Atmosphärische und spannend geplottete Story mit ein paar Kritikpunkten
Die Dinner PartyMich reizen Geschichten, die sich von einem bestimmten Ereignis aus entwickeln und die Story von hinten aufrollen. „Die Dinner Party“ versprach mir genau das zu sein und ich habe den Roman auch gern gelesen, ...
Mich reizen Geschichten, die sich von einem bestimmten Ereignis aus entwickeln und die Story von hinten aufrollen. „Die Dinner Party“ versprach mir genau das zu sein und ich habe den Roman auch gern gelesen, obwohl er etwas hinter meinen Erwartungen zurück blieb.
Ich mochte das Pacing des Romans sehr gern. Er deutet an und tritt dann wieder einen Schritt zurück, wagt immer wieder den Blick in die Zukunft wie auch die Vergangenheit. Außerdem war die Betroffenenperspektive wirklich toll herausgearbeitet. Die Therapiegespräche, die inneren Gedanken der Protagonistin und auch Impulse von außen haben mir eine sehr authentische Darstellung der Situation gegeben. Betroffene reagieren eben sehr verschieden - das macht sie jedoch nicht weniger betroffen.
Eines kann ich auf jeden Fall auch sagen: Plotten kann Viola van de Sandt! Anfangs hatte ich noch die Befürchtung, dass mir das Andeuten zu repetitiv ist, aber dann habe ich verstanden, dass es hier um ehrliche Erinnerungslücken der Protagonistin geht. Und den Twist rund um Harry habe ich keinen Millimeter kommen sehen!
Was mir das Lesen aber echt erschwert hat, sind die wahnhaften Abschnitte. Franca verliert sich immer wieder in Gewaltfantasien - u. a. auch dem Kater gegenüber, was ich einfach generell nicht lesen möchte. Ich meine zu verstehen, warum sie diese Fantasien hat, aber mich erinnerte das schon etwas an Body Horror und das ist einfach nicht meins. Realität und Fantasie fließen auch wirklich nahtlos ineinander, was schriftstellerisch klug gemacht ist, meiner Vorliebe für klare Strukturen aber nicht ganz entspricht.
Insgesamt ist es ein extrem atmosphärisches Buch, das die bedrückende Stimmung und die intensive Zuspitzung sehr gut abzubilden vermag. Die Autorin schreibt überwiegend leicht lesbar und balanciert geschickt zwischen dem Detaillierten und dem Unkonkreten. Die etwas wahnhaften Fantasiepassagen waren mir allerdings zu sehr übers Ziel hinaus. Dennoch empfehle ich die wirklich besondere und authentische Betroffenenperspektive des Buches unter klarer Berücksichtigung der Triggerwarnungen.