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Veröffentlicht am 14.03.2026

Eine Familiengeschichte über Herkunft, Flucht und Stärke

Das schönste aller Leben
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Dieser Roman macht mir schon seit vielen Woche und Monaten schöne Augen. Schon in seinem Entstehungsprozess hat er mich auf Bookstagram angezwinkert. Und wir haben uns zu einem Date verabredet. Kurz nach ...

Dieser Roman macht mir schon seit vielen Woche und Monaten schöne Augen. Schon in seinem Entstehungsprozess hat er mich auf Bookstagram angezwinkert. Und wir haben uns zu einem Date verabredet. Kurz nach dem Erscheinungstermin verabredet.
Und was soll ich sagen: Es hat gefunkt! Und das schon nach wenigen Seiten. Das liegt zum einen an dem äußerst raffinierten, geschickt verschränkten Aufbau der Geschichte. Oder eigentlich eher der drei Geschichten. Oder Erzählstränge. Die doch ein großes Ganzes ergeben. Und zwar eine beeindruckende und zugleich verstörende wie hoffnungsfrohe Familiengeschichte. Über zwei starke Frauen. In ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Und mit Vio und ihren Eltern in der Auseinandersetzung mit ihrer Flucht aus Rumänien nach Deutschland. Dem Leben in der neuen Heimat. Das doch eigentlich eine Heimkehr sein sollte. Und doch an allen Ecken und Enden kneift und drückt. Wie ein zu enges Kleid, das einfach nicht richtig passen will. Und auf der Haut kratzt.
Und was mein Herz zum anderen höher schlagen lässt: Das ist die Lebendigkeit, Tiefe und Glaubhaftigkeit in der Ausgestaltung der Figuren. Die allesamt an eben dieses wachsen: an das Herz der Leser*innen. Und von ihrem eigenen Herz zugleich in ihr weiteres Leben geleitet werden. Ein Leben, in dem sie Entwicklungen durchlaufen. Aufgrund seiner Hürden und Herausforderungen. Und Reifung erfahren. Und zugleich Stärke erlangen, die über Generationen lang, lang hinwegreicht.
Von langer Dauer ist für mich auch das Ende der Geschichte. Der Kreis, der sich schließt. Der Hoffnung und Versöhnung bedeutet. Und einen Frieden in sich birgt, der Heilung verspricht. Womöglich nicht nur für Vio und ihre Familie. Sondern über Einzelpersonen hinausreicht. Und mich darin bestärkt, dass dieses Date das perfekte Match war.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Der Meister der Erzählkunst

Königin Esther
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Wenn John Irving erzählt, vergesse ich Zeit, Raum und dass morgens ganz früh mein Wecker klingelt. Und klingelt. Ich vergesse allerdings nie, warum das so ist. Denn Irving ist Erzähler. Und seine Romane ...

Wenn John Irving erzählt, vergesse ich Zeit, Raum und dass morgens ganz früh mein Wecker klingelt. Und klingelt. Ich vergesse allerdings nie, warum das so ist. Denn Irving ist Erzähler. Und seine Romane sind große Erzählkunst. Jeder für sich und doch alle gemeinsam. Sein Ton ist lakonisch, immer mit feinem Witz und schwarzem Humor. Und seine Figuren wachsen sofort ans Herz. Gerade weil sie solche Typen sind, häufig etwas schrullig, immer besonders. Wie auch die Handlung, die skurrile Abzweigungen und Verläufe nimmt.
Und all das, was auch Irving immer so besonders macht, habe ich Seite für Seite in „Königin Esther“ gefunden. Esther ist Waisin und ein ungewöhnlich kluges Kind als sie ins Waisenhaus in Maine gebracht wird. Ihre Mutter: gerade verstorben, von Antisemiten getötet. Und Esther ist ein gebildete junge Frau, geradlinig und mit Argumenten und Überzeugungen als sie von den Winslows als Kindermädchen für ihre jüngste Tochter Honor adoptiert wird. Ihr Wunsch, sich Jane Eyre als Zitat quer über den Oberkörper tätowieren zu lassen, schreckt die Winslows nicht ab.
So beginnt die Geschichte rund um Jimmy Winslow, der zwei Mütter hat: Esther seine leibliche und Honor die Frau, die ihn aufzieht und innig liebt. Und während Jimmy in New Hampshire eine behütete Kindheit verbringt, bleibt Esther ein Geist, ein Mysterium in der Ferne. Zuerst in Wien, später in Israel. Mit unklarem Auftrag und Ziel, auf den Spuren ihres Jüdischseins. Und auch Jimmy verbringt als Student ein Auslandsjahr in Wien. In einer schier unglaublichen Wohngemeinschaft, als Ringer – was auch sonst! – und in seinen letzten Tagen in der Stadt als werdender Vater. Und gedanklich immer auf der Suche nach Esther, in Wien auf ihren Spuren.
Und wir begleiten Jimmy in seinem Erwachsenwerden, das kuriose Wendungen und unerwartete Entwicklungen nimmt. In seinem Kampf gegen die tätowierte Tellerwäscherin. In Sorge um Siegfried, der Plastiksoldaten mit einer Knoblauchpresse verstümmelt. Und in seiner großen Liebe für Hard Rain, einem einsamen Schäferhund. Und wachen aus diesem Leben erst wieder auf, wenn der Wecker am Morgen ganz früh klingelt.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Atemlose Spannung

Das Signal
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Ursula Poznanski ist eine meiner allerliebsten Autorinnen! Ob Jugendbuch, Krimi oder Thriller für Erwachsene – jedes ihrer Bücher übt eine enorme Sogwirkung aus. Und worauf sich die Leser verlassen können: ...

Ursula Poznanski ist eine meiner allerliebsten Autorinnen! Ob Jugendbuch, Krimi oder Thriller für Erwachsene – jedes ihrer Bücher übt eine enorme Sogwirkung aus. Und worauf sich die Leser verlassen können: Dank überraschender Wendungen und verblüffender Enthüllungen ist nichts so wie es scheint. Und zum Schluss sieht alles ganz anders aus.
Ganz kribbelig vor Vorfreude habe ich mich auf neuen Nervenkitzel und tiefe Abgründe eingelassen. Und bin abgetaucht. Viola durch die schwere Zeit nach ihrem Unfall zu begleiten, erst ans Bett, dann an das große Haus mitten im Wald gefesselt, hat viel von einem spannungsgeladenen Kammerspiel. Insbesondere, da Adams Verhalten zunehmend auffällig wird. Verwundert. Verstört. Und auf dunkle Geheimnisse hindeutet. Und auch Otilia, die strenge, missmutige Pflegerin, scheint düstere Pläne zu verfolgen. Und lässt dabei Viola keine Sekunde aus den Augen. Und Haus und Grundstück nicht verlassen.
Doch Viola kämpft. Mit den Folgen des schrecklichen Unfalls. Um ihre Selbstständigkeit. Ihre Freiheit. Und schließlich um ihr Leben. Anders als in „Das Fenster zum Hof“ nicht mit einem Fernglas sondern mit moderner Technik ausgestattet, observiert sie und behält Freund und Feind mit Handy und Tablet im Blick. Ist der Adler, der über ihnen kreist. Der Jagdhund, der sich an ihre Fährten heftet. Und der Maulwurf, der ihre Pläne untergräbt. Doch wem kann Viola vertrauen? Und wer arbeitet gegen sie? Die Grenzen scheinen zu verschwimmen, und erst im großem Showdown fallen die Masken.
Atemlos habe ich gemeinsam mit Viola das große Puzzle zusammengesetzt. Stück für Stück. Habe mit ihr gerätselt, mich gefürchtet, nach Antworten gesucht. Und bin aufgetaucht mit Gänsehaut und strahlenden Augen. Sicher in meiner Wohnung in der großen Stadt, fernab vom dunklen Wald.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Höllisch gut

Katabasis
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Tief hinab in die Hölle und hinein in das Lesevergnügen! Dass mich Katabasis so packen, durchschütteln und glücklich, glücklich, glücklich wieder ausspucken würde, hätte ich nicht zu hoffen gewagt. Auch, ...

Tief hinab in die Hölle und hinein in das Lesevergnügen! Dass mich Katabasis so packen, durchschütteln und glücklich, glücklich, glücklich wieder ausspucken würde, hätte ich nicht zu hoffen gewagt. Auch, wenn ich ein kleines Fantasygirl bin und mir die Inhaltsangabe schon Wochen vor dem Erscheinungstermin den Kopf verdreht hat. Und mich ganz kribbelig machte.
Und dann war es soweit: Ich bin mit Alice und Peter in die Hölle hinabgestiegen. Oder eher: mittels eines überaus raffinierten Pentagramms hineinkatapultiert worden. Und was die beiden dort erwartet, ist verstörend. Und zwar verstörend gut. Auf der Suche nach ihrem kürzlich ganz ausversehen und äußerst blutig verstorbenen Mentor und Magier Jacob Grimes durchwandern sie die verschiedenen Höfe der Unterwelt und werden mit intelligent konstruierten Aufgaben und überirdischen Gefahren konfrontiert. Mit Göttern, Monstern und Magie vom Feinsten und Dunkelsten. Sowie mit sich und ihrer Vergangenheit. Und einer mehr als fraglichen Zukunft.
Was dabei herauskommt: ein Pageturner wie er seinesgleichen sucht. Denn Fantasie und vor allem Wissen, Wissenschaft und akademische Laufbahn der Autorin haben ein Werk geformt, das unterhält und so viel Spaß macht, in Erstaunen versetzt und mich ehrfürchtig staunen lässt. Und mich vor allem lesen, lesen, lesen ließ. Ganz ehrlich und total wahr: Der Roman steigt in meine Top 5-Lieblingsbücher ever auf! Die ich sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen habe. Dafür ist er einfach zu gut. Höllisch gut.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Eine große Erzählerin und ihr mutiger Blick auf das Ungesagte

Autobiografie meines Körpers
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Intensiv und nah. Und in seiner Offenheit erschütternd. „Autobiografie meines Körpers“ wagt die Grenzen des Schweigens und der Scham einzureißen und mit klarer, direkter Sprache zum Ausdruck zu bringen, ...

Intensiv und nah. Und in seiner Offenheit erschütternd. „Autobiografie meines Körpers“ wagt die Grenzen des Schweigens und der Scham einzureißen und mit klarer, direkter Sprache zum Ausdruck zu bringen, was für die Ich-Erzählerin Jahrzehnte im Verborgenen war. Verschwiegen wurde vor sich selbst und der Außenwelt.
Als Lize eine E-Mail ihrer Mutter erhält, in welcher diese mit knappen Worten bekannt gibt, schwer an Krebs erkrankt zu sein, setzt diese Nachricht einen Prozess in Gang. Einen Prozess der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familie, ihrer Rolle in dieser und ihrem Körper, in welchem all das Erlebte, Erlittene, Ungesagte eingeschrieben wurde. Und sich in Form von Krankheit, Zwängen und einer fehlenden Identifikation mit sich selbst bis in die erzählerische Gegenwart verfestigte. Und manifestiert in zahllosen Stunden des Zweifels, Ablehnung und einer Suche nach Liebe, Zuneigung und einem Angenommenwerden um ihrer selbst willen.
Was nach außen wie eine glückliche Kindheit in einem kleinen Dorf in Belgien erscheinen konnte, war doch von dem schweren Alkoholismus der Mutter, der emotionalen Instabilität und Übergriffigkeit des Vaters und der eigenen Einsamkeit in Mitten einer Großfamilie geprägt. Den nahen Tod der Mutter vor Augen, ergreift die Ich-Erzählerin Wort und Mut, um mit ihrer Mutter doch noch in das Gespräch zu kommen und zu erfahren und aufzuarbeiten, was in der Zeit des Aufwachsens Körper und Seele niederdrückte und nie mehr verließ. Neben all der Traurigkeit und Wut entstehen so auch Helligkeit und Klarheit und eine innere Ruhe und Versöhnung, nach der Lize so lange auf der Suche war.
Lize Spit ist eine der großen Erzählerinnen unserer Gegenwart. Fulminant in Wahl ihres Sujets, in ihrer Sprache, die zielgerichtet beschreibt und trifft und mit einem Mut und Entschlossenheit, hinter das Sichtbare, das vermeintlich Schöne zu schauen. Und auch das Dunkle im Tageslicht zu betrachten.

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