Empathisch geschilderte Geschichte über zwei Außenseiter und ihr Weg heraus aus der sozialen Isolation
Der andere ArthurDer ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Er verlässt es nur noch, um den Müll hinauszubringen, denn er ist stark übergewichtig und ist ...
Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Er verlässt es nur noch, um den Müll hinauszubringen, denn er ist stark übergewichtig und ist durch Lieferdienste gut versorgt. Als ihn eine frühere Studentin kontaktiert, mit der er noch vor Jahren in einem engen Briefkontakt gestanden hat, erfährt er überraschend, dass sie einen Sohn hat. Charlene bittet Arthur um Unterstützung, da der sportbegeisterte 18-jährige Kel aufs College gehen soll. Arthur möchte helfen, schämt sich jedoch für die Lügen, die er Charlene aus Schaum erzählt hat. Doch auch sie hat Geheimnisse, die für ihren Sohn zunehmend zu einer Belastung werden.
"Der andere Arthur" ist nach "Long Bride River" und "Der Gott des Waldes" ein älteres Buch der Autorin, das ins Deutsche übersetzt wurde und als eines ihrer Erstlingswerke nicht so stark wie die beiden Bestseller.
Der Roman wird abwechselnd, zunächst in längeren Abschnitten, dann in kürzeren Kapiteln aus den Perspektiven von Arthur und Kel erzählt. Beide befinden sich in unterschiedlichen Lebenssituationen, sind jedoch beide auf ihre Art Außenseiter und allein.
Arthur ist gut situiert, versteckt sich aufgrund seines Übergewichts jedoch in seinem Haus. Die Reinigungskraft Yolanda ist die erste, die er nach einem Jahrzehnt wieder hineinlässt, um sein Haus vorzeigbar zu machen, als er mit einem Besuch von Charlene rechnet.
Kel ist ein mittelmäßiger Schüler, aber ein talentierter Baseballspieler und hofft, dass er eine Profi-Karriere einschlagen kann. Freunde kann er nicht zu sich nach Hause lassen, denn er schämt sich für seine Lebensverhältnisse und das Verhalten seiner Mutter. Wie schlimm es tatsächlich um sie steht, wird Kel erst bewusst, als Charlene ins Krankenhaus kommt und er ganz auf sich gestellt ist.
Die Geschichte wird warmherzig und lebendig erzählt und es ist bildhaft vorstellbar, wie Arthur und Kel leben. Es sind tragische Situationen, die realitätsnah erscheinen und deshalb so schmerzhaft sind. Arthur und Kel haben beide Verluste erlitten und sind gesellschaftlich isoliert. Beide verstecken sich und kommen zurecht, solange nichts Unerwartetes passiert. Charlenes Hilflosigkeit bringt beide dazu zu handeln.
Der Roman ist mit seiner Zielrichtung vorhersehbar, entwickelt sich aber dennoch etwas anders als erwartet. Beide Erzählstränge bleiben trotz der Verbindung über Charlene überraschend isoliert, was beide Charaktere unabhängig voneinander in Szene setzt.
"Der andere Arthur" schildert auf empathische Art und Weise Wege aus der sozialen Isolation zurück in die Gesellschaft und zeigt gleichzeitig, wie leicht es ist, aus ihr herauszufallen und abgeschottet in einer Großstadt verloren zu sein. Neben vielen Widrigkeiten und Rückschlägen ist die Geschichte dennoch niemals deprimierend, denn Fürsorge und Hilfsangebote bleiben nicht aus, müssen nur angenommen werden. Sie endet deshalb hoffnungsvoll, auch wenn Fragen offen bleiben.