Vielschichtige Erzählung eines Heranwachsenden
AmokalarmUli Black „AMOKARLARM“
Uli Black führt in seinem Roman uns Leserschaft abwechselnd durch verschiedene Zeiten eines 16.-jährigen Schülers der sich nicht anders zu wehren weiß, als mit einem Amokalarm auf ...
Uli Black „AMOKARLARM“
Uli Black führt in seinem Roman uns Leserschaft abwechselnd durch verschiedene Zeiten eines 16.-jährigen Schülers der sich nicht anders zu wehren weiß, als mit einem Amokalarm auf seine Misere aufmerksam zu machen. Gleich zu Beginn des Romans startet der junge H. C. mit seiner ganz persönlichen Geschichte und führt uns Leserschaft durch das gesamte Buch. Auf verschiedenen Zeitebenen erörtert uns H.C. wie es dazu kommen konnte, dass er am bitteren Ende, die Lehrerschaft im Raum 24 bedroht und mit einem Amokalarm konfrontiert. Wir Leser*innen tauchen ein in eine vielschichtige Erzählung. Schnell wird klar was H.C. in seiner Sprache uns mitteilt. Wir bekommen es mit einem Jugendlichen zu tun, der nach außen hin die Fassade mit Mühe aufrecht hält, nach innen hin mit seinem Gefühlsleben aber nicht wirklich klarkommt. Was genau H. C. so aus der Bahn wirft, wird hier mithilfe eines Basketballs Superstar Kobe Bryant erklärt und mit seinem Todesdatum dem 26. Januar 2020. Kobe Bryant stirbt traurigerweise bei einem Hubschrauberabsturz. H. C. ein wirklicher Fan von ihm stürzt bei dieser Nachricht mit ab. Dies ist der Beginn in der H. C. seine Geschichte in Davor, Vorher und Jetzt sowie den Raum 24 erzählt. Mit jeder gelesenen Seite fügen sich die einzelnen Zeitebenen ineinander und wie in einem Puzzle setzt sich Stück für Stück die komplette Geschichte zusammen.
Mir hat dieser Roman von der ersten bis zur letzten Seite unfassbar gut gefallen. Einfühlsam beschreibt der Autor die Gefühle und Ereignisse von H.C.. Für mich ein Jugendroman der viel Tiefgang aufweist und verdeutlicht wie schwierig das Heranwachsen in unserer Gesellschaft sein kann. Uli Black greift dabei ein Thema auf, wobei ich mir sicher bin, dass dieser in Zukunft öfter unsere Medien erreichen wird: Ein Amoklauf an einer Schule. Mit viel Feingefühl beschreibt der Autor einen Hergang, der sich im Vorfeld abspielt und dabei authentisch beschreibt, was einen jungen Menschen dazu antreiben kann sich so radikal ins Rampenlicht zu setzen, um endlich „gesehen“ zu werden. Verschiedene Aspekte des jungen H.C.'s werden in diesem Roman aufgezeigt. Wie schwierig die Gefühle bei der ersten Verliebtheit sein können. Aber, dem allein nicht genug, erhält die, Szenerie eine Zuspitzung die ihren Kern im Schulsystem aufzeigt. Hier in dieser Geschichte verletzt ein Lehrer ganz klar seine Grenzen und löst damit ein Drama aus. Der Autor bedient sich zum Ende hin damit, dass er alle Protagonisten, im Rahmen eines polizeilichen Verhörs, zu Wort kommen lässt. Dabei verdeutlicht er wie verschieden die Wahrheit gesehen werden kann. Unfassbar gutgeschrieben zeigt das Verhör auf wie wir Menschen nach einem Auslöser ticken. Der Autor hat mich mit seinem Roman tief beeindruckt. Seine Empathie und das Feingefühl werden in jeder geschriebenen Zeile deutlich. Aber was mich wirklich fasziniert hat, ist die Tatsache, dass H.C. mir bis zum Schluss hin sympathisch bleibt.
Mein absoluter Lesetipp für jede Altersgruppe! Lange schon habe ich keinen Roman mehr so intensiv und mitfühlend gelesen.