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Veröffentlicht am 30.07.2018

Wer ist Oskar Johansson?

Der Sprengmeister
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Mit diesem Buch halte ich die erste große Veröffentlichung von Henning Mankell in Händen. Mankell, der für mich seine Berühmtheit durch die Reihe um seinen „Kommissar Wallander“ erlangt hat und dessen ...

Mit diesem Buch halte ich die erste große Veröffentlichung von Henning Mankell in Händen. Mankell, der für mich seine Berühmtheit durch die Reihe um seinen „Kommissar Wallander“ erlangt hat und dessen Afrika-Romane ich gerne gelesen habe. Aber es gab ihn, den Schriftsteller davor, der ganz anders auftritt als für mich gewohnt. Und obwohl ich ein eher kleines Buch betrachte, ist es doch sperrig, etwas unbequem, gibt seinen Inhalt nicht widerstandslos preis.

Ich habe es mit einer Biographie zu tun, verwoben mit der Zeitgeschichte Schwedens. Der Erzähler besucht Oskar Johansson regelmäßig auf der Schäreninsel, mal nur auf einen Kaffee oder ein kurzes „Hallo“, er geht mit ihm fischen und hilft ihm bei handwerklichen Erfordernissen. Dabei versucht er, die Lebensgeschichte des alten Sprengmeisters ans Licht zu heben. Oskar Johansson ist jedoch ein Mensch, der sich selbst, seine Geschichte und alles Drumherum, was ihn betrifft, nicht als wichtig oder besonders erachtet. Dementsprechend antwortet er mal gar nicht, einsilbig oder verweist einfach darauf, dass alles „normal“, „nichts Besonderes“ war. Ganz selten erzählt er von selbst.

Das Buch hält sich jedoch nicht stur an die zeitgeschichtliche Reihenfolge. Obwohl schon eine gewisse Chronologie den roten Faden bildet, springt die Handlung vor und zurück. Auch wechselt vereinzelt die Ich-Perspektive vom Erzähler auf Oskar. Es wird nichts beschönigt, aber auch kein Voyeurismus betrieben, es geht eher sachlich zu, in einem auch politischen Buch. Und letztlich könnte ich beinahe denken, Oskar Johansson sei ein ganz normaler Bürger seines Landes gewesen und habe zufrieden, in sich ruhend von seiner Hütte aus auf sein Leben zurückblicken können.

Für mich ist dieses Buch in sich stimmig. Das wunderschöne, stimmungsvolle Cover, die ungewohnte Erzählform, die Sprache, der Mut zur Lücke und zum schonungslosen Detail, das Schweigen – das alles transportiert in mir genau die Vorstellung, die ich von Oskar Johansson jetzt habe. Dessen Geschichte – hätte er je existiert – es wert gewesen wäre, erzählt worden zu sein.


Henning Mankell, Der Sprengmeister, gebundene Ausgabe, Literatur, Zsolnay Verlag, 21,00 €, 192 Seiten, Erscheinungstermin 23.07.2018

Veröffentlicht am 10.06.2018

Die Zeit heilt keine Wunden

Und niemand soll dir vergeben
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Die Polizistin Miranda wird zu einem Tatort gerufen. Der Chief persönlich ist da, was sich – so ungewöhnlich es ist – durch den offensichtlichen Mord, welcher leicht erkennbar mit extremer, brutaler Gewalt ...

Die Polizistin Miranda wird zu einem Tatort gerufen. Der Chief persönlich ist da, was sich – so ungewöhnlich es ist – durch den offensichtlichen Mord, welcher leicht erkennbar mit extremer, brutaler Gewalt begangen worden ist, durchaus erklären lässt. Der Tatort wurde sehr gründlich gereinigt, auf den ersten Blick gibt es keine verwertbaren Spuren. Bei der späteren intensiven Tatortbegehung mit ihrem Partner Jack findet Miranda einen alten Zeitungsartikel, welcher sie aus dem Stand 14 Jahre zurück in die eigene Vergangenheit katapultiert. Eine Vergangenheit, die sie für sich abgeschlossen und aus ihrem Leben verbannt hatte.

Obwohl Miranda eine ausgezeichnete Ermittlerin ist, offenbart sich nach und nach, dass der Chief, bis dato ihr Mentor und Freund, ihre fachliche und persönliche Kompetenz in diesem Fall hinterfragt und letztlich offen anzweifelt. Da geschieht ein zweiter Mord. Und auf einmal steht Miranda scheinbar ganz alleine da, muss nicht nur einen Täter überführen, sondern auch die eigene Unschuld beweisen.

„Und niemand soll Dir vergeben“ habe ich gerne gelesen. Ich hatte das Vergnügen, im Rahmen einer Leserunde in der Lesejury.de dieses eBook zu lesen. Meiner Meinung nach handelt es sich eher um einen Kriminalroman, denn um einen Thriller. Mit der Bezeichnung „Romantic-Thriller“ kann ich nach wie vor nicht wirklich etwas anfangen. Im Vorfeld hatte ich die Befürchtung, eine Romanze könne das eigentliche Geschehen überlagern, was zum Glück nicht so ist. Die Protagonisten sind der Autorin gut gelungen und sind in ihrer Art und Weise stimmig. Auch die Umgebung des Schauplatzes mit seiner dörflichen Enge und alten Seilschaften fügen sich gut in die Handlung ein. Der Zeitensprung zwischen damals und heute fügt sich harmonisch ein und bereitet keinerlei Probleme beim Zurechtfinden in der jeweiligen Zeit.

Zur Hauptdarstellerin entwickle ich eine persönliche Beziehung, begleite sie gerne auf ihren Wegen. Ein Techtelmechtel, eine gute Freundin mit einem eigenen großen Problem, Entfremdung in der Familie; schmückendes Beiwerk, für mich evtl. entbehrlich; all dies lenkt nicht vom eigentlichen Haupthandlungsstrang ab, so dass sich eine gewisse Spannung aufbauen und das eigentliche Rätselraten um den Täter stattfinden kann. Und gerade als ich dachte: „Ha! Jetzt weiß ich’s!“ beginn das Finale, welches angenehmer Weise ohne effektheischende überzogene Brutalität auskommt. Und ich lag „natürlich“ falsch…

Erica Spindler ist ein solider Krimi gelungen mit einer angenehmen Spannungskurve. Für einen Thriller hätte es für mich mehr an Geschwindigkeit und Spannung bedurft; vielleicht liegt diese Wahrnehmung auch an dem Umstand, dass in drei Abschnitten und somit mit Unterbrechungen gelesen wurde.


Erica Spindler, Und niemand soll Dir vergeben, eBook, Romantic-Thriller, Verlag beTHRILLED by Bastei Entertainment, 5,99 €, 330 Seiten, Erscheinungstermin 01.06.2018

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Veröffentlicht am 08.06.2018

Vergangenheit abschließen können

Das Finkenmädchen
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Felicity verlebt, nachdem der Vater die Familie verlassen hat, ihre Kindheit in ungünstigen familiären Verhältnissen. Die Mutter mit der zweitgeborenen Tochter Lila und ihrem eigenen Lebensfrust völlig ...

Felicity verlebt, nachdem der Vater die Familie verlassen hat, ihre Kindheit in ungünstigen familiären Verhältnissen. Die Mutter mit der zweitgeborenen Tochter Lila und ihrem eigenen Lebensfrust völlig überfordert, freut sich, dass Felicity jederzeit zur Nachbarsfamilie, die ebenfalls zwei Töchter hat, hinübergehen und dort Zeit verbringen kann. Was zunächst für Felicity ein schönes Arrangement darstellt, wandelt sich nach und nach zu einem Grauen.

Heute befindet sich Birdy, wie Felicity hier genannt wird, auf der „Farm“. Einer Justizvollzugsanstalt mit gelockerten Sicherheitsbestimmungen, wo die Frauen auf ihr Leben nach ihrer Entlassung vorbereitet werden sollen. Hier begegnet Felicity nach 25 Jahren unvorhersehbar Rose, der Nachbarin von damals…

„Das Finkenmädchen“ von Nicole Trope habe ich gerne gelesen. Abwechselnd werden die Biographien von Felicity und Rose ausgebreitet, was nach und nach die Verbindung der beiden Frauen enthüllt. Es sind zwei völlig verschiedene Lebensläufe, die sich verhältnismäßig kurz überschneiden. Diese kurze Schnittmenge verändert letztlich jedoch beider Leben und strahlt bis in die Gegenwart hinein.

Behutsam hebt die Autorin den Vorhang, so dass ich nach und nach das Ungeheuerliche erst erahne, um es alsdann bestätigt zu finden. Und sofern ich anfangs Probleme habe, die Handlungsweise der beiden Frauen nachvollziehen zu können, komme ich zu dem Ergebnis, dass die Geschichte keine Chance hatte, einen anderen Weg zu beschreiten.

Das Buch baut in seinem Verlauf eine gewisse Spannung auf. Ich habe das Manuskript im Rahmen einer Leserunde in der Lesejury.de lesen dürfen, wodurch sich die Lektüre auf drei Lese-Abschnitte erstreckte. Dies führte dazu, dass die Spannung mehrfach unterbrochen wurde und ich beim nächsten Abschnitt erst wieder in die Handlung hineinfinden musste. Als komplettes Buch - in einem durch gelesen - könnte ich mir vorstellen, dass die Spannungskurve den geneigten Leser dazu verleitet, „Überstunden“ einzulegen, um dem Schlusspunkt entgegenzustreben. Lese-Empfehlung!


Nicole Trope, Das Finkenmädchen, Romane & Erzählungen, Verlag Bastei Lübbe, 11,00 €, 352 Seiten, Erscheinungstermin 25.05.2018

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Veröffentlicht am 26.01.2023

"Where the wild roses grow" Nick Cave

Flüstermoor (Thriller)
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Die Anwältin Annabelle Hart wird unerwartet in einen Vermisstenfall hineingezogen. Privatdetektiv Felix Hertzlich, welcher mit der Kanzlei fallbezogen zusammenarbeitet, begibt sich auf Spurensuche. Als ...

Die Anwältin Annabelle Hart wird unerwartet in einen Vermisstenfall hineingezogen. Privatdetektiv Felix Hertzlich, welcher mit der Kanzlei fallbezogen zusammenarbeitet, begibt sich auf Spurensuche. Als auch noch die Assistentin der Kanzlei verschwindet, befindet sich auch Frau Hart mitten in der Ermittlungsarbeit.

„Flüstermoor“ ist ein guter, unterhaltsamer, kriminalistischer Roman. Der Plot ist gut erdacht, die Handlung schlüssig ausformuliert. Insgesamt bedient sich die Autorin einer einfachen Sprache, was ein zügiges Lesen und gutes Erfassen der Zusammenhänge ermöglicht. Parallel entfalten sich zwei Handlungsstränge. Einerseits die Ermittlungstätigkeit rund um die Anwältin, andererseits die Gedankenwelt des Täters sowie seine Taten. Es gibt wenige Nebenschauplätze, das Buch bleibt nah am Wesentlichen. Es gibt eine gewisse Brutalität, welche nicht überzogen ist und sich in den gesteckten Rahmen passend einfügt.

Das Buch lockt als „Thriller“. Dafür ist die Geschichte mir jedoch nicht ausgefeilt, raffiniert genug. Spannung habe ich kaum verspürt. Das Finale ist schlüssig und zufriedenstellend, allerdings für mich vorhersehbar.

Eine gute Unterhaltung für Krimi-Fans, bei denen Privatermittler agieren.


Melisa Schwermer, Flüstermoor, Thriller, eBook, FeuerWerke Verlag, 13,90 € als Paperback, 260 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 07.02.2023

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Verschenkte Gelegenheit

Sophie L.
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“Sophie L” wird in drei verschiedenen Zeitachsen erzählt: Gegenwart, vor einem Jahr und 1945. Die Hauptdarstellerinnen sind Gran und Olivia, wobei letztlich die Ereignisse im Leben der Großmutter aus 1945 ...

“Sophie L” wird in drei verschiedenen Zeitachsen erzählt: Gegenwart, vor einem Jahr und 1945. Die Hauptdarstellerinnen sind Gran und Olivia, wobei letztlich die Ereignisse im Leben der Großmutter aus 1945 in die Gegenwart hineingreifen und auch heute - immerhin 80 Jahre danach - dazu geeignet erscheinen, einen Mord zu rechtfertigen.

Auf dem Einband wird dieser vermeintliche Thriller sehr hoch gelobt: "atemberaubender Thriller", “unvergesslich”, “Gedächtnisexpertin Olivia”..., was zwangsläufig Erwartungen auf mehreren Ebenen weckt. Für mich ist dieses Buch lediglich ein “Roman ohne klares Genre” mit vielen Längen, nervigen Wiederholungen, blassen, wirr & unnahbar gezeichneten Protagonisten; letztlich ein Buch, was mich leider nicht mitnehmen kann.

Positiv möchte ich erwähnen, dass die Ereignisse um Sophie / Josephine im Jahr 1945 interessant sind; dieser Teil hat mich für sich einnehmen können. Dieser Part hätte mit viel weniger Drumherum, mehr Tiefe und konsequenter Schlüssigkeit ein richtig gutes Buch werden können. Etwas ausgeschmückt: gelebte Geschichte zum Nachspüren..

Ich durfte dieses Buch im Rahmen einer Leserunde lesen. Somit habe ich es bis zum Ende durchgelesen, ab der Hälfte allerdings überwiegend nur noch quergelesen, die Anteile um 1945 bis zum Ende mit Interesse.

Im Finale gibt es noch eine kleine Überraschung, aber das kann meinen Gesamteindruck nicht mehr positiv beeinflussen. Die angedeuteten “großen Geheimnisse” waren für mich relativ früh gelüftet und wurden im Finale bestätigt.

Ein hübsches Buch von außen mit seinen Kontrastfarben und dem violetten Schnitt. Von innen größtenteils entbehrlich und schade um das schöne Papier.



Matthew Blake, Sophie L, Thriller, Taschenbuch, FISCHER Scherz Verlag, 384 Seiten, Erscheinungsdatum 30.12.2025

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