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Veröffentlicht am 12.01.2026

Alles auf Neustart

Bestie
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Alles auf Neustart
Passend zum Jahresbeginn spielt bei „Bestie“ von Joana June (@joanajune) das Thema Neubeginn die zentrale Rolle.
📖 Delia zieht nach Hamburg, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. ...

Alles auf Neustart
Passend zum Jahresbeginn spielt bei „Bestie“ von Joana June (@joanajune) das Thema Neubeginn die zentrale Rolle.
📖 Delia zieht nach Hamburg, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Sie ändert ihren Namen und wird zu Lilly, zieht in eine WG und wohnt nun zusammen mit der superbekannten Influencerin Anouk. Lilly startet ihr Projekt, sich selbst neu zu definieren und merkt schnell, dass sie damit Erfolg hat. Anouk hingegen merkt immer mehr, wie ihr ihr Leben entgleitet. Die beiden jungen Frauen leben miteinander, treten als Freundinnen auf, wissen aber eigentlich kaum etwas von den Sorgen und Ängsten der anderen.
⭐Ich mochte, dass @joanajune
in ihrem Debutroman offen und klar auftritt. Sie konfrontiert sich und die Leser:innen mit Themen wie Einsamkeit, Unsicherheit, Oberflächlichkeit und der Frage, ob es gutgehen kann, wenn man sich selbst neu erfindet und dieser Neuanfang auf Lügen basiert.

⭐Die Geschichte liest sich leicht, schnell und ist flüssig geschrieben, plätschert aber an einigen Stellen ein bisschen ohne Ausschläge nach oben oder unten vor sich hin.
⭐Ich hab das Buch gerne gelesen, aber irgendwie hat mir ein bisschen was gefehlt, irgendwie ist alles so dahergeschwommen, dabei durchaus gut zu lesen, aber irgendwie wenig ereignis- oder abwechslungsreich. Ab und zu hätte ich mir gewünscht, über Personen oder Ereignisse etwas mehr zu erfahren (Jamal, Soho, Spieluhr, die Beziehung zu Ciel und Delias/Lillys Prozess der Realisierung, was da nicht gut lief).
⭐Großartig finde ich die Doppeldeutigkeit des Titels „Bestie“!

💬 „Ich werde mich beenden. Und dann neu erschaffen.“

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Veröffentlicht am 31.12.2025

merkwürdige Freundschaft

Dius
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Dius & Anton – total unterschiedliche Typen, aber irgendwie connected. Dius taucht einfach bei Anton auf und zieht ihn mit in ein altes Dorfhaus, wo sie zusammen werkeln, quatschen und die Zeit vergessen. ...

Dius & Anton – total unterschiedliche Typen, aber irgendwie connected. Dius taucht einfach bei Anton auf und zieht ihn mit in ein altes Dorfhaus, wo sie zusammen werkeln, quatschen und die Zeit vergessen. Zwischen Kunst, Spaziergängen und Deep Talks entsteht eine tiefe Freundschaft, die phasenweise auch außer Kontrolle geraten zu scheint.
Ich mochte die sehr gründliche Charakterstudie der Personen, manche Einzelepisoden (Rettungsschwimmer) standen aber erstmal etwas unzusammenhängend im Raum. Aber je mehr ich gelesen habe, desto besser bin ich mit dieser Art des Erzählens zurechtgekommen.
Einige Fragen bleiben für mich unbeantwortet: Warum ernähren die beiden sich so spartanisch, sie könnten doch auch in den Supermarkt fahren und Lebensmittel kaufen? Bekommt man vom miteinander Ringen wirklich Schluckauf?
Auch das Verhältnis der beiden Männer zueinander bleibt für mich durchgehend rätselhaft. Will Dius wirklich nur Antons Freund sein?
Ein Buch über Nähe, Erinnerungen und wie Menschen sich auf unerwartete Weise berühren können. Geht kunstgeschichtlich in die Tiefe und ist auf jeden Fall ein anspruchsvoller, komplexer und sehr nachdenklich stimmender Roman von Stefan Hertmans (@hertmansstefan).

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Female Rage

NEMESIS' TÖCHTER
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„Nemesis‘ Töchter“ von Tara-Louise Wittwer habe ich mit unserem Buchclub gelesen, Ohne ihn hätte ich es mir wahrscheinlich auch gar nicht gekauft.
In diesem Buch verbindet @wastarasagt feministische Essays ...

„Nemesis‘ Töchter“ von Tara-Louise Wittwer habe ich mit unserem Buchclub gelesen, Ohne ihn hätte ich es mir wahrscheinlich auch gar nicht gekauft.
In diesem Buch verbindet @wastarasagt feministische Essays mit mythologischen und historischen Erzählungen über Frauen und ihre Wut. Die Autorin zieht Linien von antiken Göttinnen bis zu heutigen Erfahrungen weiblicher Ohnmacht und Rebellion. Das Buch ist ein Mix aus Storytelling, Zeitgeist und feministischer Spurensuche.
Der Einstieg fiel mir etwas schwer, weil es hier gleich mal um eine Auslegung von „The Great Gatsby“ geht, die ich so nicht teile. Dass die Geschichte von F. Scott Fitzgerald gefeiert wurde, die von U. Parrott nicht, kann man Fitzgerald nicht vorwerfen- ich finde nicht, dass er zum brillanten Autor „stilisiert“ wurde, sondern er WAR ein wirklich guter Autor und hat ein brillantes Buch geschrieben. Das darf man ihm nicht abschreiben, auch wenn es Parrott ungerechterweise verwehrt wurde.
(Anm.: Daisy (die Frau!) entscheidet sich gegen den reichen Gatsby…)
Ich habe in diesem Buch viele Aspekte entdeckt, über die ich wirklich länger nachgedacht habe und die ich auch mega wichtig finde. Insgesamt ist es mir too much, dass gefühlt alles female rage zugeschrieben und darauf reduziert wird.
Aber klar, es gibt diese Punkte, es gibt diese Unterschiede- auf jeden Fall! Schönheitsideale, Chill Girls, Pick Me Girls, Männer, die Raum beanspruchen, der ihnen nicht zusteht- ich sehe all das auch, absolut.
Ich weiss nur auch, dass viele Männer in meinem Umfeld mit den Attributen, die ihnen gesellschaftlich zugeschrieben sind, auch nicht glücklich sind und inflationär als „old white men“ bezeichnet werden, obwohl sie ganz anders ticken.
Ich glaub, grundsätzlich bin ich eher Typ Kommunikation und Miteinander als Typ Rage und Vorverurteilung.
Aber noch einmal: In vielem, was die Autorin beschreibt, sieht sie Realitäten, die es unbedingt zu benennen lohnt – gerne auch wütend.

„Von Männern schön gefunden zu werden, ist eine Währung.“

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Veröffentlicht am 30.09.2025

verwirrend

Medulla
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Polyamourös

In „Medulla“ von Verena Güntner trifft man auf drei Paare. Das Thema Schwangerschaft und Kinderwunsch spielt bei allen sechs eine maßgebliche Rolle.
Siv und Jan führen eine Beziehung, in der ...

Polyamourös

In „Medulla“ von Verena Güntner trifft man auf drei Paare. Das Thema Schwangerschaft und Kinderwunsch spielt bei allen sechs eine maßgebliche Rolle.
Siv und Jan führen eine Beziehung, in der sich Siv aushalten lässt. Jan scheint Sivs zusätzliche Sexerlebnisse hinzunehmen. Als Siv schwanger wird, entscheidet sie sich gegen das Kind.

Leyla wird schwanger, nachdem sie und David lange erfolglos probiert haben, ein Kind zu bekommen. Doch auch sie entscheidet sich dafür, das Kind nicht zu bekommen.
Esther hingegen ist schwanger und von der Fürsorge ihres Partners Jacob genervt. Deshalb flieht sie aus der Situation und lässt sich stattdessen von lem_lem zu den Kontrollterminen bei der Frauenärztin begleiten. Hochschwanger schläft sie mit ihm. Sie realisiert, dass Jacob die bessere Mutter wäre. Mit Folgen.

Ich kam rein sprachlich gut ins Buch rein. Es liest sich easy, es fließt.
Irgendwie hatte ich aber den Eindruck, dass es ganz schön drunter und drüber geht und wenig auf die Gefühle anderer Menschen Rücksicht genommen wird. Vor allem die weiblichen Charaktere handeln sehr egoistisch und kompromisslos. Unsympathisch!

Mein Eindruck war, dass die Männer in der Geschichte sehr schlecht wegkommen.
Dieses Buch lässt mich etwas verwirrt zurück: Schwangerschaften werden abgebrochen, ohne den Partner auch nur zu hören, kurz vor der Geburt entscheidet man sich, doch lieber keine Mutter werden zu wollen.
Für mich haben die Entscheidungen wenig bis nichts mit Emanzipation zu tun, sondern entstehen vor allem durch mangelnde Kommunikation der Paare, fehlende Empathie und Rücksichtslosigkeit.

Puh- ich bin mir sicher, dass dieses Buch kontrovers diskutiert werden wird. Ich fand es ungewöhnlich zu lesen, aber gemocht hab ich wirklich niemanden. Krass.

„Ich hab heute Morgen geholfen, eine Kuh zu schlachten. Ich hab mich nicht gewaschen, weil ich euch beiden etwas mitbringen wollte.“

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Veröffentlicht am 22.09.2025

still, poetisch, schön

Spät am Tag
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Johanne, kommt in das Haus zurück, in dem sie vor fast 20 Jahren erst als Untermieterin, dann als Freundin von Mikael gemeinsam mit dessen Tochter Maren gelebt hat.
Erinnerungen werden wach, ...

Johanne, kommt in das Haus zurück, in dem sie vor fast 20 Jahren erst als Untermieterin, dann als Freundin von Mikael gemeinsam mit dessen Tochter Maren gelebt hat.
Erinnerungen werden wach, Gefühle kehren wieder. Johanne setzt sich intensiv mit ihrer Zeit in diesem Haus und dem Verlust von Mikael auseinander. Sie schreibt dort, inmitten der Natur, ihre Geschichte auf.

Dieser Roman kommt leise daher. Er ist sehr poetisch, sehr still und doch passiert vieles, über das sich das Nachdenken lohnt.

Der Einstieg kommt aber schonungslos daher und ich hatte echt ein bisschen Bedenken, dass der Roman sich jetzt hauptsächlich um Johannes versiegende Monatsblutungen dreht. Dem war aber nicht so. Der weibliche Zyklus findet hier schon hin und wieder Beachtung, wird dann aber eher dezent in die Geschichte integriert. Das hat mir dann sehr gut gefallen.

Die Konstellation, die Johanne in ihrem neuen Zuhause vorfindet, macht ihr durchaus und absolut nachvollziehbar zu schaffen: die Vertrautheit Mikaels mit seiner Exfrau und das Leben mit deren Tochter fordert Johanne täglich. Trotzdem ist es etwas ganz anderes, das in der Erinnerung überwiegt: das Gefühl der Geborgenheit, der Zugehörigkeit und der großen Liebe.

„Es gibt ein Vertrauen in die Welt, das man nach der ersten Kindheit nie wiedergewinnt.“

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