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Veröffentlicht am 18.03.2026

»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«

Das schönste aller Leben
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»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«

Ein Wechselspiel aus drei – genau genommen vier – Perspektiven, erzählt ...

»Sie wollte nicht mehr erklären müssen, was so offensichtlich war. Das Leben fand ohne sie statt. Ihre Hoffnung lag in der Zukunft.«

Ein Wechselspiel aus drei – genau genommen vier – Perspektiven, erzählt die Geschichte einer Familie.

Heimat, als Ort des Ankommens und die Unwissenheit, wo dieser Platz wirklich zu sein scheint. In Deutschland oder Rumänien? Diese Fragen stellen sich Vio und ihre Eltern, nachdem sie aus dem rumänischen Banat nach Deutschland geflohen sind.

Wie sehr der äußere Eindruck und die Meinung fremder Leute zu wiegt, weiß Vio aus ihrer Kindheit. Nachdem ihre Tochter, nach einem Unfall, Verbrennungsnarben davonträgt, wird sie daran erinnert und gibt sich die Schuld, das schöne Gesicht ihres Kindes für immer genommen zu haben.

Etwa drei Jahrhunderte früher verlieben sich Theresia und der neue Diakon Ferdinand ineinander. Als die Keuschheitskommission davon erfährt, steht außer Frage, dass sie ihn verführt hat und dafür büßen muss.

Was macht Schönheit aus, wenn auch die positive Seite Negatives mit sich ziehen kann?
Wir lassen zu, dass andere über uns oder Menschen, die uns wichtig sind, bestimmen und sich Einfluss nehmen, der ihnen eigentlich gar nicht zusteht. Was schön ist und was nicht, bestimmen wir selbst. Dafür plädiert dieser Roman, auch wenn er noch viel mehr ist und ihr ihn deshalb schlichtweg selbst lesen müsst!

Was hatte ich erwartet?
Ehrlich gesagt etwas ganz anderes …

Was Betty Boras mit ihrem ersten Roman geschafft hat, ist keineswegs nur ein lobenswertes Debüt, sondern ein Buch, das von so vielen Themen, Schicksalen und dem Leben als Ganzes erzählt und das auf so eindringliche, bewegende und nahegehende Art, die keine simple Erzählweise, sondern ausschließlich eine komplexe, wahnsinnig gut durchdachte Sprache hervorrufen kann.
Ein Roman als Kunstwerk, der sich während des Lesens immer weiter entfaltet und welchen man mehrmals lesen muss.

„Das Schönste aller Leben“ ist – und damit lehne ich mich sicher nicht bereits zu Beginn des Jahres zu weit aus dem Fenster –, eines der besten Debüts dieses Jahres.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

»Nichts wollte ich lieber, als diese Zeit für immer zu vergessen.«

Lebensbande
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Wie geht man mit Schuld um, die man verspürt, obwohl man eigentlich nur im Sinne der Menschlichkeit gehandelt hat und den Ausgang der eigenen Tat nicht vorhersehen konnte und so auch gar nicht gewollt ...

Wie geht man mit Schuld um, die man verspürt, obwohl man eigentlich nur im Sinne der Menschlichkeit gehandelt hat und den Ausgang der eigenen Tat nicht vorhersehen konnte und so auch gar nicht gewollt hätte?

Als die zuerst namenlose ältere Frau nach der Wiedervereinigung einen Brief von ihrer Rentenversicherung bekommt, um Auskunft über die Beschäftigungsverhältnisse ihrer frühen Jahre zu erlangen, scheint nun – Jahrzehnte später – alles ans Licht zu kommen. Als Konsequenz beschließt sie, ihre eigene, wirkliche Geschichte aufzuschreiben und den Deckmantel der Lügen, unter dem sie so lange gelebt hat, abzulegen.
Zugleich ist da noch Lene, die sich in Joop de Jong verliebt. Eine Liebe die nicht sein darf. Sie wird nach Ratingen geschickt, wartet nach einigen Briefwechseln und Besuchen von Joop auf eine weitere Nachricht und lässt sich enttäuscht darüber auf einen anderen Mann ein und wird schwanger. Schon früh merkt sie, dass ihr Sohn Leo anders ist und für Vieles länger braucht. Als ihm jedoch die Diagnose des „erworbenen Schwachsinns“ diagnostiziert wird, kann sie es nicht fassen.
Durch Leo treffen die beiden Frauen aufeinander und Lene riskiert ihr Leben für das von Noras Sohn.

Damit sind die Handlungsstränge nur gewissermaßen angerissen.
Anfangs fängt der Roman noch langsam an, doch merkt man schnell, dass Nora etwas Unheilvolles bevorsteht. Ihre eigene Vergangenheit, die sie vergessen wollte und mit der sie nun doch noch einmal konfrontiert wird.
Dieser Roman erzählt von Freundschaft und Liebe in dunklen Zeiten des Hasses und der Unterdrückung, klärt über verschiedenste Geschehnisse auf und das, indem sie drei wahre Berichte von Zeitzeuginnen fiktionalisiert in ihren Roman verwebt.

Mechtild Borrmanns Romane – nicht nur dieser – erinnern an Geschehnisse, die so furchtbar sind, dass wir sie nie, niemals vergessen dürfen und genau diese Erinnerungen schafft sie mit ihren Büchern lebendig zu halten. Somit sind ihre Bücher keineswegs Unterhaltungsliteratur, sondern ein Stück Zeitgeschichte.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Spannende Einblicke ins Leben und Werk von Ingeborg Bachmann

Wir müssen wahre Sätze finden
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In diesem Band versammeln sich mehrere Gespräche, die von unterschiedlichen Leuten über die Jahre von 1956 bis 1973 mit Ingeborg Bachmann geführt wurden. Man erfährt mehr über sie, die Schriftstellerin, ...

In diesem Band versammeln sich mehrere Gespräche, die von unterschiedlichen Leuten über die Jahre von 1956 bis 1973 mit Ingeborg Bachmann geführt wurden. Man erfährt mehr über sie, die Schriftstellerin, die ihresgleichen sucht, über ihr Leben, Werk und auch etwas über ihre privaten Ansichten.

Trotz der mehreren Interviews und gewissen zeitlichen Abständen zwischen diesen, wurden teils ähnlich Fragen, hinsichtlich der Rolle der Musik – die für sie höchste Ausdrucksform – in ihrem Leben oder ihrem Roman „Malina“, inwiefern dieser z.B. autobiografisch sei, gestellt. Selbstverständlich kamen auch Fragen bezüglich ihrer Lyrik, wieso sie keine Gedichte mehr schreibe, deren Entstehung sowie sich öfters wiederholender Motive in ihrer gesamten, vielfältigen literarischen Arbeit. Außerdem mehrmals befragt wurde sie zu den Einflüssen von Robert Musil und Ludwig Wittgenstein.
Neben ihrem Werk, ging es auch um ihre Heimat und ihre Beziehung zu Rom.

Besonders spannend waren auch die Herangehensweisen der Fragenden, die entweder einen sehr großen Redeanteil für sich selbst beanspruchten oder offene Fragen stellten. Bachmann reagierte unterschiedlich darauf. Mal fielen ihre Antworten sehr knapp, konkret und nicht selten eher vage aus und doch ließ sie sich wiederum manchmal auf eine ausführlichere Antwort ein. Ihre Antworten stets eloquent, speziell und durchaus süffisant.

Wer sich in diesem Jubiläumsjahr – zu Ingeborg Bachmanns 100. Geburtstag – ausführlich mit ihr beschäftigen möchte, wird diese Gespräche ganz sicher mit Gewinn lesen.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

»Seis drum. Nun, da die Freiheit rief, würde er nicht Nein sagen.«

Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit
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»Seis drum. Nun, da die Freiheit rief, würde er nicht Nein sagen.«

Alles beginnt damit, dass Seft – vom Beruf Feuersteinhauer – bei der Sommersonnenwende Neen, die der Gemeinschaft der Hirten angehört, ...

»Seis drum. Nun, da die Freiheit rief, würde er nicht Nein sagen.«

Alles beginnt damit, dass Seft – vom Beruf Feuersteinhauer – bei der Sommersonnenwende Neen, die der Gemeinschaft der Hirten angehört, wiedersehen möchte. Er begreift, dass andere Familien im Umgang miteinander liebevoll sein können, nicht so wie sein machtgieriger und aggressiver Vater sowie seine Brüder. Er träumt von einem Leben mit ihr und beschließt, als er während des Marktes von seinem Vater übel zugerichtet wird, seine Familie zu verlassen.
Joia, Neens kleine, anfangs unscheinbare Schwester, belauscht die Priesterinnen am Monument und wird von eben diesen erwischt. Daraufhin erwartet sie jedoch keine Strafe, sondern sie wird in das Geheimnis des Zählens eingeweiht und beschließt, selbst Priesterin zu werden. Nachdem das Monument aus Holz zerstört wurde, nimmt in ihr die Vision Gestalt an, dieses, mithilfe von Seft, aus riesigen Steinen nachzubauen, damit es von nun an unzerstörbar sei. Ein Projekt, das so gut wie unmöglich erscheint.
Im Laufe des Romans begegnen wir den Verstrickungen der Völker der Hirten, der Bauern sowie des Waldes. Diese werden hinsichtlich ihres Zusammenlebens, Rivalitäten und Freundschaften detailreich beschrieben. Auch die Liebe kommt dabei nicht zu kurz, die in vielerlei Hinsicht einen großen Stellenwert in diesem Roman einnimmt.

Wie bei jedem umfangreichen Buch, bin ich anfangs skeptisch, ob mich die Story abholen kann. Doch auch diesmal hat Ken Follett es wieder geschafft. Da ich dieses Buch fast überwiegend auf Bus- oder Zugfahrten las, wünschte ich mir jedes Mal, dass die Fahrt noch länger dauern würde. Einfach, weil man schon nach kürzester Zeit wieder mitten im Geschehen gefangen war und trotz im Laufe des Buchs verlagernder Perspektiven immer mit einzelnen Figuren mitgefühlt und mitgelitten hat.
Ausschließlich das titelgebende Thema Stonehenge hätte noch etwas mehr Raum einnehmen können und wurde zwischenzeitlich eher nebensächlich.

Wer mal wieder Lust hat, sich in einem dicken historischen Roman zu verlieren, liegt hiermit komplett richtig!

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Ein neuer Blick auf Kästners Epigramme!

Sprüche und Widersprüche
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»STIMME VON DER GALERIE

Die Welt ist ein Theaterstück.
Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben.
Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt
Glück!
Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, ...

»STIMME VON DER GALERIE

Die Welt ist ein Theaterstück.
Spielt eure Rollen gut! Ihr spielt ums Leben.
Seid Freund! Seid Feind! Habt Macht! Habt
Glück!
Ich spiel nicht mit. In jedem Stück muß es auch Menschen, die bloß zuschaun,
geben.
Und wenn das Stück mißfällt, so laßt mich
schließen,
ist das noch längst kein Grund, aufs Publikum
zu schießen.«

Die hier in diesem Band „Sprüche und Widersprüche“ versammelten Epigramme von Erich Kästner sind nicht neu. Manche wurden bereits 1936 in „Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke“ veröffentlicht, die meisten 1950 unter dem prägnanten Titel „Kurz und bündig“ gesammelt herausgeben und einige erstmals ein knappes halbes Jahrhundert später in der Gesamtausgabe.
Dabei hätten sie bereits 1943 erscheinen sollen!

Doch auch wenn die Texte manch einem bereits bekannt erscheinen, sind sie es nicht unbedingt. Schließlich wurden der Wortlaut einzelner Verse sowie die Titel von Kästner nachträglich teilweise umgeändert und finden sich nun hier erstmals in ihrer ursprünglichen, von ihm brillant camouflierten Fassung.

1943 wurde Kästner ein wiederholtes und verschärftes Schreibverbot auferlegt und an die Veröffentlichung dieser Epigramme war nun nicht mehr zu denken. Gefährlich genug war es, sie verfasst zu haben und die drohende Gefahr, dass dieses Manuskript in falsche Hände geraten könnte. Schließlich wirken diese Texte auf dem ersten Blick – besonders aus heutiger Sicht – gar nicht so kritisierend gegenüber dem damaligen Regime. Betrachtet man diese jedoch genauer im Hinblick des 1943 vorherrschenden Zweiten Weltkriegs und der Herrschaft der Nationalsozialisten, liest sich jedes einzelne dieser Epigramme ganz anders und bekommt eine tiefere, weitaus bedrückendere Bedeutung. Inwiefern diese Texte kritisierend geschrieben wurden und auch gedeutet werden können, zeigt der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering aufs Eindrücklichste in seinem etwa zwanzig Seiten umfassenden Nachwort.

Dieses kleine Büchlein bietet einen ganz neuen Blick auf diese Epigramme sowie Kästner allgemein und ist für jeden Fan ein Muss!

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