So geht Jugendthriller
Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.Während alle bei Katie Kento schon über ihren nächsten Bestseller sprechen, habe ich dann jetzt endlich auch mal ins „Hotel Ambrosia“ eingecheckt. Auch wenn Jugendbücher inzwischen eine extreme Seltenheit ...
Während alle bei Katie Kento schon über ihren nächsten Bestseller sprechen, habe ich dann jetzt endlich auch mal ins „Hotel Ambrosia“ eingecheckt. Auch wenn Jugendbücher inzwischen eine extreme Seltenheit sind, dass ich da noch zugreife, so muss ich doch vielen anderen aus der Buchbubble zustimmen, dass gerade Thriller im Jugendbereich sich nicht verstecken müssen. Sie sind nicht harmlos, nein, da gibt es für die beteiligten Figuren viel zu verlieren, auch ihr Leben. Dementsprechend stellt sich für mich bei Jugendthrillern immer die Frage, kommt die Situation der Jugendlichen rüber, fühlt es sich angemessen an und kann es so spannend wie jeder andere Thriller auch erzählt werden?
Holly Jackson hat sich in dem Feld schon lange bewiesen, aber auch die deutsche Autorin Katie Kento scheint sich ihren Platz zu erobern und da wollte ich doch gerne mal selbst reinschauen. Ich hatte das Hörbuch mit der Stimme von Pia Rhone-Saxe, die auf jüngere Rollen wirklich gut passt und sie hat für mich die an ihre Wohnung gefesselte Robyn echt gut verkörpert. Vor allem ist es ihr auch gelungen, die verschiedenen emotionale Zustände der Lektüre abzubilden. Es gab die sehr erzählenden Elemente, es gab die erschöpften, es gab die spannenden und noch so viel mehr. Rhone-Saxe hat es für mich eindeutig geschafft, es wie ein Hörspiel rüberzubringen.
Ich musste bei der Prämisse des Buchs schon daran denken, dass man einzelne Elemente durchaus aus dem Genre schon kennt. In den erwachsenen Thrillern sind es dann vielleicht nicht Krankheiten, die die Figur ans Haus fesseln, da sind es vielleicht Traumata, aber das Konzept, das man aufmerksam alles sieht, kombiniert und auch ein bisschen rumspinnt, aber dann hilflos ist, wenn tatsächlich was passiert ist, ja, das kenne ich schon. Aber dennoch fand ich „Hotel Ambrosia“ durchgängig neu. Eben weil es wirklich immer wie ein Jugendthriller war. Robyn kam genau als die rüber, die sie sein sollte. Sie hatte sehr kindliche Momente, in denen man gemerkt hat, sie hat außerhalb noch nicht viel erleben können und dann war sie aber genau so eine typische Jugendliche, die die Welt umfassen will und zu klug ist für das, was sie da erlebt.
Ich fand auch die Kombination mit A.J. sehr gelungen. Auch wenn wir seine Perspektive nicht erhalten, aber wir haben ihn genauso gut kennenlernen dürfen. Robyn war der Kopf, A.J. ihre Beine und nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich die beiden immer besser ergänzt. Ich fand es auch okay, dass Robyn durchaus mal etwas anders über A.J. nachdenkt und trotzdem war es nie eine Liebesgeschichte, die irgendetwas in den Hintergrund denkt. Nein, wir haben eine komplexe Beziehung aufgebaut bekommen, die in der ungewissen Zukunft nach Ende wie auch immer sich entwickeln könnte, aber für das Geschehen selbst war sie genau richtig.
Ich muss auch definitiv sagen, dass ich von vielem sehr überrascht wurde. Das Hotel Ambrosia hatte so viel zu bieten, so viel Verrücktes, so viel bitter ernstes. Auch wenn immer genug Hinweise durch die Autorin gegeben wurden, aber die Perspektive über Robyn hat vieles verengt und das war genial, weil man so als Leserschaft sich nicht ausmalen konnte, was ist möglich, wo kann es hingehen? Das Buch hat dementsprechend auch einen guten Spannungsaufbau. Wir haben es mal aufbauend, dann wieder abflauend, aber noch wichtiger war, dass die Spannungshöhepunkte sich in sich nochmal gesteigert haben. So war das Ende wirklich die Krone des Ganzen. Ich bin jetzt sehr gespannt, ob „Missing Page“ den überaus positiven Eindruck bestätigen kann.