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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.01.2026

Die Recherche

Heim holen
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Ein Roman mit einem relevanten Thema, sehr reserviert geschrieben.
Die ca. 30jährige Lina, deren Großeltern nach Österreich vertriebene Donauschwaben waren, beginnt über diese Wurzeln zu recherchieren ...

Ein Roman mit einem relevanten Thema, sehr reserviert geschrieben.
Die ca. 30jährige Lina, deren Großeltern nach Österreich vertriebene Donauschwaben waren, beginnt über diese Wurzeln zu recherchieren und nachzudenken.
Für ihre Mutter ist Lina Recherche nicht einfach zu verkraften, denn sie wusste vieles nicht.
Schließlich reist Lina sogar nach Serbien zu dem ehemaligen Haus des Großvaters.
Katherina Braschel gestaltet ihr Buch sorgfältig und man spürt die Emotionalität ihrer Protagonistin, aber schade, dass so verhalten erzählt wird.

Veröffentlicht am 17.01.2026

Roman aus Kriegszeiten

Dämmerung
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Dämmerung ist ein bemerkenswertes Buch, das in Finnland Anfang der vierziger Jahre handelt. Dass Kjell Westö hier mehr als nur Unterhaltung abliefert, liegt an der Sprache und den Figuren, die gegen den ...

Dämmerung ist ein bemerkenswertes Buch, das in Finnland Anfang der vierziger Jahre handelt. Dass Kjell Westö hier mehr als nur Unterhaltung abliefert, liegt an der Sprache und den Figuren, die gegen den Strich gebürstet sind. Die Schauspielerin Molly und der Kriegsreporter Henry wirken echt. Ihre Beziehung steht im Mittelpunkt des Buches. Sind sind in einer beklemmenden und belastenden Zeit, denn es ist Krieg.
Die Perspektiven wechseln zwischen Molly und Henry in langen Abschnitten.
Eine Anspannung durchzieht den Roman. Nicht umsonst ist der Untertitel Roman aus Kriegszeiten.
Im Nachwort sind noch einige Fakten dazu.
Natürlich liest man das Buch wegen den gegenwärtigen Kriegen auch mit Betroffenheit. In der Nachschrift schreibt der Autor, dass er das Buch halb fertig hatte, als 2022 der Angriffskrieg in der Ukraine startet und dass dem Buch eine weitere düstere Kontur gab.

Abschließend möchte ich das großartige Cover erwähnen, dass im unteren Abschnitt sehr detailliert ist und im oberen farblich dem Titel Dämmerung gerecht wird.

Veröffentlicht am 02.01.2026

Nach dem Krieg

Die weiße Nacht
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Anne Stern ist die Königin des historisch angehauchten Kriminalromans der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr neuer Roman ist 1946 in Berlin angesiedelt. Da sie eine erfahrene Autorin des ...

Anne Stern ist die Königin des historisch angehauchten Kriminalromans der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr neuer Roman ist 1946 in Berlin angesiedelt. Da sie eine erfahrene Autorin des Genres ist, gelingt ihr sofort eine dichte, beklemmende Atmosphäre, denn in Berlin ist es nach dem Krieg sehr hart. Viele hungern. Die Detailbeschreibungen von Berlin in dieser Zeit legen nahe, dass Anne Stern wieder genau recherchiert hat.

Die Autorin wählt zwei „Typen“ als Hauptfiguren aus. Der versehrte Kriminalkommissar König und die toughe Fotografin Lou. Beide sind von der Nazizeit persönlich unbelastet, dennoch leidtragende. Es wäre auch interessant gewesen, Hauptfiguren zu wählen, die Schuld auf sich geladen haben und damit fertig werden müssen, aber Anne Stern hat es anders geplant und sonst wäre es auch ein ganz anderes Buch geworden. Die Schuldfrage ist dennoch in den Plot integriert. Der Kriminalfall beginnt verhalten, entwickelt sich aber. Es überzeugte auch, wie die Protagonisten agieren und eine gewisse Spannung kann Anne Stern generieren.

Veröffentlicht am 20.12.2025

Die Entenfrau

Insel am Rand der Welt
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Es ist das Buch einer Begegnung. Zum einen die des Autors mit Anna, einer Frau, die mit der Natur in Einklang lebt und dann auch mit der Natur der Insel in Norwegen.
James Rebanks schreibt einen zugänglichen, ...

Es ist das Buch einer Begegnung. Zum einen die des Autors mit Anna, einer Frau, die mit der Natur in Einklang lebt und dann auch mit der Natur der Insel in Norwegen.
James Rebanks schreibt einen zugänglichen, ansprechenden und passenden Stil, der an die große Reiseliteratur eines Bruce Chatwin erinnert. Vielleicht ist er sprachlich zu weich. An das große Vorbild kommt er nicht ran.

Annas Leben auf der Insel entspricht den Traditionen, was ihre Familie seit Generationen auszeichnete. Sie widmet sich der Pflege der Eiderenten-Nester.
Anna ist nicht mehr jung. Es wird ihre letzte Saison auf der Insel sein, dann geht sie in den Ruhestand.
James Rebanks, der sich in England in einer leichten Midlifekrise wähnte, dient ihr als Katalysator für ihre Geschichten, deren Aufbewahrung sie sich wünscht.
Viele Passagen sind interessant, manche wirken zu beiläufig.

Fans von Enten werden vor allen in der zweiten Buchhälfte voll auf ihre Kosten kommen.

Es ist ein teilweise poetisch wirkender Text, den ich überwiegend gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 12.12.2025

John Banville, der große Stilist

Schatten der Gondeln
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Banville gelingt es sofort, mit dem Icherzähler eine außergewöhnliche Erzählstimme zu finden. Sie erinnert mich latent an die des Protagonisten aus Banvilles Meisterwerk Der Unberührbare.

Schatten ...


Banville gelingt es sofort, mit dem Icherzähler eine außergewöhnliche Erzählstimme zu finden. Sie erinnert mich latent an die des Protagonisten aus Banvilles Meisterwerk Der Unberührbare.

Schatten der Gondeln handelt um die Jahrhundertwende und hat auch deswegen eine eigentümliche Atmosphäre. Dazu noch Venedig als Schauplatz und John Banville beschreibt viele Details. Das ist exquisit.

Es gibt einiges geheimnisvolles, obwohl man als Leser schon bald etwas ahnt. Andere Banvilles waren noch raffinierter, aber doch bleibt man vom Plot gefesselt.

Banvilles Talent Stimmungen zu erzeugen ist nach wie vor in hohen Maße vorhanden.