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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.01.2026

alles neu bei Jo Nesbo- neuer Ort, neuer Ermittler

Minnesota
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Eine Geschichte, die in mehreren Ebenen erzählte, wird: 2022 folgt Holger Rudi den Spuren eines Verbrechens aus dem Jahr 2016, über das er schreiben möchte. Für dieses True-Crime-Buch ist er auf Recherchereise ...

Eine Geschichte, die in mehreren Ebenen erzählte, wird: 2022 folgt Holger Rudi den Spuren eines Verbrechens aus dem Jahr 2016, über das er schreiben möchte. Für dieses True-Crime-Buch ist er auf Recherchereise in Minneapolis und an den jeweiligen Schauoplätzen.
Im Jahr 2016 ist Ermittler Bob Oz, recht eigenwillige und psychisch angeschlagen, verantwortlich für einen Fall um einen illegalen Waffenhändler Marco Dante. Jener wurde angeschossen, lebt allerdings noch. Das Besondere – der Schuss dürfte mit einem Scharfschützengewehr abgegeben worden sein und es besteht die Möglichkeit, dass dahinter vielleicht ein legendärer Auftragskiller steht. Auf der Jagd nach dem Mörder, ist dieser immer einen Schritt voraus. Außerdem kämpft Oz mit sich selbst und seinem Schicksal – eine tote Tochter, eine Ehefrau, die ihn verlässt und Freunde, die sich zurückziehen.

Beide Erzählebenen sind von Beginn an verwoben – die Orientierung war für mich leicht, auch da die Orientierung anhand der Kapitelüberschriften einfach war. Jedoch gewinnt das Buch vor allem ab dem Moment, als man die Person Oz besser kennen lernt: Ab und zu wird noch in Rückblicken auf Bob Oz Schicksal eingegangen, so dass man den Ermittler immer mehr versteht. Es rollt sich also alles parallel auf – die Suche nach dem Täter und die Tatsache, dass Oz mit all dem bisherigen und jetzt erlebten, zurechtkommen muss.

Der Typus des Ermittlers ist dem der Vorgängerbücher Jo Nesbos ähnlich – ein Antiheld, wie auch schon bei Harry Hole. Beide kennzeichnet ein klarer Moralkodex, ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und beide sind traumatisiert. Er wird von Schuld und Verdrängung geprägt, tendiert dazu als Einzelkämpfer zu arbeiten und ist ein ausgezeichneter Ermittler.

Im Gegensatz zu bisherigen Werken des Autors, verlässt dieses Buch auch die Nordeuropäische Region und spielt eben in Minnesota, USA. Entsprechend werden auch Besonderheiten amerikanischer Großstädte aufgegriffen wie liberaleres Waffenrecht, Bandenkriminalität aber auch aktuelle Bezüge zu Trump, George Floyed und Covid werden geschickt eingewoben.

Nach allen Perspektivenwechseln laufen die Erzählungsstränge zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen, zu einem Plot mit Tiefgang und Aktualität. Eine Empfehlung wenn man einen Krimi mit ebensolchem Tiefgang sucht.

Veröffentlicht am 18.01.2026

spannend, lehrreich- so lernt man Geschichte gerne kennen

Kommissar Gennat und der Raubmord am Ku'damm
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Nahe des Berliner Kurfürstendamms wird im Januar 1936 ein Geldbote im Zuge eines Überfalls tödlich verletzt Lissy Kaminski, Frau von Reporter Max Kaminski, findet ihn gemeinsam mit Angestellten der Nahen ...

Nahe des Berliner Kurfürstendamms wird im Januar 1936 ein Geldbote im Zuge eines Überfalls tödlich verletzt Lissy Kaminski, Frau von Reporter Max Kaminski, findet ihn gemeinsam mit Angestellten der Nahen Geschäfte. Das Team um Kommissar Gennat übernimmt die Ermittlungen, auch wenn diese sich auf Grund des Zeitgeistes schon etwas anders als früher gestalten. Der Druck für erfolgreiche und rasche Ermittlungen ist hoch, möchte doch die neue Regierung der NSDAP ein makelloses Deutschland nach außen hin präsentieren, speziell da die Eröffnung der Winterolympiade bevorsteht.

Ein definitiv spannendes Werk, verknüpft es doch Tatsachen wie die Grundzüge des Falles und so mancher Personen mit fiktiven Charakteren wie dem Reporter Kaminski. So war Ernst Gennat, umgangssprachlich auf Grund der Körperfülle auch „Buddha“ oder „der Volle Ernst“ genannt, eine reale und vor allem wichtige Person in der Kriminalistik und in Berlin im Speziellen. War er doch maßgeblich dafür verantwortlich, dass Ermittlungen strukturierter abliefen und mehr systematisch dokumentiert wurde. So sollen das legendäre Mordauto – ein mobiles Büro für die Spurensicherung- und eine Verbrecherkartei auf seine Ideen zurückgehen.

Auch der Raubmord und den entsprechenden Täter hat es so auch gegeben und die Befragungen wurden nach originalen Protokollen nacherzählt. Die gesamte Ermittlungsarbeit wurde im Buch wirklich detailliert übernommen und macht das miträtseln zum Vergnügen.

Ebenso gelungen sind die allgemeinen Einblicke in das Berlin der Zeits, bzw. den Zeitgeist allgemein. Vieles davon wird durch die Erlebnisse der fiktiven Charaktere Max und Lissy Kaminsky und Georg Hawliczek transportiert. Erstere auf Grund ihrer Jüdischen Herkunft nicht mehr in ihren Berufen aktiv und in der Überlegung Berlin auf Grund des Antisemitismus zu verlassen. Letzterer als ausländischer Reporter mit Blick von außen auf das „Neue Deutschland“. Die Stimmung wird gut – und auch bedrückend transportiert. Ebenso die Tatsache, dass nicht alle zufrieden mit der neuen Situation waren.

Auch wenn dieses Werk, ein Band einer ganzen Reihe um die Person Kommissar Gennat ist, lässt es sich wunderbar eigenständig lesen. Ich bin froh die Reihe entdeckt zu haben, und werde in absehbarer Zeit auch die Vorgängerbände lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2026

der erste Mick Herron Spionage Roman- typisch britisch

Down Cemetery Road
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Sarah Tucker, wohnhaft in Oxford, ist gelangweilte Hausfrau, und das auch nicht freiwillig. Als es in ihrer Nachbarschaft zu einer Explosion kommt und dabei ein Kind spurlos verschwindet, wird ihr Ehrgeiz ...

Sarah Tucker, wohnhaft in Oxford, ist gelangweilte Hausfrau, und das auch nicht freiwillig. Als es in ihrer Nachbarschaft zu einer Explosion kommt und dabei ein Kind spurlos verschwindet, wird ihr Ehrgeiz geweckt. Gemeinsam mit der Privatermittlerin Zoe Boehm fängt sie zu ermitteln an und stößt rasch auf Täuschungen, Verwirrungen und persönliche Verstrickungen. Und zu allem Überfluss ist auch noch die Regierung irgendwie beteiligt.

Sollte man den mittlerweile doch bekannten Autor Mick Herron kennen findet man sich auch in diesem – seinem Erstlingsroman aus dem Jahr 2003- in seinen bekannten Stil wieder. Schwarzer Humor, das typisch britische, die doch sehr speziellen Charaktere, scharfsinnige Dialoge, all das stellt sich wie auch in seinen chronologisch betrachtet späteren Werken der Slough Horses Serie dar. Manches mag vielleicht noch etwas unausgegorener sein und noch nicht so perfekt sitzen wie in den späteren Werken, aber man erkennt die Handschrift.
Rasch wird eine düstere, leicht klaustrophobische Atmosphäre in Oxford geschaffen und man lernt die Figuren ausgiebig kennen. Etwas zu ausgeprägt vielleicht, bis die Spannung und Handlung konstant dichter werden. Man erhält spannende, leicht unkonventionelle Charaktere, die exakt präsentiert werden. Auch wenn Sarah Tucker, hier maßgeblich ermittelt, sollte man sich Zoe Boehm merken, da sie die eigentliche Ermittlerin in den nächsten Werken wird. Weiters sind Dialoge messerscharf, Alltagsbeobachtungen exakt auch teils über Absurditäten wie der richtige Ort die Zahnseide aufzubewahren. Handlungen und Hintergrundgeschichten werden auf unglaubliche Weise verknüpft- mit realem Bezug und Betrachtung der Politik von Großbritannien. Auch mit allgemeiner Gesellschaftskritik wird nicht gespart.

Rasch hat man ganz viele Handlungsstränge in der Hand und muss genau aufpassen beim Lesen, um keinen zu verlieren. Es wird mit Täuschungen gearbeitet und genau dies macht den Reiz für mich aus. Man fragt sich, wem man eigentlich noch trauen kann. Es ist also definitiv kein Buch für zwischendurch und definitiv kein Cozy Crime.

Für mich war es definitiv lesenswert, auch weil ich mich gefreut habe ein frühes Werk von Mick Herron zu sehen und damit seine Entwicklung zu verfolgen. Ich werde definitiv auch noch die anderen Bände der Zoe Boehm Reihe lesen – auf Deutsch oder Englisch entscheidet dabei wohl der Verlag.

Veröffentlicht am 12.01.2026

Thriller mit Horrormovie-Elementen

Verbrenn das Negativ
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Das Remake eines berühmt berüchtigten Horrorfilms wird in L.A. gedreht und Journalistin Laura Warren von ihrem Magazin beauftragt darüber zu berichten. Doch was eigentlich nur ihre Familie weiß, ist, dass ...

Das Remake eines berühmt berüchtigten Horrorfilms wird in L.A. gedreht und Journalistin Laura Warren von ihrem Magazin beauftragt darüber zu berichten. Doch was eigentlich nur ihre Familie weiß, ist, dass Laura Warren vor dreißig Jahren die Hauptrolle in diesem Film spielte - ein Mädchen, dass die Fähigkeit hatte den Tod vorherzusagen. Im Laufe der Jahre haben acht Mitglieder der Produktion auf dem ein oder anderen Weg den Tod gefunden. Der Film scheint verflucht zu sein. Als Lauren mit ungutem Gefühl den Weg zum Filmstudio antritt stürzt ein Mann hinter ihrem Wagen von der Brücke. Als weitere außergewöhnliche Ereignisse passieren, ist sie sicher, dass das Unglück von vorne beginnt.

Das Buch ist vereint (Mystery)Horror, Thriller und ein wenig klassische Suche nach dem Täter. Auch einen gewissen Dokumentationscharakter kann man dem Werk zuordnen, da vor jedem Kapitel Elemente des Ursprungsfilm „The Guesthouse“ bzw. des Mythos um diesen- im Stile einer Dokumentation präsentiert werden. Interessant ist auch, auf wie viele berühmte Horrorfilme der 1980er und 1990iger hier Bezug genommen wird wie Poltergeist oder der Exorzist.

Der Spannungsbogen bleibt meiner Meinung nach, über große Teile flach mit kleinen Peaks und steigert sich erst im letzten Drittel, zum Showdown. Der Mittelteil schwächelt allerdings etwas. Die Spannung ergibt sich aus der Frage, was tatsächlich passiert und welcher Ereignisse sich rein in Lauras Kopf abspielen. Man befindet sich, obwohl man im sonnigen, perfekten L.A. ist, dauernd in dunkler Stimmung. Lauras Vergangenheit als Kinderstar bricht immer wieder durch, und man ahnt bald, dass nicht alles eitel Wonne war. Kurzum man fängt an alles zu hinterfragen, bis einem ein doch etwas turbulentes und abgedrehtes Ende präsentiert wird, dass allerdings doch schlüssig ist.
Figurentechnisch sticht Lauren Warren, der ehemalige Kinderstar und jetzt Journalistin hervor. Sie wird von ihrem Kindheitsruhm und den Schwierigkeiten als Kindheitsstar verfolgt, genauso wie von den Ambitionen, die ihre „Eislaufmutter“ mit ihr hatte. Man kann all ihr Unbehagen gut nachempfinden, auch wenn die Schilderung teilweise sehr repetitiv auftreten. Allerdings landet man auch nicht so schnell am Grund aller Problemen. Den Charakter ihrer Schwester Amy fand ich auch gut gelungen, denn auch sie trägt ihr Päckchen als Schwester des Filmstars, der ihren Traum lebte.

Einen Thriller, den ich so noch nicht kannte, der mich allerdings gut mitnahm, auch da er sehr atmosphärisch ist und gut konstruiert war. Definitiv etwas, das Liebhaber des Horrorgenres versuchen sollten.

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Veröffentlicht am 06.01.2026

moderne Tiroler Küche

Meine Tiroler Welt
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Viktoria Fahringer – jüngste Haubenköchin Österreichs 2020- präsentiert in diesem Kochbuch ihre Heimat Tirol. Ein wirklich schön gestaltetes, modernes Kochbuch, aber gleichzeitig auch mehr als das – nämlich ...

Viktoria Fahringer – jüngste Haubenköchin Österreichs 2020- präsentiert in diesem Kochbuch ihre Heimat Tirol. Ein wirklich schön gestaltetes, modernes Kochbuch, aber gleichzeitig auch mehr als das – nämlich ein allgemeiner Einblick in Tirol, ein Roadtrip, eine Reportage zu verschiedenen Produzenten.

Im Laufe eines Kalenderjahres -unterteilt in die Jahreszeiten – werden Produzenten und passende Rezepte vorgestellt. Neben Klassikern wie Schlutzkrapfen-und Kaspressknödel, finden aber auch modernere Gerichte in das Buch Einzug. Oder bekannte Rezepte werden neu interpretiert – wie ein vegetarisches Tiroler Gröstl.

Für alle die nicht dem Österreichischen mächtig sind, gibt es auch noch ein entsprechendes Glossar um Unklarheiten zu beseitigen.

Definitiv ein empfehlenswertes Kochbuch, auch wenn ich nicht alle Rezepte allein der Tiroler Küche zuordnen würde.

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