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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2026

Gerüchte und Angst in den Gassen von Ulm

Die Begine und das dunkle Geheimnis
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Ulm im Jahr 1416 wirkt lebendig, doch hinter den Häusern lauern Gerüchte und Geheimnisse. Niemand ist sicher vor Verdacht und Misstrauen.
Im Mittelpunkt steht Anna Ehinger, eine ehemalige Begine, die über ...

Ulm im Jahr 1416 wirkt lebendig, doch hinter den Häusern lauern Gerüchte und Geheimnisse. Niemand ist sicher vor Verdacht und Misstrauen.
Im Mittelpunkt steht Anna Ehinger, eine ehemalige Begine, die über viel Wissen verfügt und genau deshalb unter Beobachtung steht. Nach dem Tod einer reichen Kaufmannswitwe gerät ihr Wissen über Kräuter und Arzneien schnell in Verruf. Auch wenn der Rat der Stadt ihr glaubt, bleibt die Stimmung angespannt.
Als weitere Morde geschehen und die junge Novizin Luzia verschwindet, verändert sich die Lage deutlich. Die Angst wächst, und viele Menschen suchen nach einfachen Erklärungen. Gerüchte über Dämonen und dunkle Mächte prägen die Stimmung in der Stadt.
Die Geschichte entwickelt sich ruhig und ohne Hast. Ereignisse folgen logisch aufeinander. Die Suche nach der Wahrheit ist anstrengend und nicht ungefährlich.
Die Atmosphäre bleibt dicht und spürbar. Enge Gassen, leise Gespräche und viel Unsicherheit prägen das Bild der Stadt. Gewalt wird zurückhaltend dargestellt und fügt sich unauffällig in die Handlung ein. So entsteht eine ernsthafte und glaubwürdige Grundstimmung.
Am Ende stehen weniger die Verbrechen im Vordergrund als die Menschen und ihre Ängste. Misstrauen, Gerüchte und alte Vorstellungen beeinflussen viele Entscheidungen. Eine stimmige Geschichte, die ohne große Effekte auskommt und lange nachwirkt. Dafür vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Ein Leben zwischen Aufbruch und Rückkehr

Der schmale Grat der Vernunft
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Erzählt wird von einem Leben, das früh von Sehnsucht geprägt ist. Per wächst in einem norwegischen Dorf auf und spürt schon als Kind den Wunsch, hinauszugehen und mehr von der Welt zu sehen. Diese innere ...

Erzählt wird von einem Leben, das früh von Sehnsucht geprägt ist. Per wächst in einem norwegischen Dorf auf und spürt schon als Kind den Wunsch, hinauszugehen und mehr von der Welt zu sehen. Diese innere Unruhe begleitet ihn über viele Jahre und wird immer wieder auf eine harte Probe gestellt.
Der Krieg bringt einen deutlichen Einschnitt. Die Entscheidung, sich nicht zu fügen und das Land zu verlassen, entsteht aus Überzeugung und aus der engen Verbindung zu seinem Jugendfreund Helmer. Der gescheiterte Fluchtversuch nach England verändert alles. Die folgenden Jahre im Waldkommando Sachsenhausen werden sachlich beschrieben, ohne auszuholen. Gerade diese Nüchternheit fällt auf. Erinnerungen an das Dorf, an die Familie und an frühere Träume helfen beim Durchhalten. Auch die Freundschaft bleibt in dieser Zeit ein wichtiger Halt.
Nach dem Krieg kehrt Per in eine Welt zurück, die ihm fremd geworden ist. Der Alltag verlangt Anpassung, doch das Erlebte lässt sich nicht einfach ablegen. Alte Regeln greifen nicht mehr, Erwartungen passen nicht zu dem, was ihn innerlich bewegt. Die innere Zerrissenheit wird behutsam beschrieben und bleibt nachvollziehbar. Die Geschichte ist eng mit dem Leben des norwegischen Schriftstellers Per Torhaug verbunden und bleibt ruhig und respektvoll.
Beim Lesen folgt man Per still mit, spürt manchmal Beklemmung, aber wird nie überfordert. Die Erlebnisse wirken nach, gerade weil alles leise bleibt.
Ein ruhiger, eindrücklicher Roman über Durchhalten, Freundschaft und die schwierige Rückkehr in den Alltag. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Sommererinnerungen und der Blick nach vorn

Am Ende der Straße die Schlei
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Alles beginnt mit einem Anruf, der Konstantin nach vielen Jahren zurück an die Schlei führt. Dorthin, wo er als Kind viele Sommer verbracht hat und wo Erinnerungen noch immer präsent sind. Die Rückkehr ...

Alles beginnt mit einem Anruf, der Konstantin nach vielen Jahren zurück an die Schlei führt. Dorthin, wo er als Kind viele Sommer verbracht hat und wo Erinnerungen noch immer präsent sind. Die Rückkehr in das alte Haus wirkt zunächst nüchtern, fast wie eine Aufgabe, die erledigt werden muss. Doch mit jedem weiteren Tag zeigt sich, dass dieser Ort mehr auslöst, als erwartet.
Mit der verlängerten Zeit an der Schlei verändert sich etwas. Aus dem geplanten kurzen Aufenthalt wird mehr, ohne dass es bewusst entschieden wird. Konstantin räumt auf, sichtet alte Dinge und stößt dabei auf Erinnerungen, die lange keinen Platz hatten. Gleichzeitig läuft in Hamburg ein Leben weiter, das eigentlich fest verankert scheint. Zwischen beiden Welten liegt eine Spannung, die den Verlauf der Geschichte bestimmt.
Der Roman erzählt diese Entwicklung ruhig und zurückhaltend. Die Sprache bleibt einfach und klar, oft fast beiläufig. Vieles wird nicht erklärt, sondern angedeutet. Gerade das macht den Text glaubwürdig. Die Landschaft an der Schlei ist dabei nicht nur Hintergrund, sondern Teil der Stimmung. Sie gibt dem Geschehen Raum und lässt Gedanken entstehen, ohne sie auszubreiten.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach dem eigenen Weg und nach Entscheidungen, die vielleicht zu früh getroffen wurden. Nicht jede Wendung überrascht, manches lässt sich erahnen. Doch der Weg dorthin wirkt stimmig und passt zur Geschichte.
Am Ende bleibt eine ruhige Geschichte über Erinnerungen, Orte und das Nachdenken über das eigene Leben. Unaufgeregt erzählt und mit einer Stimmung, die nach dem Lesen noch eine Weile bleibt.
4 Sterne und eine Empfehlung für alle, die leise und nachdenkliche Bücher schätzen.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Vom Meer getragen durch die Zeit

Die Ufer der Zeit
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Die Geschichte ist ruhig erzählt und braucht etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Mittelpunkt steht Jan, der ohne Vorbereitung aus seiner Gegenwart gerissen wird und sich in früheren Zeiten wiederfindet. ...

Die Geschichte ist ruhig erzählt und braucht etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Mittelpunkt steht Jan, der ohne Vorbereitung aus seiner Gegenwart gerissen wird und sich in früheren Zeiten wiederfindet. Dabei geht es weniger um das Staunen über das Zeitreisen selbst, sondern um das Leben in fremden Welten. Fischer, Walfänger und Schmuggler werden in ihrem Alltag gezeigt, oft hart und entbehrungsreich, aber glaubwürdig und nah.
Das Meer ist dabei ständig präsent. Es verbindet die verschiedenen Zeiten miteinander und bestimmt den Rhythmus der Handlung. Mal wirkt es bedrohlich, mal ruhig und fast tröstend.
Mit Alva tritt eine Figur in Jans Leben, die vieles offenlässt. Gerade das macht sie interessant. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und ohne große Worte. Es gibt keine schnellen Wendungen und keine übertriebenen Gefühle. Stattdessen entsteht eine Nähe, die sich natürlich anfühlt und den Zeitreisen eine emotionale Tiefe gibt.
Auch Fragen nach Sinn, Glauben und dem eigenen Platz im Leben spielen eine Rolle. Sie drängen sich nicht auf, sondern tauchen leise auf und bleiben im Hintergrund spürbar. Vieles wird nicht erklärt, sondern dem Lesen überlassen. Das passt gut zur ruhigen Art der Geschichte.
Nicht jeder Abschnitt ist gleich stark. Manche Passagen ziehen sich etwas, vor allem wenn der Blick stärker auf den äußeren Umständen liegt. Insgesamt überzeugt der Roman aber durch seine klare Sprache, die stimmige Atmosphäre und das Gefühl, dass sorgfältig recherchiert wurde.
Am Ende bleibt der Eindruck einer besonderen Reise durch verschiedene Zeiten und Lebensformen. Dafür vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Wenn Wegsehen normal wird

Hazel sagt Nein
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Was zunächst wie eine ruhige Familiengeschichte beginnt, kippt schneller als erwartet. Hinter der Fassade einer kleinen Stadt liegen feste Machtverhältnisse und ein Schweigen, das seit Jahren besteht. ...

Was zunächst wie eine ruhige Familiengeschichte beginnt, kippt schneller als erwartet. Hinter der Fassade einer kleinen Stadt liegen feste Machtverhältnisse und ein Schweigen, das seit Jahren besteht. Hazel gerät in ein System, das Zustimmung voraussetzt und Ablehnung nicht duldet. Ihr Nein setzt eine Entwicklung in Gang, die niemand mehr kontrollieren kann.
Riverburg erscheint geordnet und vertraut. Schule, Nachbarschaft und Alltag folgen festen Abläufen. Doch bald wird deutlich, dass diese Ordnung auf Verdrängen beruht. Besonders schwer wiegt, wie selbstverständlich das Wegsehen geworden ist. Vieles ist bekannt, doch kaum jemand handelt. Dieses Schweigen zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman.
Hazel wird nicht idealisiert. Ihre Reaktion ist spontan und von Unsicherheit begleitet. Angst, Überforderung und Wut stehen nebeneinander. Das Nein ist kein Zeichen von Stärke im klassischen Sinn, sondern eine klare Grenze. Die Folgen treffen nicht nur sie, sondern auch ihre Familie, die zwischen Schutz, Zweifel und Anpassung steht.
Auch die Erwachsenen bleiben widersprüchlich. Eltern, Lehrkräfte und Verantwortliche wirken zögerlich oder ausweichend. Gespräche verlaufen vorsichtig, Verantwortung wird weitergereicht. Der Roman zeigt, wie leicht Unrecht bestehen bleibt, wenn niemand bereit ist, offen hinzusehen.
Der Stil ist ruhig und zurückhaltend. Auf Zuspitzung wird verzichtet. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte über Beobachtungen und Gespräche. An einigen Stellen hätte das Tempo straffer sein dürfen, was den Lesefluss kurz bremst. Die Wirkung des Themas bleibt jedoch erhalten und klingt nach.
Das Buch bleibt ernst und fordert Aufmerksamkeit. Nicht alles ist gleich stark erzählt, manches wirkt bewusst ausgedehnt. Trotzdem hinterlässt die Geschichte einen bleibenden Eindruck, weil sie nah an den Figuren bleibt und schwierige Themen ohne Sensationslust behandelt. 4 Sterne für einen Roman, der unbequem ist und gerade dadurch Wirkung entfaltet.

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