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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.01.2026

Interessante Antiheldin

Gelbe Monster
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Clara Leinemanns Roman „Gelbe Monster“ ist ein interessantes und kurzweiliges Debüt, das mir wegen seiner flüssigen, stringenten Erzählweise und dem ungewöhnlichen Thema gefallen hat. Im Mittelpunkt steht ...

Clara Leinemanns Roman „Gelbe Monster“ ist ein interessantes und kurzweiliges Debüt, das mir wegen seiner flüssigen, stringenten Erzählweise und dem ungewöhnlichen Thema gefallen hat. Im Mittelpunkt steht Charlie, die ihrer Freundin Ella zuliebe an einem Antiaggressionstraining für Frauen teilnimmt, obwohl sie sich selbst keiner Schuld bewusst ist.

In Rückblicken erfährt man dann, wie nach und nach die Dynamik zwischen Charlie und ihrem Ex-Freund Valentin eskaliert ist und wie Charlie gewalttätig wird, wie besessen Charlie von Valentin ist und wie sehr sie in einer Traumwelt lebt, neben der die Realität enttäuschend sein muss. Als Leserin pendelt man dabei gedanklich zwischen Charlie und Valentin hin und her, weil man versucht, ihre jeweiligen Motive zu durchschauen. Da alles aus Charlies Perspektive erzählt wird, hat man jedoch nur unzuverlässige Informationen. Dennoch hätte ich mir stellenweise noch mehr Hintergrundinformationen zu Charlie und insbesondere zu Valentin gewünscht, um ihre Gründe, warum beide so lange an der Beziehung festhalten, zu erfahren.

Insgesamt ist „Gelbe Monster“ trotz des ernsten Themas ein unterhaltsamer Roman mit interessantem Thema, der für mich jedoch noch etwas mehr Tiefe hätte haben dürfen.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Fordernd

Die Routinen
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„Die Routinen“ ist ein aus meiner Sicht ungewöhnlicher Roman über Leistungsturnen. Was auf den ersten Blick wie Disziplin und Ehrgeiz erscheint, entlarvt Son Lewandowski als ein ausbeuterisches System, ...

„Die Routinen“ ist ein aus meiner Sicht ungewöhnlicher Roman über Leistungsturnen. Was auf den ersten Blick wie Disziplin und Ehrgeiz erscheint, entlarvt Son Lewandowski als ein ausbeuterisches System, das Körper und Beziehungen gleichermaßen verschleißt.

Im Zentrum steht die Leistungsturnerin Amik. Ihr Alltag ist durchgetaktet bis ins Kleinste: Wiegen, Training, Wettkampf in München, Montreal oder Tokio, Als sie älter wird, wird sie immer mehr an den Rand gedrängt und muss zusehen, wie die junge Turnerin Izzy ihren Platz einnimmt. Bei einem Wettkampf verunglückt diese schließlich schwer und Amik betreut sie im Krankenhaus. In Rückblicken wird nicht nur Amiks Turnerkarriere beleuchtet, sondern es werden auch Stimmen von international bekannten Turnerinnen der letzten Jahrzehnte eingeflochten, die die problematischen Machtstrukturen in diesem Sport thematisieren.

Der Erzählstil hat mich überrascht: sehr literarisch, collagenartig, mit ungewöhnlichen Formulierungen, über die man stolpert und die man mehrfach lesen muss und möchte. „Die Routinen“ ist damit keine leichte Lektüre, verlangt Aufmerksamkeit und Bereitschaft, sich auf die Sprache einzulassen.
Die Einbettung realer Turngeschichten hat mir besonders gut gefallen. In der Gegenwartsebene, in der die Erzählerin mit Izzy im Krankenhaus ist, hätte ich mir stellenweise etwas mehr Tempo gewünscht.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Liebe für alle

Zwei Papas für Tango
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Zwei Papas für Tango erzählt die wahre Geschichte der beiden Pinguine Roy und Silo aus dem Zoo im Central Park, die gemeinsam ein Ei ausbrüten und ein Junges großziehen. Das Bilderbuch möchte Kindern zeigen, ...

Zwei Papas für Tango erzählt die wahre Geschichte der beiden Pinguine Roy und Silo aus dem Zoo im Central Park, die gemeinsam ein Ei ausbrüten und ein Junges großziehen. Das Bilderbuch möchte Kindern zeigen, dass Familie viele Formen haben kann und Regenbogenfamilien ganz normal sind.

Die Geschichte ist kindgerecht erzählt und wird mit passenden Bildern begleitet, die beim Vorlesen zusätzliche Gesprächsanlässe schaffen. Für Kinder bietet das Buch einen guten Einstieg, um über Familie, Fürsorge und Verantwortung zu sprechen. Kritisch sehe ich allerdings die sprachliche Entscheidung, Roy und Silo ausschließlich als „befreundet“ zu beschreiben. Das greift für mich zu kurz. Die beiden sind kein Freundespaar, sondern ein Liebespaar, das gemeinsam ein Kind großziehen möchte. Gerade weil kleine Kinder sehr wohl verstehen können, dass zwei Männer oder zwei Frauen sich lieben, finde ich es schade, dass diese Chance verpasst wurde. Statt gleichgeschlechtliche Liebe klar zu benennen und zu normalisieren, wird sie hier durch den Begriff Freundschaft abgeschwächt. Ich kenne eine englischsprachige Version dieser Geschichte für Kinder, die das weitaus klarer benennt und die ich deshalb für gelungener halte. Abgesehen davon bleibt die Geschichte natürlich sehr berührend – schon allein, weil sie auf realen Ereignissen basiert und zeigt, wie vielfältig Familie sein kann.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Entzauberung der CDU

Demokratie am Limit?
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In „Demokratie am Limit?“ analysiert Marc Raschke die politische Gegenwart in Deutschland und widerspricht der verbreiteten Annahme, dass die größte Gefahr für die Demokratie ausschließlich von der AfD ...

In „Demokratie am Limit?“ analysiert Marc Raschke die politische Gegenwart in Deutschland und widerspricht der verbreiteten Annahme, dass die größte Gefahr für die Demokratie ausschließlich von der AfD ausgehe. Stattdessen zeigt er, wie sich rechte Narrative vor allem in der CDU etabliert haben und wie dies den Aufstieg der AfD befördert.

Die Sprache und Argumentation von Raschke sind zugespitzt und gut verständlich. Er belegt alle Argumente mit Zahlen und Daten und entkräftet typische Rechtfertigungen für den Rechtsruck der Union. Dadurch eignet sich das Buch auch als hilfreiche Grundlage für Diskussionen im privaten Umfeld, etwa im Umgang mit gängigen Stammtischparolen. Für mich persönlich war als politisch informierte Leserin und vor allem auch Followerin von Raschkes Instagram-Account in dem schmalen Buch inhaltlich wenig grundsätzlich Neues enthalten. Dennoch fand ich es sinnvoll, die Entwicklung der CDU nach rechts so konzentriert und zusammenhängend dargestellt zu sehen. Neu und anregend war für mich vor allem, nationalistisch-rassistische Akteure innerhalb der CDU wie Jens Spahn oder Julia Klöckner konsequent als rechtsradikal (nicht rechtsextrem!) zu benennen. Diese begriffliche Klarheit hatte ich so selbst noch nicht zu Ende gedacht. Positiv ist außerdem, dass das Buch nicht bei der Analyse bleiben, sondern auch Handlungsmöglichkeiten aufzeigen will - diese bleiben für mich, wie in fast allen dieser Bücher, jedoch unzureichend.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Wild und großartig

Madwoman
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„Madwoman“ ist ein intensiver, wilder und überdrehter Roman, der zwischen schonungsloser Ehrlichkeit, schwarzem Humor und der Lust an Übertreibung pendelt. Die Lektüre war ein wilder Ritt!

Im Mittelpunkt ...

„Madwoman“ ist ein intensiver, wilder und überdrehter Roman, der zwischen schonungsloser Ehrlichkeit, schwarzem Humor und der Lust an Übertreibung pendelt. Die Lektüre war ein wilder Ritt!

Im Mittelpunkt steht Clove, die nach außen hin ein perfektes Vorstadtleben führt: Yoga, Achtsamkeitund die jeweils passenden Nahrungsergänzungsmittel bestimmen ihren Alltag als Vorzeigemutter. Hinter dieser makellosen Fassade fühlt sie sich jedoch permanent überfordert. Ihre eigene Kindheit war von häuslicher Gewalt geprägt, was sie durch Verdrängung und Schweigen versucht hat, hinter sich zu lassen..
Als Clove unerwartet Briefe aus einem Frauengefängnis erhält, beginnt ihre sorgfältig kontrollierte Gegenwart zu bröckeln.

Besonders überzeugt haben mich Cloves Schilderungen von Mutterschaft: oft auch witzig, sehr authentisch und immer wieder bewusst überzeichnet. Diese Passagen geben dem Roman Leichtigkeit, ohne seine Ernsthaftigkeit zu untergraben. Die Übersetzung von Jasmin Humbug ist dabei sehr gelungen und trägt sicher wesentlich zum flüssigen Leseerlebnis bei. Die Rückblenden in Cloves Kindheit, insbesondere die Episoden mit dem gewalttätigen Vater, waren für mich allerdings stellenweise zu lang bzw.. wiederholten sich. Aufgrund der drastischen Schilderungen ließ sich der Roman für mich auch nicht am Stück lesen. Madwoman ist damit insgesamt für mich ein fordernder, aber lohnender Roman über Trauma und Mutterschaft.

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