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Veröffentlicht am 02.02.2026

Lesenswert, wenn auch mit Luft nach oben

Hazel sagt Nein
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Lesenswert, wenn auch mit Luft nach oben

„Hazel sagt Nein“ ist der Debütroman von Jessica Berger Gross, die wie Hazel in New York aufgewachsen und dann nach Maine gezogen ist. Auch weitere einzelne Aspekte ...

Lesenswert, wenn auch mit Luft nach oben

„Hazel sagt Nein“ ist der Debütroman von Jessica Berger Gross, die wie Hazel in New York aufgewachsen und dann nach Maine gezogen ist. Auch weitere einzelne Aspekte ihres eigenen Lebens hat sie in diesem Buch verarbeitet. Es ist aber bei Weitem kein autobiografischer Roman.

Der Anfang des Romans gefiel mir ausnehmend gut. Hazel wird an ihrem ersten Tag an der neuen Senior High School ins Büro des Direktors Richard White beordert, wo dieser ihr mitteilt, dass er jedes Jahr mit einer seiner Schülerinnen Sex und für das aktuelle Jahr Hazel ausgewählt hat. Wie vor den Kopf gestoßen, sagt Hazel das einzig Richtige: Nein! Damit will sie es eigentlich bewenden lassen, doch die Szene lässt sie in Gedanken nicht los, und so vertraut sie sich ihrer Mutter Claire an. Diese ist entsetzt und telefoniert sofort mit Hazels Vater Gus. Der kleine Bruder Wolf bekommt sowieso immer alles mit. Und so kommt die Lawine ins Rollen. Die Sache wird publik gemacht. Für Familie Greenberg Blum beginnt eine Zeit der Anfeindungen, denn White streitet alles ab und schiebt den Schwarzen Peter Hazel zu. Da er ein angesehenes Gemeindemitglied ist, sind viele der Bewohner auf seiner Seite.

Jessica Berger Gross erzählt diese unfassbare Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Alle Familienmitglieder kommen fast gleichermaßen zu Wort und wir dürfen miterleben, wie das Geschehen ihre jeweilige kleine Welt beeinträchtigt.

Die einzelnen Charaktere gefielen mir recht gut. Sie sind alle ungewöhnlich, haben ihre Ecken und Kanten, aber auch ganz viele liebenswürdige Seiten. Auf eine gewisse Weise mochte ich jede der Figuren sehr gerne, wobei die Szenen mit Wolf regelmäßig am witzigsten waren. Dieser Witz war auch sehr positiv, sonst wäre die Story zu negativ ausgefallen. Dabei ist der Autorin die Gratwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Witz gut gelungen.

Der Schreibstil war leider nicht so ganz nach meinem Geschmack. Ich empfand ihn mit seinen relativ kurzen Sätzen als zu einfach. Ein paar mehr Emotionen hätte ich mir auch gewünscht. Gerade Hazel als die Hauptbetroffene erschien mir oft zu abgeklärt.

Trotzdem fand ich diesen Roman absolut lesenswert, wenn auch durchaus noch Luft nach oben ist.

★★★★☆

Veröffentlicht am 28.01.2026

Solider Kriminalroman

Hörst du den Schrei?
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Solider Kriminalroman

„Hörst du den Schrei?“ von Jørn Lier Horst und Jan-Erik Fjell ist der Auftaktband einer neuen Krimi-Reihe um den Krimi-Podcaster Markus Heger, erschienen bei blanvalet.

Vor fünfzehn ...

Solider Kriminalroman

„Hörst du den Schrei?“ von Jørn Lier Horst und Jan-Erik Fjell ist der Auftaktband einer neuen Krimi-Reihe um den Krimi-Podcaster Markus Heger, erschienen bei blanvalet.

Vor fünfzehn Jahren verschwand die siebenjährige Leah spurlos. Nur aufgrund von Indizien wurde damals ihr Vater wegen Mordes verurteilt, obwohl er stets seine Unschuld beteuerte. Markus Heger berichtete in seinem Podcast über den Fall und wollte ihn in einer 2. Episode wieder aufrollen. Doch seine Quelle zog ihre Aussage zurück, sodass es nichts Neues zu berichten gab. Als die junge Journalistin Mathilde Wold vom Fall Leah hört, wird sie neugierig und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Kurz darauf ist auch sie verschwunden. Jetzt ist Markus Hegers Ehrgeiz geweckt. Er verbeißt sich in die Ermittlungen.

Mathilde ist eine sympathische junge Frau, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn steht. Ihr Interesse für den Fall wirkt aufrichtig. Schade, dass sie so schnell von der Bildfläche verschwindet. Markus Heger wirkt bei Weitem nicht so sympathisch, aber auch nicht unbedingt unsympathisch. Er ist ein Mann mit einer bewegten Vergangenheit, unter der er immer noch leidet. Wir erfahren eine Menge über sein Vorleben wie seine unglücklichen Familienverhältnisse. Alles spielt in die Ermittlungen mit hinein.

Es fiel mir leicht, in die Handlung hineinzufinden. Der Fall wird auf eine interessante Art dargestellt. Bis wirklich Spannung aufgebaut wird, dauert es aber ein wenig. Der Schreibstil ist flüssig und einfach lesbar. Etwas tückisch sind nur die Rückblenden, die nicht besonders gekennzeichnet sind. Aber man merkt spätestens beim zweiten Satz, dass man sich nun in der Vergangenheit befindet.

Dadurch dass es mehrere mögliche Verdächtige gibt, lädt der Roman zum Miträtseln ein. Am Ende werden alle echten und falschen Spuren logisch aufgedröselt. Auch wenn einiges vorhersehbar war, konnte mich die Identität des Täters doch überraschen.

Von Jørn Lier Horst kenne ich etliche Wisting-Krimis, die mich allesamt mehr begeistern konnten als das vorliegende Buch, das aber trotzdem nicht schlecht ist. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen.

★★★★☆

Veröffentlicht am 21.01.2026

Jasper Fforde halt ;-)

Wie die Karnickel
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Jasper Fforde halt

„Wie die Karnickel“ erschien im September 2025 im Satyr Verlag. Und wie könnte es da anders sein: Bei dem recht kurzweiligen Roman handelt es sich um eine feine Satire auf unsere Gesellschaft. ...

Jasper Fforde halt

„Wie die Karnickel“ erschien im September 2025 im Satyr Verlag. Und wie könnte es da anders sein: Bei dem recht kurzweiligen Roman handelt es sich um eine feine Satire auf unsere Gesellschaft. Dabei verwendet Jasper Fforde viele Anspielungen auf ältere Werke der Literatur oder Filmbranche. Alle habe ich wahrscheinlich gar nicht entdeckt, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Es gibt auch so genügend Stellen zum Schmunzeln. Ich liebe ja diesen trockenen und schwarzen Humor.

Nach einem etwas schwierigen, ein bisschen trockenen und dabei sehr anspruchsvollen Anfang bekam ich eine herrliche Dystopie zu lesen. Fforde hält uns quasi mit einer Parabel einen Spiegel vor. Zwar geht es in dem Buch um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Kaninchen, doch das lässt sich leicht auf unsere Gesellschaft übertragen, wenn man denn offen dafür sein will.

Vor 55 Jahren geschah DAS ANTHROPOMORPHENDE EREIGNIS. Dabei nahmen verschiedene Tierarten menschliche Körpergröße und andere Eigenschaften an. Während Füchse und Wiesel gut in die Gesellschaft integriert wurden, machten die vermenschlichten Kaninchen den Menschen im Vereinigten Königreich Angst, vermehrten sie sich doch sprichwörtlich und besaßen sogar einen höheren IQ als die Menschen. Die meisten Kaninchen lebten in abgeschlossenen Kolonien, einige aber auch in Freiheit unter den Menschen. Jetzt steht eine Zwangsumsiedelung aller Kaninchen an, die sich das aber nicht so einfach gefallen lassen wollen. Peter Knox gerät zwischen alle Fronten, als Connie Rabbit mit ihrer Familie in seine Nachbarschaft zieht. Peter und Connie verbindet die Vergangenheit, und sie fühlen sich immer noch zueinander hingezogen. Das Dumme dabei: Peter arbeitet für eine Organisation, die gegen die Kaninchen ist. Er tut es nicht aus Überzeugung, sondern weil er irgendwie sein Brot verdienen muss. Doch das Wiedersehen mit Connie bringt ihn in eine echte Zwickmühle.

Die Charakterentwicklung von Peter fand ich wirklich stark. Er ist kein Held im eigentlichen Sinne, wächst aber nach und nach weit über sich hinaus. Und die Kaninchen haben es faustdick hinter den langen Ohren! Vordergründig wirken sie fast ein bisschen naiv, doch die Pläne, die sie schmieden, führen um manche Ecke, die man nicht erwartet hätte. Sie sind immer für eine Überraschung gut.

Ein absolut lesenswertes Buch! Leider werden es diejenigen, die es nötig hätten, es wohl nicht lesen.

★★★★☆

Veröffentlicht am 17.01.2026

Magie, Romantik und tödliche Gefahren

The Ordeals
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Magie, Romantik und tödliche Gefahren

Sophia DeWinter ist als Kind einen magischen Vertrag mit ihrem Onkel, dem Sammler, eingegangen. Mittels eines Armbands zwingt er sie, in seinem Einflussbereich zu ...

Magie, Romantik und tödliche Gefahren

Sophia DeWinter ist als Kind einen magischen Vertrag mit ihrem Onkel, dem Sammler, eingegangen. Mittels eines Armbands zwingt er sie, in seinem Einflussbereich zu bleiben. Doch Sophia hat es satt, immer wieder seine Aufträge ausführen zu müssen, denn sie erkennt das Böse daran. Ihre einzige Chance, dem Sammler zu entkommen, ist die Aufnahme an der Killmarth Akademie, einer Elite-Akademie für magisch Begabte. Doch die vier Ordeals, die Aufnahmeprüfungen, sind für manche Anwärter tödlich - nur die Besten kommen durch. Gerade dieser Punkt hat sich mir leider nicht erschlossen. Man hätte diese Prüfungen auch anders gestalten können, ohne reihenweise die Leute sterben zu lassen, viele davon äußerst grausam. Hier ist unnötig viel Gewalt im Spiel, auf die ich gerne verzichtet hätte.

Der Schreibstil von Rachel Greenlaw ist sehr flüssig und ziemlich mitreißend. Manche Figuren hätten ein kleines bisschen mehr Tiefe vertragen, aber im Großen und Ganzen fand ich die Charaktere und das World-Building recht gelungen.

Sophia wirkt von Anfang an sympathisch und vor allem sehr tough. Die emotionale Kälte des Sammlers hat sie nicht gebrochen, sondern gestärkt. Man kann sehr gut mit der jungen Frau mitfühlen und hofft für sie, dass sie in Killmarth aufgenommen wird, um endlich ein freies Leben führen zu können. Doch ist es das wirklich, ein freies Leben? Die Akademie birgt ihre eigenen Geheimnisse. Nach und nach kommt Sophia einigen davon auf die Spur. Und was sie hier herausfindet, lässt einem die Haare zu Berge stehen, so schrecklich sind die Aussichten.

Die Handlung entwickelt sich langsam, aber konsequent. Neben einer glaubwürdigen Romanze gibt es sehr viele unheimlich spannende Szenen und überraschende Wendungen. Man weiß nie, wem von den Mitbewerbern man trauen kann und wen man besser im Auge behalten sollte. Erschwert wird dies dadurch, dass es sich unter anderem um Illusionisten und Maskierer handelt, deren Wirken schwer zu durchschauen ist. Nichts ist tatsächlich so, wie es scheint.

„The Ordeals“ ist der Auftaktband der Killmarth-Reihe. Das Buch erschien im Januar 2026 bei Klett-Cotta. Übersetzt wurde es von Kerstin Fricke.

★★★★☆

Veröffentlicht am 07.01.2026

Unterhaltsam, spannend, aber kaum originell

To Cage a Wild Bird
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Unterhaltsam, spannend, aber kaum originell

„To Cage a Wild Bird“ ist der Debütroman der jungen Autorin Brooke Fast. Dafür ist das Buch ganz gut gelungen. Allerdings besteht auch noch etwas Verbesserungspotenzial. ...

Unterhaltsam, spannend, aber kaum originell

„To Cage a Wild Bird“ ist der Debütroman der jungen Autorin Brooke Fast. Dafür ist das Buch ganz gut gelungen. Allerdings besteht auch noch etwas Verbesserungspotenzial.

Am Schreibstil gibt es wenig auszusetzen. Die Story erscheint lebendig und dynamisch und lässt sich flüssig lesen. Im Großen und Ganzen fand ich das Buch recht spannend und unterhaltsam. Es ist aber nichts für zartbesaitete Gemüter, da ziemlich abartige, gewaltlastige Szenen vorkommen. Dabei hat sich mir nicht wirklich erschlossen, wo diese Gewalt herkommt. Sie ist bei einer breiten Bevölkerungsschicht einfach so da aus Lust an Gewalt.

Die Handlung ist ziemlich geradlinig. Kaum stellen sich der Protagonistin Raven Hindernisse in den Weg, sind sie auch schon beiseite geräumt und sie kann ihren Weg weitergehen. Selbst wenn Raven an irgendwelchen Personen zweifelt, ist für die Lesenden doch klar, auf welcher Seite diese stehen. Große Überraschungen gibt es daher nicht, nur ein paar kleine.

Der Kern der Handlung erinnert stark an „Die Tribute von Panem“ und zum Teil auch an andere dystopische Reihen. Da mir die Tribute aber super gefallen haben, fand ich das hier nicht so schlimm.

„To Cage a Wild Bird“ ist der Auftakt der Divided Fates-Reihe. Das Ende empfinde ich trotz Cliffhanger als so abgeschlossen, dass man es einfach stehenlassen könnte, lässt mich aber auch gespannt auf Band 2 warten.

Da der positive Eindruck bei mir überwiegt, gebe ich wohlwollende 4 Sterne.

★★★★☆