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Veröffentlicht am 07.02.2026

Der erste Urlaub ohne Eltern

Ennos Tanz
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Der erste Urlaub ohne Eltern - kannst du dich noch daran erinnern?

Enno, 14 Jahre, wird sich bestimmt sein ganzes Leben an diesen ersten Urlaub ohne seine Eltern erinnern. Da er nicht - wie jedes Jahr ...

Der erste Urlaub ohne Eltern - kannst du dich noch daran erinnern?

Enno, 14 Jahre, wird sich bestimmt sein ganzes Leben an diesen ersten Urlaub ohne seine Eltern erinnern. Da er nicht - wie jedes Jahr - mit an die Ostsee wollte, haben seine Eltern ihn für alt genug befunden, auch mal zwei Wochen Ferien allein zuhause verbringen zu können.

Doch das reicht Enno nicht. Er will weg, am liebsten in den Süden, nach Österreich oder gar Italien. Sein erstes Ziel ist der Bodensee und es wird abenteuerlich, denn so leicht, wie er sich das vorgestellt hat, wird es nicht.

Schon das Zelten wird nicht so romantisch und er erlebt so einiges auf seiner Reise. Ein paar Stichworte, um nicht zu spoilern: ein Fahrrad wird geklaut, eine Schrebergartenbehausung aufgebrochen, es wird geküsst, getrampt und vieles mehr.

Frank Holger Schneider hat einen unterhaltsamen Coming-of-Age-Roman mit einem sympathischen Protagonisten geschrieben, auch wenn dieser noch ein paar Probleme damit hat, was legal ist und was nicht. Ab und an kommt pubertärer Größenwahn und auch die typische Unsicherheit dieses Alters durch, schließlich ist er das erste Mal verliebt, da gibt es einiges zu bedenken und zu interpretieren. Seine Gedanken schießen sowieso wie Blitze durch seinen Kopf und er lässt uns Lesende daran teilhaben - ganz ungefiltert.

Enno ist so herrlich normal, kein Überflieger, eher einer, der am Rand steht, ein bisschen unbedarft und voller Vertrauen in die Welt, das Böse hat er zum Glück noch nicht kennengelernt. Neugierig und naiv startet er in sein großes Abenteuer und steckt seine Leser*innen an mit seiner Lebenslust. Er wird wohl einiges fürs Leben gelernt haben auf seiner Reise.

Gute Unterhaltung und ein Sommergefühl, wie es wohl nur in der Jugend gefühlt wird.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Gegen alle Widerstände

Malnata
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„Malnata“ wird aus der Sicht von Francesca erzählt, die zum einen mitten drin ist in der Geschichte und trotzdem auf mich auch wie eine Beobachterin wirkt. Sie kommt aus einer „guten“ Familie, ist bislang ...

„Malnata“ wird aus der Sicht von Francesca erzählt, die zum einen mitten drin ist in der Geschichte und trotzdem auf mich auch wie eine Beobachterin wirkt. Sie kommt aus einer „guten“ Familie, ist bislang immer angepasst gewesen und fällt erst aus der ihr anerzogenen Rolle, als sie mit der Malnata, die wie eine Aussätzige behandelt wird, in Kontakt kommt.

Kurz davor gab es allerdings auch in ihrem Leben eine Veränderung. Dem Unternehmen des Vaters geht es nicht so gut, so dass sie in eine Wohnung umziehen mussten und von vier Hausangestellten nur eine mitnehmen konnten. Ihre Eltern leben zwar zusammen, aber nicht wirklich miteinander. Der Vater wirkt auf den ersten Blick eher uninteressiert am Familienleben und die Mutter verfolgt ihre eigene Agenda, da ist auch Francesca mal eher ein Mittel zum Zweck. Sie erfährt wenig Liebe und Unterstützung von ihrer Mutter. Wäre da nicht Carla, das Hausmädchen, wäre ihr Leben ohne eine fürsorgliche weibliche Bezugsperson.

Beatrice Salvioni beginnt das Buch mit einem Ausblick aufs Ende und erzählt danach das Jahr davor. So ist von vorneherein klar, dass es keine gemütliche Pippi-Annika-Geschichte wird, in der sich zwei völlig unterschiedliche Mädchen anfreunden und aufregende Abenteuer erleben. Es ist die Geschichte zweier Mädchen, die sich gegen alle Widerstände anfreunden und deren Freundschaft immer wieder auf die Probe gestellt wird. Sie lernen „Nein“ zu sagen und sich gegen das, was die Gesellschaft erwartet, zu wehren.

Das Setting im faschistischen Italien, dass die Bevölkerung auf den Krieg und den „Duce“ einschwört, eine Gesellschaft, in der keiner dem anderen mehr trauen kann, tut ein Übrigens, um dem Roman von Anfang an einen dunklen Touch zu geben. Oder – um es anders zu formulieren – Beatrice Salvioni hat die Geschichte von Anfang so konstruiert, dass ich einfach immer weiterlesen musste, um zu erfahren, wie es zu dem Geschehnis am Anfang kommen konnte und was danach geschah.

Eine spannende Erzählung, die allerdings noch nicht zu Ende erzählt ist, es wird einen weiteren Teil geben, so dass ich gespannt bin, wie es weitergehen wird mit Maddalena und Francesca. Es ist also ein wenig Geduld gefragt nach dem Lesen dieses ersten Teils.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Die Familie

Die Familie
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Eine Familie ohne Geheimnisse, dass wünscht sich Damián, das Familienoberhaupt. Er wünscht es sich nicht nur, sondern hat es als Devise, eher sogar als Befehl an die anderen Familienmitglieder herausgegeben. ...

Eine Familie ohne Geheimnisse, dass wünscht sich Damián, das Familienoberhaupt. Er wünscht es sich nicht nur, sondern hat es als Devise, eher sogar als Befehl an die anderen Familienmitglieder herausgegeben. Sie können sich alles sagen und jede und jeder soll alles wissen. Das ist eines der Prinzipien des sozial engagierten Anwalts und seine Frau Laura und die Kinder Damián, Rosa, Martina und Aqui haben diesen Prinzipien zu folgen, ob sie wollen oder nicht.

Du ahnst es bestimmt schon, Damián ist als Familienoberhaupt mehr das Gegenteil vom liebevollen Vater, der zugewandt seine Kinder erzieht. Er ist mehr so das Modell Tyrann, dem sich die Familie zu unterwerfen hat. Er arbeitet mit Erniedrigung, Manipulation und emotionaler Kälte. Was das für lebenslange Auswirkungen auf die Kinder hat, erzählt Sara Mesa sehr eindringlich anhand von Rückblicken der einzelnen Personen.

Von Anfang an ist das Buch durch eine bedrückende Stimmung geprägt und man möchte trotzdem einfach weiterlesen, um zu erfahren, was warum wieso geschah und wie es so kommen konnte.

Sara Mesa versteht es, aus vielen kleinen Andeutungen ein emotionales Puzzle zusammen zu setzten.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Superpower Sustainable Marketing

Superpower Sustainable Marketing
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„Stellt eure berufliche Rolle auf den Prüfstand, schnappt euren Superhelden-Umhang und tragt euren Teil dazu bei, die besseren Lösungen, die es heute schon gibt, endlich in den Mainstream zu bringen.“

BÄM! ...

„Stellt eure berufliche Rolle auf den Prüfstand, schnappt euren Superhelden-Umhang und tragt euren Teil dazu bei, die besseren Lösungen, die es heute schon gibt, endlich in den Mainstream zu bringen.“

BÄM! Gleich zu Beginn rufen die Autorinnen Birgit Berthold-Kremser, Stefanie Kuhnhen und Franziska Mozart die Leserinnen ihres Buchs "Superpower Sustainable Marketing", die Marketing-Zunft, dazu auf, sich selbst zu hinterfragen, um ihr Wissen für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Sie belassen es nicht bei diesem Appell, sondern liefern auch gleich einen Ansatz mit, wie es Marketing-Abteilungen gelingen kann, dazu beizutragen, dass Unternehmen und ihre Produkte nachhaltiger werden und die Nachfrage danach größer wird. Schließlich hat Marketing so aufregende Figuren wie den Marlboro-Mann, den Weihnachtsmann und Captain Iglo erfunden und kann diese Fähigkeiten somit auch für etwas richtig Gutes einsetzen.

Sie werfen einen Blick zurück in die Vergangenheit des Marketings bis heute und zeigen die Notwendigkeiten und Chancen auf, die es anzugehen und anzunehmen gilt. Auch erklären sie, warum es ein System-Updates benötigt, das auf Ressourcen-Effizienz, -Konsistenz und -Suffizienz basiert und als Ausgangspunkt für zukünftige Marketingziele dient. Product, Price, Promotion und Place werden neu gedacht und Marketing hat als Bindeglied zwischen nachhaltiger Produktion und Konsum eine wichtige Rolle.

Die einzelnen Kapiteln sind mit Umsetzungsbeispielen, Reflexionsfragen, Übersichtstabellen und erklärenden Grafiken angereichert. Das Thema Künstliche Intelligenz wird angesprochen und warum es wichtig ist, KPIs auch anzupassen - ein Punkt, den ich besonders wichtig finde, um den Erfolg der neuen Maßnahmen zu messen.

Auch die Vorbildfunktion des Marketings und der involvierten Personen wird hervorgehoben. Greenwashing und auch Greenhushing kommen zur Sprache und es wird hervorgehoben, warum Nachhaltigkeit kein Nice-to-have, sondern ein zentraler Punkt für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen ist.

Man merkt, dass da drei Expertinnen aus der Praxis schreiben, sie voll hinter dem Thema stehen und etwas bewegen wollen. Ergänzt und untermauert wird dieses Konzept des 4x4 Superpower Marketingmodells durch Beispiele aus der Praxis, Interviews und Beiträge von Gastautor
innen wie Dr. Martin Bethke, Alexis Eyre, Stephan Grabmeier, Ina von Holly, Franka Mai, Paul Randle und Carolin Schwarz.

Wenn du dich also damit beschäftigst, wie du aus dem Marketing heraus etwas dafür tun kannst, dass dein Unternehmen nachhaltiger werden kann (und zwar weit über Mülltrennung hinaus), dann empfehle ich dir dieses Buch!

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Veröffentlicht am 05.07.2025

The American Dream - Gratisessen für Millionäre

Gratisessen für Millionäre
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„Es war zwei Uhr morgens, sie befand sich immer noch im Büro und wartete darauf, dass Xerox kooperierte. Wäre sie nicht so müde gewesen, hätte sie es lustig gefunden, dass ein Kopierer automatisch die ...

„Es war zwei Uhr morgens, sie befand sich immer noch im Büro und wartete darauf, dass Xerox kooperierte. Wäre sie nicht so müde gewesen, hätte sie es lustig gefunden, dass ein Kopierer automatisch die Chance bekam, sich auszuruhen, die Praktikanten hingegen nicht.“

The American Dream, der verspricht, dass du es nach ganz oben schaffen kannst, wenn du nur hart genug arbeitest. Um diesen Traum geht es in "Gratisessen für Millionäre" von Min Jin Lee, übersetzt von Andrea Fischer.

Casey ist die Tochter koreanischer Einwanderer, die nach ihrem Princeton-Abschluss keinen Arbeitsvertrag in der Tasche hat und sich daraufhin mit ihren Eltern überwirft und auf sich allein gestellt ist. Wir begleiten Casey auf ihrem Weg, der mit einigen Stolpersteinen überrascht und dieses System zeigt, wie hart dieser Weg ist und auch die Frage stellt, ob das überhaupt Sinn macht.

Es geht um Rassismus, Sexismus und eine Reise zurück in die 90er (ihr wisst, diese Zeit, in der wir noch nicht 24/7 erreichbar waren). Ein Buch, das ich mir auch gut als Netflix-Serie vorstellen kann und eine gute Urlaubsbegleitung ist.

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