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Veröffentlicht am 29.01.2026

Überleben

Wo das Schweigen wohnt
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Lea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen ...

Lea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen mussten, was es bedeutet gegen den Willen der Kriegsmächte zu überleben, allein zu flüchten durch völlig zerstörte Landschaften, abgewiesen zu werden von verängstigten Bewohnern dieser Landstriche, Hunger, körperliche und seelische Schmerzen zu ertragen, lautlos und unsichtbar zu werden, dabei mehr dem Instinkt zu folgen und zivilisierte Gewohnheiten auszuschalten. Sie setzt einer Generation hochgradig traumatisierter Menschen, die sich auf den Weg von Ostpreußen nach Deutschland machen mussten ein Denkmal gegen das Vergessen und zeigt gleichzeitig welche Last die Nachfahren tragen und wie unendlich schwer die Aufarbeitung der Geschehnisse ist, um eine generationsübergreifende Heilung zu ermöglichen.
Sie greift Sachverhalte wie Schrecken des Krieges, Tod, Verlust, Angst, Gräueltaten (Vorsicht: Trigger-Warnung) und das daraus resultierend familiäre Schweigen auf, die in einer äußerst lebendigen, bildhaften Sprache verarbeitet sind. Ihre Geschichte ist fiktiv erzählt, lehnt sich jedoch stark an historische Ereignisse an. In emotional ausgebauten Szenen verfolgen wir das Leben von Margret, die versucht ihrer Familie in niedergeschrieben Zeilen zu erklären, worüber sie nie in der Lage war, mündlich zu kommunizieren. Dabei brechen tiefsitzende Wunden bei den Kindern und Kindeskindern auf. Es gelingt ihr den Familienverband zu vereinen, man lernt sich kennen, indem die eigenen Geschichten erzählt werden. Viel Stoff auch für den demnächst erscheinenden Folgeroman.
Ein schweres Thema mit zum Teil sehr verstörenden Erlebnissen aus der Nachkriegszeit und der Darstellung einer mühsamen, behutsamen Aufarbeitung mit dem Ziel einer langfristigen mentale Gesundung nachfolgender Generationen.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Aufarbeitung von Schuldfragen

Eine vergessene Schuld
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Arne Jensen befasst sich in seinem Roman ‘Eine vergessene Schuld‘ mit der Aufarbeitung von familiären Kriegstraumata, die eine schwere psychologische Last für Betroffene darstellt, die eine intensive Auseinandersetzung ...

Arne Jensen befasst sich in seinem Roman ‘Eine vergessene Schuld‘ mit der Aufarbeitung von familiären Kriegstraumata, die eine schwere psychologische Last für Betroffene darstellt, die eine intensive Auseinandersetzung mit den Geschehnissen voraussetzt, um die Erkenntnis zu verinnerlichen, wer schuldhaft gehandelt hat oder welche Umstände zu einem Ereignis führten, für das sich Menschen schuldhaft verantwortlich fühlen. Der Autor kann hier aus den Erfahrungen seines beruflichen Alltags als Arzt in der Traumatherapie schöpfen und schafft Einblicke in den schmerzhaften Weg der Aufarbeitung von Schuldfragen, die über Generationen hinweg in der Familie weitergegeben werden, die psychische Belastungen auslösen mit ernstzunehmenden Konfliktpotenzial.
Der Erzählstil ist ruhig, sehr sachlich trotz einer vielschichtigen auch emotional geprägten Themenvielfalt. Es werden aktuelle Sachverhalte aus den Bereichen Radikalisierungen, Hass und Hetze in den sozialen Medien, Krieg, Bereitschaft zu Anschlägen und sozialpolitische Fragen der Ethik und Philosophie angesprochen. Ein zentraler Punkt ist die Auseinandersetzung mit dem Wehrrecht und der Desertion.
In der Geschichte, die sich historischer Fakten bedient und fiktional um die beiden Protagonisten Jasina Behrens, Psychologin beim BKA, und Dr. Rudolf Heppner, Verwaltungsrichter a. D. aufgebaut ist, werden die Konfliktquellen transgenrationaler Schuldgefühle aus dem familiären Umfeld als psychische Last von Nachfahren der Täter näher beleuchtet. Während sich Rudolf mit der NS-Vergangenheit seines Vaters, der verantwortlich zeichnet für einen Erschießungsbefehl von zwei Deserteuren eine Woche nach Kapitulation von Deutschland im Zweiten Weltkrieg, versucht Jasina die Geschehnisse um ihren Bruder, der bei der Flucht der Familie in Damaskus als Kind zurückgelassen wurde, zu verarbeiten. Eine fundierte Darstellung der deutschen Nachkriegsgesellschaft bereichert dieses Buch.
Der Roman verlangt nach einem konzentrierten Lesen, das Diskussionsbedarf auslöst und eine persönliche Übernahme von Verantwortung in der Auseinandersetzung zum aktuellen Zeitgeschehen anspricht.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Ein folgenreiches Wort

Hazel sagt Nein
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Die Familie Blum zieht von New York City in das provinzielle Riverburg, gelegen im Bundesstaat Maine. Es ist kalt, kälter als in ihrem geliebten Brooklyn. Doch nicht die Witterung spielt die wesentliche ...

Die Familie Blum zieht von New York City in das provinzielle Riverburg, gelegen im Bundesstaat Maine. Es ist kalt, kälter als in ihrem geliebten Brooklyn. Doch nicht die Witterung spielt die wesentliche Rolle, dass die vier Blums nicht ankommen im neuen Zuhause. Gus nimmt das verlockende Angebot einer gut bezahlten Anstellung in Riverburg an, um seiner Familie, seiner Frau Claire, seiner Tochter Hazel und seinem Sohn Wolf eine finanzielle Absicherung und damit ihre Versorgung zu garantieren.
Die achtzehnjährige Hazel steht im Mittelpunkt der Geschichte. Ein deutliches Nein gegenüber dem Schuldirektor, der gleich am ersten Schultag auf der neuen Highschool ihr ein äußerst verwerfliches, sexuell anzügliches Angebot macht, bringt sie und damit auch ihre Familie in arge Bedrängnis. Sie werden offen angefeindet, geraten in eine Außenseiterposition, die besonders Hazel aber auch Wolf zu spüren bekommen, womit sie sich auseinandersetzen müssen und mental schwer darunter leiden. In den Vorfall kommt schließlich eine ungeahnte Bewegung als die Öffentlichkeit sich mehr und mehr für Hazel und die Geschichte zu ihrem entschiedenen Nein interessiert.
Jessica Berger Gross spricht in ihrem Debütroman ‘Hazel sagt Nein‘ ein brisantes Thema an, welches in der MeToo Debatte ihren Ursprung fand. Sie stellt ihre junge Protagonistin in den Mittelpunkt des Geschehens. Eine junge Frau, eigentlich noch ein Teenager, die sehr genaue Vorstellungen über ihre berufliche Zukunft besitzt, muss sich in Themen hineindenken und Handlungsstrategien entwickeln, diese verfolgen, um ihren Weg zu finden, um nicht durch verlockende Angebote in einen Strudel von Vermarktungsspielchen großer Institutionen und Konzerne zu geraten.
Unerwartete Wendungen machen die Geschichte interessant und spannend. Die verschiedenen Erzählperspektiven stellen eine Bereicherung dar und gaben mir immer wieder neue Impulse zum Nachdenken und Überdenken gefasster Meinungen. Ein wichtiges Buch, das sich mit der Verarbeitung von einschneidenden Veränderungen im Leben beschäftigt und die psychischen Auswirkungen beschreibt.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Suche nach der Wahrheit

Der unsichtbare Elefant
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Mich hat zunächst das auffallend minimalistische Cover angesprochen und die Leseprobe machte mich schließlich neugierig.
Mit dem Freitod des Anwalts einer renommierten international tätigen Kanzlei Thomas ...

Mich hat zunächst das auffallend minimalistische Cover angesprochen und die Leseprobe machte mich schließlich neugierig.
Mit dem Freitod des Anwalts einer renommierten international tätigen Kanzlei Thomas Siebenmorgen, der vor den Augen seiner schockierten Kollegin Maria geschieht, entwickelt sich mit der Untersuchung des tragischen Unglücksfalles durch Simon aus der Chefetage und Victor vom Kriseninterventionsteam eine vielschichtige Geschichte, die sich durch überraschende Wendungen, eine dynamische Erzählweise und einen sehr interessanten Hintergrund auszeichnet. Die Auswirkungen generationsübergreifender Geschehnisse, deren Ursprung in der Zeit des Nationalsozialismus zu finden ist, zeigen welche verheerenden Folgen sich daraus entwickeln können, die eine psychische Belastung nachfolgender Familienmitglieder hervorruft, unaushaltbar erscheinen lässt und welche ungeahnten persönlichen Zusammenhänge der Darsteller im Laufe der Ermittlungen ans Licht gebracht werden.
Die Charaktere der drei Protagonisten sind detailreich ausgearbeitet, der Schreibstil leicht und flüssig, so dass man eine regelrechte Sogwirkung beim Lesen des Romans ‘Der unsichtbare Elefant‘ von Max A. Edelmann verspürt und gern tiefer in die Erzählung hineintaucht. Es werden wichtige Themen wie Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, psychische Belastung, Darstellung menschlicher Abgründe und die Suche nach einer erklärenden Wahrheit aufgegriffen, unterhaltsam verarbeitet.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Herausforderungen

Strong Female Character
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Fern Brady stellt sich in ‘Strong Female Character‘ den Herausforderungen in ihrem Leben. Schonungslos ehrlich berichtet sie von ihren Störungen in der sozialen Kommunikation, die sie bereits in frühester ...

Fern Brady stellt sich in ‘Strong Female Character‘ den Herausforderungen in ihrem Leben. Schonungslos ehrlich berichtet sie von ihren Störungen in der sozialen Kommunikation, die sie bereits in frühester Jugend spürte, deren Ursachen jedoch erst viel später als erwachsene Frau bei ihr als Autismus diagnostiziert wurde. Sie erzählt mit welchen Reaktionen aus ihrer Umwelt sie zurechtkommen muss. Diskriminierungen, Ausgrenzung sind gesellschaftlich vorherrschende Verhaltensweise gegenüber abnormalen Verhaltensmustern, die von den Betroffenen als schmerzlich und ungerecht empfunden werden.
Das Erkennen der Krankheit ist eine wichtige Voraussetzung, um die Handlungsweisen im Alltag zu regulieren. Erfahrungen öffentlich zu machen in Form einer biografischen Darstellung hilft eine allgemeine Erkenntnis zu entwickeln, aufzubauen und damit Verständnis füreinander zu finden. Es ist ein starkes Buch, das Mut erfordert, aber mit einem der Autorin eigenen Humor umgesetzt wurde.

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