Ein Wahrsager als Held: clever, atmosphärisch, spannend
Das Labyrinth von LondonSchon nach den ersten Seiten merkt man, dass Das Labyrinth von London nicht einfach irgendein Urban-Fantasy-Roman ist. Hauptfigur Alex Verus ist kein strahlender Held mit Feuerbällen in der Hand, sondern ...
Schon nach den ersten Seiten merkt man, dass Das Labyrinth von London nicht einfach irgendein Urban-Fantasy-Roman ist. Hauptfigur Alex Verus ist kein strahlender Held mit Feuerbällen in der Hand, sondern ein Wahrsager, der Zukunftswege sehen kann. Klingt unspektakulär, ist aber unglaublich spannend, weil er seine Gegner nicht mit roher Macht, sondern mit Verstand, Taktik und einer Prise Zynismus austrickst. Diese Bodenständigkeit macht ihn greifbar und sympathisch.
Besonders gefallen hat mir seine Beziehung zu Luna. Sie ist jung, neugierig und trägt gleichzeitig ein schweres Päckchen: einen Fluch, der jedem in ihrer Nähe Unglück bringt. Das sorgt für tragische, aber auch sehr intensive Momente, weil sie einerseits dazugehören möchte, andererseits aber immer auf Distanz bleiben muss. Ihre Dynamik mit Alex ist einer der stärksten Aspekte des Buches.
Die Nebenfiguren von machtgierigen Schwarzmagiern über skrupellose Weißmagier bis hin zu zwielichtigen Kreaturen der magischen Unterwelt wirken wie Zahnräder in einem komplexen System. Jeder verfolgt eigene Ziele, und Alex steht mittendrin. Dadurch entsteht ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem man nie sicher ist, ob eine neue Begegnung Hilfe bedeutet oder die nächste Falle.
Die Geschichte selbst dreht sich um ein mächtiges Artefakt, das alle Fraktionen in London in die Finger bekommen wollen. Auf dem Papier klingt das nach einem typischen Fantasy-Plot, in der Umsetzung lebt die Spannung aber davon, dass Alex in jedem Moment mögliche Zukünfte abwägen muss. Man fiebert mit, wenn er sich durch Gefahren laviert, weil ein einziger falscher Schritt alles kosten könnte.
Was Jacka richtig gut gelingt, ist das Setting: London wirkt geheimnisvoll, düster und gleichzeitig vertraut. Die versteckten Ecken voller Magie machen die Stadt fast zu einer eigenen Figur. Man glaubt sofort, dass irgendwo zwischen Camden Market und einem kleinen Antiquitätenladen Magier ihre Intrigen spinnen.
Natürlich hat der Auftakt auch kleine Schwächen: Manche Nebenfiguren bleiben blasser, als man es sich wünschen würde, und bestimmte Wendungen lassen sich früh erahnen. Doch das schmälert kaum den Lesegenuss, weil die Stärke klar bei Atmosphäre, Figuren und dem ungewöhnlichen Magiesystem liegt.
Fazit: Das Labyrinth von London ist ein fesselnder Start in eine Serie, die Fans von cleverer, stimmungsvoller Urban Fantasy begeistern dürfte. Ein Held mit Köpfchen statt Muskelkraft, eine tragische Gefährtin, vielschichtige Gegenspieler und ein London voller Magie, das macht Lust auf mehr.