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Veröffentlicht am 18.01.2026

Zwischen verpassten Wegen und leiser Hoffnung – ein stiller Roman über ein ungelebtes Leben

Tage des Lichts
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Mit „Tage des Lichts“ erzählt Megan Hunter die Geschichte einer Frau, deren Leben nicht in großen dramatischen Bögen, sondern in stillen inneren Verschiebungen verläuft. Im Mittelpunkt steht Ivy, deren ...

Mit „Tage des Lichts“ erzählt Megan Hunter die Geschichte einer Frau, deren Leben nicht in großen dramatischen Bögen, sondern in stillen inneren Verschiebungen verläuft. Im Mittelpunkt steht Ivy, deren Biografie in sechs ausgewählten Tagen nachgezeichnet wird – Momentaufnahmen, die wie Haltestellen eines langen, oft widersprüchlichen Lebens wirken.

Schon Ivys Kindheit ist geprägt von Gegensätzen: ein kreatives, freigeistiges Elternhaus auf der einen Seite, emotionale Unsicherheit und Instabilität auf der anderen. Der frühe Tod ihres Bruders Joseph wird zum alles überschattenden Einschnitt. Von diesem Verlust ausgehend verändern sich Ivys Blick auf die Welt, auf Nähe, Zukunft und auf sich selbst. Was einst möglich schien, wird vorsichtiger, leiser, begrenzter.

Im Erwachsenenalter findet man Ivy in einem Leben wieder, das mehr funktioniert als erfüllt. Sie ist Ehefrau und Mutter, eingebettet in Routinen, die Sicherheit bieten, aber kaum Raum für Sehnsucht lassen. Man spürt zwischen den Zeilen eine tiefe Müdigkeit, ein ständiges „Was wäre wenn“, das nie laut ausgesprochen wird. Erst die Begegnung mit Frances, einer alten Weggefährtin ihres Bruders, reißt alte Gefühle auf. Aus vorsichtiger Annäherung entwickelt sich eine Beziehung, die Ivy zwingt, ihre bisherigen Entscheidungen zu hinterfragen – und sich zum ersten Mal ernsthaft mit dem eigenen, unterdrückten Wunsch nach Selbstbestimmung auseinanderzusetzen.

Megan Hunter erzählt diese Geschichte mit großer Zurückhaltung. Die Sprache ist ruhig, poetisch und von feiner Melancholie getragen. Vieles bleibt unausgesprochen, liegt zwischen den Sätzen, in kleinen Gesten und Gedanken. Wer einen spannungsreichen, handlungsgetriebenen Roman erwartet, wird hier nicht fündig. Stattdessen entfaltet sich ein stilles, eindringliches Porträt eines Lebens, das von Verlust, Anpassung und vorsichtigen Neuanfängen geprägt ist.

Gerade diese Zurückhaltung macht die Stärke des Buches aus. „Tage des Lichts“ ist kein lauter Roman, sondern einer, der lange nachhallt. Er stellt unbequeme Fragen: Wie sehr formen frühe Verluste unsere späteren Entscheidungen? Wann ist ein Leben wirklich selbst gewählt? Und wie viel Mut braucht es, noch einmal neu anzufangen?

Ein leises, kluges und emotional tiefgehendes Buch über die Zwischentöne des Daseins, über verpasste Chancen – und über das fragile, aber beharrliche Hoffen auf ein anderes, freieres Morgen.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Hochtempo im All mit Schwächen in Tiefe und Realismus

Exit Black
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Mit Exit Black legt Joe Pitkin seinen ersten Science-Fiction-Thriller vor und setzt dabei klar auf ein actiongeladenes Szenario. Die Handlung spielt auf einer ehemaligen Forschungsstation im Erdorbit, ...

Mit Exit Black legt Joe Pitkin seinen ersten Science-Fiction-Thriller vor und setzt dabei klar auf ein actiongeladenes Szenario. Die Handlung spielt auf einer ehemaligen Forschungsstation im Erdorbit, die zu einem luxuriösen Weltraumhotel für Superreiche umfunktioniert wurde. Kurz nach der feierlichen Eröffnung wird die Station von einer terroristischen Gruppe gekapert, die die Gäste als Geiseln nimmt und ein enormes Lösegeld fordert. Die Lage scheint aussichtslos – bis sich herausstellt, dass sich mit Dr. Chloe Bonilla noch eine Wissenschaftlerin an Bord befindet, die nicht bereit ist, sich kampflos zu ergeben.

Chloe entwickelt sich im Verlauf der Geschichte zur zentralen Gegenspielerin der Entführer und nimmt es nahezu im Alleingang mit ihnen auf. Daraus entsteht ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel in den engen Korridoren der Raumstation. Die Action ist allgegenwärtig und häufig auch unterhaltsam, leidet jedoch unter deutlichen Realismusproblemen. Schusswechsel, Explosionen und massive Zerstörungen wirken angesichts des empfindlichen Settings im All oft überzogen und wenig glaubwürdig.

Auch die Figuren bleiben insgesamt blass. Weder die Protagonistin noch die Antagonisten erhalten genug Tiefe, um echte emotionale Bindung aufzubauen. Motivation und Hintergrund der Geiselnehmer werden spät und nur oberflächlich erklärt, wodurch Spannung und Fallhöhe verloren gehen. Der Schreibstil ist funktional, aber selten atmosphärisch, was es erschwert, vollständig in die Geschichte einzutauchen.

Fazit: Exit Black ist ein kurzweiliger, schnell gelesener Sci-Fi-Thriller mit klarer Ausrichtung auf Action. Wer cineastische Unterhaltung ohne großen Tiefgang sucht, kann hier zugreifen. Anspruchsvollere Leser werden jedoch kaum nachhaltig gefesselt.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Zauberhafte Bilder, holprige Geschichte – ein Weihnachtsbuch mit Licht und Schatten

Lotti und Otto (Band 4) – Die weihnachtliche Freundschaftsfamilie
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„Wlotti und Otto – Die weihnachtliche Freundschaftsfamilie“ haben wir passend zur Weihnachtszeit aus der Bibliothek ausgeliehen und meinem fünfjährigen Sohn inzwischen mehrfach vorgelesen. Auf den ersten ...

„Wlotti und Otto – Die weihnachtliche Freundschaftsfamilie“ haben wir passend zur Weihnachtszeit aus der Bibliothek ausgeliehen und meinem fünfjährigen Sohn inzwischen mehrfach vorgelesen. Auf den ersten Blick überzeugt das Bilderbuch sofort durch seine sehr hübschen, niedlichen Illustrationen. Auf jeder Seite gibt es viel zu entdecken: kleine Details, versteckte Szenen und witzige Elemente, über die man beim gemeinsamen Lesen schmunzeln kann. Gerade das macht für Kinder einen großen Reiz aus und lädt zum längeren Verweilen ein.

Positiv hervorzuheben sind auch die stabilen, dicken Buchseiten, die besonders für jüngere Kinder ideal sind. Sie lassen sich gut umblättern und verzeihen auch etwas unvorsichtigere Hände.

Leider kann die Geschichte selbst mit den Illustrationen nicht ganz mithalten. Die Handlung wirkt stellenweise sehr sprunghaft und abgehackt, sodass es schwerfällt, ihr durchgehend zu folgen. Auch der Text trägt dazu bei: Zwar wurden viele humorvolle Elemente eingebaut, doch ein Teil der Witze war für meinen Sohn nicht verständlich – und auch für Erwachsene nicht immer passend oder nachvollziehbar. Dadurch geht etwas von der erzählerischen Wärme verloren, die man sich bei einer Weihnachtsgeschichte wünscht.

Insgesamt bleibt das Buch dennoch ein schönes Weihnachtsbilderbuch, das vor allem optisch begeistert. In der Gesamtwirkung reicht es für uns jedoch nicht ganz für eine höhere Bewertung.

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Solider Auftakt mit ungenutztem Potenzial

Der Fund
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„Der Fund“ von Cliff Allister hat eine durchaus interessante Grundidee, doch das Buch vermag mich nicht nachhaltig zu fesseln. Die Handlung entwickelt sich recht ruhig und bleibt stellenweise eindimensional ...

„Der Fund“ von Cliff Allister hat eine durchaus interessante Grundidee, doch das Buch vermag mich nicht nachhaltig zu fesseln. Die Handlung entwickelt sich recht ruhig und bleibt stellenweise eindimensional – Spannung, die wirklich greifbar wird, bleibt weitgehend aus. Dadurch plätschert die Geschichte vor sich hin, ohne dramatische Höhepunkte oder überraschende Wendungen, die den Leser richtig mitreißen.

Auch die Charaktere bleiben bedauerlicherweise oberflächlich. Ihre Motivationen und inneren Konflikte werden nur angedeutet, tieferes psychologisches Profil fehlt größtenteils. Es ist schwierig, eine wirkliche Bindung zu ihnen aufzubauen oder ihre Entwicklung mit Interesse zu verfolgen. Das Potenzial, das in der Idee steckt, wird durch die Begrenzung auf oberflächliche Figurenzeichnung nicht vollständig ausgeschöpft.

Die Erzählweise ist insgesamt solide, aber nicht außergewöhnlich. Der Schreibstil ist klar und verständlich, wirkt aber stellenweise zu sachlich und distanziert, um echte emotionale Intensität zu erzeugen. Die Atmosphäre ist angenehm, aber gleichzeitig fehlt ein spürbarer Antrieb, der die Erzählung vorantreibt und den Leser zwingt, Seite um Seite zu verschlingen.

Positiv zu vermerken ist, dass das Setting und die Grundprämisse vielversprechend sind und Raum für Weiterentwicklung bieten. Wenn Cliff Allister in den geplanten Fortsetzungen die Spannung stärker anzieht, die Figuren vertieft und die Handlung dynamischer gestaltet, könnte die Reihe deutlich gewinnen. „Der Fund“ liest sich als ruhiger Auftakt mit verborgenen Möglichkeiten – aber in dieser ersten Ausgabe bleibt er schlicht unter seinen Möglichkeiten.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Gutes Ende der Trilogie aber zu Langatmig

Ganymeds Erbe
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Im letzten Band der Trilogie werden alle Fragen beantwortet, mit einem Ende welches zum Nachdenken anregt. Trotz der Actionreichen Geschichte bleibt die ganze Serie für mich zu langgezogen. Es hätte einfach ...

Im letzten Band der Trilogie werden alle Fragen beantwortet, mit einem Ende welches zum Nachdenken anregt. Trotz der Actionreichen Geschichte bleibt die ganze Serie für mich zu langgezogen. Es hätte einfach weniger Details zu sämtlichen Einzelheiten rund um Gegenstände und Personen gereicht! Daher von mir nur drei von fünf Sternen!

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