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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2026

Zwischen Nähe, Misstrauen und der Frage nach Wahrheit

This Story Might Save Your Life
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(Zitat: „ᴅɪᴇ ꜱᴄʜᴇɪßᴡᴇʟᴛ ꜱᴏʟʟᴛᴇ ꜱɪᴄʜ ɴɪᴄʜᴛ ᴡᴇɪᴛᴇʀᴅʀᴇʜᴇɴ, ᴀʟꜱ ᴡäʀᴇ ᴀʟʟᴇꜱ ɢᴜᴛ.“)

Joy und Benny sind beste Freunde und betreiben gemeinsam einen Podcast über Leben und Überleben. Als Joy spurlos verschwindet, ...

(Zitat: „ᴅɪᴇ ꜱᴄʜᴇɪßᴡᴇʟᴛ ꜱᴏʟʟᴛᴇ ꜱɪᴄʜ ɴɪᴄʜᴛ ᴡᴇɪᴛᴇʀᴅʀᴇʜᴇɴ, ᴀʟꜱ ᴡäʀᴇ ᴀʟʟᴇꜱ ɢᴜᴛ.“)

Joy und Benny sind beste Freunde und betreiben gemeinsam einen Podcast über Leben und Überleben. Als Joy spurlos verschwindet, bleibt Unsicherheit zurück – und eine Wahrheit, die sich nur langsam zeigt.

Was mich getragen hat, war nicht die reine Spannung, sondern die emotionale Tiefe. Tiffany Crum schreibt nah an ihren Figuren, manchmal leise, manchmal schmerzhaft offen. Ich habe Bennys Verlorenheit gespürt, dieses Gefühl, jemanden zu lieben und ihn trotzdem nicht wirklich zu kennen. Die wechselnden Perspektiven zwischen der Sicht von Benny und Joy haben mich innehalten lassen, auch wenn das Tempo stellenweise hätte straffer sein dürfen.

Für mich ist das Buch weniger Thriller als ein intensiver Blick auf Freundschaft, Loyalität und die Frage, welche Geschichten wir erzählen, um weiterleben zu können. Ein Roman, der nicht laut schreit, sondern lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein kluges Buch, das kratzt statt streichelt

Anti Müller
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Zwischen Wut, Analyse und poetischer Schärfe liegt dieses Buch wie ein offener Nerv auf dem Tisch.

Anti Müller ist kein Roman, der einen sanft an die Hand nimmt. Vielmehr zieht er die Vorhänge auf und ...

Zwischen Wut, Analyse und poetischer Schärfe liegt dieses Buch wie ein offener Nerv auf dem Tisch.

Anti Müller ist kein Roman, der einen sanft an die Hand nimmt. Vielmehr zieht er die Vorhänge auf und lässt das grelle Licht auf Beziehungen, Machtverhältnisse und einen Kulturbetrieb fallen, der sich gern modern gibt, aber oft noch erstaunlich alte Muster atmet. Die Sprache ist dabei präzise, manchmal fast messerscharf, voller kluger Beobachtungen und bitterer Sätze, die nachhallen.

Mich hat besonders gefallen, wie kompromisslos Yade Yasemin Önder auf patriarchale Strukturen schaut. Da steckt viel Wut drin, aber auch eine große Verletzlichkeit. Gleichzeitig blieb ich emotional öfter auf Abstand. Die Erzählerin seziert so viel, dass mir zwischendurch das Fühlen etwas verloren ging. Manche Gedanken waren stark, andere wirkten auf mich sehr verkopft und sperrig.

Trotzdem ist Anti Müller ein mutiges Buch mit Haltung. Kein Wohlfühlroman, kein leichter Abend auf dem Sofa, sondern eher ein literarischer Schlag unter die Rippen. Für mich war es interessant, klug und unbequem, aber nicht durchgehend packend genug für mehr als 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Wenn Trauer ein Haus mitten im Nirgendwo wäre

Von Vieh und Vögeln
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Manchmal fährt eine Figur einfach los und man denkt sich: Na wunderbar, das kann ja nur schiefgehen. Coro landet ohne Handy, ohne Benzin und ganz offensichtlich ohne Plan bei Betania, diesem abgelegenen ...

Manchmal fährt eine Figur einfach los und man denkt sich: Na wunderbar, das kann ja nur schiefgehen. Coro landet ohne Handy, ohne Benzin und ganz offensichtlich ohne Plan bei Betania, diesem abgelegenen Haus voller Frauen, Hunde, Rituale und einer Natur, die nicht einfach nur Kulisse ist, sondern gefühlt selbst mit am Tisch sitzt und einen schweigend anstarrt.

Von Vieh und Vögeln ist kein Roman, der einem die Hand hält und freundlich sagt: Komm, ich erkläre dir mal alles. Nein, dieses Buch stellt sich eher neben dich, flüstert etwas Merkwürdiges ins Ohr und verschwindet dann wieder im Wald. Und genau das ist gleichzeitig seine größte Stärke und seine kleine Gemeinheit.

Die Atmosphäre ist unglaublich dicht. Dieses Haus, der Felsen, der See, die Vögel, die Hunde, diese Frauen, die wirken, als hätten sie längst mehr verstanden als Coro selbst. Das alles hat etwas Traumartiges, Bedrohliches und fast Märchenhaftes. Nur eben kein Märchen mit Keksen und Happy End, sondern eher eins, bei dem man nachts nochmal prüft, ob die Haustür wirklich zu ist.

Emotional sitzt der Roman vor allem dort, wo es um Trauer geht. Coros Verlust hängt über allem wie feuchte Wäsche an einem grauen Tag. Man spürt, dass sie eigentlich weg will, aber innerlich längst feststeckt. Das fand ich stark, manchmal sogar richtig schön schmerzhaft.

Ganz ehrlich: Wer klare Antworten, Tempo und eine saubere Auflösung braucht, wird hier vermutlich zwischendurch leise mit den Augen rollen. Dieses Buch ist langsam, symbolisch, sperrig und manchmal sehr eigen. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine intensive, unheimliche und sprachlich besondere Geschichte über Verlust, Gemeinschaft und dieses seltsame Gefühl, irgendwo dazuzugehören, obwohl man nie darum gebeten hat.

Kein Buch zum Wegatmen, eher eins zum Nachhallen. Und ja, ein bisschen schräg ist es auch. Aber manchmal sind gerade die schrägen Vögel die interessantesten.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Zwischen Aufwühlung und Distanz ein Schicksal das nachhallt

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Lale wird in den 80er Jahren geboren, durch ihre drogenabhängigen Eltern kommt sie in eine Männer-WG, doch auch dort fehlen ihr Fürsorge, Halt und echte Geborgenheit etwas, wonach sie sich ihr ganzes Leben ...

Lale wird in den 80er Jahren geboren, durch ihre drogenabhängigen Eltern kommt sie in eine Männer-WG, doch auch dort fehlen ihr Fürsorge, Halt und echte Geborgenheit etwas, wonach sie sich ihr ganzes Leben lang sehnt.

Mich hat dieses Buch aufgewühlt und gleichzeitig seltsam auf Distanz gehalten. Die Sprache ist eindringlich, doch die Ereignisse rauschen wie ein Sturm an mir vorbei. Ich hatte kaum Zeit, wirklich mit Lale zu fühlen, weil sich ein Schicksalsschlag an den nächsten reiht. Vieles wirkte überladen, als wollte die Geschichte zu viel auf einmal erzählen. Gerade bei so sensiblen Themen hätte ich mir mehr Tiefe und Raum gewünscht. Einige Aspekte erschienen mir zudem schwer greifbar. Trotzdem bleibt ein Eindruck zurück, der nachhallt. Ein Buch, das ich trotz allem weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Zwischen Analyse und Wirklichkeit

Es war einmal ein Land
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Man schlägt dieses Buch auf und merkt ziemlich schnell, dass es kein gemütlicher Lesestoff für zwischendurch ist. Hier geht es um große Fragen, um Enttäuschung, um Politik und um die Stimmung in einem ...

Man schlägt dieses Buch auf und merkt ziemlich schnell, dass es kein gemütlicher Lesestoff für zwischendurch ist. Hier geht es um große Fragen, um Enttäuschung, um Politik und um die Stimmung in einem Teil des Landes, der sich seit der Wende irgendwie nie ganz angekommen fühlt.

Jana Hensel versucht zu erklären, warum viele Menschen in Ostdeutschland heute so skeptisch auf die Demokratie schauen. Dabei blickt sie zurück auf den großen Aufbruch nach der Wende, auf Hoffnungen, Erwartungen und auf das, was davon übrig geblieben ist. Beim Lesen hatte ich öfter diesen Gedanken im Kopf: Ja, das ist interessant, aber irgendwie greift es nicht immer ganz.

Hensel schreibt klug und reflektiert, keine Frage. Man merkt, dass sie sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und dass sie selbst Teil dieser Geschichte ist. Genau das macht viele Passagen stark, weil persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Beobachtungen zusammenkommen.

Trotzdem hat mich das Buch nicht komplett gepackt. An manchen Stellen wirkt es eher wie eine lange Analyse als wie eine wirklich packende Erzählung. Ich hätte mir mehr konkrete Geschichten gewünscht, mehr Stimmen, mehr Leben zwischen all den Gedanken.

Unterm Strich bleibt ein Buch, das wichtige Fragen stellt und zum Nachdenken anregt, aber nicht immer die Tiefe oder Kraft entwickelt, die man sich bei so einem großen Thema vielleicht erhofft. Interessant zu lesen ist es trotzdem, nur eben kein Titel, der einen komplett umhaut.

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