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Veröffentlicht am 03.02.2026

Pariser Jahre

Liebesrausch
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Charlotte von Feyerabend hat sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt, eine Romanbiografie über zwei schwierige Charaktere zu schreiben. Die Autorin zeichnet in "Liebesrausch" eine schonungslos ehrliche ...

Charlotte von Feyerabend hat sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt, eine Romanbiografie über zwei schwierige Charaktere zu schreiben. Die Autorin zeichnet in "Liebesrausch" eine schonungslos ehrliche Anaïs Nin und einen oft sehr wütenden und gefrusteten Henry Miller.

Von ihm hab ich in meinen Jugendjahren "Das Lächeln am Fusse der Leiter" gelesen und ich dachte, ich hätte auch von Anaïs etwas gelesen, bin mir aber aktuell gar nicht mehr sicher - und nach "Liebesrausch" werde ich nichts mehr von ihr lesen, das reicht nun völlig aus.

Im Roman wird zwar viel über die Vergangenheit von Anaïs erzählt, er spielt aber ausschliesslich in ihren Pariser Jahren, von 1931 bis 1936, und stellt neben Anaïs Innenleben auch ihre Beziehung zu Henry Miller in den Mittelpunkt. Anaïs war verheiratet, aber trotzdem mit Henry liiert, ausserdem war sie fasziniert von Henrys Frau June, die sich - zum Glück für alle Beteiligten - nur selten in Paris aufhielt, und unterhielt weitere Affären mit ihrem Therapeuten.

Trotz ihres unkonventionellem Liebesleben und trotz ihrer Unfähigkeit Missbrauch festzustellen - gerade sie, die sich für Psychoanalyse interessierte und später zeitweise als Therapeutin arbeitete - kommt sie meistens sympathisch daher. Im Gegensatz zu Henry bleibt Anaïs Ehemann, Hugo Guiler, immer eine Nebenfigur. Dennoch lag ihr viel Wert an ihm, was die Autorin auch gut vermittelte. Besonders eine Szene fand ich bezeichnend, als Anaïs zwecks Aufklärung mit ihm gemeinsam ein Bordell aufsuchte.

Die Lektüre war aber leider nicht durchgehend fesselnd, was wahrscheinlich den fast immer gleichen, repetitiven Tätigkeiten (Diskutieren und Liebe machen) und Örtlichkeiten geschuldet ist. Man trifft sich entweder im Haus von Anaïs und Hugo in Louveciennes oder bei Henry in Paris. Viel mehr gibt das Leben der beiden Protagonisten nicht her, obwohl dieser Satz jetzt auch missverständlich klingen könnte. Natürlich hatten sie aufregende Leben, das hier aber auf oben Genanntes zusammen geschoben wurde. Zudem ist es aus heutiger Sicht unvorstellbar, dass man damals ohne richtige Ausbildung Therapien durchführen konnte, vor allem, wenn man selbst unter Traumata leidet.

Die Printausgabe ist sehr schön aufgemacht, auf dem Innenumschlag ist der Stadtplan von Paris abgedruckt und die verschiedenen Wohnorte eingezeichnet. Am Ende des Buches finden sich noch einige Rezepte. Nette Idee, aber für diesen Roman eigentlich überflüssig.

Fazit: Einerseits ist diese Romanbiografie ein interessanter Einblick ins Leben von Anaïs Nin und Henry Miller, andererseits machen einem es die Charaktere nicht leicht, ihre Geschichte nachzuvollziehen.
3.5 Sterne.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Gute und schlechte Dates

1000 letzte Dates
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Bereits beim Vorwort musste ich bei diesem Satz laut lachen: "Das ist für mich der endgültige Beweis, dass man sich seine Sexualität wahrlich nicht aussuchen kann, denn sonst stünde ich ganz sicher nicht ...

Bereits beim Vorwort musste ich bei diesem Satz laut lachen: "Das ist für mich der endgültige Beweis, dass man sich seine Sexualität wahrlich nicht aussuchen kann, denn sonst stünde ich ganz sicher nicht auf Männer". Rasant und schonungslos geht es weiter.

"Daten macht Spass, wenn man es nicht zu ernst nimmt". Das ist das Fazit von Autorin Anna Dushime, die ihre gefühlt "1000 letzte Dates" Revue passieren lässt. Sie ist Mitte Dreissig, hat einen Sohn und lebt getrennt vom Vater des Kindes in Berlin.

Erst plaudert sie allgemein ein wenig über einige bemerkenswerte Dates, dann erstellt sie subjektive Toplisten. In welchen deutschen Städten datet es sich am besten? Welche Locations (wie Kneipen, Bars, etc.) eignen sich am besten für ein Date? Welches ist der beste Tag für ein Date? Die Autorin erzählt weiter von Singlebörsen wie Hochzeiten oder Arbeitsplätze, über Freundschaft plus, Dating Apps, wer ihrer Meinung nach Getränke und Essen beim Date bezahlen sollte, Schönheits-OPs und sehr vieles mehr.

Anna Dushime macht das auf eine äussert humorvolle, aber auch brutal ehrliche und persönliche Art und Weise. Langweilig wird es nie, denn das Buch ist äusserst witzig geschrieben.

Es hat meiner Meinung nach nur ein Manko, als Gen X-Vertretung bin ich wohl einfach zu alt dafür und hab leider oft nur Bahnhof verstanden bei den unendlich vielen englischen Wörtern aka "Berliner-Hypster-Speech". Wer diesen Slang versteht hat und/oder unter Vierzig ist, hat wahrscheinlich keine Mühe damit.

Fazit: Gute und schlechte Dates - an diesen und ihrer Erkenntnis daraus, lässt die Autorin die Leser:innen in "1000 letzte Dates" humorvoll teilhaben.
3.5 Sterne.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Herbst und Winter in Grado

Alle weg
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Dass "alle weg" sind, zumindest die Touristen, kenne ich von anderswo, wenn nach der Sommersaison die Trottoirs hoch genommen werden. So fühlte es sich damals jedenfalls für mich an, das Leben wird gemächlicher ...

Dass "alle weg" sind, zumindest die Touristen, kenne ich von anderswo, wenn nach der Sommersaison die Trottoirs hoch genommen werden. So fühlte es sich damals jedenfalls für mich an, das Leben wird gemächlicher für die nächsten Monate. Man freut sich auf ruhige Monate, und wenn der Frühling dann kommt, auch wieder auf die hektischen Monate. So ähnlich ergeht es auch Stefan Maiwald und den Bewohnern von Grado.

Monatsweise unterteilt, erzählt der Autor was in den jeweiligen Monaten in Grado läuft. Im Dezember zum Beispiel wie vielerorts Weihnachtsaktivitäten, die sich aber teilweise zu den Traditionen im deutschsprachigen Raum unterscheiden. Es sind mehr Anekdoten und kleinere Geschichten, über die er schreibt. Wahrscheinlich ganz im Stil seiner anderen Grado-Bücher, die ich nicht kenne, auf jeden Fall schwingt hier immer Humor mit.

Trotzdem hat mich das Buch nicht gepackt. Viele Zitate, also Sätze, die vorher geschrieben wurden, kommen in einem Rahmen auf Extraseite nochmals zur Geltung - das hätte ich nicht gebraucht. Ebenso wenig die Schilderungen des Tennis-Duells mit seiner Frau, auf das hin er trainiert und fast schon der eigentliche rote Faden im Buch ist. Da es oft erwähnt wird, hätte ich am Ende eine Pointe erwartet, die dann leider ausblieb.

Fazit: "Alle weg" ist zwar unterhaltend geschrieben, es holte mich aber nicht ab.
3.5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Zucker ist Gift

Mord im Stadtpalais
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Kommissar Felix Zack isst für sein Leben gern, wie gut, dass ihn sein aktueller Fall in die Herrengasse bringt, wo Köchin Mila Sokol seit einigen Monaten für das leibliche Wohl der Bewohner dieses Stadtpalais ...

Kommissar Felix Zack isst für sein Leben gern, wie gut, dass ihn sein aktueller Fall in die Herrengasse bringt, wo Köchin Mila Sokol seit einigen Monaten für das leibliche Wohl der Bewohner dieses Stadtpalais sorgt - und ab nun auch für Kommissar Zack, der findet zu seinem Glück immer neue Ermittlungsansätze, um einen Grund zu haben, die Familie Steinhäusel zu besuchen, denn Herr Steinhäusel ist verstorben.

Alles deutet auf eine Vergiftung hin. Schuld soll die neue Köchin Mila sein, die zwar von der Zuckerkrankheit wusste und für Herrn Steinhäusel und seine zweite Ehefrau extra zuckerfrei kochte und backte. Gut, die junge Frau Steinhäusel ass eh kaum was, aber Herrmann Steinhäusel schätzte es sehr. Nun soll also Mila ein Fehler unterlaufen sein - dies behauptet die grosse Familie, die die Adventszeit traditionsgemäss bei Steinhäusels in der Herrengasse verbrachte.

Mila weist die Schuld von sich und beobachtete nicht nur die Ankunft der Familienmitglieder, darunter Schwestern und Kinder von Herrmann Steinhäusel, mit ihren Ehemännern- oder frauen und Verlobten, sondern beobachtet auch, wie sie miteinander umgehen. Ihre Beobachtungsgabe ist gut und ihre Rückschlüsse nimmt selbst Kommissar Zack gerne zur Kenntnis.

Felix Zack kann noch niemanden - ausser vielleicht Mila, denn wer so gut kochen und backen kann wie sie, muss doch unschuldig sein - ausschliessen, auch das weitere Personal ist verdächtig.

Beate Maly erzählt gewohnt lebendig wie es in dem grossen Haushalt zu und her geht, erläutert, weshalb gewisse Familienmitglieder ihre Gründe für den Mord hätten und schildert ein farbiges und der Zeit entsprechendes Bild von Wien anno 1910.

Die Adventsstimmung ist spürbar und auch die Spaziergänge von Felix Zack, dem schon bald ein streunender Hund hinterherläuft, kann man sich gut vorstellen.

Mila Sokol bäckt unter anderem "Powidltascherl". Bis zuletzt hatte ich keine Ahnung was "Powidl" sind, da das Wort nie erklärt wird. Auch auf den letzten Seiten folgte leider keine Erklärung, für die speziellen österreichischen Ausdrücke. Das fand ich schade. Ansonsten hat mich "Mord im Stadtpalais" gut unterhalten.

Fazit: Ein schöner Krimi für die Adventszeit.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Als Junge verkleidet in der Sixtinischen Kapelle

Die Künstlerin von Rom
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Pia Rosenberger erzählt in "Die Künstlerin von Rom" die fiktive Geschichte von Delia, die nach Rom reisen wird, um ihren Bruder zu suchen. Er soll die Werkstatt ihres Vaters übernehmen, damit Delia weiterhin ...

Pia Rosenberger erzählt in "Die Künstlerin von Rom" die fiktive Geschichte von Delia, die nach Rom reisen wird, um ihren Bruder zu suchen. Er soll die Werkstatt ihres Vaters übernehmen, damit Delia weiterhin als Bildhauerin arbeiten kann - das zumindest wäre ihr grösster Wunsch. Damit ihr nichts passiert, wird sie als Junge verkleidet und reist mit der Gauklerfamilie eines Mitarbeiters Richtung Rom. Aus Delia wird Dario und ihr wird schnell klar, dass sie als Junge viel mehr Freiheiten hat, als wenn sie als junge Frau unterwegs ist. Vor allem in Rom wäre ihr Bewegungskreis zu klein, was ihr bei der Suche nach Rodolfo hinderlich wäre. Auch würde Delia nie als Schülerin von Michelangelo arbeiten können - dies gelingt ihr als Dario, vor allem aber durch ihr Talent.

Wäre da nur nicht Dottore Fabio di Pasquale, den sie auf der Reise kennengelernt hat und für den sie etwas empfindet. Doch der ist der seiner Cousine Bella, einer zickigen jungen Frau, versprochen.

Kyra, eine Seiltänzerin aus der Gauklerfamilie, soll ebenfalls bald verheiratet werden. Doch auch sie will wie Delia selbst entscheiden, ob und wen sie heiraten wird. Eigentlich wäre sie die perfekte Freundin für Delia, aber selbst sie darf nicht wissen, wer Dario in Wirklichkeit ist. Bald gelangt auch Kyra nach Rom, allerdings in ganz andere Kreise als Delia.

Rosenberger zeigt der Leserschaft die Stadt aus zwei Perspektiven: die der Unterwelt, in der Kyra verkehrt und die Welt der Kleriker und Künstler, in der Delia als Dario alle Freiheiten besitzt. Die Geschichte spielt zur Zeit als Papst Julian Geld brauchte, um den Petersdom zu vergrössern, was aber nur nebenbei erwähnt wird. Das verbindende Glied der beiden dargestellten Welten ist die Macht - und einige der Charaktere, die sich in beiden Szenerien bewegen.

Mir gefiel, wie Rosenberger die Szenen in der Sixtinischen Kapelle beschrieb und alles was mit Michelangelo und den Künstlern zu tun hatte. Kyras Liebesgeschichte fand ich am Ende vorhersehbar, aber der Twist hat mir trotzdem gefallen.

Weniger lesenswert fand ich einige Szenen um Dankwart und Kardinal Orsini, da hätte man vielleicht etwas kürzen können, denn insgesamt war mir die Geschichte mit ihren 525 Seiten zu lang. Zudem empfand ich einige Ausdrücke als zu modern, die passen nicht ins 16. Jahrhundert.

Fazit: Unterhaltend, aber die Geschichte vermochte mich nicht zu fesseln, auch wenn einige sehr gute Aspekte dabei sind.
3.5 Sterne.

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