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Veröffentlicht am 15.08.2023

Gruselige Weihnachten

Schatten – Der Pakt (Schatten 1)
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Das Buch "Schatten - Der Pakt" vom finnischen Kinderbuchautor Timo Parvela ist ein fesselnde Fantasiegeschichte zum Thema Weihnachten mit zahlreichen gruseligen und mythischen Elementen. Da es sich um ...

Das Buch "Schatten - Der Pakt" vom finnischen Kinderbuchautor Timo Parvela ist ein fesselnde Fantasiegeschichte zum Thema Weihnachten mit zahlreichen gruseligen und mythischen Elementen. Da es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt, endet die Geschichte zunächst mit einem Cliffhanger.

Schon im ersten Kapitel wird man von der düsteren Stimmung des Buches sofort in den Bann gezogen. Pete ist verzweifelt. Seine Freundin ist lebensbedrohlich krank und kein Arzt kann ihr helfen. In seiner Ausweglosigkeit wendet er sich schließlich an den Weihnachtsmann. Er wird schließlich tatsächlich von einem gruseligen Wichtel namens Elpiö erhört, der als Gegenleistung Petes Schatten einfordert. Das Versprechen wird eingelöst, aber Pete merkt schnell, dass ein Leben ohne Schatten ein Leben in völliger Leere bedeutet. Wie kann er den Pakt umkehren, ohne aber gleichzeitig seine Freundin zu verlieren?

Es gibt einen zweiten Handlungsstrang, der im Weihnachtsland der Wichtel stattfindet und der Schattenstrickerin Uudit folgt. Sie kann unsichtbar machende Gewänder aus Schatten kreieren und ihr sehnlichster Wunsch ist es, sich der Wichtelgilde anzuschließen. Leider verläuft das Aufnahmegespräch anders als erhofft.

Das Buch bleibt spannend bis zur letzten Minute und weiß geschickt mit Horrorelementen zu spielen, ohne dass es für (die meisten) 10-Jährigen zu gruselig sein wird. Zudem wartet die Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen auf. Man kann nie genau wissen, was als Nächstes passiert. Die finstere Atmosphäre wird durch die großformatigen dunklen Bilder perfekt untermalt. Die Schatten sind praktisch in allen Zeichnungen spürbar. Zum Gänsehautfaktor trägt auch die Sprache der Wichtel bei, die die Kinder grundsätzlich in der dritten Person ansprechen.

Etwas unklar bleibt jedoch die Definition „Schatten“. Anfangs ist damit die Seele gemeint, dann später bekommt auch die Hülle/der Körper die Bezeichnung Schatten zugewiesen. Die eingetauschten Seelen wiederum werden ebenfalls mal als Schatten oder bloße Hüllen bezeichnet. Diese Verwirrung könnte sich durch die Übersetzung eingeschlichen haben, oder der Autor war sich selbst nicht sicher, was nun genau Hülle, Schatten oder Seele ist.

Problematisch finde ich auch, dass die Seelen-/Schattenlosen und deren Verhalten nicht konsequent gleich dargestellt wurden. So scheinen sie in der ersten Hälfte des Buches lediglich von Wut und Hass getrieben zu sein. In der zweiten Hälfte tauchen dann aber Charaktere auf, die diese Gefühle anscheinend verbergen und sogar mitfühlendes, kooperatives Verhalten zeigen können. Das erscheint mir unlogisch.

Überhaupt sind manche Verhaltensweisen wenig schlüssig. Offensichtlich ist Uudit als Schattenflickerin von großer Bedeutung für die Wichtelgilde, dennoch wird sie von ihnen aufgrund ihres Gnom-Vaters rassistisch angefeindet und mit dem Tode bedroht. Ich finde es aber grundsätzlich gut, dass Themen wie Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Überhöhung von materiellen Dingen und fehlende Empathie im Buch angesprochen werden.

Insgesamt handelt es sich bei dem Buch um eine tolle Mischung aus Gruselgeschichte, mythischen Verweisen auf den Weihnachtsmann und den Sinn des Lebens sowie den Wert von Freundschaft. Es bleiben noch viele Fragen offen und ich habe die Hoffnung, dass sich meine Kritikpunkte vielleicht in den nächsten beiden Büchern in Wohlgefallen auflösen. Ein Buch mit Gänsehautgarantie!

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Veröffentlicht am 06.01.2026

Das Ende erhält seinen Anfang

Ever & After, Band 3 - Die letzte Stunde
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Diesen Band habe ich mit großer Freude erwartet, da ich bereits die Vorgänger regelrecht verschlungen hatte. Und auch wenn es mir anfangs schwerfiel, mich in diese neue Welt einzufühlen, so konnte mich ...

Diesen Band habe ich mit großer Freude erwartet, da ich bereits die Vorgänger regelrecht verschlungen hatte. Und auch wenn es mir anfangs schwerfiel, mich in diese neue Welt einzufühlen, so konnte mich dieser Abschluss dennoch sehr überzeugen. Viele Handlungsstränge erhielten erst hier einen sinnvollen Rahmen und passten besser ins Gesamtbild. Die Handlung war durchweg spannend und der Humor lockerte die Horrorelemente auf.

Was mich ein wenig störte ist, dass sich die Geschichte gerade zu Beginn etwas losgelöst von den anderen Bänden fühlten. Während diese eher die düstere Märchenwelt adaptierten und von dem Zusammenspiel der Charaktere lebten, begann dieser letzte Band mit der mythologischen Götterwelt, mit dem Anfang des Endes. Dass Rains Wunsch sie an diesen Punkt brachte, hat nicht nur sie, sondern auch mich sehr überrascht. Prinzipiell fand ich diese Wendung clever, doch da Rain (zunächst) völlig allein in dieser Welt zurechtkommen musste, fehlte mir das Zusammenspiel mit den anderen lieb gewonnenen Charakteren und die witzigen Dialoge.

Erst nach dem ersten Viertel fühlte ich mich wieder in diese Welt wirklich hineingezogen, vor allem natürlich auch, weil dann alte Bekannte wieder auftauchten. An sich ist die Geschichte clever gestrickt, viele lose Enden werden sinnvoll aufgegriffen und zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengeführt. Die Spannung bleibt konstant hoch, und der für die Reihe typische feine Humor sorgt dafür, dass auch die düsteren Horrorelemente nie zu erdrückend werden.

Ein gelungener Abschluss einer atmosphärisch dichten Trilogie, die mit originellen Wendungen, viel Herz und einem klugen Zusammenspiel von Horror, Märchen und Mythologie punktet. Trotz kleiner Startschwierigkeiten ein würdiger letzter Band!

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Veröffentlicht am 10.09.2025

Anspruchsvoll und ambitioniert

Cosmix
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Das Cover täuscht ein wenig. Man erhält hier keineswegs eine seichte Kinderlektüre. Stattdessen setzt sich das Buch ernsthaft mit stark wissenschaftlichen Physikthemen auseinander, die hier aber kreativ ...

Das Cover täuscht ein wenig. Man erhält hier keineswegs eine seichte Kinderlektüre. Stattdessen setzt sich das Buch ernsthaft mit stark wissenschaftlichen Physikthemen auseinander, die hier aber kreativ in einem Comic verpackt wurden. Die Idee finde ich überaus reizvoll, teilweise amüsant und interessant, jedoch auch definitiv anspruchsvoll. Die einzelnen Kapitel lassen sich nicht einfach simpel runterlesen. Man muss sich konzentrieren, um wirklich alles zu verstehen. Und ich als Laie muss gestehen, dass ich tatsächlich nicht jedem Aspekt vollständig folgen konnte.

Die bildlichen Darstellungen finde ich überaus gelungen und sehr anschaulich. Die Charaktere wirken sympathisch und die Themen sind überaus faszinierend. Insgesamt war mir dieser Comic aber viel zu textlastig. Ich glaube, es wäre mir fast lieber gewesen, ich hätte die wissenschaftlichen Inhalte in einer „normalen“ Textform mit verschiedenen Illustrationen zur Ergänzung lesen können. Die Pseudo-Gespräche hingegen empfand ich an einigen Stellen als anstrengend. Natürlich wird aber das für manche auch gerade der Reiz an diesem Buch sein: Wissenschaft in Comicform.

Das Buch versucht, dem Ursprung unseres Seins auf die Spur zu kommen. Wie kam es zum Urknall? Wie entstanden Sterne und wir selbst? Die Vorstellung, dass wir als Sternenstaub teil dieses riesigen und faszinierenden Universums sind, zieht sich durch das ganze Buch. Einige Thesen des Buches hallen noch lange nach und regen zum Nachdenken an.

Insgesamt mochte ich das Buch und würde es allen empfehlen, die sich für naturwissenschaftliche Themen begeistern lassen und auch offen sind für andere Möglichkeiten der Wissensvermittlung. Allerdings sollte man schon darauf gefasst sein, dass dieser Comic keineswegs auf populärwissenschaftliche Weise den Stoff weitergibt, sondern streckenweise sehr wissenschaftlich formuliert ist.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Nicht jeder Mondstein glänzt

Die Bestimmung der Mondsteinkinder
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Dieser Fantasyroman ab zehn Jahren beginnt sehr stark. Man kann sich sehr gut mit der Hauptperson Meelo identifizieren und begleitet ihn allzu gern auf seiner Reise zur Königslese. Die Hauptidee ist wirklich ...

Dieser Fantasyroman ab zehn Jahren beginnt sehr stark. Man kann sich sehr gut mit der Hauptperson Meelo identifizieren und begleitet ihn allzu gern auf seiner Reise zur Königslese. Die Hauptidee ist wirklich interessant, die Flügelpferde begeistern sowieso und auch die kindlichen Charaktere Meelo, Ria und Bea wurden glaubwürdig sowie interessant dargestellt. Allerdings wirken die Erwachsenen hingegen überzogen und teilweise kindisch. Selbst zunächst spannende Charaktere wie der Sommersprossenkrieger verkommen am Ende zu einer Karikatur.

Überhaupt ist der Plot eher naiv. Kinder werden sich daran wahrscheinlich nicht stören, aber einige Sachen waren schon sehr an den Haaren herbeigezogen und die aufgeworfenen Probleme wurden mir zu leicht gelöst. Insbesondere das letzte Drittel zog sich, da alles sehr vorhersehbar war und alle (wirklich so ziemlich alle) intensiv an einem Rettungsplan arbeiteten. Hindernisse gab es weitestgehend keine.

Aber ich schaue mit dem Blick eines Erwachsenen auf das Buch. Kinder werden sicher einige Logiklöcher und politische Schwächen übersehen. Die Botschaft als solche ist tatsächlich positiv hervorzuheben: Man selbst entscheidet, für was man bestimmt ist und was man mit seinem Leben anfangen möchte. Aufgrund dieser Message und den mutigen Kindern, die den Ungerechtigkeiten trotzen und ihren eigenen Weg gehen, kann ich das Buch dennoch empfehlen.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Geschichte neu erzählt?

Auf den Spuren unserer Vorfahren
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Das großformatige Kindersachbuch „Auf den Spuren unserer Vorfahren“ lädt zu einer Reise durch vierzehn alte Kulturen von der Frühzeit bis zur Spätantike ein. Besonders die visuelle Gestaltung hat uns sehr ...

Das großformatige Kindersachbuch „Auf den Spuren unserer Vorfahren“ lädt zu einer Reise durch vierzehn alte Kulturen von der Frühzeit bis zur Spätantike ein. Besonders die visuelle Gestaltung hat uns sehr gut gefallen. Die farbenfrohen, detailreichen Illustrationen von Kimberlie Clinthorne-Wong schaffen es, die verschiedenen Lebenswelten lebendig und abwechslungsreich darzustellen. Die Aufmachung des Buches ist zudem hochwertig, das Layout übersichtlich und nicht zu überladen.

Jede Kultur wird auf zwei Doppelseiten vorgestellt. Die erste Doppelseite vermittelt einen Überblick über das Leben und die Besonderheiten der jeweiligen Gesellschaft, die zweite präsentiert archäologische Fundstücke, die das zuvor Erzählte greifbar machen sollen. So soll gezeigt werden, dass im alten China auch Frauen kämpften, schwarze Pharaonen das alte Ägypten regierten oder Frauen (indirekt) bei den antiken Olympischen Spielen gewannen.

Dabei verfolgt das Buch das Ziel, neue Perspektiven auf die Geschichte zu eröffnen. Es stellt Kulturen vor, die in klassischen Geschichtsbüchern oft vernachlässigt werden, thematisiert Geschlechtergerechtigkeit, nachhaltige Lebensweisen (wobei das in einer nicht-technischen Welt wahrscheinlich auch nicht anders zu erwarten ist) und kulturelle Vielfalt. Das Buch möchte einladen, unsere bisherigen Vorstellungen über die Vergangenheit zu hinterfragen.

So lobenswert dieser Ansatz auch ist, inhaltlich bleibt das Buch hinter den Erwartungen zurück. Besonders beim Vorlesen fallen schnell die vielen Wiederholungen auf. Häufig werden dieselben Informationen mehrfach aufgegriffen, ohne sie vertiefend auszuführen. Auch die Auswahl und die Erklärungen der archäologischen Funde wirken nicht immer überzeugend. Teilweise fällt es mir auch schwer, einen echten Zusammenhang zwischen der getroffenen Aussage und den gezeigten Fundstücken herzustellen. Zumindest ist mir nicht klar, warum Harpunen und Kleidung die Gleichberechtigung bei den Inuits beweisen sollten.

Das Buch ist an sich für Kinder ab 7 Jahren gedacht. Doch für Leseanfänger eignet es sich schon wegen der kleinen Schriftgröße nicht, aber auch einige Fremdwörter wie „rasterförmig“, „Shang-Dynastie“, „Ingenieurskunst“ oder Eigennamen wie „Cahokia“, „Chunkey“, „Ibrahim Ibn Yaqub At-Tartûschi“, „Haithabu“ erschweren das eigenständige Lesen. Das Glossar am Ende erklärt einige Begriffe wie „Schmelztiegel“, „heidnisch“, „soziales Geschlecht (Gender)“ oder „Zitadelle“ knapp, aber recht verständlich.

Insgesamt ist „Auf den Spuren unserer Vorfahren“ ein visuell beeindruckendes und thematisch ambitioniertes Kindersachbuch, das wichtige Impulse setzt und zum gemeinsamen Lesen und Entdecken in der Familie einlädt. Inhaltlich bleiben die Erklärungen jedoch stellenweise zu oberflächlich, und einige der Fundstücke wirken willkürlich ausgewählt. Wer sich fundiertere Zusammenhänge oder wirklich neue Erkenntnisse erhofft, könnte hier etwas enttäuscht sein.

Trotz dieser Schwächen ist das Buch ein schöner Einstieg in die Archäologie und zeigt Kindern, dass Geschichte bunt, vielfältig und alles andere als langweilig ist.

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