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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Wer ist der Kuckuck?

Teufels Tanz
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Der Kriminalroman ist der dritte Band der Serie mit Fina Plank und ihrem Ermittlungsteam, das sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zusammengefunden hat, um konstruktiv zu arbeiten. Eine Mordserie an ...

Der Kriminalroman ist der dritte Band der Serie mit Fina Plank und ihrem Ermittlungsteam, das sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zusammengefunden hat, um konstruktiv zu arbeiten. Eine Mordserie an älteren Menschen erschüttert Wien und der Zusammenhang ist lange Zeit unbekannt, sodass es die Ermittlungen enorm erschwert. In den einzelnen Kapiteln wird auch „dem Kuckuck“ Platz gegeben, seine Sicht der Dinge zu schildern und als Leserin bekommt man einen guten Eindruck vom Täter, kann gewisse Rachegedanken auch nachvollziehen und wird so in einen Gewissenskonflikt gedrängt, was ich originell finde. Besonders die persönliche Ebene und der Beziehungsaufbau zum Täter ist sehr gelungen. Auch Fina lässt sich gefühlsmäßig auf private Beziehungen ein und nimmt den Konflikt mit ihrer Schwester in Angriff, sie entwickelt sich von Band zu Band weiter, das ist schön zu beobachten.
Bei den vorigen Teilen hat man besser erkennen können, dass der Krimi in Wien spielt, dies hat mir in diesem Teil etwas gefehlt. Es werden zwar zum Teil Straßen erwähnt oder die Oper, aber nicht so explizit, dass man als Leser
in das Flair eines Wienkrimis spüren würde.

Veröffentlicht am 05.03.2026

temporeich und mit Sogwirkung

Ungelöst – Die erste Zeugin
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Die neue Thriller-Reihe startet temporeich und spannend, sodass man als Leserin sogleich gefesselt ist. Wer die Thrillerreihe rund um Max Bischoff kennt, wird gewisse Aha-Momente erleben und Anknüpfungspunkte ...

Die neue Thriller-Reihe startet temporeich und spannend, sodass man als Leserin sogleich gefesselt ist. Wer die Thrillerreihe rund um Max Bischoff kennt, wird gewisse Aha-Momente erleben und Anknüpfungspunkte haben. Für alle Neueinsteigerinnen, die mit dieser Serie beginnen, sind Vorkenntnisse aber nicht zwingend notwendig, wichtige Informationen werden auf den Punkt gebracht.
Der Aufbau der Cold Case Unit rund um Ramin Brunner muss um ein paar Tage verschoben werden, nachdem ein aktueller Fall sein Interesse geweckt hat und er diesen unbedingt noch lösen möchte, bevor er sich seinen neuen Aufgaben widmet.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht Lisa Menkhoff, eine Medizinstudentin mit bildhaftem Gedächtnis, die als Kind entführt wurde und auch Bezug zum aktuellen Fall hat. Sie wird als Beraterin hinzugezogen und unterstützt das Team, das nach und nach immer größer wird. Der Kindheit und den persönlichen Anliegen von Lisa wird sehr viel Raum gegeben, sodass sie sich schnell zu einer Hauptakteurin entwickelt. Andere Charaktere sind nicht so einfach einzuschätzen, da man nur spärliche Informationen über sie erfährt.
Der Auftakt der Serie ist gut gelungen, spannend, temporeich und mit einer Sogwirkung beim Lesen, wie ich es vom Autor gewohnt bin. Ich freue mich auf den nächsten Fall, den ersten richtigen Cold Case und bin gespannt, wer alles im Team mitarbeiten wird.

Veröffentlicht am 12.02.2026

besessen

Das Signal
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Der Thriller hat mir aufgrund der aktuellen Thematiken angesprochen und sehr gut gefallen. Es werden verschiedenste Inputs eingebracht, von Kryptowährung und die Verwaltung dieser, über Ortungssysteme ...

Der Thriller hat mir aufgrund der aktuellen Thematiken angesprochen und sehr gut gefallen. Es werden verschiedenste Inputs eingebracht, von Kryptowährung und die Verwaltung dieser, über Ortungssysteme mittels Tracker und gleichzeitig auch traumatisierende Erlebnisse, wie etwa dass Viola bei einem Unfall ihr Bein verliert und damit klarkommen muss, psychisch und physisch. Dadurch dass die Anzahl der Charaktere stark eingeschränkt ist und auch die Örtlichkeiten nicht häufig wechseln, hat man als Leser*in die Möglichkeit Viola besser kennenzulernen, ihr Charakter erhält durch die vielen Situationen, in denen sie beobachtet und begleitet wird, durch ihre Interaktionen, vor allem aber dadurch, dass sie uns an ihren Gedankengängen und Ideen teilhaben lässt, an Tiefe. Sie geht mit dem Verlust ihres Beines erstaunlich positiv um und ist schon bald in Kampfmodus, lässt sich nichts gefallen und versucht ihr Umfeld zu kontrollieren. Violas Gedächtnisbrücken finde ich gelungen, ebenfalls die Art und Weise, wie sie ihre Tracker symbolisch und akustisch den einzelnen Personen zuordnet. Sie misstraut mit der Zeit allen Personen in ihrem Umfeld, ihrem Mann Adam, ihrer Pflegerin Otilia und sogar bei ihren beiden besten Freundinnen wird sie skeptisch und vorsichtig. Verwundert hat mich, dass sie ihre Schwester, zu der sie einen guten Bezug hat und der sie vertraut, nicht schon vorher Bescheid gegeben hat, und sie zu sich eingeladen hat. Die Verdächtigungen kreisen in Violas Alltag und verstärken sich von Tag zu Tag, sodass sie schon nahezu besessen davon ist, was sich allerdings positiv auf ihre Motivation auswirkt, schnell wieder mobil zu werden. Am Ende werden alle Verdachtsmomente aufgelöst, alle unangenehmen Situationen gelöst, auch wenn dies für meinen Geschmack etwas zu schnell und zu glatt erfolgt.

Veröffentlicht am 12.02.2026

tiefgreifender Cold Case

Enna Andersen und die dunklen Tage
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Der aktuelle Teil ist bereits der siebente Band der Cold Case Krimi-Serie mit Enna Andersen und ihrem Team. Nachdem ich auch die vorigen Teile gelesen habe, sind mir die Ermittler*innen bereits bekannt, ...

Der aktuelle Teil ist bereits der siebente Band der Cold Case Krimi-Serie mit Enna Andersen und ihrem Team. Nachdem ich auch die vorigen Teile gelesen habe, sind mir die Ermittler*innen bereits bekannt, außer natürlich Zinar, der Neuzugang im Team, daher konnte ich mich sogleich auf den neu aufgerollten Cold Case Fall konzentrieren. Dieser beschäftigt sich einer jungen Frau, die vor fünf Jahren unter mysteriösen Umständen verschwunden und danach tot aufgefunden wurde, getötet durch Schlangengift. Dem gewachsenen Team gelingt es recht schnell erste Spuren zu entdecken und zu verfolgen und auch noch nach fünf Jahren Hinweise zu finden, denen damals nicht nachgegangen wurde und finden bald ähnliche Fälle, sodass die Vermutung naheliegt, dass es sich um einen Serientäter handeln könnte. Zentrale Themen wie Depressionen und psychische Beeinflussbarkeit sowie Diskussionsforen für Betroffene im Internet werden praxisnah ausprobiert, auch mit mehreren Lockvögeln. Sehr gut gefällt mir auch die unterschiedliche Teamkonstellation, sodass verschiedene Persönlichkeiten mit all ihren Stärken und Schwächen vorhanden sind und somit ihr Potenzial ausschöpfen können. Manche Spuren wurden mir zu schnell gefunden, vieles ging zu glatt, aber ansonsten hat mir auch dieser Teil wieder sehr gut gefallen. Enna wirkt in diesem Teil nachdenklich und ist dabei ihren Lebens- und Arbeitsrhythmus zu reflektieren, solche persönlichen Entwicklungen finde ich immer interessant nachzuverfolgen, wenn man die Charaktere über mehrere Teile hinweg begleitet.

Veröffentlicht am 13.01.2026

Charakterstudie

Minnesota
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Der Kriminalroman punktet bei mir zuallererst aufgrund des optisch sehr ansprechenden Designs und des kurzen, einprägsamen Titels, aber auch inhaltlich bin ich positiv überrascht. Es ist viel mehr als ...

Der Kriminalroman punktet bei mir zuallererst aufgrund des optisch sehr ansprechenden Designs und des kurzen, einprägsamen Titels, aber auch inhaltlich bin ich positiv überrascht. Es ist viel mehr als nur ein Kriminalfall, der aufgeklärt wird. Als Hauptcharakter steht Bob Oz im Mittelpunkt, für den man zu Beginn nicht viel Sympathie aufbringen kann, aber mit der Zeit lässt er hinter seine harte Schale blicken und man erkennt die tiefgreifenden Verletzungen, die Trauer und auch den Scharfsinn bei den Ermittlungen. Diese innere Zerrissenheit und die Dunkelheit, die ihn umgibt, fördern psychologische Tiefe. Vor allem der Tierpräparator hat sich als guter Zuhörer herausgestellt, ich finde ihn vielschichtig und interessant dargestellt, nicht nur in Bezug auf seinen Beruf. Der Schreibstil ist weniger actiongeladen oder bildhaft beschreibend in Form von Gewaltdaten, sondern häufig werden Andeutungen gemacht, dennoch ist die Atmosphäre frostig kalt und geprägt von Einsamkeit und latenter Gewalt. Die amerikanische Waffenlobby mit ihren Befürwortern und Gegnern findet ebenfalls einen bedeutenden Platz und wird mit persönlichen Erfahrungsgeschichten untermauert. Der Autor hat sich auf das Wesentliche reduziert und bietet so, dass sich die Charaktere entwickeln können und eine tiefere Bindung zu ihnen entstehen kann, wenn auch manchmal mit ambivalenten Gefühlen. Spürbar ist teilweise auch die Ausweglosigkeit einzelner Charaktere, deren Enttäuschungen, die Frage nach der Schuld und Vergebung und fehlende Alternativen aus der eingefahrenen Situation. Wer düster Kriminalromane mit psychologischen Elementen mag und auch die drückende, düstere, teilweise pessimistische Atmosphäre aushalten kann, wird mit einer intelligenten Hintergrundgeschichte und interessanten Gesprächen belohnt.