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Veröffentlicht am 25.04.2026

Wenn Freiheit verboten wird - Eine beklemmende Parabel

Der letzte Sommer der Tauben
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MEINE MEINUNG

In seinem beeindruckenden neuen Roman Der letzte Sommer der Tauben erzählt Abbas Khider von einer Gesellschaft, die sich unter der sich allmählich ausbreitenden Terrorherrschaft eines islamistischen ...

MEINE MEINUNG

In seinem beeindruckenden neuen Roman Der letzte Sommer der Tauben erzählt Abbas Khider von einer Gesellschaft, die sich unter der sich allmählich ausbreitenden Terrorherrschaft eines islamistischen Kalifats immer weiter verdüstert. Im Mittelpunkt der bedrückenden Geschichte steht der vierzehnjährige Ich Erzähler Noah, der mit seiner Familie in einer Stadt lebt, deren Namen bewusst unerwähnt bleibt. Khider verzichtet bewusst auf konkrete geografische und zeitliche Verortung, wodurch der Roman eine beklemmende Allgemeingültigkeit erhält. Die schleichende Veränderung des Alltags ist nicht auf einen Ort beschränkt, sondern ist universell und könnte in vielen totalitären Diktaturen und fundamentalistischen Regimen geschehen. Noahs größter Stolz ist seine Taubenzucht hoch über den Dächern seiner Stadt. Von diesem kleinen Rückzugsort aus beobachtet er ihren Flug und verbindet mit ihnen ein Gefühl von Schönheit, Ruhe und Weite, symbolisieren diese wunderschönen Vögel doch Freiheit und vertrauensvolle Bindung. Als die neuen islamistischen Machthaber jedoch zunehmend das öffentliche und private Leben streng zu kontrollieren beginnen, gerät seine fragile Welt zunehmend unter Druck und das vertraute Umfeld verwandelt sich in ein System aus Verboten, Angst und wachsender Gewalt. In kurzen, Schlaglicht-artigen Kapiteln werden wir Zeugen eines schleichend um sich greifenden Ausnahmezustands. Jedes für sich genommen eher unspektakulär, entfalten sie dennoch in ihrer Abfolge eine beklemmende Wucht.

Khider versteht es hervorragend, die tief in den Alltag eingreifende Ideologie und Veränderungen äußerst anschaulich und nuanciert zu beschreiben. Ob nun das Verschwinden der Musik aus den Cafés, das Verhüllen der Frauen, Schwärzen von Bildern oder das Konfiszieren und Verbrennen von verbotenen Gegenständen - die rigiden Maßnahmen und religiösen Vorschriften dringen Schritt für Schritt bis in die kleinsten Bereiche des Alltagslebens vor. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, werden plötzlich verdächtig oder verboten, so dass sich immer deutlicher die umfassende Umstrukturierung des Lebens offenbart. In eindrücklichen Szenen, in denen das Banale bisweilen ins Groteske kippt, wird die Absurdität der Ideologie ebenso greifbar wie ihre zerstörerische Konsequenz.

Um die Brutalität des Systems sichtbar zu machen verzichtet Khider in seiner eindringlich erzählten Geschichte bewusst auf Pathos und dramatische Überhöhung. Der schlichte, prägnant gehaltene Sprachstil passt hervorragend zu der Perspektive des jugendlichen Ich-Erzählers, der vieles zunächst nur bruchstückhaft versteht und viele Vorgänge mit Staunen, Angst und Unverständnis wahrnimmt. Gerade Noahs scheinbare Naivität legt die Widersprüche, Grausamkeiten und Absurditäten der neuen Gegebenheiten umso schonungsloser frei. Gekonnt lässt Khider zudem eine leise, oft bittere Ironie einfließen, die sich vor allem in beiläufigen Bemerkungen und im familiären Miteinander zeigt.

Zu den stärksten Charakteren gehört die Figur des widerständigen Onkels Ali, der trotz der Verbote heimlich raucht, trinkt und schreibt. Als ein stiller, ironischer und weiser Gegenpol zu den sich die immer weiter zuspitzenden Verhältnissen erklärt er Noah die politischen Hintergründe und eröffnet ihm durch seine stille oppositionelle Art einen Raum des Denkens und Zweifelns. In ihm verdichtet sich ein widerständiger Rest von Eigenständigkeit in dieser trostlosen Zeit.Khider versteht es, die wachsende Bedrohung nicht über spektakuläre Zuspitzungen, sondern über Verdichtung zu verdeutlichen. Gekonnt zeichnet er ein bedrückendes, aber auch sehr bewegendes Bild davon, was religiöser Fanatismus im Alltag anrichtet.

Der Raum, in dem sich Noah bewegen kann, wird Schritt für Schritt enger, das Misstrauen wächst, Beziehungen zerbrechen oder werden von Angst unterwandert. Öffentliche Gewalt wie Verhaftungen, Misshandlungen oder sogar Steinigungen ist keine Ausnahme, sondern logische Konsequenz eines Systems auf, das sich über absolute Deutungshoheit definiert.

Geschickt hat der Autor die Tauben als zentrales Motiv seines Romans gewählt. Sie stehen nicht nur für Noahs Leidenschaft, sondern symbolisieren zudem eine Idee von Freiheit, die sich dem Zugriff der Macht und Kontrolle zunächst entziehen kann. Als sogar das Taubenzüchten schließlich verboten wird und der Himmel selbst zum verdächtigen Raum deklariert wird, fällt schließlich auch der letzte Rückzugsort. Eindrucksvoll führt Khider uns hierbei vor Augen, dass eine Herrschaft, die den freien Flug fürchtet, letztlich jede Form von Autonomie fürchtet und unterdrücken will. Ein beklemmender Ausklang angesichts von Noahs fatalen, unwiederbringlichen Verlusts und seiner äußerst ungewissen Zukunft, aber auch ein kleiner hoffnungsvoller Ausblick, dass sich ein kleiner Rest Widerstand gegen eine vollständige Unterwerfung regt.

FAZIT

Ein beeindruckender, leiser Roman, der mit großer Eindringlichkeit vom Alltag unter religiösem Fanatismus und schwindender Freiheit erzählt..
Es ist ein ebenso beklemmender wie berührender Roman, der lange nachwirkt! Sehr lesenswert!

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Zwischen Trümmern und Geheimnissen - Ein fesselnder historischer Krimi

Die weiße Nacht
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MEINE MEINUNG
Nach ihrer erfolgreichen historischen Roman-Reihe um die Berliner Hebamme Hulda Gold legt Anne Stern mit „Die weiße Nacht“ eine neue historische Krimi-Reihe vor, die in puncto atmosphärischer ...

MEINE MEINUNG
Nach ihrer erfolgreichen historischen Roman-Reihe um die Berliner Hebamme Hulda Gold legt Anne Stern mit „Die weiße Nacht“ eine neue historische Krimi-Reihe vor, die in puncto atmosphärischer Dichte, Zeitkolorit und eindrucksvoller Figurenzeichnung nahtlos an ihre Vorgänger anknüpft. Der vielversprechende Auftakt fesselt dank eindringlicher Milieuzeichnung und hervorragend recherchiertem zeitgeschichtlichen Hintergrund von der ersten Seite an und konnte mich sofort vollends in seinen Bann ziehen.
Der erste Fall für Kriminalkommissar Alfred König und die junge Fotografin Lou Faber, angesiedelt im Berliner Hungerwinter 1946/47, führt uns mitten hinein eine Zeit des Mangels, der moralischen Brüche und der schmerzhaften Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und der Gräueltaten der Nazis.
Als Lou in den verschneiten Trümmern der Stadt eine Frauenleiche mit gefalteten Hände entdeckt und fotografiert, lässt sie der Anblick der Toten im Schnee nicht mehr los. Lous Tatort-Fotos helfen bei den nur schleppend anlaufenden Ermittlungen. Der mit der Aufklärung des Mords betraute Kriminalkommissar Alfred König begegnet ihr zunächst reserviert, doch Lous Intuition liefert ihm einige wichtige Ansatzpunkte. Nach einem weiteren Leichenfund deuten einige Spuren in die Vergangenheit der Opfer, die viele lieber für immer vergessen wollen. Unter enormem treibt jagt König die Aufklärung des Falls voran, während der Heiligabend unaufhaltsam näher rückt …
Durch Sterns lebendigen, sehr bildhaften Schreibstil fällt es leicht, in das bedrückende Nachkriegsszenario von Berlin zur Stunde Null einzutauchen. Stern entwirft ein stimmiges und überwiegend düsteres Zeitbild und überzeugt mit authentischen Milieuschilderungen. Atmosphärisch dicht schildert sie den bedrückenden Alltag in all seinen Facetten, lässt uns hautnah am Schicksal der Menschen teilhaben und gewährt zugleich erschütternde Einblicke in ihre moralischen Dilemmata.
Überall zeigen sich die Folgen des verlorenen Kriegs in allgegenwärtiger Mangelversorgung, Hunger, Wohnungsnot, bitterer Armut, florierendem Schwarzhandel und verbissenem Überlebenskampf verbunden mit der Hoffnung auf einen baldigen Neuanfang.
Besonders eindrucksvoll hat Stern den verzwickten Kriminalfall mit den sorgsam recherchierten historischen Hintergrundinformationen verwoben.
Die Ermittlungen zu dem komplexen Fall führen allmählich immer tiefer in die Schattenzonen einer zerrütteten Gesellschaft aus Tätern, Opfern und Mitläufern, dorthin, wo Elend, Armut, Prostitution, Betrug und Verbrechen zum Alltag gehören. Eindrucksvoll führt Stern uns vor Augen, was Nationalsozialismus und Krieg aus den Menschen und ihrem moralischen Kompass machten, wie nachhaltig viele die dunkle Vergangenheit verdrängen und über etwaige Schuld, Verantwortung und eigene Verstrickungen schweigen. Die aus den Befragungen gewonnenen Hinweise, Erinnerungsfragmente und Halbwahrheiten deuten immer mehr darauf hin, dass die Todesopfer eine gemeinsame, in die NS-Zeit zurückreichende Vergangenheit haben.
Der Krimi lebt neben dem lebendig gezeichneten historischen Hintergrund vor allem von ihren vielschichtig angelegten Figuren. Sämtliche Charaktere sind detailliert und mit ihren Hintergrundgeschichten sehr vielschichtig ausgearbeitet, wodurch sie sehr lebensnah wirken. Besonders beeindruckt hat mich die clevere, sympathische Protagonistin Lou Faber mit ihrer Empathie, Hilfsbereitschaft und Unerschrockenheit. Als Fotografin gelingt es ihr mit Intuition und besonderem Blick für Details Dinge, die andere übersehen, zu erfassen und mutig unbequeme Fragen zu stellen. Zugleich hat sie mit Erinnerungen an ihre zeit im Widerstand, inneren Dämonen und Schuldgefühlen zu kämpfen. Kommissar König ist eine eher rätselhafte, unnahbare Figur mit markanten Ecken und Kanten – beherrscht, pflichtbewusst und innerlich mit seiner unrühmlichen Vergangenheit ringend, was ihn zu einem schwierigen Charakter im Umgang macht. Unter seiner kontrollierten Fassade schlummern Geheimnisse, die ihn und Lou enger miteinander verbinden, als beiden recht ist. Ihre leise Annäherung, geprägt von Misstrauen, wachsendem Respekt und unausgesprochenen Fragen, entfaltet sich als spannende emotionale Achterbahnfahrt.
Auch die zahlreichen Nebenfiguren wie Lous Freunde und Nachbarn, Königs Kollegen oder die auf dem Schwarzmarkt tätigen Waisen Gerti und Justus tragen mit ihren individuellen Geschichten zum besonderen Flair des Krimis bei und lassen ein authentisches gesellschaftliches Panorama entstehen.
Stern porträtiert sie als facettenreiche Menschen mit inneren Widersprüchen und Brüchen, so dass man einige von ihnen schnell ins Herz schließt und sich auf ein Wiedersehen in den Folgebänden freut.
Nach einigen überraschenden Wendungen und geschickt gelegten falschen Fährten fügen sich die Puzzlestückchen allmählich zu einem erschütternden Gesamtbild zusammen. Nach einem fesselnden Finale wird schließlich in der stimmigen Auflösung das schockierende Motiv der Taten enthüllt, das tief in der finsteren deutschen Vergangenheit verwurzelt ist und einen sehr betroffen und nachdenklich zurück lässt.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Tödliche Schatten über dem Graphischen Viertel - Eine gelungene Fortsetzung mit großer Sogkraft

Das Antiquariat am alten Friedhof
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MEINE MEINUNG
Mit dem fesselnden historischen Roman „Das Antiquariat am alten Friedhof“ setzt der deutsche Bestsellerautor Kai Meyer seine faszinierende Reihe über die Geheimnisse des Graphischen Viertels ...

MEINE MEINUNG
Mit dem fesselnden historischen Roman „Das Antiquariat am alten Friedhof“ setzt der deutsche Bestsellerautor Kai Meyer seine faszinierende Reihe über die Geheimnisse des Graphischen Viertels in Leipzig fort, die zugleich eine beeindruckende Hommage an die Welt der Bücher ist. Gekonnt entführt uns Meyer erneut in die geschichtsträchtige Bücherstadt Leipzig.
Obwohl es sich hierbei bereits um den vierten Band handelt, lässt sich der Roman auch ohne Vorkenntnisse lesen, da jeder Teil in sich abgeschlossen ist. Kenner der vorherigen Bände dürfen sich jedoch über raffinierte Anspielungen und Wiederbegegnungen mit vertrauten Schauplätzen im historischen Leipzig und bekannten Figuren freuen.
In seinem sehr atmosphärisch und mitreißend erzählten Roman versteht es Meyer hervorragend, seine spannende Handlung mit mystischen und kriminalistischen Elementen zu verweben und diese in einen interessanten, gut recherchierten historischen Kontext einzubetten.

Die komplexe Handlung spielt überwiegend im historischen Leipzig vor und unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg und entfaltet sich auf zwei Zeitebenen, ergänzt durch wenige Szenen auf der Insel Patmos. Der erste Handlungsstrang ist im Jahr 1930 angesiedelt, einer Epoche großer politischer Unruhen und gesellschaftlichen Umbruchs, geprägt vom Aufkommen der nationalsozialistischen Bewegung. Der zweite führt ins Jahr 1945, in dem Leipzig nach den verheerenden Kriegsschäden unter amerikanischer Besatzung steht, kurz bevor die Sowjetunion die Kontrolle übernimmt.
Im Mittelpunkt der Geschichte von 1930 stehen die vier jungen Männer aus wohlhabenden Familien Felix, Vadim, Julius und Eddie, die den sogenannten „Club Casaubon“ gegründet haben und sich regelmäßig in Vadims kleinen Antiquariat im Graphischen Viertel treffen. Aus ihrer ausgeprägten Affinität zu Literatur und auf der Suche nach etwas Nervenkitzel begehen sie Einbrüche bei reichen Sammlern, bei denen sie vor allem kostbare, oftmals okkulte Bücher stehlen, die Vadim später an Interessenten verkauft, um den Fortbestand des Antiquariats zu sichern.
Als Eddies geheimnisvolle Schwester Eva zur Gruppe stößt und sie vom zwielichtigen Journalisten Magnus Heiden den Auftrag für einen höchst heiklen Buchdiebstahl erhalten, geraten die Freunde immer tiefer in einen gefährlichen Sog aus undurchsichtigen Machtspielen und tödlichen Gefahren.
Der zweite Handlungsstrang setzt 1945 ein und folgt Felix, mittlerweile Bibliothekar und Geheimdienstagent, der für die Amerikaner millionenfach von den Nazis geraubte Bücher in einer Klosterbibliothek auf Patmos katalogisieren soll. Ein neuer Auftrag des US-Geheimdiensts lässt ihn nach Leipzig zurückkehren, wo er die Glaubwürdigkeit eines angeblich alten Bekannten überprüfen soll, der das Versteck von Hitlers geheimer Bibliothek kennen will. Seine Nachforschungen kontrontieren ihn unversehens mit den Geheimnissen aus der Vergangenheit, verlorenen Freunden und einem gefährlichen Widersacher. Schon bald befindet er sich in einem riskanten Verwirrspiel aus Intrigen, Verrat, Rache und Schuld gefangen.
Mit seinem lebendigen und zugleich bildgewaltigen Erzählstil versteht es Meyer hervorragend, eine melancholische, geheimnisvolle Atmosphäre heraufzubeschwören, die uns unweigerlich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht und uns rasch ins historische Leipzig der beiden Zeitebenen eintauchen lässt.
Er zeichnet nicht nur ein lebendiges Porträt des Leipziger Graphischen Viertels mit seinen nebelverhangenen Gassen, Druckereien und Antiquariaten während der Weimarer Republik, sondern vermittelt auch interessante Einblicke in jene düstere Zeitepoche und in eine bizarre Welt von Geheimbünden, des Okkultismus und der Scharlatanerie.
Vor dieser eindrucksvollen Kulisse entfaltet sich eine fesselnde und folgenschwere Geschichte Freundschaft, Liebe, Verrat, verborgener Geheimnisse und düsterer Machenschaften. Mit viel Feingefühl lässt Meyer in seiner atmosphärisch dichten Geschichte Realität und Übernatürliches ineinanderfließen.
Meyers lebendige Figurenzeichnung überzeugt erneut auf ganzer Linie. Er versteht es einfach, seine faszinierenden Hauptfiguren so facettenreich und empatisch zu zeichnen, dass man sich hervorragend in ihre Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen kann. Fesselnd ist es Felix in den beiden Zeitebenen zu erleben, der sich 15 Jahre später mutig den vergangenen Geschehnissen stellt und sich trotz vielfältiger Widerstände entschlossen für die Aufdeckung der Wahrheit einsetzt und große Risiken einzugehen bereit ist.
Sehr gelungen ist zudem die vielschichtige und glaubwürdige Darstellung der vielen Nebenfiguren, deren Geheimnisse die komplexe Handlung bereichern. Besonders gut gefallen hat mir ebenfalls die Wiederbegegnung mit dem sympathischen Kommissar Cornelius Frey und dem faszinierenden Faktotum Grigrori, wodurch die Geschichten aus den Vorgängerbänden auf faszinierende Weise immer mehr ineinandergreifen.
Ein besonderes Highlight des Romans ist die Art und Weise, wie Meyer die Themen Literatur, Bibliotheken und die magische Kraft der Bücher in die geschickt verwobene Geschichte einbettet. Die Handlung entfaltet sich in den sich abwechselnden Zeitebenen mit hohem Tempo und fesselnder Spannung, während sich die Hintergründe der komplex miteinander verbundenen Ereignisse nur nach und nach offenbaren. Mit gekonnten Perspektivwechseln, unvorhersehbaren Wendungen und schockierenden Enthüllungen steigert Meyer kontinuierlich die Dramatik, bis die packende Erzählung in einem fulminanten Finale mündet und schließlich mit einem stimmigen und nachdenklich stimmenden Abschluss ausklingt.

FAZIT
Ein fesselnder und vielschichtiger Roman, der mit reichem Lokal- und Zeitkolorit, lebendigen Figuren und einer raffiniert gestalteten Handlung überzeugt.
Ein überzeugendes Leseerlebnis mit einer beeindruckend dichten Atmosphäre, das allen Bücherliebhabern wärmstens empfohlen werden kann.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Ein faszinierendes Portrait zwischen Glanz und Betrug

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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MEINE MEINUNG
Mit ihrem neuen Roman „Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“ beweist Vea Kaiser einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent als Erzählerin, das auf unverwechselbare Weise humorvolles ...

MEINE MEINUNG
Mit ihrem neuen Roman „Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels“ beweist Vea Kaiser einmal mehr ihr außergewöhnliches Talent als Erzählerin, das auf unverwechselbare Weise humorvolles Erzählen und tiefgründige Themen vereint.
Ihr ist ein beeindruckender Gesellschaftsroman gelungen, der von sozialem Aufstieg, existenzieller Sehnsucht nach Anerkennung, Wohlstand und Glück, aber auch von den vielfältigen Brüchen einer scheinbar glanzvollen Fassade erzählt.
Mit lebendigem, eindringlichem Schreibstil sowie dem unvergleichlichen Charme des Wiener Schmäh entwirft Kaiser das facettenreiche Bild der Protagonistin Angelika Moser - einer Frau, die nahezu schlafwandlerisch auf dem schmalen Grat zwischen sozialer Zugehörigkeit, familiären Bindungen und moralischen Prinzipien wandelt und dabei mit einer faszinierenden Leichtigkeit die Höhen und Tiefen des Lebens durchwandert stets getrieben von dem Traum nach einem besseren Leben.
Inspirieren ließ sich die Autorin von einem auf wahren Begebenheiten beruhenden Betrugsfall.
Geschickt hat Kaiser eine Rahmenhandlung gestaltet, in der die Autorin von ihren Recherchen zu dem Fall erzählt und im Gefängnis Gespräche mit der verurteilten Betrügerin Angelika führt. Diese verschiedenen Episoden verleihen dem Roman beinahe dokumentarische Züge, während die eigentliche Erzählung in eingeschobenen Rückblenden mit raffinierten Zeitsprüngen entfaltet und Angelika Mosers Lebensweg über die Jahrzehnte hinweg detailreich nachgezeichnet wird.
So folgen wir der jungen Buchhalterin Angelika, die sich in den späten 1980er Jahren ihren Platz im traditionsreichen Wiener Grandhotel Frohner mit bemerkenswerter Entschlossenheit erkämpft hat.
Aufgewachsen im Wiener Gemeindebau als Tochter einer Hausbesorgerin, führt Angelika ein bescheidenes wie auch turbulentes Leben zwischen nächtlichen Tanzvergnügen und den aufreibenden Herausforderungen ihres anspruchsvollen Jobs im Hotel und ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter. Früh wurde ihr durch die strenge, wenig liebevolle, aber dennoch fürsorgliche Mutter vermittelt, worauf es im Leben ankommt. Mit äußerster Cleverness und Durchsetzungsstärke behauptet Angelika sich in einer Welt, in der soziale Herkunft alles andere als nebensächlich ist. Rasch lernt sie, stets für sich und ihren geliebten Sohn Basti mit nicht immer ganz legalen Mitteln das Beste aus den gegebenen Umständen herauszuholen. Über Jahrzehnte hinweg gelingt es ihr durch geschickte Tricksereien einen Millionenbetrag zu ergaunern und Zugang zur besseren Gesellschaft zu erlangen, bis ihr raffinierter Schwindel schließlich doch ans Licht kommt.
Kaiser versteht es hervorragend, aus dieser Biografie ein fesselndes und facettenreiches Porträt einer unbeirrbar willensstarken Frau zu zeichnen, die sich auch unter widrigsten Umständen nicht unterkriegen lässt und ihr Schicksal entschlossen selbst gestaltet. Mit großer Eindringlichkeit lotet sie die moralischen Grauzonen und zutiefst menschlichen Beweggründe von Angelikas Betrug aus, denn nicht eigennützige Habgier, sondern der Wunsch nach sozialem Aufstieg und ein besseres Leben für ihr Kind standen im Mittelpunkt ihres Handelns.
Auf diese Weise entwirft Kaiser sehr eindrucksvoll eine nuancierte Charakterstudie, die tiefer reicht als vorschnelle Zuschreibungen und die Empathie sowie das Infragestellen eigener Sichtweisen ermöglicht.
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, ihre Protagonistin mit all ihren Facetten und Eigenheiten vielschichtig und glaubwürdig zu gestalten und dabei ihre innere Wandlung psychologisch fundiert sowie mit großer Empathie nachzuzeichnen.
Besonders gefallen hat mir, wie detailreich, lebendig und voller Nuancen die Autorin die Atmosphäre von Angelikas Alltag und das Wiener Lebensmilieu jener Zeit einfängt.
Unterhaltsam und sehr anschaulich entfaltet Kaiser das Gesellschaftspanorama der vergangenen vierzig Jahre – vom glanzvollen Prunk hin zu den subtilen Machtgefügen hinter Fassaden eines traditionsreichen Hotelbetriebs werden auch die oftmals übersehenen Schwierigkeiten berufstätiger Mütter beleuchtet, die zwischen Verantwortungsgefühl, Solidarität, Stolz und einer tiefen Sehnsucht nach Anerkennung zerrieben werden.

Durch charmanten Sprachwitz, warmherziges Augenzwinkern und pointierte Dialoge in wienerischer Mundart versteht es die Autorin hervorragend, eine spielerische Leichtigkeit einzufangen - trotz einer gewissen tragischen, melancholischen Grundstimmung, die zwischen den Zeilen mitschwingt. Das gekonnte Gleichgewicht zwischen feiner Ironie, scharfsinniger Gesellschaftsbeobachtung und intensiven Emotionen verleiht dem Roman eine unvergleichliche Atmosphäre, gleichermaßen unterhält und berührt.

FAZIT
Ein vielschichtiger Gesellschaftsroman über Betrug, soziale Herkunft und weibliche Selbstbestimmung – humorvoll und warmherzig erzählt, mit einer beeindruckenden Protagonistin und zugleich eine grandiose Hommage an das schillernde Wien und das Leben.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Der perfekte Küchenbegleiter für schnelles Kochen

Hensslers Schnelle Nummer - morgens, mittags, abends
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MEINE MEINUNG
Mit seinem neuen Kochbuch “Hensslers Schnelle Nummer – morgens, mittags, abends“ aus dem GU-Verlag hat der bekannte TV-Koch und Bestsellerautor Steffen Henssler den perfekten Küchenbegleiter ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem neuen Kochbuch “Hensslers Schnelle Nummer – morgens, mittags, abends“ aus dem GU-Verlag hat der bekannte TV-Koch und Bestsellerautor Steffen Henssler den perfekten Küchenbegleiter für alle Tageszeiten vorgelegt.
Es richtet sich an alle, die unkompliziert und schnell kochen möchten, und vor allem ganz ohne Kompromisse bei Geschmack und Vielfalt. Denn wer kennt es nicht, dass es im hektischen Alltag und bei knapper Zeit in der Küche oft schnell gehen muss, und man trotzdem ein leckeres und gesundes Gericht auf den Tisch bringen möchte.
Henssler präsentiert in seinem Buch eine abwechslungsreiche Mischung aus modernen Trendrezepten, saisonalen Klassikern, herzhaften mediterranen oder asiatisch angehauchten Gerichten und süßen Versuchungen, bei denen jeder etwas Köstliches finden wird. Abgestimmt auf die drei Tageszeiten gibt es eine Menge an kreativen Rezeptvorschlägen mit interessanten Geschmackskombinationen zu entdecken. Entsprechend ist das Buch in die folgenden drei Abschnitte unterteilt: MORGENS, MITTAGS, ABENDS.
Ob vom Power- oder Schlemmerfrühstück für einen energiereichen Start in den Tag, über leckere Salate, leichte One pot - oder originelle Pfannengerichte zur Mittagspause bis hin zu unkomplizierten Ofengerichten zum entspannten Abendessen – es findet sich vielseitige Rezeptauswahl mit tollen Gerichten für die Alltagsküche ohne großen Schnick-Schnack und mit wenigen Zutaten, die jeder zuhause hat oder leicht zu besorgen sind.
Über 100 abwechslungsreiche Rezepte hat Henssler für uns zusammengestellt, die alle seinem erfrischend unkomplizierten Konzept von minimalem Aufwand und maximalem Genuss folgen. Darunter findet sich auch eine große Auswahl vegetarischer Gerichte, die mit einem VEGGIE-Symbol entsprechend gekennzeichnet sind.
Die Rezepte in den einzelnen Kategorien sind übersichtlich und ansprechend gestaltet. Eine ganzseitige Farbfotografie des fertigen Gerichts begleitet die Anleitungen. Die Angaben zu Zubereitungszeit und Portionen fallen sofort ins Auge. Die Zutaten sind ebenfalls übersichtlich aufgelistet. Die durchnummerierten Zubereitungsschritte sind leicht verständlich formuliert und zudem auch für Anfänger in der Küche gut nachvollziehbar. Auf überflüssige Angaben wird hierbei zugunsten der präzisen Anleitungen verzichtet, sodass gerade Anfängern die Scheu genommen wird und der Spaß am Kochen im Vordergrund steht.
Ergänzt werden die Rezepte teilweise durch hilfreiche Tipps und kurze Anmerkungen, die das schnelle Kochen noch leichter machen oder raffinierte Variationen je nach Vorliebe oder Anlass vorschlagen. So sind alle Rezepte nicht nur problemlos nachkochbar, sondern lassen sich auch individuell variieren, so dass man nach Herzenslust aus den Basisideen ganz eigene Kreationen entwickeln kann.
Besonders hervorzuheben ist die hochwertige Gestaltung des Buches mit einem Lesebändchen, das den schnellen Zugriff auf das aktuelle Rezept erleichtert sowie die gelungenen, appetitanregenden Foodfotos von Fotograf Frank von Wieding, die sehr authentisch wirken und jedes Gericht perfekt in Szene setzen.
Abgerundet wird das Werk durch eine kurze sympathische Danksagung des Autors, einigen stimmungsvollen Schnappschüssen vom Making of sowie ein detailliertes alphabetisches Register der Rezepte.
FAZIT
Ein rundum gelungenes Kochbuch mit über 100 köstlichen Rezepten für jede Tageszeit und jeden Anlass – unkompliziert und schnell zuzubereiten, dabei jedoch stets mit dem unverwechselbaren Henssler-Kick. Perfekt für alle, die im Alltag wenig Zeit in der Küche verbringen möchten, aber trotzdem abwechslungsreich, frisch und genussvoll essen wollen.

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