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Veröffentlicht am 12.07.2025

Bewegend! Leben im Schatten einer nicht greifbaren Mutter

Girls
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Die beiden erwachsenen Schwestern Matilda und Nora haben ihre Mutter verloren: eine berühmte englische Kunstmalerin, die nicht nur für ihre bedeutenden Werke, sondern auch für ihre exzessiven Eskapaden ...

Die beiden erwachsenen Schwestern Matilda und Nora haben ihre Mutter verloren: eine berühmte englische Kunstmalerin, die nicht nur für ihre bedeutenden Werke, sondern auch für ihre exzessiven Eskapaden bekannt war. Die zwei Mädchen wuchsen in einem Haushalt auf, in dem weder Privatsphäre noch Kontinuität existierte. Alles gravitierte rund um die egozentrische, unberechenbare und suchtkranke Mutter. Oftmals verschwand diese über Tage oder Wochen von der Bildfläche. Die Ich-Erzählerin Matilda musste sich dann - selbst noch ein Teenager - alleine um die jüngere Schwester Nora kümmern.

Als nun die Mutter gestorben ist, stürzen Erinnerungen auf beide Schwestern ein. Diese einzelnen Fragmente werden zu den Ereignissen zusammengefügt, welche beide Mädchen zu den Frauen hat werden lassen, die sie heute sind: verletzt, distanziert und zutiefst unsicher. Zusammen mit Matildas 17-jähriger Tochter reisen die Schwestern in die USA. Auf einem atemlosen Roadtrip müssen sich alle drei Frauen der Vergangenheit stellen, aber auch ihre Beziehungen miteinander klären. Am Ende dieser Reise wird nichts mehr sein wie zuvor.

Ein tragisch-komischer und tief bewegender Roman über die Kindheit, die uns formt, offenliegende Verletzungen und was es bedeutet, ein parentifiziertes Kind sein zu müssen. Trotz der schweren Thematik schafft es dieser Roman, nicht ins Selbstmitleid abzudriften. Er bewahrt bis zum Schluss seine Leichtigkeit und hält einen Funken Hoffnung für uns am Glimmen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2026

Mord in der Karwoche

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Ausgerechnet in der Settimana Santa - der hochheiligen Karwoche - geschieht in Neapel ein Mord. Der komplizierte und nicht besonders umgängliche Commissario Gaetano und die hartnäckige Nachwuchsermittlerin ...

Ausgerechnet in der Settimana Santa - der hochheiligen Karwoche - geschieht in Neapel ein Mord. Der komplizierte und nicht besonders umgängliche Commissario Gaetano und die hartnäckige Nachwuchsermittlerin Beppa werden auf den Fall angesetzt. So richtig Lust auf Arbeit hat keiner in der Karwoche...

Der Autor erschafft ein tolles Setting mit viel Lokalkolorit. Hauptdarstellerin ist ohne Zweifel die Stadt Neapel - der lärmige, schmutzige, stinkende, nimmermüde Moloch, der gleichzeitig malerische Ecken und atemberaubende Kulissen liefert. Hier prallen Gegensätze und Welten aufeinander, z.B. die rustikalen Fischer und die Gäste der Luxusrestaurants.

Der Autor vermag ein authentisches Bild zu vermitteln, erschafft kuriose Protagonisten und zeichnet die stimmige Atmosphäre von Italien während der allerheiligsten Woche des Jahres. Für mich war der Roman ein Spürchen zu lange und einige Details im Plot wirken etwas zu sehr konstruiert, bzw. unglaubwürdig. Trotzdem ein spannender, unterhaltsamer und stimmiger Italien-Krimi.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Kampf gegen dunkle Dämonen

Narbenmädchen
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Lara ist 15 und wurde dazu verdonnert, vier Wochen in einem Kurhaus für verhaltensauffällige Kinder und Teenager zu verbringen. Schon bald offenbart sich, was das Mädchen hinter ihrem Trotz und der Unangepasstheit ...

Lara ist 15 und wurde dazu verdonnert, vier Wochen in einem Kurhaus für verhaltensauffällige Kinder und Teenager zu verbringen. Schon bald offenbart sich, was das Mädchen hinter ihrem Trotz und der Unangepasstheit verbirgt: Lara ist psychisch schwer krank und hat den Halt im Leben verloren. Sie ist depressiv, fügt sich selbst Verletzungen zu und neigt in schwierigen Situationen zur Dissoziation. Mit gekonnten Verdrängungsmechanismen verweigerte sie sich bisher einer Therapie. Von den Eltern fühlt sie sich im Stich gelassen.

Zögerlich freundet sie sich mit anderen Jugendlichen an und erkennt, wie unfassbar weit das Spektrum der psychischen Erkrankungen ist.
Nach einer weiteren Selbstverletzung spitzt sich die Lage zu: Die Chefärztin stellt klar: Ein nochmaliges Fehlverhalten von Lara hätte zur Folge, dass sie direkt in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen wird.

Die einfühlsame Autorin gibt tiefen Einblick in das Leben mit psychischen Störungen. Sie beleuchtet behutsam das fragile Innennleben der jungen Protagonisten. Die Dynamiken, die sich beim Zusammentreffen der Figuren ergeben, sind herzerwärmend, schmerzhaft aber manchmal auch urkomisch. Die Protagonisten erhalten genügend Raum, damit ihnen gerecht wird. Bitte aber unbedingt die Triggerwarnung am Anfang berücksichtigen - danke der Autorin auch dafür.

Veröffentlicht am 11.02.2026

vielschichtiges Auswanderer-Drama

Moosland
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Hamburg 1949. Die junge Elsa hat im Krieg ihre gesamte Familie verloren und steht buchstäblich vor dem Nichts. Mit einem Rucksack mit ihren wenigen Habseligkeiten besteigt sie das Dampfschiff nach Island. ...

Hamburg 1949. Die junge Elsa hat im Krieg ihre gesamte Familie verloren und steht buchstäblich vor dem Nichts. Mit einem Rucksack mit ihren wenigen Habseligkeiten besteigt sie das Dampfschiff nach Island. Einem nationalen Aufruf folgend, soll sie in einer einfachen isländischen Bauernfamilie als Hilfe in Haushalt und Hof beschäftigt werden. Dass ihr jegliche Erfahrung in diesem Bereich fehlt, hat die bei der Anmeldung wohlweislich verschwiegen.

Die Ankuft auf der Insel ist brutal. Es erwarten sie wilde Landschaft, unwirtliches Klima, erbarmungslose Natur und harte Knochenabeit. Auch die Bauernfamilie erlebt Elsa nicht gerade als freundlich und sympathisch. Dass sie zudem kein einziges Wort verstehen kann, wird zur grössten Barriere. Elsa verschliesst dich immer mehr und weigert sich strikt, Isländisch zu lernen. Ihre Anwesenheit in dem männerdominierten Haushalt bringt zudem auch auf anderer Ebene das Gefüge des Hofs in Aufruhr.

Der Roman lebt von der bildgewaltigen Beschreibung der wilden, urtümlichen Landschaft Islands und einer kriegstraumatisierten Protagonistin, die von Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit beinahe erschlagen wird. In ruhigem, unaufgeregtem, aber teilweise etwas schleppendem Narrativ formt die Autorin behutsam die tragische Figur der Elsa heraus. Das Kriegsgräuel, dass sie offenbar erlebt hat, wird nur leise angedeutet, beinahe ausgeklammert. Hier hätte ich mir einen eigenen Erzählstrang gewünscht. Trotzdem ein tolles Buch - ein kleines Juwel mit idealem Seitenumfang.

Veröffentlicht am 30.01.2026

Vielschichtige Familiensaga

Niemands Töchter
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Niemands Töchter ist ein spannender, generationenübergreifender Frauenroman mit liebevoll gezeichneten Protagonistinnen. Er beleuchtet die wohl komplexeste Beziehung, die wir Frauen führen - nämlich diejenige ...

Niemands Töchter ist ein spannender, generationenübergreifender Frauenroman mit liebevoll gezeichneten Protagonistinnen. Er beleuchtet die wohl komplexeste Beziehung, die wir Frauen führen - nämlich diejenige zur eigenen Mutter.

Beginnend im Westdeutschland anfangs der 19980-er Jahre lernen wir nach und nach zwei Mütter und zwei Töchter kennen. Eine wilde Zeit , gerade im urbanen Westberlin. Zuerst scheint jeweils nur ein Mutter-Kind Paar miteinander in Beziehung zu stehen. Durch das Fortführen des Narrativs über spannende Zeitabschnitte wie der Wende oder des Jahrtausendwechsels wird aber klar, dass alle vier Lebenswege eng miteinander verschlungen sind.

Das Buch liest sich im Nu. Die Figuren sind ausbalanciert und wecken sofort Sympathien. Ein essenzieller Roman, der wichtige Fragen aufwirft über Familie, Identität und Zugehörigkeit. Er führt uns vor Augen, dass es unsere Entscheidung ist, was wir uns selbst und der nächsten Generation weitergeben und welche Wunden wir auch retrograd heilen möchten. Ein Roman, der das Herz erwärmt und Mut macht für Vergebung und Neuanfänge.