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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Düster, nordisch, spannend

Das kalte Moor
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August 2020. Wiking Stormberg ist Polizeichef im schwedischen Ort Stenträsk nördlich des Polarkreises. Vor dreißig Jahren verschwand hier seine Ehefrau Helena im Moor, doch ihre Leiche wurde nie gefunden. ...

August 2020. Wiking Stormberg ist Polizeichef im schwedischen Ort Stenträsk nördlich des Polarkreises. Vor dreißig Jahren verschwand hier seine Ehefrau Helena im Moor, doch ihre Leiche wurde nie gefunden. Wiking hat diesen Verlust nie verwunden, aber seine beruflichen und familiären Aufgaben trotzdem erfüllt. Sein Sohn Markus lebt mit Frau und Kindern ebenfalls in Stenträsk, während Tochter Elin Ärztin in Stockholm ist. Zu der Zeit kämpft man auch in Schweden mit der Corona-Pandemie, doch Wiking hat ein anderes gravierendes gesundheitliches Problem. Als ob das alles nicht genug wäre, taucht nun ein bedrohlicher Brief auf, der Helenas Handschrift trägt. Wiking nimmt unter dem Radar dazu Ermittlungen auf.

Liza Marklund, schwedische Journalistin, Autorin und Verlegerin, stammt selbst als dem Norden Schwedens. Mit ihrer Polarkreis-Trilogie kehrt sie somit literarisch in ihre Heimat zurück. DAS KALTE MOOR lässt sich sehr gut als Standalone-Roman lesen, da keine Vorkenntnisse erforderlich sind. Es gelingt ihr großartig, die Atmosphäre der Region zu beschreiben. Auf der einen Seite ist Stenträsk ein Ort, an dem jeder jeden kennt, andererseits grenzt der Ort unmittelbar an ein Raketenversuchsgelände, was zu internationalen Begegnungen führt. Viele Einwohner, so auch Wikings Sohn Markus, verdienen ihren Lebensunterhalt durch diese militärische Einrichtung.

Marklund hat für das Setting des Romans erkennbar sehr gut recherchiert. Nichts, was sie schreibt, klingt unrealistisch. Dabei schreibt sie in der Tradition des Nordic Noir Genres, langsam, manchmal melancholisch und immer auch politisch. Sie führt uns zurück in die Zeit des Kalten Krieges, während gleichzeitig die Handlung voranschreitet. Dabei nimmt die Spannung von Seite zu Seite zu. Der Übersetzerin Dagmar Missfeldt ist es dabei sehr gut gelungen, dies ins Deutsche zu übertragen. Auch das Cover passt mit seinen düsteren Farben hervorragend zum Buch.

DAS KALTE MOOR ist aus meiner Sicht eher ein Spannungsroman als ein klassischer Krimi. Ich habe das Buch verschlungen und vergebe voller Überzeugung 5 Sterne. ⭐⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Keine Idylle am Bodensee

Tief
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Rebekka Moser lässt bei ihrer Leserschaft gar nicht erst das Gefühl von Bodensee-Idylle aufkommen. Kaum mit dem Lesen gestartet, sind wir mit einem Mord konfrontiert, und auch Kommissar Heinzle geht der ...

Rebekka Moser lässt bei ihrer Leserschaft gar nicht erst das Gefühl von Bodensee-Idylle aufkommen. Kaum mit dem Lesen gestartet, sind wir mit einem Mord konfrontiert, und auch Kommissar Heinzle geht der Fall unter die Haut, denn ermordet wurde ein kleines Kind. Kaum etwas ist selbst für einen gestandenen Ermittler schwerer zu verdauen. Doch in TIEF bleibt es nicht bei einem gewaltsamen Todesfall. Moser beschreibt und schreibt gekonnt realistisch, authentisch, ja bewegend. Das bezieht sich nicht nur auf die idyllische Landschaft, die Charaktere, die so gestrickt sind, dass man sich gut vorstellen kann, dass sie nebenan wohnen, sondern auch die Traumata, die Beweggründe, die Emotionen. TIEF geht tief unter die Haut, und an manchen Stellen kann das eine Herausforderung bei der Lektüre sein. Doch nichts ist an den Haaren herbeigezogen.

Der Thriller ist thematisch vielschichtig, so wie unsere Gesellschaft und ihre Probleme. Das gilt für den Schauplatz Österreich ebenso wie für Deutschland und andere europäische Länder. Moser beschreibt eine Realität, vor der wir gerne die Augen verschließen, eine Gesellschaft, in der der Diskurs abnimmt und die keine Antworten findet auf radikale Strömungen jeglicher Art. Und sie beschreibt sehr eindrücklich die schmale Grenze zwischen Opfern und Tätern, zwischen Nichtbetroffensein und Verstrickung.

Trotz allem gibt es Momente des Aufatmens, denn selbst in den schlimmsten Momenten kann schwarzer Humor eine Situation und den Lesefluss auflockern.

TIEF ist der zweite Bodensee-Thriller um Kommissar Heinzle, kann aber gut als Standalone gelesen werden.

Ich vergebe voller Überzeugung 5 Sterne. ⭐⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Debutroman mit einem besonderen Setting: düster, atmosphärisch, gelungen

Wolfskälte
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Was für ein Debut! Laura McCluskey ist eigentlich in der Film- und Theaterwelt zuhause. Nun ist ihr erster Roman WOLFSKÄLTE (im Original: The Wolf Tree) erschienen und hat mich begeistert. Es handelt sich ...

Was für ein Debut! Laura McCluskey ist eigentlich in der Film- und Theaterwelt zuhause. Nun ist ihr erster Roman WOLFSKÄLTE (im Original: The Wolf Tree) erschienen und hat mich begeistert. Es handelt sich um einen Kriminalroman, den ich der Gattung der Spannungsromane mit Thrillerelementen zuordnen würde. Vermutlich als Auftakt einer Reihe (zumindest ist bereits die Fortsetzung mit dem Titel „The Cursed Road“ angekündigt) begegnen wir dem Ermittlerduo George, die eigentlich Georgina heißt, diesen Namen aber nicht passend findet, und ihrem älteren Kollegen Richie. Ohne zu viel zu verraten: die beiden harmonisieren nicht mehr ganz so gut, was mit einem Ereignis in der Vergangenheit zusammenhängt. George muss sich bewähren, während ihr Kollege eher bedächtig vorgeht.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von George erzählt, wobei McCluskey die Rolle der personalen Erzählerin einnimmt. Neben der Kriminalermittlerin steht vor allem der Schauplatz des Romans im Mittelpunkt. Eilean Eadar ist eine fiktive, sehr abgelegene Insel der Äußeren Hebriden. Nun ist die Idee, einen Krimi auf einer abgelegenen Insel spielen zu lassen, nicht neu. Gerade die schottischen Inseln werden gerne gewählt, da das raue Klima, die Isolation und der keltische Backgrund viele Möglichkeiten bieten, um einen Roman geheimnisvoll und bedrohlich zu gestalten. Die Bewohner leben umgeben vom wilden Atlantik, betreiben Fischfang und Schafzucht und gelten als tief verwurzelt in ihrer Kultur und ihren Traditionen, als religiös und von engen nachbarschaftlichen Beziehungen geprägt. Dies macht sich McCluskey zunutze. Sie lässt sich Zeit, um alles sehr ausführlich zu beschreiben. Bereits die Anreise der beiden Detective Inspectors nimmt einen gewissen Raum ein. Mir gefällt das sehr, denn so habe ich das Gefühl, die Insel gemeinsam mit George kennenzulernen.
Die Aufgabe der beiden Ermittler ist es zu klären, ob ein junger Mann, der am Fuße des Inselleuchtturms aufgefunden wurde, Selbstmord begangen hat, oder ermordet wurde. Die Ermittlungen verlaufen zäh, denn sie stoßen auf eine Mauer des Schweigens. McCluskey gelingt es, genau diese Zähigkeit hervorragend zu beschreiben. So entsteht eine düstere, dichte Atmosphäre, in welche die Leserschaft gemeinsam mit George mehr und mehr hineingezogen wird. Die Gänsehautmomente der Protagonistin erlebt man hautnah mit. Man lernt die Bewohner kennen und erfährt, dass der Leuchtturm in der Vergangenheit schon einmal der Schauplatz eines ungelösten Rätsels war.
Wer sich darauf einlässt und es sich gerne mit Wolldecke und Tee gegen das raue Klima Schottlands wappnet, den erwartet ein fesselnder Kriminalroman, den ich gerne mit fünf Sternen ⭐⭐⭐⭐⭐ belohne. Und ich erwarte voller Spannung die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Einsame Wölfe - Ein slow burning Standalone-Krimi des norwegischen Erfolgsautors

Minnesota
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"Du bist kein Wolf im Schafspelz, du bist ein Schaf im Wolfspelz." (S. 307)

Jo Nesbø zählt zu den bekanntesten norwegischen Schriftstellern. Mit seiner Harry-Hole-Serie erlangte er Weltberühmtheit ...

"Du bist kein Wolf im Schafspelz, du bist ein Schaf im Wolfspelz." (S. 307)

Jo Nesbø zählt zu den bekanntesten norwegischen Schriftstellern. Mit seiner Harry-Hole-Serie erlangte er Weltberühmtheit und Kultstatus. Nun erschien sein neuer Roman MINNESOTA im Ullstein-Verlag. Es handelt sich nicht, wie oft vermutet, um einen neuen Reihenauftakt, sondern um einen Standalone-Krimi. Dass Nesbø sich ausgerechnet Minnesota als Schauplatz ausgesucht hat, ist kein Zufall. Fast eine Millionen Norweger sind nach Amerika ausgewandert und haben sich bevorzugt im Mittleren Westen niedergelassen. In der Rahmenhandlung reist ein norwegischer Journalist 1922 nach Minnesota, um für einen Kriminalfall zu recherchieren, der sich bereits 2016 ereignet hat. Schnell wird klar, dass er einen persönlichen Bezug zu diesem Fall hat. Die Rahmenhandlung bleibt aber Rahmenhandlung und wäre aus meiner Sicht entbehrlich gewesen.

Im Mittelpunkt des Romans steht Bob Oz, ein norwegisch-stämmiger Ermittler, der nach einem tragischen Schicksalsschlag auf der Kippe steht, und seinen Kummer mit Alkohol und Frauengeschichten (Spitzname "One-Night-Bob") betäubt, einen senfgelben Kaschmirmantel trägt und unter Impulskontrollverlust leidet. Eine Parallele zu Harry Hole, ja, doch im Gegensatz zur Hole-Reihe handelt es sich bei MINNESOTA nicht um einen Thriller, sondern um einen Spannungsroman, der dem slow-burn-Genre zuzuordnen ist. Der Fokus liegt auf starken Charakterstudien und tiefgängigen, fast schon philosophischen Dialogen. Wer actiongeladene kurze Kapitel sucht, wird mit diesem Werk nicht glücklich werden.

Nesbø beschäftigt sich in MINNESOTA eindrücklich mit dem uralten Thema der Rache, der Frage nach Gerechtigkeit und platziert dies in der zerrissenen und auseinanderdriftenden US-Gesellschaft kurz vor der ersten Präsidentschaft von Donald Trump. Die NRA (National Rifle Association) wirbt für den ungehinderten Zugang der Amerikaner zu Waffen, während täglich Menschen dieser Politik zum Opfer fallen. Während die einen in Gated Communities vermeintliche Sicherheit genießen, sind die anderem dem Terror der Straße im Stadtteil Jordan ausgesetzt, wo Drogengangs um die Vorherrschaft kämpfen. Die Atmosphäre ist bedrückend. Und doch leben hier Menschen mit ihren alltäglichen Sorgen.

Ein Krimineller wird angeschossen und Bob Oz ermittelt, obwohl er vom Dienst suspendiert wird. Wie ein Wolf beißt er sich fest, begibt sich auf die Spur des vermeintlichen Täters, der den Spitznamen "Lobo" trägt, was auf Spanisch Wolf bedeutet. Und dann ist da noch der Präparator Mike Lunde, der neben Raubtieren vor allem Haustiere präpariert. Daneben gibt es auch drei starke Frauen, Oz' Kollegin Kay Myers, seine Ex-Frau Alice und Barkeeperin Liza, die das Buch bereichern. Doch die Männer stehen im Mittelpunkt, und so ist das Cover mit der blutigen Wolfsspur im Schnee gut gewählt.

Insgesamt betrachtet, ein spannender Krimi mit psychologischem Tiefgang, langsamem Spannungsaufbau und einer komplexen Geschichte - ein Puzzle, dessen Teile sich nach und nach zusammenfügen. Ich vergebe überzeugt fünf Sterne ⭐⭐⭐⭐⭐.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Schonungslos spannend

Kölner Vergeltung
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Nach vier Jahren Pause erschien 2025 endlich die Fortsetzung der Reihe um die Hauptkommissarinnen Maline Brass und Lou Vanheyden. Der Titel KÖLNER VERGELTUNG ist sicherlich dem Vermarktungskonzept des ...

Nach vier Jahren Pause erschien 2025 endlich die Fortsetzung der Reihe um die Hauptkommissarinnen Maline Brass und Lou Vanheyden. Der Titel KÖLNER VERGELTUNG ist sicherlich dem Vermarktungskonzept des emons:-Verlages geschuldet, der auf Regionalkrimis setzt. Wer hier aber einen seichten Lokalkrimi erwartet, der kennt Myriane Angelowski nicht.

Wie bereits in allen Vorgängerbänden stehen Menschen im Mittelpunkt, die sich in prekären Situationen befinden. Menschen am Rande der Gesellschaft, Frauen und Kinder, die gefährdet sind und Gewalt erfahren. Dieser gesellschaftskritische Ansatz bedingt automatisch, dass es sich auch bei KÖLNER VERGELTUNG um keinen Wohlfühlkrimi handelt. Das Buch geht unter die Haut. Das betrifft sowohl den eigentlichen Kriminalfall - eine Frau wird schwer verletzt aufgefunden, ihr kleiner Sohn ist verschwunden - als auch die Nebensträngen. Einer davon behandelt einen sehr persönlichen Schicksalsschlag, mit dem Lou Verheyden konfrontiert wird. Wer den Ort der Handlung kennt, weiß dass sich dort Vergleichbares ereignet hat. Angelowski bringt es sehr eindrücklich zu Papier.

Gewohnt schonungslos ist der Schreibstil, der mich seit Band 1 gepackt hat. KÖLNER VERGELTUNG ist ein Pageturner, den ich insbesondere gegen Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich spreche eine 100%ige Leseempfehlung aus und hoffe, dass ich auf Band 8 der Reihe nicht zu lange warten muss.

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