne überladen oder gar langweilig zu wirken - und die spannenden oder überraschenden Wendungen haben Worldbuilding und Storyline für mich zu einem echten Highlight gemacht.

Wäre da bloß nicht die etwas gewöhnungsbedürftige Protagonistin Aemyra gewesen. Denn diese empfand ich unheimlich oft als arrogant und naiv. Passend zu den angepriesenen matriarchalen Strukturen hätte ich mir so sehr gewünscht, eine besonnene, starke und ehrliche aufstrebende Herrscherin anzutreffen. Aemyra hatte zwar ihre Ecken und Kanten, was ich grundsätzlich für die Figurenentwicklung als sehr positiv empfinde, handelte darüber hinaus allerdings erschreckend häufig nicht ganz durchdacht. Immer wieder erschien es mir, als würde ihre gesamte Persönlichkeit nur auf ihrer Machtposition beruhen.

Insgesamt empfinde ich "A Fate Forged in Fire" allerdings als einen guten Dilogieauftakt und werde den nächsten Band sicherlich im Auge behalten. Diese Welt hat einfach unheimlich viel Potential - möglicherweise folgt ja bald eine weitere Buchreihe, die in Erisocia spielt?
4,5/5 Sterne

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