Überleben
Wo das Schweigen wohntLea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen ...
Lea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen mussten, was es bedeutet gegen den Willen der Kriegsmächte zu überleben, allein zu flüchten durch völlig zerstörte Landschaften, abgewiesen zu werden von verängstigten Bewohnern dieser Landstriche, Hunger, körperliche und seelische Schmerzen zu ertragen, lautlos und unsichtbar zu werden, dabei mehr dem Instinkt zu folgen und zivilisierte Gewohnheiten auszuschalten. Sie setzt einer Generation hochgradig traumatisierter Menschen, die sich auf den Weg von Ostpreußen nach Deutschland machen mussten ein Denkmal gegen das Vergessen und zeigt gleichzeitig welche Last die Nachfahren tragen und wie unendlich schwer die Aufarbeitung der Geschehnisse ist, um eine generationsübergreifende Heilung zu ermöglichen.
Sie greift Sachverhalte wie Schrecken des Krieges, Tod, Verlust, Angst, Gräueltaten (Vorsicht: Trigger-Warnung) und das daraus resultierend familiäre Schweigen auf, die in einer äußerst lebendigen, bildhaften Sprache verarbeitet sind. Ihre Geschichte ist fiktiv erzählt, lehnt sich jedoch stark an historische Ereignisse an. In emotional ausgebauten Szenen verfolgen wir das Leben von Margret, die versucht ihrer Familie in niedergeschrieben Zeilen zu erklären, worüber sie nie in der Lage war, mündlich zu kommunizieren. Dabei brechen tiefsitzende Wunden bei den Kindern und Kindeskindern auf. Es gelingt ihr den Familienverband zu vereinen, man lernt sich kennen, indem die eigenen Geschichten erzählt werden. Viel Stoff auch für den demnächst erscheinenden Folgeroman.
Ein schweres Thema mit zum Teil sehr verstörenden Erlebnissen aus der Nachkriegszeit und der Darstellung einer mühsamen, behutsamen Aufarbeitung mit dem Ziel einer langfristigen mentale Gesundung nachfolgender Generationen.