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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2026

Absurd, brutal und unfassbar unterhaltsam

Dungeon Crawler Carl
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Dungeon Crawler Carl ist laut, grotesk und vollkommen durchgeknallt und genau das macht dieses Buches auf jeden Fall zu etwas besonderem. Was zunächst wie eine völlig absurde Idee klingt, entwickelt sich ...

Dungeon Crawler Carl ist laut, grotesk und vollkommen durchgeknallt und genau das macht dieses Buches auf jeden Fall zu etwas besonderem. Was zunächst wie eine völlig absurde Idee klingt, entwickelt sich schnell zu einem erstaunlich fesselnden Leseerlebnis. Nach der Zerstörung der Erde werden die letzten Überlebenden gezwungen, an einem intergalaktischen Dungeon-Crawler teilzunehmen, der als Unterhaltungsshow für Außerirdische dient. Mitten drin steckt Carl, ein ziemlich normaler Typ, der gemeinsam mit seiner sprechenden Katze Princess Donut ums Überleben kämpft. Donut ist dabei weit mehr als nur Sidekick, denn ihre scharfzüngigen Kommentare und ihr überzogenes Selbstbewusstsein sorgen für viele der besten Momente der Geschichte.

Das Buch liest sich wie ein Videospiel in Romanform. Levelaufstiege, Skills, Lootboxen und Achievements sind allgegenwärtig. Fans von RPGs, LitRPG oder Pen-and-Paper werden sich sofort abgeholt fühlen. Die Action ist schnell, die Herausforderungen eskalieren stetig und der Einfallsreichtum des Autors ist beeindruckend, von bizarren Gegnern bis zu völlig überdrehten Spielmechaniken. Der Humor ist dabei sehr speziell, er ist derb, schwarz und bewusst grenzüberschreitend. Nicht jede Szene überzeugt und das Buch polarisiert ganz klar. Gleichzeitig ist scheint diese Rücksichtslosigkeit aber Teil des Konzepts zu sein. Hinter der grellen Fassade blitzen zudem immer wieder Themen wie Machtmissbrauch, Sensationslust, Ausbeutung und Unterhaltung auf Kosten anderer durch, was nicht sehr subtil ist, aber effektiv. Auch wenn die Geschichte selten inne hält, um emotional zu reflektieren, entwickelt sich vor allem die Dynamik zwischen Carl und Princess Donut spürbar weiter. Gerade diese Beziehung verleiht dem Chaos Herz und sorgt dafür, dass das Buch mehr ist als nur eine Aneinanderreihung von Kämpfen und Gags.

Sicherlich kein Buch für jeden, aber für die richtigen Leser ein Volltreffer. Wer Spaß an Gaming-Mechaniken, schwarzem Humor und völligem Eskalationswahnsinn hat, wird hier bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 06.02.2026

Zwischen Kaffeeduft, Neuanfang und leisen Wundern

Books & Coffee - An Wunder muss man glauben
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Manchmal läuft alles gleichzeitig schief: Job weg, Beziehung zerbrochen, Zukunft unklar. Genau an diesem Punkt steht Emilia, als sie widerwillig in ihre Heimatstadt Nürnberg zurückkehrt und somit zurück ...

Manchmal läuft alles gleichzeitig schief: Job weg, Beziehung zerbrochen, Zukunft unklar. Genau an diesem Punkt steht Emilia, als sie widerwillig in ihre Heimatstadt Nürnberg zurückkehrt und somit zurück in i hr ates Kinderzimmer und zurück zu Erinnerungen, die eigentlich längst abgeschlossen waren. Doch im Café Zuckerzeit wartet mehr als nur Kaffee und Kuchen auf sie. Gemeinsam mit Lucy entsteht ein Buchclub, der nicht nur Geschichten zusammenbringt, sondern auch Emilias Blick auf das eigene Leben verändert. Als dann auch noch Florian, Lucys jüngerer Bruder, eine immer wichtigere Rolle spielt, wird klar, dass manche Neuanfänge leise kommen und sich trotzdem richtig anfühlen.

Der zweite Band der Books & Coffee-Reihe überzeugt wieder mit seiner Wohlfühlatmosphäre. Das Café Zuckerzeit ist erneut ein Ort zum Ankommen, Durchatmen und Neuordnen. Emilias Geschichte erzählt diesmal von gescheiterten Träumen, vom Festhalten an der Vergangenheit und vom Mut, sich selbst neu zu begegnen.Die Handlung dabei nicht laut oder dramatisch, sondern zeigt in kleinen Schritten, wie aus Unsicherheit neue Stärke wachsen kann. Der Schreibstil bleibt dabei locker, warm und sehr zugänglich und ist somit perfekt für entspannte Lesestunden. Emilia wirkt mit ihrem Chaos, ihren Zweifeln und kleinen Fehlentscheidungen nahbar und authentisch. Florian überrascht als ruhiger Gegenpol, der weniger durch große Gesten, sondern durch Verlässlichkeit und ehrliche Unterstützung überzeugt. Auch bekannte Figuren aus dem ersten Band fügen sich harmonisch ein und sorgen für ein vertrautes Gefühl. Der Buchclub und die Themen Bücher, Freundschaft und Zusammenhalt hätten stellenweise noch etwas mehr Tiefe vertragen, tragen aber dennoch zur gemütlichen Gesamtstimmung bei. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ruhig und vorhersehbar, passt jedoch gut zum Feelgood-Charakter des Romans.

Ein schöner Wohlfühlroman über Neuanfänge, Freundschaft und die Erkenntnis, dass das Leben manchmal andere, aber nicht schlechtere Pläne bereithält. Ein Buch zum Zurücklehnen, Mitfühlen und Genießen.

Veröffentlicht am 04.02.2026

Wenn die Sünden rufen und die Dunkelheit antwortet

Magic Drowned in Blood
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Cursed by Darkness, der Auftakt der Trials of Sin Reihe, entführt seine Leser in eine Welt, in der Macht, Herkunft und Blut über Leben und Wert entscheiden. Im Zentrum steht Lark Sinclair, eine Halbvampirin, ...

Cursed by Darkness, der Auftakt der Trials of Sin Reihe, entführt seine Leser in eine Welt, in der Macht, Herkunft und Blut über Leben und Wert entscheiden. Im Zentrum steht Lark Sinclair, eine Halbvampirin, die am Nightcastle College eigentlich nur überleben und unsichtbar bleiben will, bis sie gegen ihren Willen Teil eines gefährlichen Wettkampfs wird, der sie direkt in die Fänge des königlichen Machtspiels zieht.

Von der ersten Seite an liegt eine dichte, bedrohliche Atmosphäre über der Geschichte. Nightcastle ist kein Ort der Sicherheit, sondern ein Schauplatz von Hierarchien, Mobbing und unausgesprochenen Regeln. Genau hier passt Lark perfekt hinein, jedoch nicht als Auserwählte, sondern als Außenseiterin, die gelernt hat, still zu sein, um nicht unterzugehen. Ihre innere Zerrissenheit, ihre Unsicherheit und ihr unterschwelliger Trotz machen sie zu einer greifbaren, verletzlichen Protagonistin, in der deutlich mehr schlummert, als sie selbst ahnt. Spannend ist auch die Erzählweise, denn wir haben mehrere Pespektiven aus der Ich-Form. Neben Lark kommen auch Prinz Loras, Prinz Tarabas und weitere Schlüsselfiguren zu Wort. Diese Perspektivwechsel sorgen für Tiefe, aber auch für gezielte Verwirrung, denn nichts ist eindeutig, Motive bleiben lange im Dunkeln, und genau das verstärkt den Sog der Handlung. Die beiden Prinzen könnten dabei kaum unterschiedlicher sein. Loras, der strahlende Lichtmagier und Liebling der Nation, und Tarabas, der dunkle, unberechenbare Gegenpol. Beide sind moralisch grau, beide gefährlich, beide Teil eines Spiels, dessen Regeln sich ständig verschieben. Hinzu kommt eine dritte männliche Figur, die das fragile Gleichgewicht weiter destabilisiert. Die Dynamik zwischen diesen Charakteren ist geladen, intensiv und von Misstrauen geprägt. Nähe fühlt sich hier nie sicher an. Die Handlung selbst kombiniert Dark Academia, royale Intrigen, gefährliche Prüfungen und eine ordentliche Portion Spice. Letzterer ist präsent, gut geschrieben und hoch, drängt sich jedoch nicht dauerhaft in den Vordergrund. Aber manche Ereignisse werden vergleichsweise schnell abgehandelt, obwohl sie emotional schwer wiegen. Christina Rains Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch und extrem einnehmend. Trotz kleiner Schwächen in der Ausarbeitung einzelner Themen oder Nebenhandlungen bleibt der Spannungsbogen konstant hoch. Das Ende setzt auf offene Fragen und einen deutlichen Cliffhanger, der weniger abschließt als vielmehr neue Abgründe andeutet.

Ein düsterer, sinnlicher und spannungsgeladener Auftakt, der mit Dark-Academia-Vibes, Vampirmythos und royalen Machtspielen überzeugt. Die Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre, den moralisch grauen Figuren und der permanenten Unsicherheit darüber, wem man trauen kann und ob Vertrauen überhaupt eine Option ist. Trotz kleiner inhaltlicher Unebenheiten macht der Roman neugierig auf alles, was noch im Schatten verborgen liegt.

Veröffentlicht am 03.02.2026

Zwischen Flammen, Schatten und einem Platz, der einem zusteht

Royal Houses – Haus der Drachen
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In Haus der Drachen, dem Auftakband der Royal Houses Reihe, begleitet man die siebzehnjährige Kerrigan, eine Halb-Fae, die in einer Welt voller Magie, politischer Intrigen und starrer Machtstrukturen keinen ...

In Haus der Drachen, dem Auftakband der Royal Houses Reihe, begleitet man die siebzehnjährige Kerrigan, eine Halb-Fae, die in einer Welt voller Magie, politischer Intrigen und starrer Machtstrukturen keinen vorgesehenen Platz hat. Denn in Alandria entscheidet Herkunft über Wert und Drachen über Macht. Während andere von den großen Häusern auserwählt werden, bleibt sie zurück und wird genau dadurch in einen Strudel aus Gefahren, Geheimnissen und Drachenfeuer gezogen.

Kerrigan ist eine Protagonistin, die sofort auffällt, denn sie ist rebellisch, mutig, manchmal kopflos, aber stets getrieben von einem starken Gerechtigkeitssinn. Ihre Außenseiterrolle in einer Gesellschaft, die Halbblütige und Menschen systematisch abwertet, verleiht der Geschichte emotionale Schärfe. Themen wie Vorurteile, Machtmissbrauch und soziale Ungleichheit sind klar erkennbar und geben der Fantasywelt einen überraschend realen Unterton. Das Worldbuilding selbst bietet viel Stoff: zwölf Häuser, elementare Magie, Drachenbindungen und politische Ränkespiele. Gerade zu Beginn wirkt diese Fülle stellenweise überwältigend, doch sobald sich die Handlung entfaltet, entsteht ein lebendiges, spannendes Geflecht aus Loyalitäten und Konflikten. Gut gelungen ist auch, dass die Drachen nicht nur dekoratives Beiwerk sind, sondern eine echte Rolle im Machtgefüge spielen, auch wenn hier in kommenden Bände auf jeden Fall noch Potential für mehr ist. Ein zentrales Highlight ist die Dynamik zwischen Kerrigan und Prinz aus dem Haus der Schatten. Zwischen Misstrauen, Bündnis und leiser Anziehung entwickelt sich eine schöne Slow-Burn-Romance, die sich angenehm zurückhält und der Haupthandlung Raum lässt. Statt dominanter Romantik stehen Spannungen, Gespräche und gemeinsame Entscheidungen im Vordergrund. Der Plot kombiniert Akademie-Elemente, Turnieransätze, ein Mordgeheimnis und politische Intrigen. Aber nicht jede Idee wird bis ins Letzte ausgereizt und manches wirkt etwas zu schnell aufgelöst oder bequem gelöst. Dennoch bleibt die Geschichte durchgehend unterhaltsam, actionreich und leicht zu lesen.

Ein temporeicher Auftakt voller Magie, Drachen und einer starken Heldin, die sich nicht damit abfindet, übersehen zu werden. Trotz kleiner Schwächen im Worldbuilding und in der Ausarbeitung einzelner Handlungsstränge überzeugt der Roman durch Atmosphäre, Spannung und eine Protagonistin mit echtem Biss. Ein gelungener Reihenstart mit viel Potenzial für alles, was noch kommen mag.

Veröffentlicht am 03.02.2026

Liebe hinter dem Vorhang

Jonah Goes Off Script
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Jonah Goes Off Script spielt mitten im schillernden, gnadenlosen Kosmos des Londoner West Ends. Jonah Penrose steht beruflich auf dem Höhepunkt, bekommt einen Award, ausverkaufte Shows und Standing Ovations. ...

Jonah Goes Off Script spielt mitten im schillernden, gnadenlosen Kosmos des Londoner West Ends. Jonah Penrose steht beruflich auf dem Höhepunkt, bekommt einen Award, ausverkaufte Shows und Standing Ovations. Doch privat bröckelt alles: eine frische Trennung, familiäre Sorgen und plötzlich Dexter Ellis, der frühere Publikumsliebling, der nicht nur die Bühne, sondern auch Jonahs inneres Gleichgewicht bedroht. Was als Rivalität beginnt, entwickelt sich langsam zu etwas, das keiner von beiden geplant hat.

Der Roman kann vor allem mit seinem Setting punkten. Die Liebe zum Theater ist auf jeder Seite spürbar. Probenalltag, Ensemble-Dynamiken, Fan-Kultur und Social Media-Hypes fühlen sich authentisch an und verleihen der Geschichte eine besondere Lebendigkeit. Das Theater ist hier nicht bloße Kulisse, sondern ein aktiver Teil der Handlung und ist laut, fordernd und emotional. Jonah ist ein vielschichtiger, nahbarer Protagonist. Seine Unsicherheiten, sein Perfektionismus und die Angst, sowohl auf der Bühne als auch im Privatleben zu versagen, wirken ehrlich und greifbar. Besonders der Umgang mit der Erkrankung seines Vaters bringt eine emotionale Tiefe ins Buch, die weit über eine klassische romantische Komödie hinausgeht. Diese leisen, schmerzhaften Momente gehören zu den stärksten Szenen der Geschichte. Die Dynamik zwischen Jonah und Dexter selbst lebt von scharfem Wortwechsel, Konkurrenzdenken und spürbarer Anziehung. Das Rivals-to-Lovers-Trope funktioniert im Ansatz sehr gut, leidet jedoch etwas unter dem gewählten Erzählstil. Durch die reine Jonah-Perspektive bleibt Dexter lange schwer greifbar. Seine Entwicklung und seine Beweggründe werden erst spät angerissen und hätten mehr Raum verdient. Der Übergang von Rivalität zu Beziehung wirkt dadurch stellenweise zu abrupt, auch wenn die emotionale Verbindung im letzten Drittel deutlich an Tiefe gewinnt. Gerade hier zeigt sich, dass der Roman von etwas mehr Umfang profitiert hätte: Nebenfiguren, familiäre Konflikte und die Liebesgeschichte selbst hätten mit zusätzlichem Raum noch stärker wirken können. Das Ende hingegen ist stimmig, emotional rund und gibt der Geschichte genau den Abschluss, den sie braucht.

Eine gefühlvolle, atmosphärische Queer Romance über Ehrgeiz, Verlust und die Frage, wer man ist, wenn der Applaus verstummt. Trotz kleiner Schwächen im Tempo und in der Ausarbeitung der Liebesgeschichte überzeugt der Roman durch sein authentisches Setting, einen starken Protagonisten und emotionale Tiefe und ist besonders zu empfehlen, wenn man Theater liebt und eine Geschichte mit Herz und Drama sucht.