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Veröffentlicht am 16.01.2026

Wissenschaftlich fundiert, gut verständlich und ermutigend

Die neue Wissenschaft vom Sattsein
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Die Ärztin Pia Rosner arbeitet als Endokrinologin in einem Adipositaszentrum einer norddeutschen Klinik. Wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig freundlich und verständnisvoll, ohne Schuldzuweisungen, ...

Die Ärztin Pia Rosner arbeitet als Endokrinologin in einem Adipositaszentrum einer norddeutschen Klinik. Wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig freundlich und verständnisvoll, ohne Schuldzuweisungen, erklärt sie in diesem übersichtlichen und liebevoll gestalteten Buch den derzeitigen Stand der Wissenschaft zum Thema Übergewicht, Adipositas und Abnehmen.

Dabei geht sie auf hormonelle Zusammenhänge genauso ein wie auf Genetik, Ernährung, Bewegung und moderne Behandlungsmethoden wie bariatrische Chirurgie oder die Abnehmspritze, erklärt jeweils genau die Abläufe im Körper und die Vorzüge, aber auch Schwierigkeiten, die mit den verschiedenen Methoden verbunden sind.

Sehr sympathisch ist, dass die Ärztin einen freundlichen und offenen Zugang gegenüber übergewichtigen Menschen hat und nichts von Schuldzuweisungen hält: sie erklärt anschaulich, wie schwierig der Kampf gegen das Übergewicht sein kann, solange in Gehirn und Darm Hormone, Neutrotransmitter und Darmbakterien sich einer Veränderung entgegen stellen... aber auch, was funktionieren kann und welche Schritte man selbst erwägen und setzen kann auf dem Weg zu einem schlankeren und gesünderen Leben.

Vom Niveau her ist es ein medizinisches Sachbuch, das sich an interessierte Laien widmet und sich bemüht, die biologischen Zusammenhänge so verständlich wie möglich zu erklären. Ein Basiswissen in Biologie ist aber trotzdem förderlich für das Verständnis.

Ich kann das Buch allen, die selbst von Übergewicht oder Adipositas betroffen sind oder die einfach nur mehr darüber lernen möchten, nur wärmstens empfehlen: hier wird man als Gegenüber ernst genommen, fundiert aufgeklärt und kann dann selbst die passenden Entscheidungen treffen oder andere Menschen in diesem Bereich unterstützen.

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Zugänglich, interessant und Gräben überwindend

Anders
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Bertolt Meyer ist selbst mit einer körperlichen Behinderung geboren worden: mit nur einem Unterarm. So hat er schon seit frühester Kindheit Erfahrungen damit gemacht, was es bedeutet, von der Gesellschaft ...

Bertolt Meyer ist selbst mit einer körperlichen Behinderung geboren worden: mit nur einem Unterarm. So hat er schon seit frühester Kindheit Erfahrungen damit gemacht, was es bedeutet, von der Gesellschaft als "anders" wahrgenommen zu werden. In diesem Buch widmet sich der Psychologieprofessor nun den Unterschieden zwischen Menschen, wie sie unsere Wahrnehmung einschränken und wie wir lernen können, diskriminierungsfrei und somit besser damit umzugehen. Es ist ein kluges und persönliches Buch, das zum einen auf vielen persönlichen Erfahrungen aufgebaut ist und damit zugänglich ist, zum anderen aber auch den aktuellen Wissensstand aus der Psychologie zu den jeweiligen Themen gut verständlich und interessant erklärt und insgesamt sehr zum Nachdenken anregt.

Nach einer Einführung in das Thema Behinderung geht es erst einmal allgemein um Stereotype, um besser zu verstehen, wie diese die menschliche Wahrnehmung und Beurteilung anderer verkürzen, aber damit gleichzeitig viele Menschen zu Unrecht in eine Kategorie werfen, die, wenn überhaupt, nur einen winzigen Teil ihrer Persönlichkeit beschreibt. Danach geht es um spezielle Themen, die aktuell sehr viel diskutiert werden, wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Transidentität, Fremdenfeindlichkeit, Rechtspopulismus und ehemaliges Ost- vs. Westdeutschland und die Menschen aus diesen Regionen.

Besonders sympathisch habe ich gefunden, wie sich der Autor persönlich und nahbar auf diese Themen einlässt: so erzählt er etwa auch von seiner Homosexualität, dem Umgang damit und wie viele Lebensbereiche diese betrifft, sodass es eben nicht möglich sei, über dieses Thema zu schweigen, ohne ständig bei Fragen nach Partnerschaft, Urlaub oder Kindern lügen zu müssen. Dem Thema Fremdenfeindlichkeit nähert er sich anhand eigener Erfahrungen als Deutscher in der Schweiz an, ist sich aber seiner dabei insgesamt privilegierten Position bewusst und reflektiert diese. Zum Thema Diskriminierung Ostdeutscher bringt er keine eigenen Erfahrungen mit, hat allerdings einige Zeit dort beruflich verbracht, und nähert sich dem Thema mit der gebotenen Zurückhaltung an.

Wenn es schließlich um das Erstarken des Rechtspopulismus in der Gegenwart geht, bietet der Autor auch dafür schlüssige Erklärungen an und legt seine, wie in seinem Umfeld sehr verbreitet, eigene eher linke Position dar, zeigt dabei aber gleichzeitig Respekt für andere politische Positionen und setzt sich insgesamt für Dialog und Verständigung ein.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Werk somit um ein interessantes und zugängliches Buch zu vielen aktuellen Themen, das ich Menschen verschiedenster politischer Einstellungen ans Herz legen will, um Neues zu lernen, die eigenen Positionen zu hinterfragen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Es gibt Hoffnung - die Menschen sind besser als gedacht

Hoffnung und Skepsis
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In den letzten Jahren hört man es überall: die Menschen würden immer weniger sozial werden, immer vereinzelter, immer schlechter. Man könne niemandem mehr vertrauen. Früher - wann auch immer das gewesen ...

In den letzten Jahren hört man es überall: die Menschen würden immer weniger sozial werden, immer vereinzelter, immer schlechter. Man könne niemandem mehr vertrauen. Früher - wann auch immer das gewesen sein soll - sei alles besser gewesen. Weit verbreitet scheint eine zynische Haltung gegenüber anderen Menschen zu sein, geprägt von Misstrauen und Angst.

In diesem Buch geht der Autor, ein in der Forschung tätiger Psychologe, erst einmal auf die Definition des modernen Zynismus ein, der sich von den griechischen Kynikern, auf die das Wort zurückgeht, deutlich unterscheidet, und unserer Psyche und dem Kontakt mit anderen Menschen stark schadet. Wer eine zynische Einstellung zu anderen Menschen hat, geht davon aus, dass diese unehrlich und böse seien, und scheut tiefer gehende Verbindungen. Dabei zeigt Mail Zaki in seinem Buch anhand vieler Studienergebnisse auf, dass die Menschen weit besser sind, als sie voneinander annehmen: so wird systematisch stark unterschätzt, wie viele scheinbar verlorene Geldbörsen, in denen sich die Kontaktdaten des Eigentümers befinden, von den Findern an diesen zurückgegeben werden.

Auch gehen Collegestudierende davon aus, dass es sehr schwierig sei, mit anderen Studierenden in Kontakt zu kommen, weil die meisten dafür nicht offen seien - während wiederum fast alle von sich selbst sagen, sich Kontakte mit anderen zu wünschen, und sich auch experimentell zeigt, dass die meisten für Gespräche offen sind. Diese Haltung zeigt sich in vielen Bereichen: Kriminalitätsraten werden etwa stark überschätzt, auch wenn sie tatsächlich in vielen Regionen in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen sind.

Dieser verbreitete Zynismus schadet uns auf vielen Ebenen: er macht die Menschen einsamer, kränker, unverbundener. Leider wird diese Einstellung von vielen Medien noch geschürt, um ihre Auflagen- und Clickzahlen zu erhöhen. Dabei weiß man aus der Forschung, dass die Einstellung, die Menschen entgegen gebracht ist, enorm wichtig für deren Entwicklung und Selbstbild ist. Das gilt für Kinder und Jugendliche genauso wie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen: Menschen, denen misstraut wird, entwickeln sich wesentlich schlechter und verhalten sich deutlich unehrlicher und krimineller, als solche, denen mit einem positiven Menschenbild begegnet wird.

In diesem Buch finden sich also viele Ansätze dafür, wie wir zynische Einstellungen hinterfragen und ein hoffnungsvolleres, und dabei gleichzeitig nicht naives, realistischeres Menschenbild entwickeln und dadurch positive Beziehungen zu unseren Mitmenschen aufbauen können. Es ist möglich, skeptisch und wachsam zu bleiben, ohne dabei zynisch und abwertend zu werden, und insgesamt eine hoffnungsvolle und offene Einstellung zu kultivieren, ohne blinde Naivität. Dafür zeigt dieses inspirierende und interessante Buch viele Beispiele auf.

Besonders schätze ich auch das wissenschaftlich sehr sorgfältige Vorgehen des Autors. Nicht nur beruhen alle seine Aussagen auf wissenschaftlichen Studien, sondern im Anhang findet sich - zusätzlich zu praktischen Anwendungstipps für das persönliche Leben - eine fundierte Einstufung der präsentierten Ergebnisse danach, als wie stark gesichert diese in der Wissenschaft momentan gelten (viele oder weniger Studien, die diese belegen, eindeutige oder eher widersprüchliche Ergebnisse).

Das Buch ist sicher für alle, die sich für Psychologie interessieren und in diesem Bereich Vorwissen haben, besonders interessant, kann aber aufgrund seiner zugänglichen Schreibweise mit vielen Beispielen auch gebildeten Laien empfohlen werden.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Poetisch, berührend, magisch, wunderschön!

Die Riesinnen
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Ich lese jedes Jahr sehr viele Bücher. Doch gar nicht so oft berührt eines davon so tief mein Herz, wie das "Die Riesinnen" getan haben. Dieses Buch hat für mich einfach alles, was ich am Lesen liebe: ...

Ich lese jedes Jahr sehr viele Bücher. Doch gar nicht so oft berührt eines davon so tief mein Herz, wie das "Die Riesinnen" getan haben. Dieses Buch hat für mich einfach alles, was ich am Lesen liebe: eine unterhaltsame Geschichte mit tiefgründigen, sympathischen Figuren, eine poetische Sprache, philosophische Tiefe bei erzählerischer Leichtigkeit und so viel Weisheit und Liebe! Es ist ein ganz besonderes Buch, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und aus dem ich mir unzählige Stellen herausgeschrieben habe.

Worum geht es? Um drei außergewöhnliche Frauen im fiktiven Dorf Wittenmoos im Schwarzwald, einem sehr konservativen Ort, in dem es erst einmal wenig Aufgeschlossenheit für Neues und Unkonventionelles gibt:

„In Wittenmoos ändern sich selten Dinge, darum geht es ja gerade. Das große Sichdrehen braucht eine Achse. Wer neu ist, suche sich seinen Platz, wer von hier stammt, bleibe auf seinem. Es hilft, in manchen Dingen, sofern man bereit ist, das Gewicht zu tragen. Ein Ort, an den man gehört, auch wenn man ihn sich nicht ausgesucht hat. Geh, und alles hinter dir zerfällt, bleib, und du musst bleiben, wer du bist, weil es sonst nicht funktioniert. Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?“ (S. 102)

Hier leben nun Liese, Cora und Eva: Großmutter, Mutter und Tochter - drei Generationen der Riessberger-Frauen, in der Zeit zwischen den 1960er-Jahren und heute. Es sind tatsächlich "riesige" Frauen, körperlich überragen sie alle anderen Frauen im Dorf deutlich, sind hager, blass, sommersprossig und rothaarig und damit schon äußerlich Ausnahmeerscheinungen, die nie Teil der Masse sein werden. Aber auch innerlich zeichnet die drei Frauen eine große Kraft aus: jeweils an die Zeitumstände angepasst, handelt es sich um mutige, selbstbestimmte und entschlossene Frauen, die auf ihre Weise jede für sich ihren Weg gehen.

Da ist Liese, deren Handlungsmöglichkeiten als Frau auf dem Dorf in den 1960er Jahren noch sehr begrenzt sind. Die eine lieblose Ehe mit dem Metzgerei-Erben Bernhard eingeht, von ihren Schwiegereltern verachtet wird und den Mann enttäuscht, als sie statt des gewünschten männlichen Erben "nur" eine Tochter zur Welt bringt: Cornelia, genannt Cora, lang, hager, blass und rothaarig wie die Mutter. Sie wird ihr einziges Kind bleiben, denn bald kommt Bernhard bei einem Unfall um, und so wird Liese die Tochter alleine großziehen und nebenbei gegen den Willen der Schwiegereltern für ihre Tochter die Metzgerei übernehmen, sich in einem fremden Betrieb und als Frau behaupten und gegen alle Widerstände damit erfolgreich sein.

Kraft gibt Liese der Wald, dem sie sich tief verbunden fühlt: „Man sieht es nicht, das Künstliche, der Wald hat sich seine Ungezähmtheit zurückgeholt. Wild und stur ist er, aber Liese findet ihn nicht bedrohlich. Ist er nicht. Nicht, wenn man ihn respektiert. Es ist, als hätte das dunkle Grün bei allen Schatten eine Wärme in sich. Man geht nicht verloren, im Wald, man wird bloß ein Teil von ihm.“ (S. 24)

Auch Cora hat es nicht leicht in Wittenmoos. Als Tochter einer Witwe und als großes, sommersprossiges, rothaariges Mädchen wird sie ausgeschlossen und gemobbt. Umso mehr bemüht sie sich, Stärke zu beweisen und die anderen zu beeindrucken: „Cora tut, was sie tut, nicht weil sie nicht anders kann, sondern weil sie kann. Wann immer sie denkt, dass sie sich nicht traut, traut sie sich einfach doch. Das hilft, irgendwie.“ (S. 137)

Cora träumt davon, das ungeliebte Dorf zu verlassen, auszubrechen, und die große Welt zu erkunden, und wird doch schließlich umständehalber dort hängenbleiben und ebenfalls als alleinerziehende Mutter ihre Tochter Eva dort aufziehen.

Eva nun hätte alle Möglichkeiten, das Dorf zu verlassen: doch, auch wenn auch sie groß, hager und rothaarig ist, ist sie im Gegensatz zu ihrer Mutter und Großmutter nun nicht mehr die Außenseiterin, sondern findet viele Freundinnen und Freunde, fühlt sich wohl in dem Dorf, liebt, wie ihre Großmutter, den Wald, und kann man den vielen Möglichkeiten, in die weite Welt zu reisen, die ihre Mutter so gerne vor ihr ausbreiten würde, wenig anfangen. Kurz unternimmt Eva als junge Erwachsene im Rahmen ihres Studiums und erster Beziehungen einen Ausflug in "die große weite Welt", studiert in einer größeren Stadt in Deutschland und führt eine Beziehung mit einem Mann aus sehr reichem Elternhaus, doch spürt dabei sehr deutlich, was nicht ihres ist, als sie ihren Partner in seinem Elternhaus besucht:

„Alles sieht so teuer aus, dass man nicht mehr atmen möchte, und Eva stellt sich vor, dass es irgendwo eine Tür gibt, eine versteckte, die in einen geheimen Teil des Hauses führt, mit Möbeln, auf denen man sitzen kann, und Dingen, die man anfassen darf.“ (S. 293)

Und so schließt sich der Kreis der Generationen: Eva liebt wie Liese den Wald, doch anders als diese fühlt sie sich auch in der Dorfgemeinschaft wohl und insgesamt in ihrem Heimatort zutiefst verwurzelt und angekommen. Sie erkennt, dass ihre Träume und Wünsche andere sind als die ihrer Mutter:

„Eva müsste das Gefühl haben, etwas zu verpassen, sie ist ja noch jung, aber das Gefühl kommt nicht. Es scheint alles richtig zu sein, wie es ist. Sie mag die Menschen, die sie umgeben, die unaufgeregt sind und freundlich, das macht der Wald mit ihnen. Sie mag, wenn sie selbst draußen ist, es fühlt sich jetzt anders an, alles eine Ahnung dessen, was sie erwartet, wo sie hingehört. Irgendwann wird sie ihren eigenen Wald haben, der unter ihren Händen und Augen wächst, jeden Tag zu etwas Neuem, er wird sich verändern, und sie wird ihn immer wiedererkennen und sich mit ihm verändern, denn das ist ihre Aufgabe.“ (S. 361)

So viele Themen werden in diesem Buch verhandelt: Ausgeschlossen-Werden und Dazugehören, sich selbst fremd oder verwurzelt fühlen, die eigene Wahl des Lebensweges und das, was das Schicksal uns bringt, Verbundenheit mit der Natur, Tochter-Mutter-Großmutter-Beziehungen, unkonventionelle Entscheidungen, der Mut zum Anpacken und vieles mehr.

Die Autorin zeigt ein feines Gespür für menschliche Charaktere und Verbindungen, für die Natur in all ihren Facetten genauso wie für Klassenunterschiede und das Gefühl des Nicht-Dazugehörens, aber auch das Glück, das damit verbunden ist, zu spüren, wo man sich zutiefst zu Hause und zugehörig fühlt.

Die vielen Zitate sollen zeigen, durch was für eine besondere, poetische und punktgenaue Sprache sich dieses Buch auszeichnet und dabei die Natur genauso wie die menschliche Psyche in all ihren Farben und Tiefen erlebbar und spürbar macht. Es ist ein zutiefst emotionales Buch auf hohem literarischem Niveau, das tief berührt. Damit gehört es für mich zu den allerbesten Büchern, die ich jemals gelesen habe, und ich kann es einer breiten Leserschaft absolut ans Herz legen! Hoffentlich werden wir von dieser talentierten Autorin noch viele weitere Werke genießen können.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Faszinierende neue Einblicke in die Geschichte Afrikas

Motherland
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Was fällt den meisten Menschen ein, wenn sie an die Geschichte Afrikas denken? Kolonialisierung und transatlantischer Sklavenhandel. Vielleicht noch die alten Ägypter. Und das war es schon ziemlich. Dabei ...

Was fällt den meisten Menschen ein, wenn sie an die Geschichte Afrikas denken? Kolonialisierung und transatlantischer Sklavenhandel. Vielleicht noch die alten Ägypter. Und das war es schon ziemlich. Dabei gibt es dabei so viel mehr zu entdecken. Der Historiker, Archäologe und Anthropologe hat selbst bei einem Besuch in einem Museum in seiner Heimat Ghana in seiner Jugendzeit die Erfahrung gemacht, wie wenig vielfältig die afrikanische Geschichte dort zum damaligen Zeitpunkt dargestellt wurde, und das zum Anlass genommen, das zu ändern zu versuchen.

In diesem Buch nimmt er uns mit auf eine faszinierende Reise durch verschiedenste kulturelle Aspekte unterschiedlicher Regionen des afrikanischen Kontinents. Dabei wird deutlich, wie reich die afrikanische Vielfalt an Kulturen immer schon gewesen ist: da gab es mächtige Herrscher und Herrscherinnen, überraschend viele Gesellschaften, in denen Frauen mindestens gleichberechtigt waren und gemeinsam mit den Männern über alle wichtigen Anliegen bestimmten oder sogar alleine in der Position als "Königinmutter" den nächsten Herrscher auswählen konnten, aber auch selbst blutige Kriege und Schlachten anführten. Es gab tüchtige Kaufleute, Händler und Seefahrer, die im regen Austausch mit allen umliegenden Regionen waren.

Der Glaube an Hexerei und traditionelle Rituale im Umgang damit sind ein großes Thema, genauso wie Mythen und Sagen, wie die Geschichte vom Spinnengott Ananse. Besonders interessant ist dabei, dass diese Figur sowohl bei den Menschen am afrikanischen Kontinent als auch bei den versklavten Menschen in der Karibik und ihren Nachfahren eine Rolle spielte, aber jeweils an die spezifischen Lebensbedingungen angepasst wurde.

Überhaupt spielen Geschichten und mündlich Vorgetragenes eine große Rolle in vielen afrikanischen Kulturen: für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, zum Loslassen und Ausagieren von Emotionen, zur Lösung von Konflikten und für die Weitergabe von Wissen. Eine moderne Form davon ist etwa der Rap. Auch die Ahnen spielen eine große Rolle und werden in so einigen afrikanischen Kulturen als lebendige Tote betrachtet, die ihre Nachkommen schützen und zu denen man eine respektvolle Beziehung pflegen sollte, um sicher und gesund zu bleiben.

Sehr interessant für mich waren auch die Ausführungen zum Thema Rassismus und dass dieser eine relativ neue "Erfindung" zu sein scheint, während davor über mehrere Jahrtausende Menschen unterschiedlichster Hautfarben miteinander im privaten und geschäftlichen Austausch und auch hochrangige Positionen für alle davon zugänglich waren, ohne dass irgendeine davon abgewertet worden wäre.

Ein Werk wie dieses muss sich notwendigerweise beschränken und kann nicht den Anspruch auf Vollständigkeit haben. Insofern handelt es sich um ausgewählte Einblicke in jene kulturellen Aspekte, die dem Autor gerade besonders interessant zu erzählen oder besonders repräsentativ schienen. Insgesamt ist dabei eine vielperspektivische Neuerzählung der afrikanischen Geschichten und Kulturen entstanden, von der ich definitiv sagen kann, dass sie mein Afrikabild sehr erweitert und bereichert hat.

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