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Veröffentlicht am 22.03.2026

Sich und andere besser verstehen

Was dein Leben leichter macht
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„Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri ist ein Buch voller psychologischer Erkenntnisse. Es ist in 20 Kapiteln unterteilt, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten.

Wir erfahren viel ...

„Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri ist ein Buch voller psychologischer Erkenntnisse. Es ist in 20 Kapiteln unterteilt, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten.

Wir erfahren viel darüber, wie unsere Psyche funktioniert und wie wir durch das neu gewonnene Wissen unseren Alltag auf individueller Ebene, aber auch im Umgang mit anderen Mitmenschen erleichtern können. Themen wie „Zuspätkommen“, „Streiten“, „Schlafen“ und „Lügen“ werden ebenso behandelt wie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Besonders interessant fand ich die Ausführungen zu „Wohlstandsmelancholie“ und „Religion für Atheisten“.

Die Kapitel sind gut strukturiert und kurz gehalten. Pro Thema benötigt man etwa 15-20 Minuten, sodass sich die Abschnitte auch gut in zeitlichen Abständen lesen lassen.

Der Schreibstil ist sehr nahbar und zugänglich. Zwar wird immer wieder auf Studien und wissenschaftliche Fakten verwiesen, doch dank anschaulicher Fallbeispiele bleibt alles sehr verständlich. Überrascht hat mich, dass das Buch kein typischer Ratgeber ist und keine konkreten To-Dos vermittelt. Vielmehr liegt der Fokus auf dem Verständnis komplexer Zusammenhänge, aus dem sich der Leser seinen eigenen Weg erschließen kann.

Ich empfehle das Buch allen, die sich selbst und andere besser verstehen möchten und ein kompaktes, praxisnahes Werk mit fundierten psychologischen Einsichten suchen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein beeindruckendes Debüt!

Das schönste aller Leben
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„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland ...

„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland und tut ihr Leben lang alles um sich anzupassen, dazugehören und den Erwartungen ihrer Eltern und der Gesellschaft gerecht zu werden. Erst der tragische Unfall mit ihrer Tochter bringt zum Vorschein, welche Wunden aus ihrer Vergangenheit nicht geheilt wurden, welche Muster unbewusst durch die Erziehung und Sozialisation übernommen wurden. Vios Gedanken drehen sich nämlich ständig um die Frage nach dem Aussehen ihrer Tochter und ihrer Wahrnehmung durch Andere.
Parallel dazu lernen wir Theresia kennen, die im 18. Jahrhundert ein Leben voller Entbehrungen und Schicksalsschläge erleiden musste.
Beide Frauen entstammen der gleichen Ahnenreihe und sind durch die Themen Schönheit, Anpassung und den von der Gesellschaft ausgehenden Druck verbunden. Den historischen Kontext liefern auch die Kapitel aus der Perspektive der Benater Erde. Sie vermitteln dem Leser das Wissen um die „Banater Schwaben“ auf eine sehr zugängliche Art und Weise.

Das Buch ist unglaublich emotional und voller Schmerz. Es beschäftigt sich mit den Themen Identität, Herkunft, Mutterrolle, Schuldgefühle, Familiendynamiken und Migrationserfahrungen. Es zeigt sehr deutlich, wie man sich als Mutter überfordert fühlen kann, trotzt ungeheuerlicher Liebe für das Kind. Das Gefühl immer performen zu müssen, auch in der Mutterrolle, kann einem zum Verhängnis werden.

Auf den 240, zum Teil sehr intensiven Seiten sitzt jeder Satz, kein Wort ist überflüssig. Und zwischen den Zeilen schwingt ganz viel Gefühl mit. Betty Boras erzählt sehr dicht, teilweise provokativ und ungeschönt, welche Kämpfe Frauen seit Jahrhunderten in ihren Familien, in der Gesellschaft, aber auch mit sich selbst austragen müssen.

Mich hat diese Geschichte trotz ihrer Heftigkeit mit einem guten Gefühl hinterlassen. Es war auf jeden Fall lesenswert und ich staune immer noch, wie gut gelungen ein Debüt sein kann!

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Veröffentlicht am 19.02.2026

(Üb)erfülltes Leben

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ ist ein unglaublich ehrliches und mutiges Buch!

Als ihr Mann stirbt, nimmt Christien Brinkgreve, eine emeritierte Professorin für Soziologie ihre Vergangenheit unter ...

„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ ist ein unglaublich ehrliches und mutiges Buch!

Als ihr Mann stirbt, nimmt Christien Brinkgreve, eine emeritierte Professorin für Soziologie ihre Vergangenheit unter die Lupe, allem voran die Beziehung zu ihrem Mann, die ihr Leben maßgeblich bestimmt hat. Obwohl sie beruflich erfolgreich war und ihr eigenes soziales Netzwerk hatte, kam sie kaum gegen ihren Mann an, seine Dominanz, Stimmungsschwankungen und zum Teil das ihr gegenüber beschämende und verletzende Verhalten. Nichtsdestotrotz entschied sie sich dazu, Jahrzehnte lang an seiner Seite zu leben. Die Gründe hierfür legt die Autorin in ihren Memoiren offen.

Christien Brinkgreve ordnet ihre Erinnerungen während sie das gemeinsame Haus aufräumt, dessen Zustand ihr Eheleben widerspiegelt. Zeitweise war es „das Haus von Leuten, die es aufgegeben hatten, Ordnung zu halten, die Dinge im Griff zu haben, einen Ort zu schaffen, an dem man sich gerne aufhielt.“ (S. 10) Es verlor seine Schönheit, wurde vernachlässigt und entwickelte sich schließlich zu einem Ort, an dem man eher vorbei einander als miteinander lebte. Nach dem Tod ihres Mannes versucht die Autorin, ihren Platz im gemeinsamen Haus bewusst einzunehmen.

Das Besondere an dem Buch ist, dass die Autorin mit ihrer Geschichte zeigt, dass der Neuanfang auch im späteren Leben möglich ist, wenn man der Wahrheit ins Gesicht sieht, die Muster entlarvt, deren Gefangene man lange Zeit war. Mit der Aufräumarbeit im Inneren und im Äußeren wird eine Schicht nach der anderen frei gelegt, man findet zu sich selbst, kann sich neu definieren.

Die Ereignisse werden nicht wirklich chronologisch erzählt. Man hat den Eindruck, dass man einer durchdachten und gefühlvollen Reflexion einer weisen Frau folgen darf, die beschlossen hat, die Karten offen zu legen, um sich dadurch von der Last der Vergangenheit zu befreien. Als Leser fühlt man mit der Protagonistin mit und überdenkt dabei all die Konventionen, nach denen die Frauen früher gelebt haben und zum Teil immer noch leben.

Das Buch zeigt eindrucksvoll, was für eine Herausforderung es für Frauen ist, ihren selbstbestimmten Platz innerhalb der Familie und der Gesellschaft zu finden. Christien Brinkgreve gesteht ihre Fehler ein, zeigt uns, worauf wir unseren Blick richten könnten und ermutigt, für sich selbst einzustehen.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, Neues über Dynamiken in Beziehungen gelernt und im Nachhinein auch über die Wirkung der Räume, in denen wir leben, nachdenken müssen.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Eine große Portion Frauenpower!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Das Buch ist so kurzweilig, humorvoll und gleichzeitig tief in der Realität moderner Frauen verankert. Wir werden Zeugen davon, was für einen Abstieg Nina nach ihrer Scheidung erlebt, wie die Männer-Netzwerke ...

Das Buch ist so kurzweilig, humorvoll und gleichzeitig tief in der Realität moderner Frauen verankert. Wir werden Zeugen davon, was für einen Abstieg Nina nach ihrer Scheidung erlebt, wie die Männer-Netzwerke unsere Wahrnehmung bestimmen wollen und im Verborgenen jedes Mittel nutzen, um an der Macht zu bleiben. Diese gesellschaftlichen Themen werden im Hintergrund der Geschichte um die 50-jährige Nina, ihre jüngere Schwester Lena und deren Mutter Karin gespannt. Was der Leser bekommt ist ein unterhaltsamer Roman über einige Powerfrauen, die sich gegen die Konventionen ihrer Zeit wenden und Seite an Seite gemeinsam ihren Weg gehen.
Besonders gefallen hat mir, dass Ninas Freundin Zeynep als eine so smarte und pfiffige Figur gezeichnet wurde, da ja sonst oft die "Menschen mit Migrationshintergrund" in anderen Kontexten erscheinen. Überhaupt waren alle Charaktere authentisch und hatten ihre Ecken und Kanten.
Auch die Tatsache, dass die Beziehung zu David nicht im Vordergrund der Geschichte stand, wie ich am Anfang vermutet habe, sondern einer der roten Fäden war, fand ich gut. Es wurden viele Themen aufgegriffen wie z.B. Age Gap, Metoo, aber auch zwischenmenschlich ging es in die Tiefe. Das Buch versprühte Optimismus und legte nahe, dass wir Offenheit und eine liebevolle Frauen-Bande um uns herum brauchen, um das Leben mit all seinen Problemen glücklich zu meistern.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wie man zur Betrügerin wird

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Das Buch war etwas anders als ich es mir vorgestellt habe. Es wurde ja von einem wahren Kriminalfall inspiriert, bei dem eine Wiener Buchhalterin über Jahre mehrere Millionen aus einem Luxushotel unterschlagen ...

Das Buch war etwas anders als ich es mir vorgestellt habe. Es wurde ja von einem wahren Kriminalfall inspiriert, bei dem eine Wiener Buchhalterin über Jahre mehrere Millionen aus einem Luxushotel unterschlagen hat.

Erwartet habe ich deshalb Intrigen und Spannung - bekommen habe ich eher das Porträt einer Frau, die ihren Betrug mit Lebensumständen rechtfertigt: kranke Mutter, alleinerziehend, der Wunsch nach einem besseren Leben fur ihr Kind. Angelika Moser ist trotzdem irgendwie eine coole Socke. Man mag sie, obwohl sie viel Unsinn macht.

Was mir an dem Buch gefiel, war der Wiener Schmäh, der lockere Schreibstil und die gesellschaftliche Kritik, die leise mitschwingt: wie stark Herkunft den Lebensweg beeinflusst.

Ich persönlich hätte mir weniger Umfang und mehr Fokus gewünscht, vor allem im Hinblick auf eine tiefere innere Entwicklung der Protagonistin.

Dennoch kann ich das Buch allen empfehlen, die Hotelgeschichten, viele Nebenschauplätze und einen unterhaltsamen Erzählstil mögen.

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