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Veröffentlicht am 21.01.2026

Eine tapfere Hausfrau sticht in ein Wespennetz

Down Cemetery Road
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Darum geht es:
Sarah Tucker steckt in einem frustrierenden Leben als Hausfrau fest. Ganz deutlich wird es ihr bei einem unerfreulichen Geschäftsessen, das sie für ihren Ehemann zuhause ausrichten muss. ...

Darum geht es:
Sarah Tucker steckt in einem frustrierenden Leben als Hausfrau fest. Ganz deutlich wird es ihr bei einem unerfreulichen Geschäftsessen, das sie für ihren Ehemann zuhause ausrichten muss. Da scheint eine Explosion eines Hauses in der Nachbarschaft eine tödlich faszinierende Ablenkung. Nur ein Kind überlebt das Unglück. Obwohl Sarah die Familie nicht kannte, fühlt sie mit dem Kind, das jedoch aus dem Krankenhaus verschwindet.
Sarahs Erkundungen bleiben nicht unbemerkt und plötzlich steht sie im Fokus von Polizei und Geheimdienst.

Mein Eindruck:
Ich weiß nicht, warum dieser Thriller mit der Privatdetektivin Zoe Boehm beworben wird, sie spielt nur am Rande eine Rolle. Vielleicht ist es der aktuellen Verfilmung geschuldet, denn im englischen Original erschien das Buch schon 2003. Sarah Tucker jedenfalls treibt die Handlung voran, stellt die Fragen und gerät dadurch ins Zielfenster der Gegner. Denn was passiert ist, warum das Haus in die Luft fliegen musste und warum das Kind verschwand, das alles darf nicht bekannt werden. Die Hintergründe des »Warum« sind auch im Blick auf den Entstehungszeitpunkt (2003) zu sehen, lassen mich aber auch jetzt noch erschaudern, weil sie so unglaublich real erscheinen.
Sprachlich ist es ein Vergnügen, Down Cemetery Road zu lesen. Die Personen, die Szenen sind lebhaft und aktiv beschrieben. Ich fühle mit Sarah in ihrer gezwungen Gastgeberrolle, gleich in der ersten Szene. Mit wenigen Worten und Aktionen wird hier ein umfassendes Bild gezeichnet, literarisch ein spannendes Werk.
Die Handlung an sich erinnert mich immer mal wieder an eine Mischung der Autoren John Le Carré, Ian Fleming und Robert Ludlum. Und tatsächlich hat der Autor Mick Herron eine zweite Reihe im Spionagemilieu angesiedelt, die von Diogenes schon übersetzt und veröffentlicht wurde.

Fazit:
Ein starker Thriller mit Sprachwitz und einem erschreckenden Motiv (das ich nicht verraten werde). Wer Geschichten über Geheimoperationen, teils brutale Gewaltanwendung gemischt mit sympathischen Anti-Helden und mutigen Frauen mag, der wird hier wunderbar unterhalten.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein gefährliches Buch und wo ist diese Bibliothek?

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Darum geht es

Vier Freunde treffen sich 1930 in ihrem (geheimen) Stützpunkt, dem Antiquariat am alten Friedhof. Vor Langeweile, aus Übermut und aus Geldnot stehlen sie besondere Bücher, um das Antiquariat ...

Darum geht es

Vier Freunde treffen sich 1930 in ihrem (geheimen) Stützpunkt, dem Antiquariat am alten Friedhof. Vor Langeweile, aus Übermut und aus Geldnot stehlen sie besondere Bücher, um das Antiquariat zu finanzieren.
Felix ist der Stratege der Gruppe und fragt sich schon länger, wie weit sie noch gehen können, ohne aufzufliegen. Ein Coup geht gerade so gut, es wird immer gefährlicher. Doch da kommt das Angebot, die Hand von E.T. A. Hoffmann, eine gefragte Reliquie für Literaturliebhaber, zu stehlen. Bei Ausbaldowern trifft er Eva und verliebt sich rettungslos in sie. Der folgende Diebstahl allerdings nimmt eine fatale Wendung, so dass Felix letztendlich nach Amerika emigriert.
Als Buchsachverständiger kehrt er 1945 nach Leipzig zurück. Denn ein entstellter Häftling behauptet, der Vorleser von Hitler gewesen zu sein, und nur Felix, den er von früher kennt, wird er den Standort der Bibliothek verraten, wenn dieser Eva findet. So macht sich Felix auf die Suche nach seiner großen Liebe.

Mein Eindruck
Ich wollte das immerhin vierte Buch über das graphische Viertel in Leipzig unbedingt lesen. Sowohl »Die Bücher, der Junge und die Nacht« als auch »Das Haus der Bücher und Schatten« hatten mich in ihren Bann bzw. in den Bann des graphischen Viertels gezogen. Und wieder beschreibt Kai Meyer die düstere Atmosphäre zwischen den Druckereien und Buchläden, den Menschen und den drohenden Machtverhältnissen eindrucksvoll und beklemmend. Diesmal – wie auch beim dritten Buch – wählt Meyer als zweite Zeitebene die Zeit direkt nach Kriegsende und zeigt uns das zerstörte Viertel und die leidenden Menschen.
Dazu kommen ein rätselhafter Häftling, eine Todesserie und eine Suche nach einem Phantom.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich fand es atmosphärisch dicht, spannend und berührend. Die aufgeworfenen Rätsel und ihre Lösung haben mich unterhalten. Und trotzdem bleibt bei mir das Gefühl, dass dieser Band nicht so fesselnd war wie die beiden anderen Bücher, die ich bis dahin über das graphische Viertel von Meyer gelesen hatte. Diese hatten mich atemlos vor Staunen über das Handwerk, die Figuren und die Geschichten zurückgelassen. Diesen Zauber habe ich diesmal nicht verspürt. Ich konnte mich nicht mit Felix und seinen Freunden in dem Maße verbinden, wie es mir bei den beiden anderen Büchern gelang.
Aber das ist wahrlich Jammern auf hohem Niveau, dieses Buch ist ein Pageturner und jeden Buchstaben wert, mit dem es gedruckt wurde.

Fazit
»Das Antiquariat beim alten Friedhof« ist eine sehr lesenswerte Geschichte, die gekonnt – wie von Kai Meyer gewohnt – zwei wichtige Zeitebenen miteinander verwebt und ein eindrückliches Bild von den Zeiten, den Menschen und ihren Machenschaften erzeugt. Sehr unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Luzy – ein weiblicher James Bond

Kälter
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Darum geht es:
Seit acht Jahren lebt Luzy Morgenroth als Polizistin auf Amrum. Doch dann muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen. Ein Killerkommando taucht auf der Insel auf und nur mit ihrem maximalen ...

Darum geht es:
Seit acht Jahren lebt Luzy Morgenroth als Polizistin auf Amrum. Doch dann muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen. Ein Killerkommando taucht auf der Insel auf und nur mit ihrem maximalen Einsatz sterben nicht noch mehr Menschen. Doch bei den Toten entdeckt sie einen Hinweis auf ihren Erzfeind, der doch eigentlich tot sein sollte.
Sie geht zurück zu dem Tag vor acht Jahren, der ihr beinah das Leben kostete, und wird wieder zu dieser Person, fit und eine Kampfmaschine. So fordert sie Gefallen ein, erfährt schmerzhafte Wahrheiten und heftet sich an die Fersen ihres Feindes, der inzwischen ein international agierender Attentäter ist und offensichtlich von mehreren Geheimdiensten finanziert, eingesetzt und geschützt wurde. Wer ist hier wirklich Freund, wer Feind?

Mein Eindruck:
Vor dem Ende der DDR 1989 entwickelt sich dieser Thriller. Luzy, ehemalige Personenschützerin, stellt sich ihrem schlimmsten Albtraum. Und das liest sich einfach so runter. Ausführlich, exzellent beschriebene Kampfszenen, dazu Ausflüge in die 80er Jahre und in die Geheimdienste, die sich damals alle gegenseitig ausspionierten und bekämpften. Ob Amrum, Israel, Berlin oder Wien, es fehlt diesem Spionagethriller an nichts. Auch wenn die Kampfszene im Zug mich dann doch etwas an James Bond erinnerte. Und der Vergleich trifft hier ganz gut. Harte Frau, viele Tote und die Jagd nach dem skrupellosen Verbrecher, um die Welt zu retten.


Fazit:
Vor dem Hintergrund des Mauerfalls ein temporeicher und brutaler Thriller, also genau dem Genre entsprechend. Etwas Geschichte mit viel Aktion. Gut zu lesen und empfehlenswert für alle, die Bücher mit Spionen und vielen Kampfszenen und ebenso vielen Toten mögen.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Eine berührende Lebensgeschichte über verpasste Chancen

Das Geschenk des Meeres
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Darum geht es
In einem kleinen Dorf an der schottischen Küste wird im Winter 1900 ein Junge aus den Fluten gerettet. Der Junge sieht dem Kind der Dorflehrerin Dorothy ähnlich wie ein Zwilling. Doch der ...

Darum geht es
In einem kleinen Dorf an der schottischen Küste wird im Winter 1900 ein Junge aus den Fluten gerettet. Der Junge sieht dem Kind der Dorflehrerin Dorothy ähnlich wie ein Zwilling. Doch der ist vor Jahren bei einem Sturm im Meer verschwunden. Trotzdem nimmt Dorothy ihn bei sich auf, bietet ihm Wärme und Liebe, so dass er im wörtlichen und übertragenen Sinne auftaut. Mit der Zeit werden Erinnerungen wach, bei Dorothy und der Dorfgemeinschaft und manche ungeklärte Fragen werden endlich beantwortet.

Mein Eindruck
Eine eingeschworene Dorfgemeinschaft in einem Winter, getrennt von der Welt, aber mit vielen Geheimnissen, Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen. In zwei Zeitebene erzählt Julia R. Kelly gelungen das Leben von Dorothy, die als junge Lehrerin von Edinburgh in diese Dorfgemeinschaft kommt und alles durcheinanderbringt. Es ist zugleich eine Geschichte über das Hoffen auf ein gutes Leben, die Enttäuschungen, die es mit sich bringt, über Missverständnisse und selbst auferlegtes Leiden.
Stück für Stück zeichnet sich mir ein Bild, welche Dramen sich in den vergangenen Jahren abspielten. In die erzählte Vergangenheit hinein gibt es immer wieder Kapitel in der Jetzt Zeit, der erzählten Zeit von 1900, die sich mit dem aufgetauchten Jungen beschäftigen und Dorothy zeigen, wie sie endlich mit dem Verlust ihres Kindes umzugehen lernt. So greifen beide Ebenen in einander und bilden ein spannungsgeladenes Gesamtwerk.

Fazit

Ein berührende Geschichte mit gewaltiger Bildkraft. Ruhig erzählt und doch geht sie unter die Haut. Denn so oft wünscht man sich, dass die Figuren über ihren Schatten springen und offen sagen, was Sache ist. Stattdessen reagieren sie auf Hörensagen und das ändert den Lauf nicht nur eines Lebens. Ich leide mit Dorothy und fiebere dem Ende entgegen. Für mich war das Hörbuch, gelesen von Astrid Kohrs, ein Genuss.

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Veröffentlicht am 30.09.2025

Wenn die Toten mitreden wollen

Über die Toten nur Gutes
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Darum geht es:

Mads Madsen ist Trauerredner und bereitet gerade die Beerdigung seines Vaters vor. Und Vorbereitung ist hier im wahrsten Sinne des Wortes gemeint, denn es ist ein Testlauf, eine Testrede ...

Darum geht es:

Mads Madsen ist Trauerredner und bereitet gerade die Beerdigung seines Vaters vor. Und Vorbereitung ist hier im wahrsten Sinne des Wortes gemeint, denn es ist ein Testlauf, eine Testrede (die dritte) und sein Vater noch nicht tot. Gestorben ist jedoch ein Jugendfreund bei einem Verkehrsunfall, der Mads Nachrichten schickt. Mads soll seine Trauerrede halten. Doch Mads und Patrick hatten sich schon seit Jahren aus den Augen verloren.
Also beginnt Mads Fragen zu stellen und damit fangen seine Probleme erst an. Er spannt seine Familie ein, stößt die Kommissarin vor den Kopf und kommt Verbrechern in die Quere.

Mein Eindruck:

Schon das Cover verrät den Ton dieses Krimis: ein kleiner weißer Hund hebt das Bein an einem Sarg. Hier geht es nicht todernst zu, sondern launisch, lustig und lebendig. Einige besonders gezeichnete Figuren säumen den Weg von Mads Madsen, der immerhin mit einer gewissen Beharrlichkeit versucht, die Umstände aufzuklären, unter denen sein Jugendfreund Patrick gestorben ist. Dabei stößt er immer wieder auf Widerstände, teils auch sehr bedrohliche, die ihn aber nicht abhalten. Denn er will den letzten Wunsch seines Freundes erfüllen und eine ihm angemessene Trauerrede halten.

Fazit:

Mord und Tod werden hier mit einem Augenzwinkern betrachtet. Die mit Tiefe entwickelten Figuren einschließlich der Malteserhündin Bobby machen dieses Buch zu einem kurzweiligen Leseabenteuer. Ich bin gespannt auf den zweiten Teil.

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