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Veröffentlicht am 22.02.2026

Leben im Wandel der Zeiten

Alma
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Federica Manzon zeichnet in ihrem preisgekrönten Roman ‘Alma‘ das Bild einer jungen Frau, die sich in einem tiefen, inneren Zwiespalt zwischen den Werten ihrer Großeltern und denen ihrer Eltern befindet. ...

Federica Manzon zeichnet in ihrem preisgekrönten Roman ‘Alma‘ das Bild einer jungen Frau, die sich in einem tiefen, inneren Zwiespalt zwischen den Werten ihrer Großeltern und denen ihrer Eltern befindet. Während die Großmutter und der Großvater sich in geordneten, großbürgerlichen, intellektuellen Kreisen bewegen, in Gedenken an vergangene Zeiten der Zugehörigkeit ihrer Stadt Triest zur österreich-ungarischen Monarchie, führen Almas Eltern ein Leben, welches unaufgeräumt und chaotisch verläuft, durch häufige, spontane Abwesenheiten des Vaters und ein distanziertes Verhältnis zur Mutter geprägt ist. Liebe wird im Elternhaus eher durch konsequentes Schweigen zum Ausdruck gebracht, was eine von der Vergangenheit unbelastete Gegenwart ermöglichen soll. Vili, ein Junge mit kroatischen Wurzeln, der eines Tages Teil der Familie wird, schafft zusätzlich bei Alma große emotionale Verwirrung. Die quälende Auseinandersetzung zwischen Herkunft und daraus resultierender Zugehörigkeit sind Gedanken, die das Gefühlsleben der Protagonistin besonders herausfordern.
Die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen im Vielvölkerstaat Jugoslawien nach dem Tod von Marschall Tito, die sich zu einem bestialischen Völkermord entwickelten, bilden einen Schwerpunkt der Geschichte. Dargestellt wird die Verkommenheit von Machtstrukturen, deren ethische Maßstäbe einem friedlichen Zusammenleben zutiefst widersprechen.
Die Komplexität der angesprochenen Themen werfen zunächst Fragen zum Geschehen auf, finden im weiteren Verlauf der Geschichte ihre Antworten, wobei auch zwischen den Zeilen gelesen werden kann und sollte. Historische Kenntnisse rund um die Stadt Triest und Jugoslawien helfen bei dieser Lektüre. Der Roman erfordert konzentriertes Lesen, um die Sprünge in der zeitlichen Abfolge gepaart mit einem anspruchsvollem Schreibstil zu meistern.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Einflussreiche Tage

Tage des Lichts
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Megan Hunter erzählt in ihrem Roman ‘Tage des Lichts‘ von Ivy, einer neunzehnjährigen Frau von 1938, die in einer Familie aufwächst, deren Lebensraum die Kunst darstellt. Da gibt es die erfolgreiche Mutter ...

Megan Hunter erzählt in ihrem Roman ‘Tage des Lichts‘ von Ivy, einer neunzehnjährigen Frau von 1938, die in einer Familie aufwächst, deren Lebensraum die Kunst darstellt. Da gibt es die erfolgreiche Mutter Marina und der Stiefvater Agnus sind erfolgreiche Maler, die sich einen gewissen Lebensstandard leisten können. Die Schwester von Marina, Genevieve und ihr Ehemann Hector sind im schriftstellerischen Gewerbe tätig.
Zu einem großen Osteressen auf dem Anwesen Cressingdon finden sich neben den genannten Personen auch Ivys Bruder Joseph, seine Verlobte Frances und ein Freund der Familie namens Bear ein. Auf ungeklärte Weise und unter recht dubiosen Umständen verschwindet an diesem Tag Joseph. Dieses Ereignis stürzt die Familie in ein tiefes Loch der Trauer. Ivy heiratet einen Freund der Familie, der um einiges an Jahren älter ist als sie. Sie bekommen Kinder. Ivy lebt ohne ihren innigsten Wünschen Beachtung zu schenken. Die sich entwickelnde, recht ambivalente Beziehung zwischen Ivy und Frances scheint gefangen zu sein in den Strukturen ihres Daseins.
Der Schreibstil der Autorin ist konservativ, eher zurückhaltend mit poetischen Zügen, die die Charaktere ihrer Protagonisten gut zeichnen.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Geschmachshäppchen

Glossen, nachts um halb drei
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Laut Duden bezeichnet man eine Glosse unter anderem als eine spöttische Randbemerkung sowie einen knappen polemischen Kommentar in Presse, Rundfunk oder Fernsehen zu aktuellen Ereignissen und Problemen. ...

Laut Duden bezeichnet man eine Glosse unter anderem als eine spöttische Randbemerkung sowie einen knappen polemischen Kommentar in Presse, Rundfunk oder Fernsehen zu aktuellen Ereignissen und Problemen. Ebenso scharfzüngig wie intellektuell anspruchsvoll oder auch ansprechend, man suche sich hier ganz individuell den passenden Anspruch heraus, präsentieren sich diese wohlproportionierten Essenzen aus dem Alltagsgeschehen in pointierter Wortwahl, die gegebenenfalls auch mal ein Nachschlagen zum Zwecke eines klaren Verständnisses notwendig macht. Doch es lohnt sich in jedem Fall, diese Geschmackshäppchen zu konsumieren, zu verarbeiten und ihnen Zeit zum Verdauen zu gönnen.
Die ausgewählten Texte in ‘Glossen, nachts um halb drei‘ von Jan C. Behmann wurden zwischen 2021 und 2023 in der Wochenzeitung ‘Der Freitag‘ veröffentlicht. Es ist unglaublich spannend das Zeitgeschehen zu reflektieren und Vergleiche zur Gegenwart anzustellen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Quälende Angst

Hinter meiner Tür
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Lisa Monroe hat es in ihrer Jugend nicht leicht gehabt. Zerrüttete Familienverhältnisse sind bei ihr von frühestem Kindesalter an für neurotische Zwangshandlungen verantwortlich. Sie hat sich arrangiert ...

Lisa Monroe hat es in ihrer Jugend nicht leicht gehabt. Zerrüttete Familienverhältnisse sind bei ihr von frühestem Kindesalter an für neurotische Zwangshandlungen verantwortlich. Sie hat sich arrangiert und arbeitet als Ordnungscoach, gibt verzweifelt Hilfesuchenden, die sich aus ihrem persönlichen Chaos aus den unterschiedlichsten Gründen befreien möchten, praktische Hilfestellungen. Sie ist eine freundliche, zugewandte junge Frau, die ihre Umwelt auf Distanz hält und vor allem mit Abstand betrachtet. Zu Tom Quinn, einem ambitionierten Architekten, beginnen sich gerade zarte Bande zu entwickeln, die noch von großer Unsicherheit und damit Zerbrechlichkeit geprägt sind, als Lisa Unregelmäßigkeiten in ihrem häuslichen Ordnungssystem entdeckt. Sie fühlt sich verfolgt und gerät immer mehr aus der Fassung, verursacht durch näher an sie herangetragene, bösartige Bedrohungen.
Rose Hard lässt ihre Protagonistin Lisa in ihrem Roman ‘Hinter meiner Tür‘ selbst von ihren Gefühlen und Gedanken berichten. Mit ihrem Schreibstil, der die Atemlosigkeit, Erschöpfung und die sich steigernde Angst sehr nah und nachvollziehbar darstellt, erzeugt die Autorin eine Sogwirkung beim Lesen. Man befindet sich selbst mitten im Geschehen, hört die Dielen knarren, die Wände Geräusche abgeben, schlürfende Schritte. Ein beklemmendes Szenario, in dem zwischen Freund und Feind nicht mehr unterschieden werden kann, baut sich auf, welches eine wirkungsvolle, fesselnde Spannung Stück für Stück entstehen lässt, die bis zum erschütternden Abschluss der Geschichte anhält.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Überleben

Wo das Schweigen wohnt
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Lea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen ...

Lea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen mussten, was es bedeutet gegen den Willen der Kriegsmächte zu überleben, allein zu flüchten durch völlig zerstörte Landschaften, abgewiesen zu werden von verängstigten Bewohnern dieser Landstriche, Hunger, körperliche und seelische Schmerzen zu ertragen, lautlos und unsichtbar zu werden, dabei mehr dem Instinkt zu folgen und zivilisierte Gewohnheiten auszuschalten. Sie setzt einer Generation hochgradig traumatisierter Menschen, die sich auf den Weg von Ostpreußen nach Deutschland machen mussten ein Denkmal gegen das Vergessen und zeigt gleichzeitig welche Last die Nachfahren tragen und wie unendlich schwer die Aufarbeitung der Geschehnisse ist, um eine generationsübergreifende Heilung zu ermöglichen.
Sie greift Sachverhalte wie Schrecken des Krieges, Tod, Verlust, Angst, Gräueltaten (Vorsicht: Trigger-Warnung) und das daraus resultierend familiäre Schweigen auf, die in einer äußerst lebendigen, bildhaften Sprache verarbeitet sind. Ihre Geschichte ist fiktiv erzählt, lehnt sich jedoch stark an historische Ereignisse an. In emotional ausgebauten Szenen verfolgen wir das Leben von Margret, die versucht ihrer Familie in niedergeschrieben Zeilen zu erklären, worüber sie nie in der Lage war, mündlich zu kommunizieren. Dabei brechen tiefsitzende Wunden bei den Kindern und Kindeskindern auf. Es gelingt ihr den Familienverband zu vereinen, man lernt sich kennen, indem die eigenen Geschichten erzählt werden. Viel Stoff auch für den demnächst erscheinenden Folgeroman.
Ein schweres Thema mit zum Teil sehr verstörenden Erlebnissen aus der Nachkriegszeit und der Darstellung einer mühsamen, behutsamen Aufarbeitung mit dem Ziel einer langfristigen mentale Gesundung nachfolgender Generationen.

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