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Veröffentlicht am 08.03.2026

Nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt

Alt genug
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Irgendwann in letzter Zeit bin ich auf Ildikó von Kürthys Recherchen aufmerksam geworden, die sie auf Instagram mit ihren Leserinnen geteilt hat. Ihre geplante Bewerbung bei GNTM war Thema, auch ihr New ...

Irgendwann in letzter Zeit bin ich auf Ildikó von Kürthys Recherchen aufmerksam geworden, die sie auf Instagram mit ihren Leserinnen geteilt hat. Ihre geplante Bewerbung bei GNTM war Thema, auch ihr New York-Trip und noch so einiges mehr. Schon da war für mich klar, dass ich davon lesen möchte. Gelesen habe ich „Alt genug“, wie sie ihr neuestes Buch nennt, dann doch nicht, aber – ich habe es mir von ihr vorlesen lassen, was eine gute Entscheidung war.

Sehr offen lässt sie ihre Leser (ihre Hörer) daran teilhaben, wie sie nun, da sie alt genug für bequeme Unterwäsche ist, mit dem Alter umgeht. Dabei ist sie mit ihren nunmehr 58 Jahren nicht alt, wie ich finde. Sie ist im besten Alter, um ihr Leben mit allen Sinnen zu genießen, was auch heißt, dass sie nicht mehr alles braucht, nicht mehr alles mitmachen muss. Nicht unbeschadet, sogar ziemlich angeschlagen, hat sie die Lebensmitte überschritten, wie sie berichtet. Hat geliebte Menschen gehen lassen müssen, ist voller neuer Erkenntnisse, ist zuweilen gescheitert, hat gekämpft und nicht immer gesiegt. Und ist doch voller Zuversicht, hat endlich Mut zur Unvollkommenheit.

Selbstironisch erzählt sie etwa davon, wie sie daran scheitert, einen Tunnel zu durchfahren, auch sind Fahrstühle nicht unbedingt ihr bevorzugtes Transportmittel nach oben. Sie versteht es, all diese Anekdoten kurzweilig wiederzugeben, in diesen Szenen sprüht sie geradezu vor Witz und Charme, man hört ihr gerne zu.

Dies und noch so viel mehr erzählt sie in ihrem Buch „Alt genug“, das kein Roman ist. Ein Memoir, sehr ehrlich, sehr selbstreflektiert, sehr persönlich. Sie greift all die alltäglichen Themen auf, geht darüber hinaus und über ihre Grenzen, sie traut sich mehr zu. Ein kurzweiliges Hörvergnügen, sympathisch vorgetragen.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Beste Krimi-Unterhaltung

Giftiger Grund
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Frisch aus dem Knast entlassen sitzt er nun hier, in der Wohnung seines Vaters, auch Georg Kutowski, der Mann, der ihm damals ins Messer gelaufen ist, wartet auf ihn, denn das Schmerzensgeld, das er ihm ...

Frisch aus dem Knast entlassen sitzt er nun hier, in der Wohnung seines Vaters, auch Georg Kutowski, der Mann, der ihm damals ins Messer gelaufen ist, wartet auf ihn, denn das Schmerzensgeld, das er ihm seitdem regelmäßig zahlt, sollte auch jetzt weiterlaufen.

Zu dritt waren sie damals, Jorans Kumpel Aras und Marvin haben ihre Jahre für schweren Raub schon länger abgesessen und nun ist auch er draußen. Vor sieben Jahren haben sie die Tankstelle überfallen, die Beute konnten sie gerade noch rechtzeitig im Kanalschacht verstecken und nun sucht Joran danach. Was er aber findet, ist die Leiche seines Freundes Aras.

Die Tankstelle ist schon lange verlassen. Ein Lost Place, der Charu wie magisch anzieht. Sie betreibt ihren Internetkanal, ihr Markenzeichen ist eine Glitzerkatze. Ihr Equipment ist in der ehemaligen Waschstraße platziert, als sie Joran bemerkt. Außerdem ist da noch ein kleines Mädchen im Schlafanzug. Edda.

Die Tankstelle und deren verseuchter, giftiger Grund ist es, der diesem vielschichtigen, psychologischen Thriller seinen Namen gibt. Der morbide Charme der verfallenden Immobilie zeigt die Hoffnungslosigkeit, die auch jeder der drei Hauptakteure ausstrahlt: Jaron und seine Suche nach Halt und Arbeit, dazu der Fund der Leiche. Charu, die mit ihrer Schwester und deren Typen ständigen Trouble hat und Edda, die im Schlafanzug und Gummistiefel Nacht für Nacht hier auftaucht.

Rund um diesen Lost Place entwickelt sich eine Geschichte um (Über)Leben und Tod. Je mehr von den Protagonisten bekannt wird, desto undurchsichtiger und trostloser gestaltet sich gefühlt deren Dasein und auch wenn jeder von ihnen einen Rückzugsort hat, ist es dennoch für keinen ein Zuhause. Die Perspektiven wechseln von Joran zu Charu zu Edda, wobei Edda es ist, deren Hintergrund lange geheimnisumwoben bleibt, um dann doch deren Fassade Stück für Stück zum Einsturz zu bringen.

Alle drei sind sie verlorene Seelen, von der Welt im Stich gelassen. Vor allem Joran ist es, der es mit seiner kriminellen Vergangenheit schwer hat, Fuß zu fassen. Wird er wieder zum Täter, gleitet er erneut ab? Und was ist mit Charu, der nicht mal ihre eigene Schwester glaubt? Was hat das Leben den sowieso schon Abgehängten zu bieten? Mit Vorurteilen ist man schnell zur Hand, besonders dann, wenn das Vergangene gegen einen spricht.

Es dauert einige Zeit, bis sie für mich greifbar werden. Je weiter ich jedoch lese, desto mehr fiebere ich mit ihnen und ihrer vertrackten Situation, die ausweglos scheint, mit. Trotzdem fesselt mich der Krimi ab sofort, er treibt mich immer weiter. Nicht jedes kleine Detail wird geklärt, damit kann ich aber gut leben und der Schluss bietet dann nochmal ein Highlight der ganz besonderen Art.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Von Caruso, dem surfenden Privatdetektiv

Heaven's Gate
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„Sie stellt sich als Ángel vor, Ángel Guzmán Gaviria, und sie vermisst ihren Sohn Juan. Alle nennen ihn nur John John.“ Bei der Polizei war sie nicht, denn „Choco Mucho ist ein feiner Kerl, aber ein lausiger ...

„Sie stellt sich als Ángel vor, Ángel Guzmán Gaviria, und sie vermisst ihren Sohn Juan. Alle nennen ihn nur John John.“ Bei der Polizei war sie nicht, denn „Choco Mucho ist ein feiner Kerl, aber ein lausiger Bulle.“ Nun, ich erfahre noch so einiges mehr von ihm und von der Arbeitsweise der Polizei hier, auf der philippinischen Insel Surogao. Chocos Faulheit heißt für Caruso, dass er so dann und wann einen Auftrag erhält, wenngleich dieser nicht viel einbringt, ihn aber so einigermaßen am Leben erhält, er krebst sozusagen permanent am finanziellen Limit. Die Miete, die Drinks und noch so einiges kosten – da kommt ihm diese Suche nach dem verschollenen Sohn gerade recht, zumal Ángels Vorschuss sich sehen lassen kann.

Caruso ist ein ehemaliger Profisurfer, der hier als Privatdetektiv unterwegs ist - sofern er einen Auftrag hat. Ich würd ihn eher als verkrachte Existenz beschreiben, der dem süßen Nichtstun frönt. Dramatisch geht´s los, als er einige Surfer dabei beobachtet, wie sie diese Welle unterschätzen und er selbstlos eingreift. Es sind Russen. Und sie sehen dies komplett anders. Eine gebrochene Nase spricht Bände, Caruso muss dafür bestraft werden. Schon allein das Cover spricht für sich, die Riesenwelle macht Laune und erweckt schon Betrachten eine unbändige Lust (nach Meer) nach mehr.

In erster Linie aber heißt es, John John aufzuspüren. Dabei nimmt Caruso die Hilfe von Yahoo an, einem Filipino und begnadeten Hacker, auch andere mischen kräftig mit. Was allerdings Diego in Hannover mit dem Ganzen zu tun hat, wird später klar, momentan aber scheint seine Geschichte eine ganz eigene zu sein.

Die wendungsreiche Story gewährt neben der Detektivarbeit einen tiefen Einblick ins Surferparadies, das für die Einheimischen gar nicht so paradiesisch daherkommt. Man spürt ihr karges Dasein, ihren täglichen Existenzkampf. Über Drogen und Alkohol, Gewalt und Korruption, Polizeiwillkür bis hin zu Mord ist alles dabei. Ganz anders das Ministerium für Tourismus, das die Inselkampagne mit dem Slogan „Welcome to Paradise. Welcome to Surogao“ startet.

Um zu Caruso zurückzukommen – er ist nicht gerade ein Sympathieträger, auch ist er keiner dieser herkömmlichen Detektive, eher schon ein abgehalfteter ehemaliger Profisurfer, der dennoch einen gewissen Charme besitzt und diesen bei Bedarf auch einzusetzen weiß.

„Heaven’s Gate“ ist ein gut geschriebener, ein kurzweiliger und spannender Krimi mit einem Anti-Helden, von dem es vielleicht noch mehr zu berichten gibt. Ich wär dabei.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Schönheit ist vielschichtig, sie liegt immer im Auge des Betrachters

Das schönste aller Leben
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„Dreihundert Jahre ist es her, dass ich eure Mutter wurde. Ihr kamt aus vielen Teilen Deutschlands zu mir, aber ihr wurdet alle Schwaben genannt…“ Das Banat ist eine Region im Südosten Europas, der größte ...

„Dreihundert Jahre ist es her, dass ich eure Mutter wurde. Ihr kamt aus vielen Teilen Deutschlands zu mir, aber ihr wurdet alle Schwaben genannt…“ Das Banat ist eine Region im Südosten Europas, der größte Teil liegt im heutigen Rumänien, zudem in Serbien und Ungarn. Betty Boras erzählt von Vio, die mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat flieht. In ihrer Erinnerung hatten sie ein gutes Leben dort, der Sturz Ceaușescus veranlasste ihre Eltern, nach Deutschland zu gehen.

Die Erzählperspektiven wechseln von Vio, dem Kind und ihrem erwachsenen Ich, zudem hat Theresia eine Stimme, der ich anfangs in ihrem schweren Arbeitsalltag begegne, die dann zu ihrem jüngeren Ich führt. Zunächst war ich über ihre Geschichte irritiert, bekam aber immer mehr Zugang zu ihr, die im 18. Jahrhundert lebte. Theresias Leben war geprägt von den Zwängen und den aus heutiger Sicht einseitigen Moralvorstellungen jener Zeit, die mit Fingern ausschließlich auf die Frau und deren angeblichen Verfehlungen zeigt. Ihre Geschichte ist (nach meinen anfänglichen Schwierigkeiten) in sich stimmig, auch kommt mir die Person Theresia nahe…

… im Gegensatz zu der erwachsenen Vio, die von Schuld und Selbstvorwürfen geprägt ist und aus diesem engen Korsett nicht herauszufinden scheint. Durch einen Unfall trägt ihre Tochter einen Makel davon, über den Vio als Mutter nicht hinwegsehen kann. Auch lese ich im Wechsel von der jungen Vio, die eines körperlichen Mangels wegen einer sichtbaren Stütze bedarf, um befreit davon in einigen Jahren ihr Dasein unbeschwert genießen zu können. Die junge Vio kommt damit sehr viel besser zurecht als jene ältere Vio, die sich die Schuld an den Narben ihrer Tochter gibt und daran zu zerbrechen droht.

Gerne hätte ich sehr viel mehr von Theresia und ihrem Schicksal gelesen, Vios Part dagegen kam mir eher wie entrückt vor, auch wenn ich ihre düsteren Gedanken nach dem Unfall ihrer Tochter durchaus nachvollziehen kann.

„Das schönste aller Leben“ – Betty Boras Debüt nimmt sich der Schönheit an sich an der damit einhergehenden Schönheitsideale, denen sich Frau schwer entziehen kann. Vio und Theresia verbindet dabei ihre Herkunft, das Banat. Und somit schließt sich der Kreis um die beiden so unterschiedlichen Frauen, die in unterschiedlichen Jahrhunderten leben und lebten.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Guter Auftaktband

Ungelöst – Die erste Zeugin
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„Ungelöst – Die erste Zeugin“ ist der Auftaktband zu Arno Strobels neuer Cold-Case-Serie. Egal ob die Mörderfinder-Reihe, Fakt/Fake, Stalker oder welch Buch auch immer ich von Strobel gelesen habe - jeder ...

„Ungelöst – Die erste Zeugin“ ist der Auftaktband zu Arno Strobels neuer Cold-Case-Serie. Egal ob die Mörderfinder-Reihe, Fakt/Fake, Stalker oder welch Buch auch immer ich von Strobel gelesen habe - jeder einzelne Thriller hat mich gefesselt und auch dieser Reihenbeginn ist ein nervenaufreibender, spannender Psychothriller, der neugierig auf den nächsten Fall macht.

Luisa Menkhoff wendet sich an die Polizei, nachdem sie auf dem Flugblatt, das auf dem Campus aushängt, die seit vier Tagen abgängige Frau als Nicole Klement erkennt, die sie mit damals in Verbindung bringt. Damals wurde Luise als 5jährige entführt und wie es den Anschein hat, steckt dieser Entführer, Dr. Joachim Lichner, auch heute nicht nur hinter dem Verschwinden von Nicole, auch ist wiederum ein kleines Mädchen spurlos verschwunden, das genau in das damalige Schema passt.

Kriminalhauptkommissar Ramin Brunner ist gerade im Begriff, eine Cold-Case-Einheit aufzubauen, jedoch wird er zunächst diese aktuellen Vermisstenfälle mithilfe des ihm zugeteilten Kriminalkommissars Sebastian Grohmann bearbeiten, was ihm nicht sonderlich zusagt, ist doch Grohmann bekannt für seine eher unmotivierte Dienstauffassung. Nun, die beiden werden sich zusammenraufen müssen, denn Grohmann wird im KK11 Brunner unterstellt sein.

Die ersten Seiten machen mich mit den Personen vertraut, allen voran Ramin Brunner und Luise Menkhoff, deren eidetisches Gedächtnis noch sehr hilfreich sein wird. Um wiederum scheint auch sie wie schon vor Jahren im Focus von Lichner zu stehen, den einst Luises Vater hinter Gitter gebracht hat, nun aber unter Auflagen vorzeitig entlassen wurde. Nicht nur diese Hauptakteure, auch alle anderen Charaktere werden gut eingeführt, was sich allerdings schon etwas in die Länge zieht.

So richtig spannend wird es, als Luise ein altes Foto findet, das sie als 5jährige zeigt. Ab da sind die Nerven zum Zerreißen gespannt, Spuren führen immer wieder zurück und wiederum ist ein Mädchen abgängig. Sie verfolgen so etliche Spuren, viele Ungereimtheiten stehen im Raum, auch wollen sich die einzelnen Fragmente nicht recht miteinander verbinden. Und wenn es dann so aussieht, als sei alles geklärt, wendet sich nicht zum ersten Mal das Blatt. Zwischendurch sind es kurze, kursiv dargestellt Kapitel, die zunächst so gar nicht greifbar sind.

„Ungelöst“ werde ich weiterverfolgen, ich mag Strobels Art, die allzu dunklen Seiten der menschlichen Seele aufzuzeigen. Ein Psychothriller, der mich nach der zu langen Einführung dann nicht mehr loslassen wollte.

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