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Veröffentlicht am 11.02.2026

Ein außergewöhnlicher dystopischer Roman!

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Was habe ich da bitte gelesen? „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist für mich ganz klar ein Jahreshighlight und ein Buch, das sich sowohl in seiner Erzählweise als auch in seinem ...

Was habe ich da bitte gelesen? „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist für mich ganz klar ein Jahreshighlight und ein Buch, das sich sowohl in seiner Erzählweise als auch in seinem Inhalt radikal von vielem abhebt, was ich sonst lese.

Schon der Titel hat meine Neugier geweckt. Das Cover wirkt eher nichtssagend, fast unscheinbar. Und dann der Inhalt: Wow!

Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Jacqueline Harpman erschafft eine dystopische Welt, die rätselhaft bleibt und gerade dadurch eine ungeheure Sogwirkung entfaltet. Ich habe das Buch mit angehaltenem Atem gelesen, bin den Gedanken der namenlosen Protagonistin durch eine verstörende Welt gefolgt und habe einer Erklärung bzw. einer Auflösung, regelrecht entgegengefiebert.

Im Zentrum steht eine Erzählerin, die als junges Mädchen unter seltsamen Umständen eingesperrt lebt und sich (nach einem einschneidenden Ereignis) in einer fremden, verlassenen Welt zurechtfinden muss. Sie kennt keine Männer, kennt keine gesellschaftlichen Strukturen, keine Geschichte. Und genau aus dieser Leerstelle heraus beobachtet und reflektiert sie alles mit einer beeindruckenden Klarheit. Aus dem wissbegierigen, klugen Mädchen wird eine strebsame, analytische Frau, die sich ihr Leben Schritt für Schritt erschließt. Ihre Entwicklung war sehr sehr inspirierend. Sie stellt Fragen, wo andere resignieren würden. und denkt weiter, wo andere sich mit dem Gegebenen abfinden.

Die Atmosphäre des Romans ist beklemmend und oft von einer stillen Einsamkeit durchzogen. Das Buch lebt von Gedanken, von innerer Entwicklung und von existenziellen Fragen: Was bedeutet Freiheit? Was macht Identität aus? Wie entsteht Wissen? Und was bleibt vom Menschsein, wenn alle gewohnten Strukturen wegfallen?

Das Ende ist eher unbefriedigend, denn viele Fragen bleiben offen. Er liefert keine einfachen Antworten, sondern fordert dazu auf, weiterzudenken. Und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Trotz der düsteren Grundstimmung ist das Buch auf seltsame Weise mutmachend. Es zeigt, wie viel Kraft im Denken, im Lernen und im selbstbestimmten Handeln liegt.
Dieses Buch ist nicht neu und verdient doch heute mehr Aufmerksamkeit denn je. Es macht auf leise, aber eindringliche Weise klar, worauf es wirklich ankommt.

Mich hat es nachhaltig beeindruckt und meine Sicht auf die Welt ein Stück weit verändert. Ein außergewöhnlicher dystopischer Roman, der noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

ein intensives, nachdenklich stimmendes Buch

Alle glücklich
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Buchcover und Klappentext verraten zunächst nicht allzu viel über den Inhalt von Alle glücklich. Umso größer war meine Neugier. Nicht zuletzt, weil es mein erster Roman von Kira Mohn war, nachdem ich zuvor ...

Buchcover und Klappentext verraten zunächst nicht allzu viel über den Inhalt von Alle glücklich. Umso größer war meine Neugier. Nicht zuletzt, weil es mein erster Roman von Kira Mohn war, nachdem ich zuvor ihre Leuchtturm-Trilogie gelesen hatte.

Der Titel allein weckt bereits Erwartungen, die sich im Laufe der Geschichte auf eindrucksvolle Weise bestätigen. Besonders überzeugt hat mich der Aufbau des Romans. Die Kapitel beginnen jeweils mit passenden Leitsätzen der Protagonisten und werden abwechselnd aus den Perspektiven von Nina (Mutter), Alexander (Vater), Ben (Sohn) und Emilia (Tochter) erzählt. Obwohl es eine zentrale Grundgeschichte gibt, eröffnen die Perspektivwechsel unterschiedliche Blickwinkel auf dieselben Ereignisse. Schnell wird deutlich, dass der äußere Schein trügt: Nicht alle sind so glücklich, wie es zunächst scheint. Und unaufhaltsam nimmt die Katastrophe ihren Lauf.

Kira Mohn gelingt es, mit diesem Roman gleich zwei Generationen anzusprechen. Sprachlich wie psychologisch geht sie direkt vor und thematisiert Probleme unserer Zeit sowie deren Auswirkungen auf den (familiären) Alltag. Im Zentrum stehen Familie, Zusammenhalt und unerfüllte Wünsche.

Mich haben sowohl die Sprache als auch der Schreibstil und die Thematik sehr überzeugt. Alle glücklich ist ein Roman, der bewegt und nachhallt, auch wenn (oder gerade weil) er ein leicht flaues Gefühl im Magen hinterlässt. Ein intensives, nachdenklich stimmendes Buch und ein großartiger Roman einer exzellenten Autorin.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Für mich ein absolutes Jahreshighlight!

Geordnete Verhältnisse
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Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Außer damit, dass „Geordnete Verhältnisse“ für mich ein absolutes Jahreshighlight ist. Selten hat mich ein Buch auf so vielen Ebenen überzeugt. Cover, Titel, Inhalt, ...

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Außer damit, dass „Geordnete Verhältnisse“ für mich ein absolutes Jahreshighlight ist. Selten hat mich ein Buch auf so vielen Ebenen überzeugt. Cover, Titel, Inhalt, Schreibstil, Sprache, Aufbau und die einzelnen Kapitel: Hier greift einfach alles perfekt ineinander!

Schon von den ersten Seiten an hat mich der Roman vollständig in seinen Bann gezogen. Ich hatte sofort das Gefühl, dass es richtig, richtig gut wird Lana Lux schreibt eindringlich, präzise und gleichzeitig unglaublich atmosphärisch. Jede Szene sitzt, jedes Kapitel hat Gewicht, nichts wirkt überflüssig oder beliebig.

Die beiden Protagonisten, Philipp und Faina, sind sehr detailliert und vielschichtig gezeichnet. Sie könnten gegensätzlicher kaum sein und fühlen sich dennoch magisch zueinander hingezogen. Diese Anziehung war für mich nicht immer leicht nachzuvollziehen. „Geordnete Verhältnisse“ trifft es allerdings auf den Punkt, denn was die beiden verbindet, ist nicht Romantik, sondern die Suche nach Halt, nach Struktur, nach Sicherheit.

Dabei geht es in diesem Buch um so viel mehr als „nur“ um eine toxische Beziehung. Es geht um Herkunft, Prägungen, dysfunktionale Familien, emotionale Abhängigkeiten und um das tiefe menschliche Bedürfnis, irgendwo anzukommen und sich sicher zu fühlen.

Ich möchte bewusst nicht zu viel verraten. Für mich ist „Geordnete Verhältnisse“ ein intensiver, kluger und bewegender Roman, den jeder lesen sollte.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Ein Buch mit großer Wahrheit

Monstergott
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Schon bei Liebewesen habe ich geschätzt, wie offen Caroline Schmitt tabuisierte Themen anspricht: direkt, aber zugleich feinfühlig und sehr reflektiert. Dieser Eindruckt hat sich auch bei Monstergott bestätigt. ...

Schon bei Liebewesen habe ich geschätzt, wie offen Caroline Schmitt tabuisierte Themen anspricht: direkt, aber zugleich feinfühlig und sehr reflektiert. Dieser Eindruckt hat sich auch bei Monstergott bestätigt.

Das Buch ist sehr ehrlich und hat mich beim Lesen gleichermaßen wütend wie traurig gemacht. Vieles wirkt auf den ersten Blick überspitzt, allerdings gibt es unzählige Menschen, die ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Autorin verleiht diesen Geschichten eine Stimme und allein das zeichnet das Buch aus.

Besonders beeindruckt hat mich, dass sich die Autorin intensiv mit dem Thema Freikirchen auseinandergesetzt und umfassend recherchiert hat. Das verleiht dem Buch eine große Wahrheit.

Meine eigene Wut über die geschilderten Geschehnisse hat den Lesefluss stellenweise minimal gestört. Ich möchte aber auch betonen: Literatur darf und soll Emotionen auslösen, zum Nachdenken anregen und bewegen. Monstergott ist kein leichtes Buch, aber definitiv eines, das sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

viele Wendungen und mehrere Überraschungsmomente

Der Freund – Ist er dein Traumpartner oder dein Killer?
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„Der Freund“ war mein zweites Buch von Freida McFadden und ich kann ganz klar sagen, dass es mir deutlich besser gefallen hat als „Wenn sie wüsste“. Den Einstieg empfand ich zunächst als etwas zäh, doch ...

„Der Freund“ war mein zweites Buch von Freida McFadden und ich kann ganz klar sagen, dass es mir deutlich besser gefallen hat als „Wenn sie wüsste“. Den Einstieg empfand ich zunächst als etwas zäh, doch nach und nach kam ich immer besser in den Lesefluss. Ab einem bestimmten Punkt konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Im Vergleich zu „Wenn sie wüsste“ gab es für mich viele Wendungen und mehrere Überraschungsmomente, die ich nicht kommen sah. Vor allem der große Plot Twist am Ende hat mich vollkommen umgehauen und das Buch noch einmal auf ein ganz anderes Level gehoben.

Sydney habe ich zu Beginn als sehr naiv und gutgläubig wahrgenommen. Im Verlauf der Geschichte musste ich mir jedoch eingestehen, dass ich sie vielleicht zu schnell verurteilt habe. Andere Charaktere habe ich dagegen sehr unterschätzt.

Insgesamt hat sich Freida McFadden mit diesem Buch als meine liebste Autorin im Bereich Psychothriller herausgestellt. Ihr Schreibstil, die Spannung und die unerwarteten Wendungen haben mich vollkommen überzeugt.

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