Da lernt man Tennis lieben
Carrie Soto is backMit „Daisy Jones & The Six“ hat Taylor Jenkins Reid den internationalen Durchbruch geschafft, auch bei mir. Ich habe mich im Anschluss nicht darauf gestürzt, sofort alle Bücher von ihr nachzuholen, aber ...
Mit „Daisy Jones & The Six“ hat Taylor Jenkins Reid den internationalen Durchbruch geschafft, auch bei mir. Ich habe mich im Anschluss nicht darauf gestürzt, sofort alle Bücher von ihr nachzuholen, aber ich habe insgesamt doch schon vier Bücher gelesen. Sie sind alle nicht wirklich miteinander vergleichen, nur in einem Punkt: sie sind immer was besonderes.
„Carrie Soto is Back“ ist in der Welt des Tennis angesiedelt. Als der Film „Challengers“ mit u. a. Zendaya erschien, da haben viele auch über dieses Buch geredet, auch wenn es nicht wirklich miteinander zu vergleichen ist. Aber die Welt des Tennis findet man nicht übertrieben oft in der fiktionalen Welt aufgearbeitet, dementsprechend bringt man die verschiedenen Filme/Serien/Bücher dann doch unweigerlich zusammen. Zudem hat gerade ganz frisch erst Zverev seinen ersten Grand Slam gewonnen, Serena Williams gibt ihr Comeback, es gibt viele Gründe, Tennis gerade wieder mal ganz heiß zu handeln. Und obwohl ich noch nie ein riesiger Fan des Sports war, aber ich kann ihn mir auch gut angucken und so passte das Buch von Reid gerade gut in die Zeit.
Ich hatte das Hörbuch, gelesen von Inka Löwendorf. Die Stimme ist auf eine Art doch speziell und genau deswegen war sie für diese Geschichte ideal besetzt. Denn die unangepasste Carrie hat sie für mich gut verkörpert. Auch die vielen spanischsprachigen Einschübe wurden gut gesprochen, also hat hier für mich alles gepasst. Man hat die Erzählweise von Reid auf jeden Fall gut erkennen können. Wir haben eine Verankerung in der Gegenwart, als Carrie beschließt, dass sie ihr Comeback wagt und dann haben wir zunächst eine längere Darstellung der Vergangenheit. Ich war froh, dass das nicht wie bei „Atmosphere“ immer wieder ineinander geschoben wurde, nein, wir haben die Vergangenheit dann in einem Stück abgearbeitet und das war sehr wichtig, weil Carrie eben kein Everbody’s Darling ist und da hilft es, ihre Geschichte so kompakt angeboten zu bekommen. Auch wenn es viele Zeitsprünge gibt, aber in den jeweiligen Jahren hat Reid ihre Stärken wieder ausgespielt, denn es ist mit wenig viel passiert. Carrie habe ich verstanden, ihren Vater habe ich verstanden und vor allem ihre Beziehung untereinander.
Der zentrale Kern setzt dann aber an, als Carrie nach einer längeren Karriereunterbrechung ihr Comeback wagt, weil sie unbedingt ihren Rekord mit den meisten gewonnen Grand Slam-Titeln zurückhaben will. Es gibt einige Sportstars, die ein Comeback gewagt haben, es gab aber auch genug, bei denen man sich gewünscht hätte, dass sie endlich aufhören. Dementsprechend fand ich es interessant, hier so eine ausgiebige Charakterstudie durch Carrie zu haben. Ich fand es auch interessant, dass nur wenig so kam, wie ich es mir gedacht habe. Ihr Vater war sicherlich von klein auf ein wichtiger Antrieb, aber es wurde auch deutlich, dass er kein unnachgiebiger Vater war, der keine Grenzen gekannt hätte. Er war zuerst Vater und dann Carries Trainer. Genauso hat sicherlich die Darstellung von Nikki Chan überrascht, die Reid ähnlich ehrgeizig wie Carrie hätte darstellen können. Stattdessen war sie ein sehr offener und humorvoller Mensch, der so den Gegnerinnen Wind aus den Segeln genommen hat. Trotzdem wurden auch ihre Dämonen näher dargestellt. Ich mochte auch Beau, der für die Geschichte immer wichtiger und wichtiger wurde, sodass sich die Beziehung zwischen ihm und Carrie entspannt entwickeln konnte.
Carrie wird durch die Medien oft als Antagonistin des Sports inszeniert. Und ja, es gab sicherlich genug Momente und Entscheidungen, die das bewirkt haben, aber es war deswegen umso intensiver, Carrie durch ihre Perspektive kennenzulernen. Sie wird sicherlich niemals mein liebster Buch-Charakter sein, aber ich habe sie immer mehr zu schätzen gelernt, weil sie immer mehr über sich gelernt hat, vor allem, wie ein Leben abseits des Tennis aussehen kann. Ich habe auch sehr viel über Tennis gelernt und ich fand, dass Reid eine ideale Mischung gefunden hat, um Wettkämpfe und Turniere zu beschreiben. Mal hat sie viel überbrückt, dann wiederum waren wir in Matches intensiv dabei. Das kam bei mir sehr an und ich habe immer mitgefiebert.
Fazit: „Carrie Soto is Back“ ist ein weiteres tolles Buch von Taylor Jenkins Reid. Auch Nicht-Tennisfans werden sich dem Erzählsog nicht entziehen können, weil vor allem charakterlich so viel in der Geschichte drinsteckt. Ich habe ein großes Herz für die Handlung entwickelt, weil sie mir auch so viel zurückgeschenkt hat. Ich hoffe sehr auf eine Adaption für die große Leinwand.