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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

ein tiefsinniger, fordernder Roman, für den man Zeit braucht

Alma
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Alma kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurück, um ihr Erbe anzutreten. Überreicht soll ihr dies von Vili ihrer Jugendliebe und gleichzeitig Ziehbruder, werden. Die Rückkehr in ...

Alma kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurück, um ihr Erbe anzutreten. Überreicht soll ihr dies von Vili ihrer Jugendliebe und gleichzeitig Ziehbruder, werden. Die Rückkehr in die Heimat, die sie abrupt hinter sich gelassen hat, lässt Alma an ihre Kindheit und Jugend erinnern. Ihre Großeltern mütterlicherseits, die das Erbe und Traditionen Triests aus der Habsburger Monarchie hochalten. Ihre Eltern, die sich davon befreien wollten. Eine Kindheit in der sie Tito kenngelernt hat und die turbulenten Jahre danach.

Eines vorneweg, dies ist definitiv ein Buch, dem man Zeit geben muss, denn es ist nicht ein leichtfüßiger Roman in einer italienischen Stadt, wie man vielleicht auf Grund des Covers vermuten mag.

Die Geschichte wird nicht geradlinig erzählt, so wechseln sich die Zeitebenen und aber auch die Blickwinkel sehr häufig ab. Dadurch braucht es einige Zeit einzutauchen. Die Beschreibungen der Orte und Eindrücke sind sehr bildhaft, wodurch man sich natürlich gut orientieren kann. Kunstvolle Satzgestaltungen, machen es allerdings notwendig, ausreichend Konzentration ins Lesen zu legen.

Wie man schon erahnen kann, verknüpft der Roman die persönlichen Erfahrungen einer Person vom Kinderalter beginnend mit den politischen Realitäten der jeweiligen Zeit. Für die politischen Realitäten wäre natürlich ein entsprechender Wissenshintergrund ideal, um die Zeiten besser zu verstehen. Die Einordnung der verschiedenen Kriegsparteien u

Doch auch die Geschichte um Alma, Vili und Almas Familie allein ist spannend. Almas Eltern die eher abwesend sind, und ihrer Tochter Alma, möglichst wenig Grenzen aufzeigen wollen, damit sie sehr frei und selbstbestimmt aufwachsen kann. Vili, der von seinen Eltern getrennt wird und von Almas Vater über die Grenze geschmuggelt wird und nun statt in Belgrad nun in Triest bei der Familie von Alma aufwachsen soll. Auch er fühlt sich durch diese Trennung zerrissen und unsicher, auch da er ja in der Fremde ist. Man merkt im Zuge der Geschichte, wie wichtig die Vergangenheit doch auch für die eigene Identifikation und das Verständnis ist – bewusst oder auch unbewusst.

Ein nachdenkliches Buch, das eine turbulente Zeit in einer Stadt mit wechselhafter Geschichte thematisiert. Man sollte sich allerdings Zeit nehmen sich darauf einzulassen.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Thriller trifft Fantasy. Märchen einmal anders

Böser, böser Wolf
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Eine Autorin Katie wird entführt, um für ihren Entführer Märchen zu schreiben, im modernen Stil bei dem Menschen den Tod finden. Auf einem Dachboden in einem Haus im Wald versucht Katie sich zu retten, ...

Eine Autorin Katie wird entführt, um für ihren Entführer Märchen zu schreiben, im modernen Stil bei dem Menschen den Tod finden. Auf einem Dachboden in einem Haus im Wald versucht Katie sich zu retten, indem sie Hinweise in die Geschichten einwebt. Ihr Entführer, der sich hinter einer Wolfsmaske verbirgt, setzt diese dann in die Realität um. Für eine Geschichte im Stile von Cinderella wird Grace entführt und von Zeugen wird beschrieben, dass sie von einer maskierten Figur in den Wald verschleppt wird. Alle Morde werden entsprechend bizarr inszeniert und der Ermittlerin Detective Inspector Lyla Rondell schwant bald übles. Wird sie doch dadurch an ihre eigene Vergangenheit und damit das Verschwinden ihrer besten Freundin Allison erinnert, das eben so etwas von einem Märchen in sich hatte.

Die Geschichte wird fesselnd erzählt und man merkt, wie gut die Autorin sich mit Märchen auseinandergesetzt hat. Die Spannung wird gut transportiert und man ist inmitten in der gruseligen und grausamen Atmosphäre. Interessant ist aber vor allem wie das Thema transportiert wird. Beginnt die Geschichte relativ normal, als klassischer Thriller mit Ermittlungen, einem Täter und der üblichen Polizeiarbeit, mischen sich im Zuge der Erzählung andere Elemente mit hinein. Man wird mit Fantasy und Horrorteilen konfrontiert und es bilden sich immer mehr Metaebenen aus. Man driftet in das Fantasy Genre über und ist sich immer mehr im Klaren, dass das Miträtseln und Mitlösen nicht mehr so einfach, wenn nicht gar unmöglich ist. Weiß man doch nun nicht, was wirklich war ist.

Die Gestaltung und der Titel lassen auch ohne Klappentext schon gut auf das Thema schließen – Märchen werden eine Rolle spielen.

Definitiv eine Geschichte die ich so noch nicht kannte. Sp

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Essen und Büroalltag - wie schafft man die Balance

Richtig gutes Essen
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In einem japanischen Büro arbeitet ein buntes Team von Arbeitskräften unter anderem Nitani, Oshino und Ashikawa als Vollzeitkräfte.

Nitani, der Essen als Notwendigkeit erachtet und am Instantsuppensüchtig ...

In einem japanischen Büro arbeitet ein buntes Team von Arbeitskräften unter anderem Nitani, Oshino und Ashikawa als Vollzeitkräfte.

Nitani, der Essen als Notwendigkeit erachtet und am Instantsuppensüchtig ist, hat seine liebe Not mit dem Brauch gemeinsam als Abteilung essen zu gehen, oder mehr Zeit in die Zubereitung von Speisen zu verwenden. Oshio, die auch eher unkonventionellere Ansichten hat und öfters mit Nitani nach der Arbeit einen trinken geht. Ashikawa ist nicht unbedingt die belastbarste Arbeitskraft und genießt den Schutz ihres Chefs und etlicher anderer Arbeitskräfte. Sie ist öfters krank und beendet ihren Arbeitstag im Gegensatz zu den anderen Vollzeitkräften pünktlich, auch bei größerem Arbeitspensum. Um die Stimmung im Büro für sich positiv zu gestalten, bringt sie immer wieder Süßspeisen mit. Nitani und Oshino entwickeln eine gewisse Abneigung gegen Ashikawa, auf Grund der Tatsache, dass sie nicht in der Lage ist ihre Arbeit entsprechend selbst zu erledigen. Doch die Sache wird auch komplizierter als Nitani eine Beziehung mit Ashikawa beginnt.

Es ist ein Roman der sich neben dem Thema Essen, vor allem um das Thema Umgang und Beziehungen am Arbeitsplatz dreht.

Man lernt viele japanische Gerichte kennen, hilfreich dabei ist das Glossar im Anhang. Zusätzlich bekommt man aber damit eben auch einen Einblick in die japanische Arbeitswelt bzw. in den Büroalltag. Die Tatsache, dass die Arbeitstage in Japan sehr lang sind, weiß man aus so manchem Klischee. Auch die Tatsache, dass alles sehr strikt hierarchisch bzw. sehr höflich gehandhabt wird, ist bekannt. Mit dieser Tatsache im Hintergrund, ist die Geschichte, die hier erzählt wird, natürlich in Japan brisanter als für unseren Kulturraum. Dort kann das Buch sicher leichter als Gesellschaftskritik verstanden werden als in unseren Breiten. Nichtsdestotrotz wird man sich auch hier in manchen Bereichen wiederfinden.

So manches wird sehr repetitiv erzählt und die effektive Handlung ist gering. Arbeitstage und Probleme wiederholen sich. Die Personen leben größtenteils nebeneinanderher. Generell ist der Erzählstil eher distanziert, wobei dennoch zwischen der Ich-Perspektive und der der dritten Person gewechselt wird.

Für mich war es aber eine leichte Lektüre für zwischendurch, wie ein kurzer Blick in ein Büro auf der anderen Seite der Welt. Und trotz aller kulturellen Unterschiede gleichen sich hier die Probleme auch.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Spannung in der Unwetterkatastrophe

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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In der Grenzregion Karwendel geht ein heftiges Unwetter nieder – so stark, dass Bäche über die Ufer treten und etliche Vermisste gemeldet werden. Minütlich werden die Meldungen mehr und die Polizei in ...

In der Grenzregion Karwendel geht ein heftiges Unwetter nieder – so stark, dass Bäche über die Ufer treten und etliche Vermisste gemeldet werden. Minütlich werden die Meldungen mehr und die Polizei in beiden Ländern ist gefordert. Während Alexa Jahn auf der deutschen Seite voll gefordert ist, ist Chefinspektor Bernhard Krammer in Österreich nach einer Verletzung noch nicht voll dienstfähig. Schließlich wird in einer Schlucht ein Toter entdeckt. Doch es ist nicht ein Opfer des Unwetters, sondern wurde ermordet.

Auch wenn dies bereits der sechste Band einer Reihe um das Ermittlerduo Jahn und Krammer ist, lässt er sich auch gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Die Sprache ist wie für Anna Schneider typisch flüssig, detailreich lebhaft. Man bekommt im Unwetter richtig gehende Beklemmungen und bekommt die Gefährlichkeit gut transportiert. Der Spannungsbogen baut sich langsam und sukzessive auf, von einem Prolog der einen passenden Vorgeschmack liefert, landet man in einer Region, in der das Unwetter immer größeren Schaden anrichtet. Stündlich steigt die Gefahr und diese wird auch transportiert. Die Spannung durch den Fund der Leiche tritt erst spät auf, ab Mitte des Buches. Allgemein werden einige Einzelfälle präsentiert und man rätselt als Leser über die Zusammenhänge. So wie auch bei den immer wieder eingestreuten Briefen einer Mutter. Die Ermittlungen bzw. die Auflösung war für mich zwar logisch, allerdings auch etwas abrupt.

Wie auch in den Vorgängerbänden ist auch hier das Ermittlungsduo sehr charmant und authentisch. Alexa Jahn kämpft von Beginn an mit der Anzahl an Anrufen und Problemen. Man merkt die innere Zerrissenheit und Verzweiflung nicht ausreichend Hilfe zur Verfügung stellen zu können. Bernhard Krammer, Alexas Vater, durchleuchtet Alexas neuen Partner und zeigt damit seine fürsorgliche Seite. Aber auch er bekommt auf der österreichischen Seite bald mit einer Gruppe junger Abiturenten in Not zu tun.

Für mich ein würdiger sechster Band der Reihe, der für mich allerdings vor allem durch die detaillierte atmosphärische Schilderung des Unwetters getragen wird.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Roman? Psychologischer Thriller?

The Exes
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Natalie hat einen sehnlichen Wunsch – sie wünscht sich eine perfekte Familie. Doch irgendwie läuft immer etwas schief und sie landen auf der Liste ihrer Exmänner. Mit James soll nun alles anders werden ...

Natalie hat einen sehnlichen Wunsch – sie wünscht sich eine perfekte Familie. Doch irgendwie läuft immer etwas schief und sie landen auf der Liste ihrer Exmänner. Mit James soll nun alles anders werden – doch eine Entdeckung bedroht die Beziehung. James entdeckt, dass die Exfreunde von Natalie nicht einfach so aus ihrem Leben verschwunden sind. Sie haben Natalie nicht nur hintergangen und verletzt und sind daher verschwunden – sie sind alle drei tot. Natalie war außerdem immer in der Nähe. Nun wird es gefährlich, denn James weiß zu viel.

Dieses Werk ist ein Thriller, ja Psychothriller über Beziehungen und ihre Abgründe – aber er enthält auch viele Elemente einer klassischen Charakterstudie. Es streift so viele Themen um Familiendynamiken, Selbstwertgefühl und Selbstreflexion, Machtverhältnisse und der Suche nach Liebe. Auch stellt sich die Frage wie sehr ein unterschiedlicher ethnischer Background und sozioökonomischer Hintergrund eine Beziehung beeinflusst.

Der Roman ist gekennzeichnet durch Erzählungen aus der Ich-Perspektive in kurzen Kapiteln und häufige Rückblicke – in die Zeiten ihrer Kindheit und ihre vorherigen Beziehungen. Eingeleitet ganz pragmatisch mit Kapitelüberschriften – damals und jetzt. Briefe an die Exfreunde lockern die Erzählstruktur auf. Der Einstieg ins Buch ist doch eher gemütlich – ein ausloten. Man denkt, man erhält einen ersten Einblick in Natalies Psyche und nimmt das Gedachte Großteiles als Tatsache hin. Je weiter die Geschichte erzählt wird, desto mehr zweifelt man an den Aussagen von Natalie bzw. an Natalies eigener Wahrnehmung. Durch neue Entdeckungen und Andeutungen, Rückblenden erhöht sich die psychologische Spannung. Kann man der Protagonistin trauen?

Ein Psychologischer Thriller, der große Elemente einer Charakterstudie miteinschließt. Vor allem die Themen toxische Beziehungen und Rachegelüste aber auch familiäre Prägung.

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