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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.10.2025

Originell und den Zeitgeist treffend

Hustle
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Leonie zieht im Rahmen einer "beruflichen Neuorientierung" nach München - einer Stadt, zu der sie eine Art Hassliebe entwickelt. Einerseits sind die Mietpreise und -bedingungen jenseits von Gut und Böse. ...

Leonie zieht im Rahmen einer "beruflichen Neuorientierung" nach München - einer Stadt, zu der sie eine Art Hassliebe entwickelt. Einerseits sind die Mietpreise und -bedingungen jenseits von Gut und Böse. Andererseits nimmt der Chic und Charme der Stadt sie zunehmend ein. Um sich den Lebensstil leisten zu können, macht sie ihre besondere Fähigkeit, Rachepläne zu schmieden und auszuüben, zu ihrem heimlichen Zweitjob.
Der Ton ist zum einen leicht und locker, dann wieder ironisch und fast sarkastisch. Manchmal blitzt ein wenig der Vibe von "Sex in the City" durch, wobei es in dem Roman von Julia Bähr weniger um Beziehungen und Sex geht, sondern vielmehr um das (Über-)Leben in einem absurd teuren städtischen Umfeld. Die Charaktere sowie die Beziehungsdynamiken bleiben etwas oberflächlich in der Darstellung. Gleichzeitig besticht der Roman absolut durch seine originellen Ideen und trifft den Zeitgeist auf den Punkt! Eine Geschichte, die sich flüssig liest und gut unterhält.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Viel los, wenig Tiefe – eine Familie am Limit

Alle glücklich
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„Alle glücklich" – ein Roman, der mich gut unterhalten, aber nicht so tief berührt hat, wie ich es mir erhofft hatte.
Nina, Alexander, Ben und Emilia – nach außen hin eine glückliche Familie. Doch hinter ...

„Alle glücklich" – ein Roman, der mich gut unterhalten, aber nicht so tief berührt hat, wie ich es mir erhofft hatte.
Nina, Alexander, Ben und Emilia – nach außen hin eine glückliche Familie. Doch hinter der Fassade brodelt es, während vordergründig versucht wird, diese aufrechtzuerhalten - "passt schon".
In „Alle glücklich" wird man als Leser mit einer Vielzahl schwerer Themen konfrontiert. Kaum ist das eine angestoßen, kommt das nächste. Das macht das Buch einerseits kurzweilig und schnell lesbar – andererseits fehlt dadurch manchmal die Tiefe, die die einzelnen Ereignisse verdient hätten.
Auch das Ende hat mich etwas ratlos zurückgelassen – es bricht so abrupt ab, dass sich das Gefühl aufdrängt, ein guter Teil der Geschichte fehle noch.
Insgesamt ist es ein schnell lesbares Buch mit echten Pageturner-Qualitäten, das aber an seiner Stofffülle ein wenig leidet. Eine Familie zerbricht, verliert den Blick füreinander. Wie die Scherben aufgesammelt werden? Das bleibt offen.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Farbenfroh illustriert, das Ende hätte phantasievoller sein dürfen

Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte
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Von Werner Holzwarth kennen die meisten vermutlich "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat". Sein neues Buch "Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte" lebt ...

Von Werner Holzwarth kennen die meisten vermutlich "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat". Sein neues Buch "Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte" lebt direkt auf den ersten Blick von seinen Illustrationen - ausgesprochen farbenfroh und fröhlich leuchten sie dem Leser entgegen. Der Text ist wunderbar für kleine Kinder geeignet. Es gibt einen gewissen Rhythmus durch die Wiederholung der Erzählweise, was kleine Kinder oft sehr lieben. Das Buch macht unglaublich neugierig auf den ersten Seiten und man möchte direkt erfahren, ja, was wird denn aus dem kleinen Spatz, der kleinen Amsel, der kleinen Taube,... wenn sie mal groß sind. Das Ende hat uns dann leider nicht überzeugt. Gerade weil die Großen seitenweise so nüchtern gegenüber den kleinen Vogelkindern argumentieren, fiebert man als Leser auf ein besonders kreatives und phantasievolles Finale zu, was dann leider ausbleibt.
So ist es insgesamt ein wirklich wunderbar illustriertes Kinderbuch, inhaltlich blieb es zum Ende jedoch hinter unserer Erwartung zurück.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Sanfte Einschlafhilfe mit spirituellem Ansatz

Einschlafrituale für dein Kind
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Schlaf – ein immer wiederkehrendes Thema unter Eltern. Das schmale Büchlein möchte dabei helfen, das Einschlafen zu erleichtern. Nicht bei den Eltern, die oft im Stehen einschlafen könnten, sondern für ...

Schlaf – ein immer wiederkehrendes Thema unter Eltern. Das schmale Büchlein möchte dabei helfen, das Einschlafen zu erleichtern. Nicht bei den Eltern, die oft im Stehen einschlafen könnten, sondern für die Kleinen, die zum Teil erst abends so richtig munter werden...
Nach einigen einleitenden Worten zum Aufbau und zur Funktion des Schlafrhythmus ist das Büchlein in die jeweiligen Altersgruppen unterteilt (Baby, Kleinkind, Grundschulalter,...). Dabei greift die Autorin meines Erachtens sehr gut die Besonderheiten der jeweiligen Altersgruppe auf und betont die Notwendigkeit ausgeglichener Eltern, was das Einschlafen für die Kinder deutlich erleichtert. Ganz hübsch fand ich die beschriebene Meditation für die Eltern. Inwieweit es allerdings Eltern abends im allgemeinen Trubel noch gelingt, eine Meditation durchzuführen, wage ich als Mutter von drei Kindern etwas zu bezweifeln. Trotzdem fand ich die Idee bemerkenswert, Einschlafprobleme nicht allein beim Kind zu verorten, sondern auch als Elternteil die eigene innere Verfassung zu reflektieren.
Es gibt immer wieder praktische Tipps (z.B. Monsterspray mit Lavendelduft), und überhaupt ist das Büchlein Kindern gegenüber ausgesprochen wohlwollend, warm und behütend geschrieben. Für mich sind die ganz großen Aha-Momente beim Lesen allerdings ausgeblieben. Persönlich schwierig fand ich die zum Teil spirituell-esoterischen Verknüpfungen (Stichwort Rudolf Steiner). Zudem spürt man beim Lesen eine ganz klare Haltung der Autorin, z.B. gegenüber Stillen, Familienbett etc. Hier hätte ich mir eine etwas offenere Haltung gegenüber verschiedenen familiären Lebenssituationen gewünscht.
Zusammenfassend war es für mich ein nettes Büchlein, von dem ich für uns allerdings in der Praxis wenig umsetzen kann. Eltern, deren Kinder unter ernsthaften Einschlafschwierigkeiten leiden, könnten eventuell sogar deprimiert sein, da alles so einfach dargestellt wird und unrealistische Erwartungen erzeugt werden. Der Druck, es „richtig" zu machen, erhöht sich dadurch nur noch mehr. Eltern, die gegenüber Spiritualität und den Lehren Rudolf Steiners offen sind, finden hier in jedem Fall ein warmes und Geborgenheit vermittelndes Buch.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Ein eindringlicher Blick in die Abgründe der Bipolarität

Haus zur Sonne
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Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen ...

Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen und überbordender Manie in Scherben liegt, in eine Art Kur kommt – eine Kur, in der er sich alles wünschen kann, unter der einzigen Bedingung, dass er zum Ende sterben wird? Wie verändert sich die Einstellung? Was macht das mit einem Menschen?
Der Autor Thomas Melle spricht aus eigener Erfahrung. Der Text ist eindringlich und intensiv. Zum Teil ist es schmerzhaft zu lesen, mit welcher Realität psychisch Erkrankte zu kämpfen haben:
„Verarschung, Verarschung, Verarschung, so sortierte ich einen nach dem anderen aus: Rechtsanwälte, die einem angeblich beim Bürgergeld helfen wollten, Weiterbildungsstätten, die nur die Zuschüsse absahnen würden, Köder nach Köder für die Verzweifelten" (S. 45)
Man blickt tief in die Seele eines Menschen mit einer bipolaren Störung:
„Es gibt tatsächlich auch in einer schweren Depression Abstufungen. Manchmal lastet alles auf und vor allem in einem, man kann nur da sitzen und die Hände vors Gesicht schlagen, und nicht einmal die Frage nach dem Warum kommt auf. Es ist einfach nichts mehr da, nur Grauen. Dann gibt es leichtere Tage, die aber gleichwohl noch tiefer ins Gemüt schneiden können, da der Geist etwas heller erkennt, was gerade mit ihm passiert: der Dauerangriff auf sich selbst, und das Sekunde für Sekunde." (S. 76)
Immer wieder blitzt eine Spur von Humor und Situationskomik durch. Vom Stil her habe ich den Roman gerne gelesen. Das hilft aber leider alles nichts, wenn man sich letztendlich durch den Roman durchkämpfen muss.
Schwierig für mich war, wie viel das Gedankenkreisen um die eigene Situation und das innere Erleben Raum eingenommen hat – und dabei durchaus redundant ist. Naturgemäß kommt da bei der Thematik einer bipolaren Störung wenig Freude auf. Die Beziehungen nach außen bleiben oberflächlich und leblos. Obwohl es hervorragend geschrieben ist, blieb der Roman letztendlich ein zähes Lesevergnügen.

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