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Veröffentlicht am 28.03.2026

Berührende Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen

Unser Haus mit Rutsche
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Die Autorin Safia al Bagdadi hat mit "Unser Haus mit Rutsche" ein sehr emotionales Buch mit sicherlich jeder Menge autobiografischen Zügen vorgelegt.

Einfühlsam und jederzeit unterhaltsam erzählt al Bagdadi ...

Die Autorin Safia al Bagdadi hat mit "Unser Haus mit Rutsche" ein sehr emotionales Buch mit sicherlich jeder Menge autobiografischen Zügen vorgelegt.

Einfühlsam und jederzeit unterhaltsam erzählt al Bagdadi die Geschichte von Layla Beni Sayed, in Saarbrücken geborene und aufwachsende Tochter eines irakischen Vaters, der in der 1980/90er Jahren von großen Geschäften mit den arabischen Länder träumt, und einer französischen Mutter aus dem gehobenen "Geldadel", auf zwei Zeitebenen.

Ihre Eltern sind damals ein - so kommt es Layla zumindest vor - glamouröses Paar. Ihre Mutter eine elegante, unnahbare Schönheit, ihr Vater ein "Menschenfänger" mit vielen Freunden und Bekannten. Laylas Vater hat große Pläne, er steht mit seinen Karriereplänen als großer Geschäftemacher jederzeit unmittelbar vor dem Durchbruch. Bis irgendwann die Golfkrise 1990 im Nahen Osten alles ändert.

Heute ist Layla Künstlerin. Sie lebt seit einiger Zeit in Paris und wird regelmäßig von den "Dämonen" der Kindheit - in erster Linie der Enttäuschung über Ihren Vater und dessen allmählicher Radikalisierung heimgesucht. Sie hat Erfolg, großen Erfolg sogar, aber psychische Probleme, wahrscheinlich Bindungsangst und Angst vor dem Erfolg. Diese Ängste - das wird im Verlaufe der Geschichte immer deutlicher - haben ihren Ursprung in der Beziehung zu ihrem Vater.

"Unser Haus mit Rutsche" erzählt die hochspannende Geschichte von Layla Beni Sayed ruhig, flüssig, teils kindlich naiv, teil aber auch sehr tiefgründig intensiv. Obwohl viele Zusammenhänge nur angedeutet werden, kann der Leser zwischen den Zeilen eine intensive, leider auch gestörte Verbindung zwischen allen Protagonisten herauslesen. Im Klappentext steht "Irgendwann und irgendwo hat ihr (Laylas) Leben die falsche Abzweigung genommen". Das sehe ich nicht so - es ist einfach das Leben, das gradlinig diese Richtung eingeschlagen hat und das Layla erst jetzt, wo sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu ihrem einstmals über alles geliebten "Babe" hat, langsam zu verstehen beginnt.

Ein wunderbares, sehr tiefgründiges Buch.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Hier wird der Leser selbst zum Enthusiasten

Die Enthusiasten
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Das Buch "Die Enthusiasten" des Autors Markus Orths ist schwerlich in eine eindeutige Kategorie einzuordnen. Der Roman enthält so viele unterschiedliche Stilelemente und überrascht mich als Leser in so ...

Das Buch "Die Enthusiasten" des Autors Markus Orths ist schwerlich in eine eindeutige Kategorie einzuordnen. Der Roman enthält so viele unterschiedliche Stilelemente und überrascht mich als Leser in so vielfältiger Art und Weise, dass ich selber mit zunehmender Lesedauer immer mehr zu dem werde, worum es laut Titel geht - zu einem Enthusiasten dieses Buches.

Der Anfang der Story im Zug ist schon schräg, aber dann entwickelt sich zunächst scheinbar eine ganz normaler Roman über eine kleine Gruppe literaturverrückter Wissenschaftler, die sich dem Werk des im Zeitalter der Aufklärung Mitte des 18. Jahrhunderts schreibenden Autors Laurence Sterne verschrieben haben und sogar jedes Jahr zu dessen Geburtstag zu seinem Grab pilgern um sich mit anderen Sterne-Enthusiasten austauschen. Doch in diesem Jahr in alles anders, denn der Traum von "Dr. Shandy" und seinen Kollegen scheint wahr zu werden: es könnte ein weiteres, von den Dreien immer vermutetes, aber bislang unbekanntes Werk des Autors geben. Vom Enthusiasmus dieser Chance getrieben entwickelt sich eine rasante, nicht aufzuhaltende Kette von unglaublichen Vorfällen, die immer aberwitzigere Züge annimmt.

Jeder einzelne Charakter in diesem Buch ist ein echter Enthusiast, jeder hat sich voller Leidenschaft einem anderen Themenkomplex verschrieben. "Die Enthusiasten" ist ein Buch voller Optimismus, schrägen Aktionen und voller Liebe für das was, die Charaktere tief in ihrem Inneren bewegt und antreibt - und letztlich zeigt es einem aberwitzigen Weg auf, der vielleicht den wahren Enthusiasmus in einem der Charaktere wecken wird.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Ein weiteres Highlight aus dem "Lost-Universum"

Lautlose Feinde
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Endlich ist es soweit - Kommissar Leander Lost heiratet seine Soraia. Aber das Verbrechen ruht nicht in Fuseta und Umgebung. Am Tag vor der Vermählung wird ein junges Mädchen entführt und ihr Großvater, ...

Endlich ist es soweit - Kommissar Leander Lost heiratet seine Soraia. Aber das Verbrechen ruht nicht in Fuseta und Umgebung. Am Tag vor der Vermählung wird ein junges Mädchen entführt und ihr Großvater, der als Zollbeamter am Flughafen gearbeitet hat, beim Versuch die Entführung zu verhindern, getötet. Alles deutet zunächst auf eine "normale" Entführung mit Lösegeldforderung hin, aber warum ist ausgerechnet die Tochter eines kleinen Ladenbesitzers ohne nennenswertes Vermögen das Ziel, und warum fallen die Forderungen so niedrig aus?

Es mehren sich die Ungereimtheiten und nicht zuletzt durch die Kombinationsgabe von Leander Lost decken die Beamten der Polícia Judiciária nach und nach eine tiefe Verstrickung des russischen Geheimdienstes in diese Angelegenheiten auf. Als dann auch noch fast das gesamte Team der Kriminalpolizei von Fuseta einem Anschlag zum Opfer fällt und Losts' frisch angetraute Ehefrau schwer verunglückt steht Leander Lost vor seinem schwersten und auch persönlichsten Fall.

Auch im siebten Band der "Lost in Fuseta"- Reihe gelingt es dem Autor Gil Ribeiro erneut die Leser innerhalb kürzester Zeit in seinen Bann zu ziehen und eine ebenso spannende, wie klug durchdachte Story aufzubauen, die bis zur letzten Seite fesselt und zum Mitfiebern einlädt. Ein weiteres Highlight der Erfolgsreihe, in der hoffentlich noch viele weitere Bände folgen werden.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Sehr dichte Atmosphäre, atemlose Spannung

Oxen. Interregnum
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Der siebte Band der "Oxen"-Reihe vom dänischen Bestseller-Autor Jens Henrik Jensen macht exakt da weiter, wo die Vorgängerbände aufgehört haben. Atemlose Spannung, äußerst dichte Atmosphäre, sowie verschiedene ...

Der siebte Band der "Oxen"-Reihe vom dänischen Bestseller-Autor Jens Henrik Jensen macht exakt da weiter, wo die Vorgängerbände aufgehört haben. Atemlose Spannung, äußerst dichte Atmosphäre, sowie verschiedene Handlungsstränge, die sich im Verlauf der Story immer weiter miteinander verweben und schließlich ein komplexes, aber hochspannendes Gesamtbild abgeben.

Eigentlich hatten der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen und die Geheimdienstmitarbeiterin Margarethe Frank gedacht, der gefährliche Geheimbund "Danehof" sei nach den Maßnahmen und intensiven Bemühungen der vergangenen Jahre zerschlagen und die von ihm ausgehende Gefahr für den dänischen Staat gebannt. Doch der Ex-Geheimdienstchef Axel Moosman, der vorübergehend kommissarisch auf seinen Posten zurückgekehrt ist, klärt die beiden über die unschöne Wahrheit auf. Der Danehof reorganisiert sich und er könnte gefährlicher und mächtiger zurückkommen als er es zuvor jemals war. Die Verbindungen reichen offenbar bis in höchste politische Kreise.
Als ein Mitglied der neuen Führungsriege des Danehof ermordet aufgefunden wird, wird im Zuge der Ermittlungen schnell klar, dass ein finaler Showdown mit dem Geheimbund unausweichlich ist.

"Oxen. Interregnum" ist ein Thriller der Extraklasse - nicht mehr, aber auch nicht weniger!

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Eine echte Perle des "goldenen Zeitalters" des englischen Krimis

Eingeschneit mit einem Mörder
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Massiver Schneefall im England der 1930er Jahre sorgt vor allem auf dem Land für unpassierbare Straßen und zwingt eine illustre Auswahl völlig unterschiedlicher Charaktere gemeinsam eine längere Zeit, ...

Massiver Schneefall im England der 1930er Jahre sorgt vor allem auf dem Land für unpassierbare Straßen und zwingt eine illustre Auswahl völlig unterschiedlicher Charaktere gemeinsam eine längere Zeit, abgeschnitten von der Umwelt, in einem kleinen, jedoch gut ausgestatteten Landgasthof zu verbringen. Man arrangiert sich zunächst recht gut miteinander, aber schon bald sorgt der Fund einer Leiche für Unruhe unter den Eingeschlossenen. Das Misstrauen steigt - erste Ermittlungen der Anwesenden und der Polizei ergeben, das einige der Gestrandeten tatsächlich durchaus ein Motiv für den Mord haben. Als weitere merkwürdige Vorgänge die Eingeschneiten weiter aufschrecken und für Verunsicherung sorgen, nehmen die Ermittlungen so manche spannende Wendung...

Molly Thynnes' Buch "Eingeschneit mit einem Mörder" ist ein wunderbar zu lesender, nun wieder neu aufgelegter Krimi aus den 1930er Jahren. Seine Entstehung fällt in das "Goldene Zeitalter des englischen Krimis" und erinnert in Stil und Storyline stark an die Bücher von Agatha Christie, die sich die frühzeitiger geschaffenen Bücher von Molly Thynne wohl durchaus als Vorbild für ihre eigenen Storys genommen hat.

Auf jeden Fall sehr lesenswert - nicht nur für Liebhaber klassischer englischer Krimis.

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