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Veröffentlicht am 05.01.2026

Gerettet – und trotzdem verloren

Die Rettung
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Man spürt den Kohlestaub förmlich auf der Haut, hört das Knacken der Stollen und hält beim Lesen unwillkürlich die Luft an. Diese Geschichte packt nicht mit großen Effekten, sondern mit einer Wucht, die ...

Man spürt den Kohlestaub förmlich auf der Haut, hört das Knacken der Stollen und hält beim Lesen unwillkürlich die Luft an. Diese Geschichte packt nicht mit großen Effekten, sondern mit einer Wucht, die leise kommt und lange bleibt. Andreas Bentsch wird gerettet – zweimal sogar – und doch beginnt danach erst der eigentliche Abstieg. Arbeit weg, Würde angekratzt, Angst im Nacken. Willkommen in einer Zeit, in der Menschsein schnell zur Gefahr wurde.

Der Roman fühlt sich an wie ein kalter Wintermorgen: nüchtern, hart, aber glasklar. Seghers schreibt schnörkellos, fast spröde, und genau das trifft. Kein Pathos, kein erhobener Zeigefinger, nur das stille Protokoll eines Mannes, der immer wieder aufsteht, obwohl die Welt ihm ständig die Beine wegzieht. Beim Lesen kommen Gedanken wie von selbst: Wie hätte man selbst gehandelt? Mutig? Feige? Gar nicht?

Besonders stark ist diese permanente Bedrohung, die zwischen den Zeilen lauert. Die Nationalsozialisten sind da, lange bevor sie offen zuschlagen. Misstrauen wird zum Alltag, Hoffnung zur heimlichen Währung. Und dann dieser Gedanke, der hängen bleibt: Rettung bedeutet hier nicht Sicherheit, sondern Verantwortung. Wer überlebt, kann nicht einfach weitermachen.

Das Nachwort und der Stellenkommentar geben dem Ganzen zusätzlich Tiefe und zeigen, wie aktuell dieser Roman leider geblieben ist. Kein Wohlfühlbuch, aber eines, das nachhallt. Eines, das den Kaffee kalt werden lässt, weil man noch eine Seite lesen muss. Und noch eine.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Mehr Energie beginnt in der Küche: Mein Eindruck zu Jule Kleins Kochbuch

Neustart Ernährung
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Vielleicht hat ja der eine oder andere gerade Neujahrsvorsätze – bei mir steht dieses Jahr ganz klar: mehr Abwechslung beim Kochen und bewusster essen. Ich möchte neue Rezepte ausprobieren und mich auch ...

Vielleicht hat ja der eine oder andere gerade Neujahrsvorsätze – bei mir steht dieses Jahr ganz klar: mehr Abwechslung beim Kochen und bewusster essen. Ich möchte neue Rezepte ausprobieren und mich auch mal aus meiner gewohnten Komfortzone herauswagen. Den Anfang macht deshalb das Kochbuch „Neustart Ernährung – Meine Rezeption für mehr Energie“ von Jule Klein.

Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Kochbuch und Ratgeber. Neben insgesamt 60 überwiegend vegetarischen und veganen Rezepten vermittelt Jule Klein verständliches Wissen rund um antientzündliche Ernährung, Nährstoffe und deren Einfluss auf Energie, Schlaf und Wohlbefinden. Dabei fühlt man sich nicht belehrt, sondern gut abgeholt. Die Rezepte decken den ganzen Tag ab – vom Frühstück bis zum Abendessen – und wirken alltagstauglich, kreativ und dennoch unkompliziert. Besonders schön finde ich, dass viele Gerichte pflanzenbasiert sind, ohne dabei dogmatisch zu wirken.

Was mir persönlich sehr gefallen hat, ist der motivierende Ton des Buches. Es geht nicht um Verzicht, sondern um kleine Veränderungen, die langfristig einen Unterschied machen können. Die Kombination aus Hintergrundwissen und konkreten Rezeptideen macht Lust, direkt loszulegen. Für mich ist Neustart Ernährung ein inspirierender Begleiter für alle, die ihrem Körper etwas Gutes tun möchten und offen für neue Impulse in der Küche sind – ganz ohne Druck, dafür mit viel Genuss und frischen Ideen.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Zwischen Geysir, Gänsehaut und gemeinsamen Aha-Momenten

DUMONT Bildatlas Island
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Kein Reiseführer, der mit erhobenem Zeigefinger erklärt, wo man hinmuss, sondern eher einer, der sich neben einen setzt, Kaffee einschenkt und sagt: Schau mal, wie verrückt schön diese Insel ist. Genau ...

Kein Reiseführer, der mit erhobenem Zeigefinger erklärt, wo man hinmuss, sondern eher einer, der sich neben einen setzt, Kaffee einschenkt und sagt: Schau mal, wie verrückt schön diese Insel ist. Genau so fühlt sich der DUMONT Bildatlas Island an. Aufgeschlagen, hängen geblieben, weitergeblättert, wieder zurück. Und plötzlich ist man nicht mehr auf dem Sofa, sondern irgendwo zwischen Geysir und Gletscher.

Beim ersten Durchblättern blieb der Blick an den Fotos hängen, dieser Mix aus Weite, rauer Schönheit und Farben, die fast unecht wirken. Ein leises „Boah“ von der Couch nebenan, Finger zeigt auf eine Doppelseite mit dampfenden Quellen. Kurze Diskussion, ob das Wasser da wirklich so blau ist oder ob jemand übertrieben hat. Spoiler: Island darf das.

Was besonders Spaß macht, ist dieses gemeinsame Entdecken. Hier ein Fjord, dort Reykjavík, zwischendurch Islandpferde. Laut vorgelesene Bildunterschriften, spontane Fragen, warum es da kaum Bäume gibt, Gelächter bei den typisch isländischen Eigenheiten im Kapitel Zur Sache. Kein trockenes Abhaken von Sehenswürdigkeiten, sondern Geschichten, die hängen bleiben.

Die Struktur ist angenehm klar, ohne streng zu sein. Regionen, Favoriten, Touren – alles da, aber nie belehrend. Immer wieder dieses Gefühl: Man könnte jetzt einfach losfahren. Oder zumindest den nächsten Urlaub gedanklich komplett verplanen. Besonders stark sind die Reportagen, die neugierig machen, ohne alles vorwegzunehmen.

Am Ende lag der Bildatlas geschlossen auf dem Tisch. Kurze Stille. Dann die Frage, ob Island auch im Winter geht. Und genau da wusste ich: Das Buch hat alles richtig gemacht. Fernweh ausgelöst, Gespräche gestartet, gemeinsam geträumt. Mehr kann ein Reisebuch kaum leisten.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Eine Suppe gegen das Vergessen

Morgens im Laksa Café
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Noch bevor die Sonne aufgeht, steht da dieser Duft im Raum. Anis, Kreuzkümmel, Holzrauch – und plötzlich fühlt sich der Morgen wärmer an, selbst an grauen Tagen. Morgens im Laksa Café ist genau so ein ...

Noch bevor die Sonne aufgeht, steht da dieser Duft im Raum. Anis, Kreuzkümmel, Holzrauch – und plötzlich fühlt sich der Morgen wärmer an, selbst an grauen Tagen. Morgens im Laksa Café ist genau so ein Roman: leise, tröstlich und voller Geschmack. Einer, der nicht schreit, sondern langsam zieht wie eine gute Suppe, die Zeit braucht.

Ah Hock kocht nicht einfach Nudelsuppe, er kocht Erinnerungen. Jede Kelle wirkt wie ein stilles Gebet an die Vergangenheit, an seine Herkunft, an ein Leben, das immer gleich schien und genau darin Sicherheit bot. Dass die Suppe ihm nicht mehr so gelingt wie früher, ist kein Zufall, sondern ein stilles Symbol fürs Älterwerden. Für das Gefühl, dass einem etwas entgleitet, obwohl man sich doch so fest daran klammert.

Dann kommt Wei Ming zurück. Sohn, Fremder, Hoffnungsträger und Störfaktor zugleich. Einer, der neue Ideen im Kopf hat und alte Regeln infrage stellt. Zwischen Vater und Sohn knistert es gewaltig – nicht laut, nicht dramatisch, sondern mit diesen kleinen, schmerzhaften Momenten, die jeder kennt, der Familie hat. Blicke, Schweigen, unausgesprochene Sätze, die schwerer wiegen als jedes Geschrei.

Besonders stark ist, wie Essen hier zur Sprache der Gefühle wird. Laksa gegen Sushi, Tradition gegen Veränderung, Stillstand gegen Mut. Und irgendwo dazwischen die Frage, was eigentlich bewahrt werden sollte: das Rezept oder die Liebe dahinter. Der drohende Geschäftsmann bringt zusätzlich Druck rein, aber der Roman bleibt stets bei seinen Figuren, nie bei der großen Show.

Morgens im Laksa Café ist kein Buch für Tempojunkies. Es ist für Leser, die gern verweilen, die zwischen den Zeilen schmecken wollen. Warm, menschlich, ehrlich – und am Ende bleibt dieses leise Gefühl, verstanden worden zu sein. Wie nach einer Schüssel Suppe, die mehr war als nur Essen.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Wenn Pflanzen zu Lehrmeistern werden

Die Seele der Pflanzen
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Schon nach wenigen Seiten fühlt sich ein Spaziergang nicht mehr wie ein Spaziergang an, sondern wie eine Begegnung. Dieses Buch öffnet einen stillen Raum, in dem Pflanzen zu Persönlichkeiten werden, zu ...

Schon nach wenigen Seiten fühlt sich ein Spaziergang nicht mehr wie ein Spaziergang an, sondern wie eine Begegnung. Dieses Buch öffnet einen stillen Raum, in dem Pflanzen zu Persönlichkeiten werden, zu Wesen mit Geschichte, Charakter und innerer Kraft. Worte und Bilder verweben sich zu einer Einladung, langsamer zu werden und wieder zu lauschen.

Zwischen Taubnessel, Braunwurz und Hexenkraut entsteht ein fein gesponnenes Netz aus Volksheilkunde, Mythologie und persönlicher Erfahrung. Alles wirkt getragen von tiefer Achtung vor der Natur, nie belehrend, sondern erzählend, beinahe flüsternd. Genau darin liegt die große Stärke dieses Buches: Wissen wird nicht erklärt, sondern erlebt.

Besonders berührend ist die Verbindung aus spiritueller Pflanzenkunde und bodenständiger Erdung. Nicht jede Deutung wird rational greifbar, doch genau das scheint gewollt. Dieses Werk verlangt Offenheit, kein analytisches Abhaken. Wer bereit ist, sich einzulassen, wird reich beschenkt – mit neuen Blickwinkeln und einem veränderten Gefühl für Wald, Wiese und Wegesrand.

Die Fotografien verstärken diese Wirkung, sie lassen innehalten und vertiefen das Gelesene. Ein Buch, das nicht konsumiert, sondern begleitet wird. Ein halber Stern Abzug bleibt für Leser, die sich mehr Struktur oder wissenschaftliche Einordnung wünschen könnten – für alle anderen ist es ein stilles Herzensbuch.

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