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Veröffentlicht am 30.01.2026

Zurück nach Port Haven

A Taste of Cornwall: Ein Löffel Glück
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„Wieso sollte ich kochen können? Ich esse ja nicht mal.“ (S. 86) diesen Satz sagte Topmodel Annabelle Scott vor Jahren in einem Interview. Nun wird er ihr bei der Bewerbung als Co-Moderatorin der neuen ...

„Wieso sollte ich kochen können? Ich esse ja nicht mal.“ (S. 86) diesen Satz sagte Topmodel Annabelle Scott vor Jahren in einem Interview. Nun wird er ihr bei der Bewerbung als Co-Moderatorin der neuen Kochshow Dining Delights zum Verhängnis. Denn Annabelle kann nicht nur nicht kochen, sie kann Essen aufgrund jahrlangen Kalorienzählens und grammgenauen Abwiegens auch nicht mehr genießen. Bei jedem Bissen springt automatisch der Kalorienrechner in ihrem Kopf an. Dabei braucht sie den Job dringend. Nachdem ihr Restaurant Runaway vor einem Jahr, auch Dank der vernichtenden Kritik von Restauranttesterin Sophie Dubois, gefloppt ist und Annabelle einen Zusammenbruch erlitt, blieben Modelaufträge aus. Sie ist fast pleite. Ausgerechnet Sophie, die die Sendung entwickelt hat, überredet sie nun, zum Casting zu kommen. Das bedeutet für Annabelle eine Rückkehr nach Port Haven, jenem kleinen Küstenort, aus dem nach dem Tod ihres Vaters vor über 20 Jahren regelrecht geflohen ist. Damals war ihr der Ort zu klein, zu eng.
Doch ihre fehlenden Kochkünste sind nicht ihr einziges Geheimnis. Wird eine ihrer Konkurrentinnen es lüften und Annabelle zu Fall bringen? Oder der frauenfeindliche Moderator Simon Mandel, dessen Repressalien sie kaum noch erträgt?

„Ein Löffel voller Glück“ ist der zweite Teil der „A Taste of Cornwall“-Reihe und führt zurück ins malerische Port Haven und den Pub Smuggler´s Inn.
„Meine Mutter ist für mich Geschichte. Genau wie Port Haven.“ (S. 36) Annabelle (ist der Name vielleicht eine Reminiszenz an den Film Notting Hill?) hat sich während ihrer Abwesenheit durch Diäten, Sport und kosmetischer Eingriffen äußerlich stark verändert. Auch ihren Namen hat sie abgelegt, um nicht mehr mit dem Mädchen von früher in Verbindung gebracht zu werden und keinen Kontakt zu ihrer Mutter zu haben. Lange funktioniert das: Niemand erkennt sie. Doch der Druck wächst, ihre Rivalinnen kämpfen mit harten Bandagen. Frieden findet Anabelle ausgerechnet bei Fynn und seinen Alpakas. „Sie sind wie ein Löschblatt. Sie saugen alle Probleme einfach auf. Wenn ich bei ihnen bin, ist mein Kopf leer. Das tut gut.“ (S. 63) Doch auch Fynn ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint.

Katharina Herzog greift in diesem Wohlfühlroman behutsam toxische Themen wie Diäten- und Magerkeitswahn, Essstörungen, Drogen, beruflichen Stress, Burnout und Ängste auf. Abseits von Modekampagnen und Social Media hatte Annabelle kein einfaches Leben. Sie stand unter permanentem Druck, ihrem Körper und Aussehen zu entsprechen, und wurde von ihren Partnern immer wieder verletzt und verraten. Sie sehnt sich nach Liebe und einer Familie, hat aber Angst, erneut zu vertrauen und enttäuscht zu werden. Sophie ist die erste Frau, die ihr zu einer echten Freundin wird, und Flynn der erste Mann, mit dem es ernst werden könnte. Das Casting zwingt Annabelle dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, ihre Zukunft neu zu denken und sich mit Port Haven und seinen Bewohnern auszusöhnen.

Ein Wohlfühlroman mit Tiefgang, der Lust auf eine Alpakawanderung, Urlaub in Cornwall und die kornische Küche macht.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

TuF fischen im Trüben

Prost, auf die Fischer
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Tischler und seine Kollegen hatten sich den Abschluss ihres Betriebsausfluges an den Frillensee ganz anders vorgestellt. Doch dann entdeckt Sekretärin Luise am Ufer eine Leiche, eingewickelte in ein Fischernetz ...

Tischler und seine Kollegen hatten sich den Abschluss ihres Betriebsausfluges an den Frillensee ganz anders vorgestellt. Doch dann entdeckt Sekretärin Luise am Ufer eine Leiche, eingewickelte in ein Fischernetz – den Findern regelrecht auf dem Silbertablett serviert. Alles deutet darauf hin, dass der Täter wollte, dass Harald Lorenz schnell gefunden wird. Aber warum? Die Obduktion ergibt, dass Lorenz vor seinem Tod betäubt wurde, bevor er ertrank – allerdings nicht im Frillensee. Das wirft weitere Fragen auf.

Hauptkommissar Tischler und Polizeihauptmeister Fink ermitteln in ihrem mittlerweile 12. Fall erneut nach der bewährten TUF-Methode.
Harald Lorenz war ein Einzelgänger, den, abgesehen von seiner Verlobten Christine Winter, offenbar niemand sonderlich mochte. Vor Jahren tauchte er in der Gegend auf, arbeitete zunächst auf einem Reiterhof und später in Christines Fischereibetrieb. Er galt als großspurig und hatte ehrgeizige Pläne: Die heruntergewirtschaftete Firma wollte er ganz groß herausbringen. Dafür schädigte er vermutlich andere Fischer, auch wenn sie ihm das nie nachweisen konnten. Zudem hatte er sich vor seinem unfreiwilligen Abschied vom Reiterhof einige Feinde gemacht. Und dann war da noch ein deutlich früherer Todesfall am Flughafen Salzburg, in den Lorenz verwickelt war. Wen hat er jetzt so gereizt, dass dieser ihn aus dem Weg räumte? Tischler und Fink fischen lange im Trüben, bis sie dem Täter schließlich auf die Spur kommen.

Auch privat läuft es für Tischler alles andere als rund. Seine Freundin Britta ist für 2 Jahre nach Nepal gegangen, zuvor haben sie sich getrennt. Obwohl Tischler das nur im Vertrauen erzählt, macht die Geschichte in Brunngries schnell die Runde. Wenigstens Dackeldame Resi liebt ihn – genauso wie die Wiener – weiterhin abgöttisch. Und dann gibt es ja noch die neue Hauptkommissarin in Traunstein, Anne Reusch … bahnt sich da vielleicht etwas an?

Ich mag, wie die Reihe menschelt und sich Beziehungen und Figuren kontinuierlich weiterentwickeln. Neben den aktuellen Fällen bekommt man auch viel vom Leben in Brunngries und Umgebung mit.
Fink zeigt immer deutlicher, dass er zu einem richtig guter Ermittler geworden ist. Außerdem ist er sportlicher als Tischler und schlägt ihn bei den Verfolgungsjagden regelmäßig.

Tereza und Nori köcheln derweil weiter ihr eigenes Süppchen. Inzwischen haben sie den Autoschrauber Steiner ins Boot geholt, doch erste Probleme zeichnen sich ab. Ich bin gespannt, wann TuF ihnen auf die Schliche kommt.

Auch „Prost, auf die Fischer“ ist wieder sehr unterhaltsame und spannende Cosy Crime aus der Feder von Friedrich Kalpenstein.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Ganzheitliches Kochbuch, besonders gut für Neuerkrankte geeignet

Neustart Ernährung
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Ich habe, genau wie Julia Klein, seit meiner frühesten Jugend Rheuma und beschäftige mich daher schon sehr lange intensiv mit dem Zusammenhang zwischen Rheuma und Ernährung. Bereits mit 14 habe ich mein ...

Ich habe, genau wie Julia Klein, seit meiner frühesten Jugend Rheuma und beschäftige mich daher schon sehr lange intensiv mit dem Zusammenhang zwischen Rheuma und Ernährung. Bereits mit 14 habe ich mein Essverhalten erstmals umgestellt und mich ovo-lacto-vegetarisch, später sogar vegan ernährt, da ich eine deutliche Verbesserung meiner Gelenkprobleme und Beschwerden feststellen konnte. Inzwischen bin ich über 50, ernähre mich überwiegend flexitarisch und probiere gern neue Rezepte aus, damit neben der Gesundheit auch der Genuss nicht zu kurz kommt.

An Jules Buch gefällt mir besonders, dass es weit mehr als ein reines Kochbuch ist. Sie geht sehr ausführlich auf gesundheitliche Aspekt ein und beginnt mit einer Check-Liste zum Ist-Zustand. Verständlich erklärt sie Energieräuber- und bedarf, Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Makronährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, Eiweißlieferanten und verschiedene Stoffwechselprozesse. Darüber hinaus klärt sie über Entzündungen und Autoimmunerkrankungen, das Mikrobiom, Darmgesundheit und Schlafqualität auf und zeigt, wie sich diese Faktoren mittels Ernährung positiv beeinflussen – inkl. praxisnaher Tipps und 10 alltagstauglicher Hacks.

Der Rezeptteil ist übersichtlich in Frühstück, Mittagessen, Snacks und Abendessen gegliedert und wird durch ein ausführliches Register ergänzt. Bis auf die Budda Bowl mit Lachs sind alle Rezepte vegetarisch. Die Gerichte sind abwechslungsreich, überwiegend mit frischem Obst oder Gemüse zubereitet und entsprechen damit meinen persönlichen Vorlieben. Sie sind leicht nachzukochen, auch für Anfänger geeignet und die Nährwerte stehen immer dabei.
Da ich mich bereits seit vielen Jahren sehr bewusst ernähre, habe ich zwar nicht allzu viel Neues entdeckt, jedoch einige interessante Varianten und Kombinationen kennengelernt.
Besonders empfehlen würde ich das Buch jedoch Neuerkrankten oder allen, die sich bislang noch nicht intensiver mit dem Zusammenspiel von Rheuma und Ernährung

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Etikettenschwindel

Monsieur le Comte und die Kunst der Entführung
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Lucien könnte sein Leben an der französischen Rivera genießen, wäre da nicht das Erbe seiner Familie. Denn die Comtes de Chacarasse sind seit Jahrhunderten Assassinen, Auftragskiller. Dass Lucien niemanden ...

Lucien könnte sein Leben an der französischen Rivera genießen, wäre da nicht das Erbe seiner Familie. Denn die Comtes de Chacarasse sind seit Jahrhunderten Assassinen, Auftragskiller. Dass Lucien niemanden töten will, ist seinem Onkel Edmond völlig egal. Er nimmt weiterhin neue Aufträge an, die Lucien erledigen soll, wenn auch anders, als Edmond es sich vorstellt. Bisher hat Lucien es immer geschafft, ohne Mord auszukommen. Doch wie lange geht das noch gut?

Zurück zu Hause wird plötzlich ein Mordanschlag auf ihn verübt. Nur durch Zufall und eine ordentliche Portion Glück entkommt er der Täterin und kann sie überwältigen. Als sie ihm erzählt, warum sie ihn töten wollte, gerät seine Welt ins Wanken. Da hat Francine, seine Sekretärin und die ehemalige Geliebte seines verstorbenen Vaters, eine Idee, wie sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

Parallel dazu erhält Lucien von Edmond schon wieder einen neuen Auftrag – den schwierigsten bisher. Denn diesmal wird er ihn nicht auf seine übliche Art lösen können.

Zum Glück steht ihm Francine zur Seite. Sie kennt alle Geschäfte und Geheimnisse der Familie, recherchiert meisterhaft und ist technisch stets auf dem neuesten Stand. Und langsam weiht sie Lucien auch in ihr eigenes Geheimnis ein.
Genau wie Rosalie: Die alte, liebenswerte, leicht verschrobene Köchin, die sich liebevoll und Lucien und Francine kümmert. Sie hätte nichts dagegen, wenn die beiden endlich zueinander finden würden, so sehr, wie es zwischen ihnen prickelt. Doch noch steht Luciens verstorbener Vater zwischen ihnen.

Auch der dritte Band der Reihe von Pierre Martin ist wieder spannend und unterhaltsam. Lucien segelt sorglos durchs Leben, immer auf der Suche nach der nächsten schönen Frau, die ihm die Zeit versüßt. Nur Edmonds Aufträge durchbrechen seinen Müßiggang. Denn der pocht auf ihre jahrhundertealte Tradition des Tötens, die er nach einem Unfall nicht mehr selber ausüben kann. Auf das viele Geld, das ihre Dienste einbringen, möchte er dennoch nicht verzichten – dazu ist er ein zu leidenschaftlicher Stammgast in den Casinos von Monaco.

Ich mag das Flair der Krimi-Reihe: die Riviera-Küste, das Meer, das sofort Lust auf einen Sommer dort machen. Und bei den beschriebenen Speisen und Weinen läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Ordentliche Ermittlungen

Mord in besserer Gesellschaft
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„Sauberkeit, Ordentlichkeit, Pünktlichkeit und harte Arbeit.“ (S. 9) ist das Motto von Alice Beetons „Agentur für gute Haushaltsführung“. Seit 25 Jahren vermittelt sie handverlesene Angestellte an exklusive, ...

„Sauberkeit, Ordentlichkeit, Pünktlichkeit und harte Arbeit.“ (S. 9) ist das Motto von Alice Beetons „Agentur für gute Haushaltsführung“. Seit 25 Jahren vermittelt sie handverlesene Angestellte an exklusive, superreiche Kunden. Normalerweise prüft Alice ihr Personal gründlich, doch als die Familie Messent dringend eine neue Haushälterin sucht, schickt sie die Bewerberin Enya ohne tiefere Überprüfung dort hin. Nur wenige Tage später ruft die Polizei an: Enya wurde tot im Arbeitszimmer ihres Arbeitgebers aufgefunden – offenbar ermordet.
Alice, begeisterte Krimileserin, die ihren Hund nach Agatha Christie benannt hat, beschließt selbst zu ermitteln, als Detektive Rigby von dem Fall abgezogen wird. Sie fängt undercover als neue Haushälterin bei den Messents an.

Alice entstammt aus gutem Hause, verlor jedoch früh ihre Eltern. Ihr Bruder erbte das Familienvermögen – und brachte es schnell durch. Zum Glück hatte Alice alles über Küchen- und Haushaltsführung gelernt und kann damit ihren Lebensunterhalt bestreiten, muss aber auch ihrem Bruder immer wieder aushelfen. Privat ist sie zu gutmütig, beruflich jedoch resolut und organisiert. Ihr weitverzweigtes Netzwerk aus Angestellten und Freunden erweist sich als unschätzbare Hilfe bei ihren Ermittlungen. Und vielleicht bahnt sich zwischen ihr und Rigby ja doch noch eine späte Romanze an.

„Mord in besserer Gesellschaft“ von Josie Lloyd ist ein klassischer Cosy Crime mit viel britischem Flair. Die Geschichte nimmt zunächst nur langsam Fahrt auf, wird dann aber überraschend vielschichtig und gipfelt in einem filmreifen Showdown. Ich muss gestehen, den Täter hatte ich nicht auf dem Schirm.
Und da Alice leidenschaftlich gern kocht und backt, runden die eingestreuten Rezepte das Lesevergnügen auf charmante Weise ab.

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