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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2026

komplex, temporeich und hochbrisant

Blendfeuer
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Mit ‚Blendfeuer“ setzt der norwegische Autor Ingar Johnsrud seine spannende Polit-Thriller-Reihe um die Ermittler Liselott Benjamin und Martin Tong sowie den Juristen Jens Meidell fort. Oder sollte ich ...

Mit ‚Blendfeuer“ setzt der norwegische Autor Ingar Johnsrud seine spannende Polit-Thriller-Reihe um die Ermittler Liselott Benjamin und Martin Tong sowie den Juristen Jens Meidell fort. Oder sollte ich sagen den Politiker Meidell? Denn drei Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes belohnt Ministerpräsident Greger seine Loyalität, Jens Meidell wird zum Justizminister ernannt und hat Ambitionen in der Arbeiterpartei eine Spitzenposition zu erlangen. Doch es warten sowohl politisch als auch persönlich einige Herausforderungen auf ihn.
Während des Nationalfeiertages wird in Oslo in der Tiefgarage eines Hotels ein Mann erschossen, der dem polizeilichen Sicherheitsdienst PST vorher verdächtig aufgefallen ist. Schnell ist jedoch der Nachrichtendienst am Tatort, um die Ermittlungen an sich zu reißen.
Am selben Tag explodiert über der Ostsee ein Militärflugzeug während eines Übungsflugs mit acht ukrainischen Soldaten an Bord. Das PST soll in diesem Fall ermitteln, muss dabei aber achtsam vorgehen, da in Norwegen gerade geheime Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland stattfinden; mehr will ich zum Inhalt nicht verraten.
Die Handlung ist komplex, temporeich und höchst brisant. Der Thriller gibt Einblicke in perfide politische Machenschaften und Verstrickungen. Die Ereignisse erscheinen erschreckend real, es wirkt authentisch, wie die Politiker ihre unterschiedlichen Ziele zu erreichen versuchen, sei es politisch oder persönlich motiviert. Die Moral bleibt dabei des öfteren auf der Strecke. Aber der Thriller zeigt auch, wie schwierig es sein kann, bei Themen wie Krieg und Terror die ‚richtige‘ Entscheidung zu fällen und durchzusetzen, wenn allzu unterschiedliche Interessen aufeinander treffen.
Dieser Band ist unabhängig vom ersten Teil lesbar, um die persönliche Entwicklung und die Verflechtung einiger Charaktere zu verstehen, kann es aber hilfreich sein, zusätzlich zu den eingestreuten Hinweisen die ganze Vorgeschichte zu kennen.
In der Hörbuchfassung setzt Tim Gössler mit seiner markanten Stimme die Ereignisse überzeugend in Szene.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

spannend mit vielen unerwarteten Wendungen

Home Before Dark
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Eva Björg Ægisdóttirs Psychothiller ‚Home before Dark‘ entwickelt sich schnell zum Pageturner. Die Haupthandlung spielt auf Island im Jahr 1977, als Marsibil, genannt Marsi, zum 10.Jahrestag des Verschwindens ...

Eva Björg Ægisdóttirs Psychothiller ‚Home before Dark‘ entwickelt sich schnell zum Pageturner. Die Haupthandlung spielt auf Island im Jahr 1977, als Marsibil, genannt Marsi, zum 10.Jahrestag des Verschwindens ihrer 2 Jahre älteren Schwester Stína zu ihren Eltern aufs Land fährt. Marsi fühlt sich mitschuldig am Schicksal ihrer Schwester, denn genau am Tag und Ort von Stínas Verschwinden sollte Marsi sich dort mit ihrem heimlichen Brieffreund treffen, und in den Briefen hatte sie sich als ihre ältere Schwester Stína ausgegeben. Es wurde bis auf eine zurückgelassene blutige Jacke keine Spur von Stína gefunden, und nun, nach 10 Jahren, hat Marsi erneut einen Brief bekommen, mit der selben Schrift wie damals. Zu ihrer jahrelangen Scham kommt Angst dazu, und sie versucht, der Wahrheit hinter Stínas Verschwinden auf den Grund zu gehen.
Ein weiterer Handlungsstrang beginnt im Jahr 1966 und stellt parallel zu Marsis Nachforschungen 10 Jahre später, aus der Sicht sowohl Marsis als auch Stínas die Entwicklungen vor deren Verschwinden dar. Im Verlauf wird immer deutlicher, dass vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, und wie es Marsi zunehmend schwerer fällt, Realität und Traum auseinander zu halten.
Wie schon in der Krimi-Reihe Mörderisches Island fasziniert mich auch hier die Art und Weise, wie die Autorin mit der Wahrnehmung ihrer Leser spielt. Sie schildert Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven und streut Details geschickt so, dass sich ein subjektives Bild ergibt. Je nach Betrachter, erscheinen Erinnerungen jedoch sehr unterschiedlich, meine Einschätzungen zu den Charakteren haben sich im Verlauf immer wieder gewandelt und die Wendungen in der Geschichte haben mich wiederholt überrascht.
Dieser Psycho-Thriller hat einmal mehr meine Begeisterung für die Bücher der Autorin geweckt, mir hat die Geschichte sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

spannender Krimi mit dystopischer Geschichte

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Mit dem Titel ‚Wellengrab‘ gibt es nach längerer Pause einen neuen Band aus Stefan Ahnhems Reihe um Kommissar Fabian Risk. Während frühere Bände der Reihe aufeinander aufbauten, ist dieser Krimi unabhängig ...

Mit dem Titel ‚Wellengrab‘ gibt es nach längerer Pause einen neuen Band aus Stefan Ahnhems Reihe um Kommissar Fabian Risk. Während frühere Bände der Reihe aufeinander aufbauten, ist dieser Krimi unabhängig von der Vorgeschichte lesbar und bietet Neueinsteigern wie Fans eine fesselnde und verstörende Geschichte.
Nach den Ereignissen der Vorgeschichte, die Fabian Risk beruflich und persönlich einschneidend belastet hat, sind einige Jahre vergangen. Er ist etwas zur Ruhe gekommen, auch seine Tochter Matilda hat neuen Lebensmut gewonnen und ein Studium begonnen. Fabian Risk und Matilda sind in einer Sommernacht mir ihrem Segelboot auf dem Öresund unterwegs, als sie Zeuge werden, wie ein Stromausfall große Teile des Festlandes in Dunkelheit hüllt.
Die Polizei erfährt kurz darauf, dass während des Stromausfalls einige Straftaten verübt wurden, unter anderem ein bewaffneter Banküberfall, bei dem Zeugenaussagen mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Fabian wird zudem von einer früheren Schulfreundin kontaktiert, deren Tochter in dieser Nacht unter seltsamen Umständen entführt wurde. Gibt es Zusammenhänge? Was soll vertuscht werden?
Der Leser ist den Ermittlern einen Schritt voraus und erfährt, auf welch perfide Art und Weise eine organisierte Gruppe hier im Hintergrund agiert.
Der Krimi beweist einmal mehr, dass Stefan Ahnhem sein Handwerk versteht. Er greift sowohl aktuelle politische Entwicklungen auf als auch Phänomene im Umgang mit sozialen Medien, die die Gesellschaft beschäftigen. Was kann passieren, wenn diese Instrumente in falsche Hände fallen?
Die Geschichte wird in verschiedenen parallelen Handlungssträngen erzählt, die für einen hohen Spannungsbogen sorgen, gerade in der letzten Hälfte mochte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Auch wenn die zugrunde liegenden Intrigen ein wenig zu perfide erscheinen, ist der Kern an Wahrheit hinter den Entwicklungen genug, um beim Lesen Gänsehaut zu bekommen und sich zu fragen, wie schnell tatsächlich durch manipulative Eingriffe in die Gesellschaft Demokratien untergraben werden können.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

vielschichtiger und düsterer Thriller

Die Farm der Mädchen
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Auch wenn es nicht explizit beworben wird, ist Hans Rosenfeldts aktueller Thriller mit dem Titel ‚Die Farm der Mädchen‘ der zweite Band einer Reihe aus der Stadt Haparanda nahe der finnischen Grenze.
Ein ...

Auch wenn es nicht explizit beworben wird, ist Hans Rosenfeldts aktueller Thriller mit dem Titel ‚Die Farm der Mädchen‘ der zweite Band einer Reihe aus der Stadt Haparanda nahe der finnischen Grenze.
Ein Jahr ist vergangen, seit die Polizistin Hannah Wester in den dramatischen Ereignissen des ersten Bandes ihren Mann verloren hat. Ihre Hoffnung auf einen ruhigen Wiedereinstig in den Dienst wird schnell zunichte gemacht; an ihrem ersten Arbeitstag wird die Leiche eines Neugeborenen auf dem alten Cholera-Friedhof gefunden, von der Mutter fehlt jede Spur.
In einem weiteren Handlungsstrang erhält die Profikillerin Katja nach ihrem Misserfolg in der Vorgängergeschichte eine neue Chance und einen neuen Auftrag: sie wird erneut nach Haparanda geschickt, diesmal um zwei junge, hochschwangere Frauen zu finden, die von der Farm geflohen sind.
Zur gleichen Zeit spricht ein aufstrebender schwedischer Politiker im Fernsehen über die unfreiwillige Kinderlosigkeit von ihm und seiner Frau, verrät aber live, dass sie bald Eltern werden. Dardana ist eine der gesuchten Frauen auf der Flucht, und als sie den Politiker in dem Interview wiederkennt, wittert sie eine Chance auf einen Ausweg aus ihrer Lage.
Die Ereignisse in Haparanda verbinden das russische organisierte Verbrechen mit einer düsteren Geschichte über Menschenhandel und die Leihmutterschaftsindustrie, während das Setting in Haparanda für eine düstere Atmosphäre sorgt mit seiner abgeschiedenen Lage sowie wirtschaftlichen und sozialen Problemen.
Die Geschichte ist temporeich erzählt mit vielen Perspektivwechseln, sie springt zwischen dem Team der Ermittler, der Perspektive der Täter und den traumatisierten Opfern, was für Abwechslung und einen hohen Spannungsbogen sorgt. Man spürt in der Erzählweise, dass der Autor auch Drehbücher verfasst, die Szenenwechsel erinnern an Filmschnitte.
Für Hannah Wester ist dieser Fall aufgrund ihrer persönlichen Geschichte eine besondere Herausforderung und Motivation, sie ist eine starke Hauptfigur, die sowohl ihre Stärke beweisen als auch ihre Schwächen ausleben darf.
Mir gefällt die Mischung des Thrillers, der eine spannende Geschichte erzählt, aber auch gesellschaftspolitische Themen hinterfragt und seine Figuren moralische Zwiespalte austragen lässt.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

ein großartiger und sehr bewegender Roman

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Das Hörbuch zu dem Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ hat mich so sehr berührt wie kaum ein anderer. Die Geschichte erscheint umso beklemmender in dem Wissen, dass die Figuren zwar fiktiv ...

Das Hörbuch zu dem Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ hat mich so sehr berührt wie kaum ein anderer. Die Geschichte erscheint umso beklemmender in dem Wissen, dass die Figuren zwar fiktiv sind, der Roman aber auf tatsächlichen Schicksalen, Zeitzeugen-Berichten und realen Ereignissen basiert.
Susanne Abel greift hier die Geschichte von Kindern auf, die nach dem 2.Weltkrieg im Heim gelandet sind, nachdem sie ihre Familien verloren haben. Im Roman wird ein kleinere Junge allein in einem Kindertransport in Deutschland aufgefunden. Er ist zu jung und zu verstört, um sich an seinen Namen oder seine Herkunft zu erinnern, die Schrift auf seiner Begleitkarte ist kaum leserlich, er bekommt den Namen Hartmut zugeteilt. Im Heim lernt er die etwas ältere Margret kennen, die sich um ihn kümmert und die einzige ist, bei der Hardy zu sprechen beginnt. In Margrets Gegenwart zeigt er, dass er nicht so debil ist, wie es die Nonnen im Heim annehmen.
Im Verlauf der Geschichte werden Hardy und Margret getrennt, beide müssen einiges an Unrecht ertragen, bis sie wieder aufeinandertreffen. Erneut ist es Margret, die sich Hardys annimmt, er wird zu ihrer Familie und ihrem Ankerpunkt im Leben.
In einem weiteren Handlungsstrang in der Gegenwart sind die beiden Urgroßeltern von Emily, die bei den beiden aufwächst, da ihre Mutter mit der Erziehung überfordert ist. Die Traumata, die Hardy und Margret erlitten und nie aufgearbeitet haben, wirken bis in die Gegenwart nach, beeinflussen auch Jahre später die Beziehungen zu Menschen in ihrem Umfeld. Generationen später bekommt auch Emily die Folgen zu spüren, sie ist es jedoch, die als Jugendliche nach Antworten sucht und das Schweigen ihrer Familie durchbricht.
Dieser Roman ist spannend erzählt, gleichzeitig schnörkellos und in hohem Maße emotional. Bei Hören der Audiofassung, gelesen von Vera Telz, musste ich immer wieder Pausen einlegen, um die unfassbar erscheinenden Ereignisse und Entwicklungen verarbeiten zu können. Ich bin nicht leicht am Wasser gebaut, hier konnte ich so manches Mal die Tränen nicht zurück halten. Für mich ist dies ein herausragender Roman mit einem Stück wichtiger historischer Aufklärung.

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