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Veröffentlicht am 12.02.2026

Der maßgebliche Motor für Veränderungen ist unser Begehren: Feministische Denkanstöße 3,5⭐️

Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern
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Nach Antje Schrupps Ansicht ist das Patriarchat längst vorbei und wir leben in einer Art „postpatriarchalem Chaos“. Daher müssen feministische Strategien überdacht werden, um gegen den aktuellen Trend ...

Nach Antje Schrupps Ansicht ist das Patriarchat längst vorbei und wir leben in einer Art „postpatriarchalem Chaos“. Daher müssen feministische Strategien überdacht werden, um gegen den aktuellen Trend des „Rechts“ der Stärkeren, Gewalt und ökonomischer Überlegenheit anzugehen.

„Damit verbunden ist ein Perspektivenwechsel für feministische Anliegen: Wir kämpfen nicht für das, was uns vermeintlich zusteht, sondern für das, was wir wollen, was uns am Herzen liegt. Der dystopischen Welt der Chaoten, die auf Machtkämpfen, Ausbeutung und Egoismus beruht, setzen wir nicht etwa eine bessere Welt entgegen, sondern eine andere. Eine, die uns besser gefällt. Unsere Welt. Unsere Utopie. Eine Welt, so wie wir sie uns vorstellen. Wir halten uns nicht damit auf, zu beweisen, dass wir recht haben, denn das interessiert sowieso niemanden. Erst recht entschuldigen und rechtfertigen wir uns nicht für unsere Wünsche und Sehnsüchte. Sondern wir tun konsequent das, was wir für richtig halten; jeder im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, so gut wir eben können. Weil wir wissen: ‚Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!‘ Feministischer Aktivismus bekommt auf diese Weise einen anderen Fokus: Er richtet sich nicht an die Machthaber, von denen wir Hilfe und Unterstützung erhoffen, sondern an Mitstreiterinnen und Verbündete, von denen wir glauben und denen wir zutrauen, gemeinsame Anliegen und Ziele voranzubringen. Das können sehr wohl auch Politikerinnen oder andere Personen in Machtpositionen sein – umso besser, denn sie haben Optionen und Möglichkeiten, die uns anderen fehlen. Aber es ist nicht das Amt, das sie zu möglichen Verbündeten macht, sondern ihr persönliches Begehren und die Beziehungen, die uns mit ihnen verbinden. Wir springen nicht auf Themen auf, die andere setzen und die wir mit unseren empörten Kommentaren nur verstärken würden, sondern wir priorisieren das, was uns interessiert.“

Die Autorin zitiert interessante Personen und argumentiert klug; auch wenn ich sagen muss, dass ich der ihr dennoch nicht in allen Punkten zustimme, z.B. was das Kapitel über Begehren angeht.

Teilweise war mir das Buch etwas zu theoretisch und trocken, insgesamt konnte ich jedoch einige interessante Denkanstöße mitnehmen.

„‘Nimm, was du kriegen kannst, und gib nichts zurück‘ – diese Lebensmaxime von Piratenkapitän Jack Sparrow im Spielfilm Fluch der Karibik bringt das Motto dieser neuen Zeit genau auf den Punkt: Wir haben es heute nicht mehr mit Patriarchen zu tun, sondern mit Piraten. Autokraten, die andere Länder überfallen, Tech-Milliardäre im Stil von ‚Move fast and break things‘, Medien, die für mehr Klicks Lügen erzählen: Im postpatriarchalen Chaos ist Skrupellosigkeit eine Tugend. Traditionen gelten für Piraten nicht. Auch keine patriarchalen.
Wenn wir in diesem Chaos unsere Freiheit erobern wollen – und das bedeutet, die Freiheit aller Menschen, denn Freiheit gibt es entweder für alle oder für niemanden –, sind wir dabei auf uns selbst gestellt. Niemand sonst wird das für uns erledigen.“

Um etwas zu verändern, müssen wir alle die Initiative ergreifen, im Kleinen wie im Großen.

„Es gibt Initiativen, denen wir uns anschließen, Bücher, die wir lesen, Ideen, die wir teilen und weiterdenken können, Projekte, in die wir unsere eigenen Ressourcen und Möglichkeiten einbringen können. Es kommt nicht darauf an, wie viel oder wie wenig das ist. Es kommt darauf an, dass wir damit beginnen. Und diesen Weg konsequent gehen, so weit es eben in unseren Kräften steht und uns nicht überfordert. Die wichtigsten politischen Verhandlungen führen wir womöglich nicht mit unseren politischen Gegner
innen, sondern mit uns selbst: Was ist mir was wert? Was kann und will ich tun? Wo bin ich bereit, mich unbeliebt zu machen? Kann ich über meinen Schatten springen, um dieses Bündnis einzugehen?
Der maßgebliche Motor für Veränderungen ist unser Begehren. Unsere wichtigsten Ressourcen sind die Aufmerksamkeit, die wir der Welt, den Menschen, den Ereignissen widmen, die wichtig sind. Die Klarheit, mit der wir sehen, was notwendig ist, um gutes Leben für alle auf dieser Welt zu ermöglichen. Unsere Beziehungen, unsere Entschlossenheit, unser Einfallsreichtum.“

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Freiheit schreibt sich in den Körper ein

Trag das Feuer weiter
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„Trag das Feuer weiter“ von Leïla Slimani ist der Abschluss einer Romantriologie um eine marokkanisch-französische Familie, deren ersten Bände ich bisher nicht kenne. Dank des Personenverzeichnisses am ...

„Trag das Feuer weiter“ von Leïla Slimani ist der Abschluss einer Romantriologie um eine marokkanisch-französische Familie, deren ersten Bände ich bisher nicht kenne. Dank des Personenverzeichnisses am Beginn des Buches kommt man jedoch auch als Neueinsteiger*in gut zurecht. Dennoch wäre es vermutlich besser, die Romane der Reihe nach zu lesen.

Diese Geschichte beginnt in Paris mit der Schriftstellerin Mia, die mit „brain fog“, einem Gehirnnebel kämpft. Ihre Erinnerungen und ihre Arbeit leiden darunter. Sie begibt sich auf Rat ihres Arztes auf Spurensuche nach Marokko, wo sie aufgewachsen ist und als junge Frau von dort wegging.
In Meknès, auf der Farm ihrer Großeltern, fühlt sie sich fremd. Sie stellt sich der Frage, wer sie denn ohne ihre Erinnerungen an ihre Familie ist.

„Was sollte es bringen, herausfinden zu wollen, wo mein Platz ist, welches mein Land ist, wenn ich nicht mal weiß, wer ich bin? Was bedeutet Identität, wenn man die Erinnerung verloren hat? Nicht die der Völker, nein, die ist mir herzlich egal, sondern die Geschichten, die mir meine Großmutter erzählte, die Märchen, die mein Vater erfand, diese ganz persönlichen »Es war einmal«, die mich ausmachen und mit denen ich meine Wände pflastere. Wenn man mich fragt, woher ich bin, weiß ich nie, was ich antworten soll, wie das Gestammel eines Stotterers, der versucht, ein Wort herauszubringen, und erschöpft aufgibt. Mein Vater, ‚the great pretender‘, gab sich gern als etwas aus, das er nicht war, und genau wie er bin ich mein eigener Fälscher geworden, die schlechte Kopie eines großen Gemäldes, eine falsche Banknote ohne Wert, außer für Einfaltspinsel, die es verdienen, betrogen zu werden.“

Nach und nach tauchen wir ein in ihre Vergangenheit und Familiengeschichte.
Im Jahr 1980, in Rabat, ist Mia gerade sechs, als ihre Schwester Inès geboren wird. Ihre Mutter ist Gynäkologin, der Vater Leiter einer Bank. Die Schwestern sind sowohl vom Aussehen als auch vom Wesen her grundverschieden; erst viel später gelingt es ihnen, sich näherzukommen.
Als Mia schließlich nach Paris geht, um zu studieren, lernt sie zum ersten Mal Freiheit kennen und kann auch ihre lesbische Liebe offen leben.

„Diese Sache mit den Wurzeln dient nur dazu, dich am Boden festzunageln, während die Vergangenheit, das Haus, die Dinge, die Erinnerungen unwichtig sind. Entfache einen großen Brand und trag das Feuer weiter.“

Leïla Slimani hat eine schöne Sprache, der Roman liest sich weitgehend flüssig. Lediglich manchmal musste ich am Beginn eines neuen Kapitels erst durchschauen, wer hier nun gerade spricht; Überschriften mit Namen wären hier hilfreich gewesen.

Auch wenn mich der Roman gut unterhalten hat, war er leider nicht das erwartete Highlight für mich. Zum einen liegt das daran, dass der Klappentext ganz andere (falsche?) Erwartungen an die Handlung bei mir geweckt hatte.

Dieser Roman über Migration, Anpassung und Geschlechterrollen, den Wunsch nach Freiheit und der Frage nach der eigenene Identität hatte einige starke Momente und intensive Worte:
„Freiheit, überlegte er, schreibt sich in den Körper ein, in die Muskeln, die Bewegungen.“

Gerade viele Situationen aus Mias Kindheit und Jugend, die Zerrissenheit und die gesellschaftliche Lage waren sehr intensiv dargestellt:
„Mia bewunderte ihre Eltern. Anders als ihre Freunde, die sich gern über die Erwachsenen beschwerten, neigte sie eher dazu, ihre Offenheit, ihre Bildung und Intelligenz hervorzuheben. Die Tatsache, dass sie großzügig waren und sich für andere interessierten. Doch sie musste zugeben, dass etwas nicht stimmte. Hinter diesen großen Worten waren ihre Eltern ängstlich, angepasst, verklemmt. Mia hatte schließlich begriffen, dass sie zwischen zwei Welten lebte. Der im Haus, wo ihre Eltern sich modern und um den Erfolg und die Unabhängigkeit ihrer Töchter besorgt zeigten. Und der draußen, die gefährlich und unbegreiflich war. Zu Hause konnte man Kopftuch und Fanatismus kritisieren, sich über diese schrecklichen Bärtigen aufregen, die Salman Rushdie bedrohten. ‚Aber so läuft es hier nicht.‘ Draußen durfte man nicht darüber reden, nicht provozieren, man musste so tun, als respektiere man die guten Sitten. Ihre Eltern waren Heuchler, und es beschämte Mia, festzustellen, dass sie nicht frei waren.
[....]
Nicht beschreiben, wie wir leben, was wir essen, trinken, sagen und woran wir glauben.
[....]
Ihre Eltern hatten akzeptiert, in dieser moralischen Verwirrung zu leben, sie hatten sie an ihre Kinder weitergegeben, und Mia wusste jetzt, dass sie ihr niemals helfen könnten, die Frage »Wer bin ich?« zu beantworten.“

Meine hohen Erwartungen wurden leider nicht ganz erfüllt, auch wenn das Buch sprachlich sehr gut ist. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Luchterhand Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Generationenroman über Herkunft, Familie und Wahlmöglichkeiten: 3,5⭐️

Real Americans
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„Real Americans“ von Rachel Khong ist ein Familienroman, der sich über mehrere Generationen erstreckt.

Im ersten Teil im Jahr 1999 geht es um Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA. Sie lern ...

„Real Americans“ von Rachel Khong ist ein Familienroman, der sich über mehrere Generationen erstreckt.

Im ersten Teil im Jahr 1999 geht es um Lily, Tochter chinesischer Einwanderer in den USA. Sie lern Matthew kennen, der aus privilegiert Verhältnissen stammt und Erbe eines Pharmaimperiums ist. Wider Erwarten verlieben sich die beiden, heiraten und bekommen ein Kind. Lilys Mutter ist wenig angetan von der Beziehung.

Im zweiten Teil, 21 Jahre später, lebt Lily allein mit ihrem Sohn Nick recht zurückgezogen auf einer Insel. Nick steht kurz vorm Wechsel aufs College. Über seinen Vater hatte ihm Lily nie etwas verraten, aber dank eines Gentests findet Nick seinen Vater Matthew und trifft sich heimlich mit ihm.

Der dritte Teil spielt in der Zukunft, im Jahr 2030 trifft Nick zufällig seine Großmutter Majy. Sie erzählt ihm von ihrem Leben damals unter dem Regime von Mao Zedong und von ihrer Flucht in die USA.

„Ich wollte sagen, dass es mir leidtat. Ich wollte all meine Gründe darlegen, warum ich dich enttäuscht habe. Ich wollte darauf bestehen, dass ich die besten Absichten verfolgt hatte: Ich glaubte, ich würde tun, was das Beste für dich war.
Lily, wollte ich sagen. Amerika war ein Ort, von dem ein Versprechen ausging. In Amerika konnte eine Bauerntochter Wissenschaftlerin werden. In Amerika behielten Eltern ihre Enttäuschung über ihre Kinder für sich. Doch ich war eine schlechte Schauspielerin. Das hat dein Vater einmal zu mir gesagt. Ich versteckte meine Enttäuschung ohne Erfolg. Mir war nicht klar gewesen, dass unsere Kommunikationsschwierigkeiten, als amerikanisches Kind und chinesische Mutter, unüberwindbar bleiben würden. Doch ich hätte mich mehr anstrengen können. Das bereue ich jeden Tag.“

Der Roman liest sich flüssig und trotz des Umfangs recht schnell. Die Themen Herkunft und Auswanderung sind gut gewählt, manches hätte für meinen Geschmack noch etwas vertieft werden können. Meiner Meinung nach ist der dritte Teil der beste Teil; er hat mich emotional am stärksten berührt. Besonders die Passagen aus Mays damaligem Leben in China fand ich sehr stark und bewegend.

„Ein amerikanischer Ausdruck, der mir immer schon komisch vorgekommen war, war #sich ein Leben aufbauen‘. Mein Leben war nicht aufgebaut worden. Es war nicht Stück für Stück entstanden, nach irgendeinem Bauplan. Nichts passte zusammen. Es war keine Konstruktion, sondern ein bloßer Haufen.
Das war unser Traum gewesen, Ottos und meiner: unseren Kindern die bestmögliche Zukunft zu ermöglichen. Doch es war ein Fehler zu glauben, dass man für jemand anderen entscheiden konnte, ganz gleich, wie gut man es meinte. Und was hatten wir wirklich entschieden? Man hatte uns gesagt, was wir wollten: Propaganda war überall. Vor allem in diesem Land, wo die Propaganda lautete, dass es keine gab – dass wir frei waren. Aber stimmte das? Wenn wir doch bestimmte Leben mehr schätzten als andere; wenn wir dazu gebracht wurden, unnachgiebig immer mehr zu wollen? Was, wenn ich das alles durchschaut hatte? Was, wenn ich verstanden hatte, dass ich schon genug besaß?“

Insgesamt ein unterhaltsamer, vielschichtiger Roman, dem es stellenweise jedoch etwas an Tiefe fehlte. Durch die drei Abschnitte konnte man sich zwar gut in die Innenleben der drei Protagonist*innen versetzen, aber manches war noch nicht ganz auserzählt.

Der Roman hat mir gut gefallen, hat meine hohen Erwartungen aber nicht komplett erfüllt. Daher vergebe ich final 3,5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein Nein und seine Folgen: Spannender Plot, Umsetzung nur teils gelungen

Hazel sagt Nein
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Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross kommt vom Cover her sehr unauffällig daher, doch der Plot hat es wirklich in sich.

Die 18-Jährige Hazel Blum freut sich auf eine großartige Zukunft. Ihre Familie ...

Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross kommt vom Cover her sehr unauffällig daher, doch der Plot hat es wirklich in sich.

Die 18-Jährige Hazel Blum freut sich auf eine großartige Zukunft. Ihre Familie ist gerade von New York ins beschauliche Riverburg gezogen, auch um ihren Traum von einer Zukunft an einem Liberal Arts College und einer Karriere als Schriftstellerin zu ermöglichen. Ihr Vater hat eine Professur dort angenommen, die einige finanzielle Annehmlichkeiten bietet.
Doch gleich an ihrem ersten Tag an der neuen Highschool ändert sich Hazels Leben auf völlig unerwartete Art und Weise:

"Manche Leute [....] behaupten, dass sich innerhalb eines Augenblicks alles ändern kann. Nach Hazels (zugegeben begrenzter) Erfahrung stimmte das nicht. Veränderung, ob politische oder private, dauerte ewig, und allgemein kam nicht viel dabei herum. Wir schleppen uns voran wie Raupen, bis wir unter dem Stiefel des Patriarchats und der Hausarbeit zermalmt werden. Erst an einem Morgen in Maine, am ersten Tag ihres letzten Schuljahres an der Highschool von Riverburg, erkannte Hazel, wie naiv sie gewesen war. Selbstverständlich konnte sich von einem auf den anderen Moment alles ändern. Nur bei ihr das bis dahin noch nicht passiert."

Hazel kann es nicht fassen, als der Schuldirektor sie in sein Büro rufen lässt und ihr eröffnet, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin der Abschlussklasse für eine s*xuelle Beziehung aussucht - und dieses Jahr ist sie seine Auserwählte. Doch womit der Direktor nicht gerechnet hat: Hazel sagt Nein!

Doch damit ist es leider nicht getan:
"Als Hazel zum Direktor Nein sagte, hatte sie geglaubt, die Demütigung wäre damit vorbei. Doch jetzt wurde ihr klar, dass diese womöglich erst begann."

Hazels Reaktion setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die nicht nur ihr Leben und das ihrer Familie, sonder auch der ganzen Stadt auf den Kopf stellen.


Der Schreibstil ist ein recht gelungener Mix aus ernsthaft und unterhaltsam; dennoch fehlte es mir stellenweise etwas an Tiefe.

Hazels Entwicklung gefiel mir insgesamt recht gut, vor allem gegen Ende hin:
"Dad [...] trank auf ihre 'erstaunliche Leistung'.
Nur, dass nicht sie das geschafft hatte. Überhaupt nicht. Sondern er, Dick White. Denn Hazel wusste, und ihren Eltern musste das auch klar sein, außer sie machten sich etwas vor - und wahrscheinlich war es der ganzen Welt klar -, dass Hazel ein paar (absolut beschissene) schreckliche Minuten ihres Lebens genommen und ausgepresst hatte wie ihre Mutter ihre morgendliche Grapefruit. Bis auf die Schale. Sie hatte es nicht aus eigener Kraft ans Vassar geschafft. Sie hatte die Hilfe des Schuldirektors gebraucht.
Denn wer hätte sie gewollt, wenn White sie nicht gewollt hätte?"

Dass Hazel am Ende so klarsichtig und stark ist, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, fand ich einen gelungenden Abschluss.

"Aber ich verstehe das nicht. Warum willst du dein Buch nicht mehr schreiben?"
" ich sage nicht, dass ich nie eins schreibe. Vielleicht später mal einen Roman ich weiß es nicht!
[...]
Ich schätze, ich ... ich fühle mich dafür noch zu jung. So was passiert immer noch ständig, wisst ihr? Und ich will nicht darüber definiert werden. Über White. Ich denke, ich kann so viel anderes sagen, aber ich weiß eigentlich noch nicht, wie ich es sagen soll."

Mit dem (mangelnden) Handeln ihrer Eltern konnte ich mich dagegen (selbst Mutter) nicht so ganz anfreunden; den kleinen Bruder Wolf fand ich dagegen sehr sympathisch.

Insgesamt wurden meine (zugegebenermaßen sehr hohen!) Erwartungen an die Ausarbeitung der spannend klingenden Ausgangssituation leider nicht ganz erfüllt. Ich hätte mir etwas mehr „Schlagkraft“ gewünscht; vieles verlief mir insgesamt zu glatt.
Ich vergebe final 3,5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Lübbe Verlag und an www.lesejury.de für dieses Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt: 3,5⭐️

Hello Baby
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Sechs Frauen, die eines verbindet: der tiefe, aber unerfüllte Wunsch nach einem Kind. Sie haben sich in der Baby-Angel-Fruchtbarkeitsklinik in Seoul kennengelernt und tauschen sich seitdem über den Gruppenchat ...

Sechs Frauen, die eines verbindet: der tiefe, aber unerfüllte Wunsch nach einem Kind. Sie haben sich in der Baby-Angel-Fruchtbarkeitsklinik in Seoul kennengelernt und tauschen sich seitdem über den Gruppenchat „Hello Baby“ aus.
Alle Frauen sind schon über dreißig, kommen jedoch aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen; manche sind in einer festen Beziehung, aber auch eine Single-Frau ist dabei. Alle Frauen haben jedoch mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, was die IVF-Behandlungen und ihr alltägliches Leben angeht.
Als die 46jährige Jeonghyo nach längerer Zeit offline war und dann plötzlich wieder auftaucht mit der Nachricht, sie habe gerade ein Baby bekommen, wissen die anderen Frauen nicht so recht, was sie davon halten sollen. Wie kann das sein?

Der Schreibstil von Kim Eui-kyung ist für das sehr emotionale Thema eher nüchtern, die Figuren wirken auf mich eher distanziert. Dennoch kam für mich deutlich rüber, wie hoch der Druck auf Frauen ist, ein Kind zu bekommen; sowohl (leider immer noch) gesellschaftlich als auch auf persönlicher bzw. familiärer Ebene.
Alle, die schon Erfahrungen mit Kinderwunschbehandlungen haben, könnten durch das Thema vermutlich getriggert werden; dennoch finde ich es gut, dass sich ein Roman dem hochemotionalen Thema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten annimmt.
Auch wenn das Ende des Romans irgendwann schon ziemlich vorhersehbar war, kommt die ganze Tragik und Verzweiflung sehr deutlich rüber.

Was mir an den Buch leider gar nicht gefällt, ist das Cover: es sieht total künstlich aus, eben mit KI erstellt, was ich absolut nicht mag!

Das Nachwort der Autorin, die sich selbst mal in einer Kinderwunschbehandlung befand, gibt dem Roman dann nochmal eine tiefere Bedeutung. Ich vergebe final 3,5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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