Erschütterndes Schicksal
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104Der neue Roman von Susanne Abel zeigt auf erschütternde Weise, welchem grausamen Schicksal Kinder in Heimen in den 50er und 60er Jahren ausgeliefert waren. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. ...
Der neue Roman von Susanne Abel zeigt auf erschütternde Weise, welchem grausamen Schicksal Kinder in Heimen in den 50er und 60er Jahren ausgeliefert waren. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Die aktuelle Ebene stellt die kleine Emily in den Mittelpunkt, die von ihrer Mutter vernachlässigt wird und schließlich bei ihren Ur-Großeltern aufwächst. Diese wollen unter allen Umständen verhindern, dass die Enkelin ins Heim kommt. Zu schlimm sind die Erinnerungen an ihre eigene Zeit in einem Kinderheim nach dem Krieg. Dies ist die zweite Zeitebene im Buch, die Jahre ab 1945. Ein kleiner Junge, der seinen Namen nicht weiß und letztlich Hardy genannt wird, kommt in den Nachkriegswirren in ein Kinderheim. Dort wird er aufgrund seiner Sprachlosigkeit als schwachsinnig eingestuft. Allein das ist schon schlimm genug. Doch die Nonnen drangsalieren und quälen die Kinder. Die meisten haben nicht einmal einen Namen, sie werden mit Nummern gerufen. Der kleine Hardy findet in Margret eine Stütze und Freundin. Doch eines Tages findet Margret ihre Verwandten wieder und entkommt dem heim. Hardy ist fortan auf sich allein gestellt. Er kommt in eine weiter Erziehungsanstalt, die noch viel schlimmer ist als die erste. Hier werden Medikamententests an den Kindern durchgeführt. Dies berührt mich sehr. Unfassbar wie Hardy sich dennoch zu einem liebevollen, sozialen Freund, Mann, Vater und Opa entwickeln konnte. Schließlich begegnet er Margret wieder, mit der es das Schicksal auch nicht gut gemeint hat. Beiden gelingt die Flucht und sie verbringen den Rest ihres Lebens miteinander. Diese tiefe Liebe und Verbundenheit macht den Kern des Romans aus. Margret ist aber auch eine sehr dominante Frau, die den Ton angibt und für Hardy alles regelt. Ich frage mich beim Lesen, ob das gut für ihn und seine Entwicklung ist. Doch die beiden sind glücklich und zufrieden in ihren eigenen vier Wänden, ohne Türen, ohne Reisen. Zufrieden mit sich. Während es Hardy ganz gut gelingt, den Schrecken der Vergangenheit zu verdrängen, wird Margret immer wieder von ihren Schatten eingeholt. Die kleine Emily bringt Licht in das Leben. Doch auch sie hat Probleme, sich der übermäßig behütenden Uroma zu entziehen. In der ersten Hälfte nahm mir die Geschichte um Emily und ihre Mutter etwas zu viel Raum ein. Im letzten Drittel fand ich es dann seff sehr rührend, wie die mittlerweile fast erwachsene Emily sich kümmert und sorgt. Ein berührender Roman, der in lebhafter, sehr direkter, aber auch str liebevoller Art eine Familiengeschichte erzählt, die von tiefen Gräben und Schatten geprägt ist.