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Veröffentlicht am 29.10.2018

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Allmen und die Erotik
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INHALTSANGABE ZU „ALLMEN UND DIE EROTIK“
Nicht nur Gefällig-Harmloses lässt sich in edles Porzellan gießen, sondern auch Deftig-Anzügliches in vollendeter Kunst. Allmen und Carlos geraten an einen geheimen ...

INHALTSANGABE ZU „ALLMEN UND DIE EROTIK“
Nicht nur Gefällig-Harmloses lässt sich in edles Porzellan gießen, sondern auch Deftig-Anzügliches in vollendeter Kunst. Allmen und Carlos geraten an einen geheimen Schatz wertvoller Porzellanfigürchen für Liebhaber der expliziten erotischen Darstellung. Ein Fall, der sie gehörig ins Schwitzen bringt. Denn sie ermitteln nicht ganz freiwillig. Ein erpresserischer Komplize hat sie in der Hand.

REZENSION:
ZUM INHALT
„Allmen und die Erotik“ von Martin Suter ist der fünfte Band um Johann Friedrich von Allmen und dessen Firma. Allmen International Inquiries ist eine Agentur, die sich mit der Wiederbeschaffung wertvoller Kunstgegenstände befasst. Carlos, sein Diener/Hausmeister/Bodyguard ist inzwischen zum Teilhaber geworden. Weil die große Villa inzwischen verkauft werden musste, wohnen die beiden Männer zusammen mit Maria in dem dazugehörigen Gartenhäuschen.

Ich freue mich jedes mal auf das Dreier Ensemble Allmen, Carlos und Maria. Die drei sind wie ein gut funktionierendes Zahnrad und entfalten ihre Cleverness, ihr Können bzw. ihre Kunst nur dann, wenn alle Faktoren zusammenwirken können. Dann übernimmt jeder seinen Part.

Allmen hat den Charme, das Charisma und den Kunstverstand. Carlos ist der profane Aufpasser und geheime Financier. Er verhandelt die Preise, beschützt Allmen und ist sein soziales Netz, wenn Allmen mal wieder pleite ist. Das passiert öfter, weil ihm das Geld zwischen den Fingern durchrieselt. Und die resolute Maria sorgt dafür, dass alles seinen geordneten Gang nimmt.

Dieses trifft es Allmen schwer! Er wird erpresst und bringt auch Carlos und Maria in eine bedrohliche Lage.

Tja und dann ist da noch die Liebe. Er verliebt sich, ohne erhört zu werden. Aber es kommt noch schlimmer!

Kurz und gut, es ist wieder ein richtiger Allmen.

4/5 Punkten

SPRACHLICHE GESTALTUNG
Martin Suter gelingt es, den Lebemann Allmen, trotz seiner chronischen Geldnot, und seinem Festhalten an einem Lebensstil, den er sich nur leisten kann, weil Carlos und Maria sehr sparsam sind und ihn letztendlich finanzieren, so charmant und sympathisch darzustellen, dass man gerne mit ihm befreundet wäre.

Es ist leichte Lektüre mit viel Humor und Ironie. Das Buch nimmt ein überraschendes Ende.

5/5 Punkten

COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
Allmen und die Erotik
Martin Suter Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.09.2018
ISBN 9783257070330
Genre: Krimi und Thriller

Das Cover ist von Christoph Niemann.

»Christoph Niemann hat den schönsten Strich unserer Zeit – seine Zeichnungen und Aquarelle haben eine subtile Leichtigkeit, einen Schalk und eine poetische Qualität, die ihresgleichen suchen. Sie sind dekorativ und gleichzeitig narrativ.«


Jeroen van Rooijen / Bellevue NZZ, Zürich
5/5 Punkten

GIBT ES EIN HÖRBUCH?
Ja! „Allmen und die Erotik“ wird, wie schon die vorigen Bücher aus der Allmen Reihe von Gert Heidenreich gesprochen.

Gelesen von: Gert Heidenreich
Verlag: Diogenes Verlag
Erschienen: 26. Sep. 2018
Sprache: Deutsch
Spieldauer: 5 Std. 47 Min.
Format: MP3 128 kbit/s
Download: 338,7 MB (83 Tracks)

Auch verfügbar bei Audible und Claudio.

PLAYLIST ZU MARTIN SUTER AUF YOUTUBE
Hörprobe
Martin Suter bei Frank Elstner Menschen
Martin Suter bei Markus Lanz am 12.09.18

Mehr auf Connies Schreibblogg

DIE ALLMENREIHE WIRD SEIT 2016 VON DER ARD VERFILMT.
Die ersten zwei Folgen sind abgedreht und wurden Anfang 2017 ausgestrahlt. Der dritte Band wird gerade gedreht.

Ich habe mir diese Woche den ersten Film der Serie angeschaut – Rezension folgt.

DIE ALLMEN REIHE – ERSCHIENEN BEI DIOGENES
„Allmen und die Libellen“ 2012
„Allmen und der rosa Diamant“ 2013
„Allmen und die Dahlien“ 2014
„Allmen und die verschwundene Maria“ 2015
„Allmen und die Erotik“ 2018

FAZIT
Allmen macht einfach Spaß. Martin Suter hat den Charakter mit Charme, Witz, aber auch Melancholie und Sehnsucht ausgestattet. Und genau diese Sehnsucht nach der „reinen Liebe“, nach Wahrheit und vielleicht auch ein wenig Glück lässt Allmens Deckung fallen. Doch genau deswegen liebe ich die Allmen Reihe. Er ist ein Pechvogel, den der Leser gerne beschützen würde. Gleichzeitig möchte man ihn an seinen Ohren ziehen, weil er kein Fettnäpfchen auslässt und sich immer wieder in Gefahr bringt.

@Diogenes
Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Zum Bericht über das diesjährige Bloggertreffen. Frankfurter Buchmesse 2018.


Ich vergebe insgesamt 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 11.08.2018

Cool!

Ganymed Erwacht
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„GANYMED ERWACHT“ VON JOSHUA TREE
2. ZUM INHALT
Joshua Tree greift in „Ganymed erwacht“ die Forschung um den äußersten Planeten unseres Sonnensystems auf. Schon seit 2016 sucht die Wissenschaft nach diesem ...

„GANYMED ERWACHT“ VON JOSHUA TREE
2. ZUM INHALT
Joshua Tree greift in „Ganymed erwacht“ die Forschung um den äußersten Planeten unseres Sonnensystems auf. Schon seit 2016 sucht die Wissenschaft nach diesem neunten Planeten, der bislang nur aufgrund des Verhaltens anderer Objekte in diesem Bereich (Kuipergürtel), vermutet wird.

Der erste Teil der Ganymed Reihe spielt im Jahre 2058, also vierzig Jahre später als heute. Die Erde hat sich in diesen Jahren sehr verändert. Vier große Pharmakonzern teilen die Macht in einem ständig währenden Kampf unter sich auf. Eine Staatenstruktur, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Großstädte sind zu Molochen verkommen. Private Sicherheitsfirmen, die von den „großen Vier“ finanziert werden, haben die Exekutive übernommen. Einen Rechtsstaat kann man darin nicht erkennen, sondern nur Machtmissbrauch und Willkür.

Um die Macht ins Weltall auszudehnen, wurden Außenposten auf Mond und Mars errichtet. Auch auf dem Jupitermond Ganymed ist eine Forschungsstation, die Roboter Schiffe betankt und versorgt, die weiter ins All vordringen.

Nachdem der Leser nun die Ausgangssituation und die ungefähre Lage der Welt bzw. Menschheit kennt, nimmt das Geschehen in rasantem Tempo seinen Lauf.

Joshua Tree arbeitet mit zwei Haupthandlungssträngen:


1. Rachel eine Wissenschaftlerin, die auf Ganymed stationiert war und nur knapp einen Strahlenunfall überlebt hat.

2. Theodore ein „Söldner“, der für einen Pharmakonzern arbeitet. Dieser Handlungsstrang unterteilt sich noch.

Rachel und Theodore haben in diesem ersten Teil nur eine Begegnung. Aber ich denke, der Autor hat noch einiges vorgesehen.

Es ist ein wenig wie Shadowrun ohne magische Wesen, allerdings mit Menschen, die durch Cyberware modifiziert sind, die die menschliche Stärke extrem ausdehnen. (Augmentierungen)

Wo Joshua Tree drauf steht, ist der Cliffhanger nicht weit. Joshua, schreib schnell den nächsten Teil!

5/5 Punkten

3. PROTAGONISTEN
Wie schon erwähnt sind Rachel und Theodore die Hauptpersonen. Ich glaube, dass Rachel noch mit einigen Überraschungen aufwartet. Über Rachels Privatleben erfährt der Leser kaum etwas. Ich hätte gern ein bisschen mehr über Rachel erfahren.

Die Charaktere sind gut gezeichnet, besonders Theodore. Gut und Böse sind zwei Positionen, die hier bislang keine Rolle spielen. Es geht um das Überleben in einer Umwelt, die auf Profit und Macht ausgelegt ist. Der einzelne Mensch und sein Schicksal sind unbedeutend.

Genau aus diesem Szenario heraus, versucht Theodore mit Hilfe seiner Freunde, seinen langjährigen Gegenspieler zu besiegen und die Geisel zu befreien.

4/5 Punkten

4. SPRACHLICHE GESTALTUNG
Joshua Tree gibt in der Einleitung dem Leser alle wichtigen Informationen. Im Anhang befindet sich die Zeitlinie, wie es zu dieser Ausgangslage kommt. Das gefällt mir sehr gut. Der Leser hat ein Glossar und Personenverzeichnis. Super!

Der Schreibstil ist flott und schnell zu lesen. Das macht Spaß!

Der Leser erhält umfangreiche Informationen, durch die abwechselnden Erzählperspektiven von Rachel und Theodore.

5/5 Punkten

5. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
„Ganymed erwacht“ von Joshua Tree, hat 308 Seiten und ist am 10.05.2018 E-Buch Text:unter der ISBN B07CL9BLWM bei Null im Genre: Sciencefiction erschienen.



5/5 Punkten

6. LINKS
dazu auf Connies Schreibblogg

7. FAZIT
Ich liebe Science und Fiction! Genau das findet der Leser hier. Protagonisten, die für ihre Werte einstehen und Gefühle, Stärken und Schwächen haben. Theodore ist so ein Charakter. Ich bin sicher, über Rachel wird der Leser noch einiges erfahren.

Freundschaft und Loyalität spielt eine große Rolle.

Besonders gut gefällt mir, dass Joshua Tree, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wie den mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhandenen neunten Planeten unseres Sonnensystems, in den Roman einbaut.

@Joshua Tree
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar! Das Lesen hat großen Spaß gemacht.

Ich vergebe insgesamt 4,7/5 Punkten.

Veröffentlicht am 31.07.2018

Kann ein Robot lieben?

Autonom
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„AUTONOM“ VON ANNALEE NEWITZ
2. ZUM INHALT VON „AUTONOM“
Der Klappentext hat mich sofort angezogen. Dystopie oder Utopie? Wie schaut die Welt in hundert Jahren aus? Wer hat das Sagen? Wie hat sich die ...

„AUTONOM“ VON ANNALEE NEWITZ
2. ZUM INHALT VON „AUTONOM“
Der Klappentext hat mich sofort angezogen. Dystopie oder Utopie? Wie schaut die Welt in hundert Jahren aus? Wer hat das Sagen? Wie hat sich die Gesellschaft entwickelt? Sind wir vom Fortschritt überfahren worden?

Die amerikanische Journalistin, Autorin, Bloggerin und Analystin zeigt in „Autonom“, ein Setting, das nicht nur mit neuen Techniken, KI, Robots usw glänzt sondern auch eine Welt, die von Pharmafirmen beherrscht wird, die ihre Macht mithilfe neuer Techniken und Gewalt durchsetzen.

Gesundheit können sich nur Reiche leisten. Jack kopiert Zacuity, ein Medikament, das die Menschen zu Höchstleistungen anspornt. Der Konzern gibt nun Jack die Schuld an der fatalen Wirkweise des Produkts. Sie wird zum Freiwild und versucht, nun ihre Unschuld zu beweisen, indem sie an dem Medikament mit Gleichgesinnten weiterforscht.

Elias und Paladin sind das Team, das Jack eliminieren soll. Ein Agent und ein Kampfroboter.


Wer nun glaubt, mit Technik überhäuft zu werden, liegt vollkommen falsch. Annalee Newitz betrachtet das „Zwischenmenschliche“ bzw. das „Zwischen-Maschine-und-Mensch-liche der Seite und die daraus resultierenden Probleme.

Wie entwickelt sich Bewusstsein? Ab welchem Zeitpunkt wird aus Lernfähigkeit Transferfähigkeit und letztendlich wann beginnt es, sich selbst bewusst zu sein? Ist es dann immer noch Hardware mit der zugehörigen Software oder hat hier die Evolution einfach ihren Gang genommen?

Robots werden mit dem Wunsch programmiert, ihrem „Herrn“ zu gefallen. Kann es sich zu einem Bedürfnis nach Liebe entwickeln. Ab welchem Punkt beginnen erotische Gefühle?

Wer gerne im Kopfkino versinkt, ist hier genau richtig. Wird so die Zukunft der Menschheit aussehen?

Wird es Menschen geben, die versklavt sind und genauso wenig Rechte wie Robots haben? Wird es Robots geben, die bei Familien aufwachsen, promovieren und autonom ihr Leben führen?

Wer ist in dieser Zukunft überhaupt noch autonom?

5/5 Punkten

3. PROTAGONISTEN
Paladin, ein Kampfroboter, der sein Gender wechselt, um seinem Partner nahe zu sein.

Eliasz, Paladins Partner, ein Agent des Konzerns. Fühlt sich körperlich von Paladin angezogen. Er sieht Paladin als Partner an und schätzt die Vorzüge des Robots.

Jack, eine Produktpiratin, die gegen die Ungerechtigkeit und mangelnde Gesundheitsfürsorge des Systems revoltiert.

Die Charaktere haben Tiefe. Sie reflektieren, fühlen sich schuldig und haben widersprüchliche Gefühle. Eben so, wie wir es von Menschen kennen.

4. SPRACHLICHE GESTALTUNG
Das Buch lässt sich locker lesen, technische Begriffe halten sich im Rahmen. Zwischendurch ebbt die Spannung etwas ab, was sich zum Schluss hin ändert.

Die Kapitel haben eine angenehme Länge.

5/5 Punkten

5. COVER UND ÄUSSERE ERSCHEINUNG
„Autonom“ von von Annalee Newitz, aus dem Amerikanischen von Birgit Herden hat 352 Seiten, einen Flexibler Einband Einband und ist am 23.05.2018 unter der ISBN 9783596702589 bei FISCHER Tor, im Genre: Sciencefiction erschienen.

5/5 Punkten

6. FAZIT
Das ist intelligente Sciencefiction mit Action und Gefühlen. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Vision durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Im Ereignishorizont?

Wir werden sehen!

Können wir problemlos mit Robots zusammenleben?

Wer „Peripherie“ von William Gibson (Rezension) mag, ist hier richtig.

@FISCHER Tor,
Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

Auf Connies Schreibblogg findet ihr weiterführende Links

Veröffentlicht am 12.06.2026

Eine Ode an die Musik und an eine verlorene Liebe

Für Polina
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In Takis Würgers Roman Für Polina entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, getragen von einer Klaviermelodie, die über Jahrzehnte hinweg Seelen verbindet. Zwischen Idylle, Sehnsucht und leisen Konflikten ...


In Takis Würgers Roman Für Polina entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, getragen von einer Klaviermelodie, die über Jahrzehnte hinweg Seelen verbindet. Zwischen Idylle, Sehnsucht und leisen Konflikten entsteht ein Plädoyer für Authentizität und die heilende Kraft der Musik. Ein gelungener Liebesroman – oder doch Kitsch?

Inhalt / Zusammenfassung „Für Polina“
„Für Polina“ erzählt eine melancholische Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte, die sich über drei Jahrzehnte erstreckt. Der schüchterne Pianist Hannes Prager verliebt sich als Jugendlicher in Polina, komponiert für sie eine einzigartige Melodie und verliert sie aus den Augen. Jahre später, von innerer Leere gequält, sucht er sie mit dieser Komposition wieder. Der Roman verwebt Heilung, Hoffnung und Harmonie, durchzogen von der Magie der Musik.

Worum geht es in „Für Polina“?
Der Roman zeigt, wie Musik Menschen verbindet und verändert. Hannes, ein begnadeter Klavierspieler, schenkt Polina mit 14 Jahren eine Melodie, die ihr tiefstes Sehnen einfängt. Doch ein Bruch – Hannes hört auf zu spielen – trennt ihre Wege. Jahre später erkennt er, dass nur diese Melodie Polina erreichen kann. Würger entwirft eine kleine Utopie, in der Figuren wie die alleinerziehenden Mütter Fritzi und Güneş sowie der Vermieter Heinrich Hildebrand eine Oase der Ehrlichkeit schaffen. Themen wie verpasste Chancen, Ängste, familiäre Wunden und die Suche nach Verbindung prägen die Geschichte, stets begleitet von Klängen, die wie unvollendete Stücke wirken.

Die Protagonisten in „Für Polina“
Hannes Prager: Der schweigsame, schüchterne Protagonist, ein Klavierwunderkind aus einer alten Villa bei Hannover. Als Säugling kuschelt er mit Polina, als Teenager verliebt er sich hoffnungslos und komponiert seine erste Sonate für sie. Später kämpft er mit emotionaler Kälte und innerer Leere, bis die Musik ihn zurück ins Leben holt.]

„Sie hatten nie aufgehört, aneinandergerollt ihren Mittagsschlaf zu machen, dabei hätten Polina und Hannes unähnlicher kaum sein können, was allerdings niemanden störte – was niemand in diesem Moor auch nur bedachte, Hannes lauschte vorsichtig in die Welt hinein wie in eine dunkle Höhle, in der Ungeheuer lauern.“

Polina: Die wilde, rebellische Tochter von Güneş, ein freigeistiges, unkonventionelles Mädchen, das Sehnsucht und Unabhängigkeit verkörpert. Benannt nach Dostojewskis Figur in „Der Spieler“, bleibt sie oft im Hintergrund, wirkt aber dennoch faszinierend.

„Zwei Jahre lang hatte sie kaum den Antrieb gefunden, ihr Bett zu verlassen. Sie hatte sich über nichts freuen können, über keine Blume, keine Musik, kein Babylachen. Sie hatte nur über dem schwarzen Puzzle ihres Lebens gegrübelt, über die fehlenden Teile, von denen eins Hannes Prager war.

Fritzi Prager: Hannes’ Mutter, eine tatkräftige Reinigungskraft bei Netto, die aus einem gewalttätigen Elternhaus stammt und Jura studieren will. Sie zieht allein von Hannover nach Italien und schafft für ihre Familie einen Ort der Akzeptanz.

„Sie hoffte, sie würde noch einmal in sein Gesicht blicken dürfen, noch einmal für ihn kochen, noch einmal mit ihm zusammen durch die Windschutzscheibe des Jeeps den hellroten Abendhimmel sehen, aber sie wusste, sie würde jetzt gehen“

Güneş: Polinas türkischstämmige Mutter, ebenfalls Putzfrau bei Netto und Fritzis beste Freundin. Die beiden Frauen verbindet eine tiefe Freundschaft, die in den Babytagen ihrer Kinder wurzelt.

Nebenfiguren: Heinrich Hildebrand, der warmherzige Vermieter ergänzt das Ensemble mit Tiefe und Makeln, die Würger mit zärtlicher Präzision zeichnet.

Wer ist Takis Würger?
Takis Würger "Für Polina" (Rezension)
Takis Würger, geboren 1985, ist ein Schweizer Autor, der 2017 mit seinem Debütroman „Der Club“ die deutschsprachige Literaturszene eroberte. Sein Werk umfasst inzwischen fünf Romane, darunter historische Stoffe wie „Stella“. Mit „Für Polina“ (Diogenes Verlag, 2025, 294 Seiten) wendet er sich einem zeitgenössischen, musikalischen Liebesroman zu. Würger schreibt präzise und einfühlsam – knapp, sachlich, doch weich und feinsinnig. Er vermeidet Sentimentalität und zeichnet seine Figuren mit liebevoller Akribie, inklusive Ecken und Kanten. Seine Texte ziehen durch emotionale Zurückhaltung und eindringliche Szenen in den Bann.

Fazit und Kritik „Für Polina“
Während des Lesens stellte ich mir die Frage, berührt das Buch oder gleitet es in Kitsch ab? Aber das ist nicht die richtige Frage. Wichtig ist, brauchen wir in dieser unruhigen Zeit, ein emotionales Buch, das ein wenig Kitsch innehat?

„Für Polina“ ist ein modernes Märchen voller Musik und Magie, das mit leisen, tiefgehenden Emotionen überzeugt. Würgers klarer, ruhiger Stil passt perfekt zum schüchternen Helden. Seine Figuren berühren durch Authentizität und Tiefe. Das Ende wirkt stimmig – oder doch kitschig? Der Roman plädiert für ehrliches Miteinander und feiert Musik als Ausdruck von Liebe.

Doch trotz seiner Stärken birgt der Roman Kitschgefahr. Die idyllische Umgebung, die emotionale Kälte des Vaters – die kaum Einfluss auf die Handlung hat – und Polinas Klischee als Dreamgirl wirken teils überzogen. Manche Rezensenten kritisieren Sentimentalität und triviale Elemente, die Würger zwar geschickt umschifft, aber nicht immer auflöst. Die Handlung bleibt stellenweise vorhersehbar, und Nebenfiguren überstrahlen gelegentlich den Plot.

Eine Empfehlung für Leser, die Heilung und Harmonie suchen.

Bibliographie „Für Polina“ Takis Würger
"Für Polina" Takis Würger (Rezension)
Covermotiv: Gemälde von Jan Sluijters, "Portrait of a Girl", ca. 1938
Copyright 2025, ProLitteris, Zurich

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Spiritualität als Erfahrung

Segen und Glück
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Spiritualität als Erfahrung
Paulo Coelho lädt in „Segen und Glück“ ein, kleine Weihnachtsgeschichten aufzunehmen und sie als Weg der inneren Reflexion zu entfalten – jenseits von Besitz, Erfolg und Zufall. ...

Spiritualität als Erfahrung
Paulo Coelho lädt in „Segen und Glück“ ein, kleine Weihnachtsgeschichten aufzunehmen und sie als Weg der inneren Reflexion zu entfalten – jenseits von Besitz, Erfolg und Zufall. In diesen Geschichten und symbolischen Bildern zeigt er, was im Menschen wirklich zählt: Vertrauen, Hingabe, Demut und die Fähigkeit, das Besondere in jedem Augenblick zu erkennen. Wie oft bei Coelho führt die Reise nach innen.

Inhalt „Segen und Glück“
Für Paulo Coelho ist Spiritualität eine Erfahrung, die jeder Mensch erleben kann. Der Glaube ist kein festgeschriebenes Dogma, sondern ein lebendiger Prozess. Der Mensch muss sich nur dafür entscheiden. Diese Geschichten zeigen, wie alltägliche Beobachtungen uns die spirituelle Kraft geben, das Glück zu erkennen, das sich vielleicht im Lächeln eines Kindes verbirgt.

Coelho zeigt, dass Glück nicht aus äußeren Umständen resultiert, sondern eine Bewusstseinsqualität ist. Segen ist nicht etwas, das man empfängt, sondern etwas, das man erkennt – in jeder Begegnung, in jedem Atemzug.

Seine Bücher, vor allem „Der Alchimist“ und „Veronika beschließt zu sterben“, erzählen keine Glaubensdogmen, sondern zeigen den Prozess der Wandlung – seelische Bekenntnisse in erzählter Form.

Paulo Coelho schreibt oft aus persönlicher Erfahrung, wie in „Veronika beschließt zu sterben“ oder „Hippie“. Seine Texte sind keine theoretischen Abhandlungen, sondern spirituelle Selbstversuche. In der Gegenwartsliteratur ist Coelho ein populärer Nachfahre des augustinischen Denkens: ein Mann, der das eigene Leben literarisch als Pilgerweg deutet.

Schreibstil „Segen und Glück“
Coelhos Stil ist klar, einfach und symbolisch. Er verwendet kurze, gleichnishafte Sätze, die wie Aphorismen wirken. In dieser Schlichtheit liegt der Zauber: Er schreibt für die Seele, nicht für den intellektuellen Wettstreit. Die Erzählstimme bleibt introspektiv, fast meditativ, und wechselt sich mit leuchtenden Beobachtungen ab. Manchmal droht die Sprache ins Pathetische zu kippen, doch genau diese Grenze zwischen Poesie, Kitsch und Lebensweisheit ist Coelhos Markenzeichen.

Seine Dialoge sind knapp, oft wie spirituelle Lehrgespräche. Jedes Gespräch enthält eine Lektion, jede Begegnung ein Sinnbild. Dadurch entsteht eine fast sufistische Musikalität – eine rhythmische Wiederholung von Themen (Vergebung, Vertrauen, Liebe), die sich spiralförmig vertieft.

Während literarische Puristen Coelho gelegentlich für „zu einfach“ halten, liegt in dieser Einfachheit seine Wirkung. Ähnlich den Lehrgeschichten der Sufi-Meister – wie Rumi oder Hafis – beanspruchen seine Texte keine intellektuelle Originalität, sondern wollen innerlich verstanden werden. Er benutzt Worte wie Mantras, um das Herz zu öffnen.

Coelho – ein moderner Sufi
Obwohl Paulo Coelho Katholik ist und sich in einer universellen Spiritualität verortet, kann man seine Haltung als sufistisch im weiten Sinne begreifen. Der Sufismus – die mystische Strömung des Islam – betont die unmittelbare Erfahrung Gottes, jenseits von Dogmen. Ihm geht es um Liebe als göttliches Prinzip, um Hingabe, Reinigung des Egos und das Erkennen der Einheit allen Seins. Coelho teilt diese Grundgedanken. Siehe auch „Veronika beschließt zu sterben“ und „Hippie“.

Seine Symbolik – der Kreis, das Licht, der Tanz, das Feuer – erinnert an die sufistischen Dichter des Mittelalters. Auch die Idee, dass jede Begegnung mit einem Menschen eine Gelegenheit zur Selbsterkenntnis ist, spiegelt sich bei Rumi oder Al-Ghazali. Coelho interpretiert dies modern und globalisiert. Damit bringt er sufistische Weisheit in eine Sprache, die westliche Leser verstehen: schlicht, erzählerisch, aber tief berührend.

Fazit/Kritik „Segen und Glück“
„Segen und Glück“ ist kein Roman im traditionellen Sinn, sondern eine Einübung ins Glück. Es ist eine Pilgerreise in Buchform, eine Meditation über Zeit, Schuld und Vergebung. Coelho zeigt, dass wahres Glück nicht darin liegt, das Schicksal zu beherrschen, sondern es zu segnen – und damit verwandelt zu werden.

Wer bereit ist, sich auf den Rhythmus seiner Symbolsprache einzulassen, findet in diesem Buch einen Wegweiser zur stillen Freude. Kritiker mögen es als „einfach“ abtun, doch in dieser Einfachheit liegt ein tiefer, beinahe sufistischer Glanz: das Erkennen des Göttlichen im Alltäglichen.

Ein Buch wie ein Gebet – leise, aber dauerhaft nachhallend.

Mein herzlicher Dank geht an den Diogenes Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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