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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spicy as hell, aber darüber hinaus auch unglaublich lieb

Heated Rivalry
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Mit spicy Erwartungen an das Buch ranzugehen, empfiehlt sich auf jeden Fall! Ich habe das gemacht und wurde nicht enttäuscht. Doch auch darüber hinaus steckt so viel Gutes in diesem Buch, dass ich es nur ...

Mit spicy Erwartungen an das Buch ranzugehen, empfiehlt sich auf jeden Fall! Ich habe das gemacht und wurde nicht enttäuscht. Doch auch darüber hinaus steckt so viel Gutes in diesem Buch, dass ich es nur von Herzen allen empfehlen kann, die kein Problem mit expliziten Szenen haben.

Slow Burns sind nicht mein Fall und an alle, denen es ebenso geht: Das ist unser Buch! Ich fand das Pacing ganz toll gewählt für ein Buch, das ich explizit zu Unterhaltungszwecken lese. Ich habe es geliebt und inhaliert, so gut ist es geschrieben.

Die 6szenen sind wie schon gesagt ziemlich explizit, aber sie sind auch von ganz viel Konsens und Augenhöhe geprägt. Enemies-/Rivals-to-Lovers ist echt nicht mein Lieblingstrope, weil die Geschichten oft von einem Hass geprägt sind, der für meinen Geschmack in der Regel übertrieben ist. Und ich fand es hier ganz toll, dass die Rivalität zwar da ist, aber eben in einem nachvollziehbaren Umfang.

Zwischendurch habe ich mir schon gewünscht, ein bisschen mehr über das Innenleben der beiden zu erfahren. Der 6 prägt lange das Miteinander und schiebt so die emotionale Entwicklung etwas in den Hintergrund. Aber ganz ehrlich? Die Figuren, und dabei meine ich ausdrücklich auch die Nebencharaktere, sind so liebevoll geschrieben, dass ich trotz der kleinen Kritik nichts von der Bewertung abziehen will.

Der Roman ist ein unglaublich guter Beitrag queerer Repräsentation, der mich mehrfach zum Weinen gebracht hat und das ist im Romance-Bereich sehr selten. Es macht mich wirklich wütend, dass der Second Chances Verlag die Lizenz für die anderen Bücher des Universums nicht bekommen hat, obwohl sie sich so authentisch für queere Repräsentation einsetzen. Dass es am Ende doch wieder nur darum geht, welcher Verlag das meiste Geld und die größte Plattform bietet, ärgert mich.

Aber umso mehr Gründe gibt es, „Heated Rivalry“ zu lesen und damit den tollen Indie-Verlag zu unterstützen. Ein Roman, der ganz locker inhaliert werden kann und sich wie eine Achterbahnfahrt zwischen Hotness und warmer Umarmung anfühlt.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ein unfassbar sensibel komponiertes Familienstück

Alle glücklich
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Wow, was für ein kraftvolles und süchtigmachendes Werk voller leiser Töne! Familiendramen sind für mich nahezu ein Garant für tolle Geschichten, aber sie müssen natürlich auch gut geschrieben sein. Gerade ...

Wow, was für ein kraftvolles und süchtigmachendes Werk voller leiser Töne! Familiendramen sind für mich nahezu ein Garant für tolle Geschichten, aber sie müssen natürlich auch gut geschrieben sein. Gerade diese Familiendynamiken erfordern ein feinfühliges Ertasten der Innenwelten aller Figuren. Und Kira Mohn ist das hervorragend gelungen.

Ich habe das Buch an zwei Tagen nahezu atemlos verschlungen. Mohn hat ein Händchen für ihre Figuren, gibt ihnen Raum für Wachstum und schlägt dabei auch einen gesellschaftskritischen Ton an. Der Familienvater, wenn wir ihn denn so nennen wollen, kommt als einzige Figur eher schlecht weg, aber Mohn verzerrt dabei keine Realitäten. Die Sicht vieler Männer auf Lohn- vs. Care Arbeit wird der von Alexander gleichen. Dafür gehören sie kritisiert und das macht die Autorin nicht zu knapp - ohne ihm dabei jedoch den Raum für Vielschichtigkeit zu verwehren.

Emilia und Ben, die beiden Kinder der Familie, sind so gut geschrieben, dass mir beim Lesen ganz eng in der Brust wurde. Emilias Selbstverortung in einer Beziehung zu einem etwas älteren Jungen ist sicherlich vielen schmerzlich vertraut. Dass sie die Erfahrung machen muss, die sie im Buch macht, habe ich befürchtet und mir gleichzeitig anders gewünscht. Ben ist so eine großartige Figur, ich kann Mohn dafür nur bewundern. Politisch sensibel, ein netter junger Mann, der sich in der absoluten Ambivalenz befindet zwischen seiner persönlichen Sozialisierung und dem, was von Männern in dieser Gesellschaft erwartet wird.

Mindestens ebenso begeistert bin ich von Nina. Sie ist eine literarisch nicht untypische Frauenfigur - Mutter, geringer verdienend als der Ehemann, frustriert und gleichzeitig festgefahren in den Routinen, die sie als Frau in der Rolle der emotionalen Versorgerin verorten. Ihr gegenüber steht ein Mann, der nicht überzeichnet misogyn ist, sondern in genau dem „richtigen“ Maß. Beide bedienen ein Beziehungsmuster, das sehr üblich ist. Doch Nina durchläuft einen Emanzipationsprozess, der sich unterscheidet von allem, was ich bisher lesen durfte, und der mich laut hat jubeln lassen.

Es gab etliche Stellen, an denen ich dachte „oh nein, bitte jetzt nicht nachgeben/einknicken/das machen“ und jedes einzelne Mal hat mich die Autorin positiv überrascht. Ihr denkt, die Figurenentwicklungen habt ihr schon etliche Male in ähnlicher Form gelesen? Ich denke tatsächlich nicht! 
Mohn tangiert etliche Themen, die wirklich wichtig sind: gesellschaftliche Erwartungen, 6ualisierte Gewalt, Incel-Kultur, Gender Care Gap und Misogynie allgemein. Ich bin ihr umso mehr dankbar, dass sie einen für mich sehr feinfühligen Weg gefunden hat, die Handlung zu einem ausreichend geschlossenen Ende zu bringen.

Der Text ist eine kluge Analyse komplexer Familienstrukturen, gibt seinen Figuren wunderbar viel Raum und drängt sich beim Lesen nicht auf. Ich war emotional ganz nah bei den Charakteren, wurde wütend und dann doch auch wieder ruhig. Und so kann ich nur sagen: Kira Mohn ist ein großes literarisches Talent mit einer wundervollen Balance zwischen herzzerreißendem Ernst und tiefer Liebe in verschiedener Hinsicht. Überzeugt euch selbst!

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Spannend und gleichzeitig zum Haare raufen

Die einzige Frau im Raum
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Ich bin wirklich keine leidenschaftliche Leserin historischer Romane. Aber Marie Benedict hat die Geschichte von Hedy Lamarr einfach so mitreißend erzählt, dass ich ihr an den Lippen hing.

Ganz am Rand ...

Ich bin wirklich keine leidenschaftliche Leserin historischer Romane. Aber Marie Benedict hat die Geschichte von Hedy Lamarr einfach so mitreißend erzählt, dass ich ihr an den Lippen hing.

Ganz am Rand hatte ich von dieser beeindruckenden Erfinderin schon gehört, aber natürlich haben auch in meiner Bildung vor allem alte weiße Männer Raum gefunden. Umso toller finde ich Benedicts Leistung, durch den Matilda-Effekt verdrängte Frauen in den Fokus zu nehmen. Hedys Leben als Jüdin im Österreich der 1930er-Jahre fand ich dabei wirklich schon spannend genug. Die Dynamiken ihrer gewaltvollen Ehe mit dem einflussreichen Waffenfabrikanten Fritz Mandl sowie die damit einhergehenden mitgehörten Gespräche hochrangiger Politiker werden hier detailliert und greifbar beschrieben. Ich habe beim Lesen ein gutes Gefühl bekommen für die inneren wie äußeren Bedrohungen, die diese Frau erfahren haben muss.

Auch wenn sie glücklicherweise sowohl ihrem Mann als auch der drohenden Verfolgung durch das NS-Regime entfliehen konnte, hörte ihr Kampf an dieser Stelle nicht auf. Ihre Ambivalenz als Überlebende, die so detaillierte Informationen hatte und irgendwie nutzbar machen wollte, war deutlich spürbar. Dass der Krieg vielleicht anders hätte verlaufen können, wenn machtvolle Männer ihr nur einmal zugehört bzw. ihre Erfindung nicht so belächelt hätten, ist einfach zum Haare raufen. Doch selbst, wenn sich in Sachen Emanzipation natürlich einiges getan hat, werden Frauen auch heute noch vor allem für ihr besonderes Aussehen gefeiert, Männer hingegen für ihre Errungenschaften. Hedys Geschichte führt uns das besonders eindrücklich vor Augen.

Die Geschichte ist richtig zugänglich geschrieben, lässt sich flüssig lesen und bietet damit einen so unterhaltsamen wie lehrreichen Einstieg in das Leben Hedy Lamarrs. An einigen Stellen mussten die Details zwar spürbar eingekürzt werden, das halte ich aber für eine sinnvolle Entscheidung, um den Umfang des Buches überschaubar zu halten. Es kann dann ja als Ausgangspunkt für weitere Recherche dienen.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Eine gut konstruierte, menschliche Geschichte

Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen
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Ich habe schon einige Werke dieser Art gelesen und fand die qualitativen Unterschiede schon deutlich. Bei einigen der neueren Bücher ging es mir einfach oft zu sehr in eine spirituelle Richtung, die Figurentiefe ...

Ich habe schon einige Werke dieser Art gelesen und fand die qualitativen Unterschiede schon deutlich. Bei einigen der neueren Bücher ging es mir einfach oft zu sehr in eine spirituelle Richtung, die Figurentiefe und authentische Menschlichkeit vermissen ließ. Doch nicht so hier - Kim Ho-yeon hat einen geschickt konstruierten Roman geschrieben, der mich besonders durch seinen feinen Humor und die profilreichen Figuren beeindruckt hat.

Besonders positiv bewerte ich die zentrale Figur Dok-go, da er als ehemaliger Obdachloser eine Gesellschaftsgruppe in den Fokus nimmt, die literarisch so ungefähr nie eine Rolle spielt. Ob die daran anknüpfende Inspirationsgeschichte den eigenen Geschmack trifft, muss jede Person für sich entscheiden. Ich bin da auch schnell abgeneigt, wenn es mir zu platt ist. Hier war das für mich nicht der Fall, denn auch wenn Dok-go sicherlich als Aufhänger für Inspiration dient, speist sich diese aus reiner Freundlichkeit und einem echten Schicksal, ohne dass er dabei wie ein Engel wirkt.

Weiter gefestigt wird meine positive Bewertung durch die vielen Nebenfiguren, die jeweils ein eigenes Kapitel bekommen. Mir ist es in südkoreanischer, vietnamesischer oder japanischer Literatur oft begegnet, dass die Figuren sehr höflich und dadurch glatt wirken, was meinen Geschmack nicht so gut trifft. Ich mag kantige Charaktere, die verschiedene Emotionen nicht nur erleben, sondern auch zeigen. Und das hat Ho-yeon hier ganz lobenswert geschafft. Begeistert hat mich dabei besonders die Nebenfigur der Autorin, die der Handlung eine kurze Meta-Ebene hinzufügt.

Dok-go selbst bekommt im letzten Kapitel noch einmal Raum und wir dürfen seine Vorgeschichte erfahren. Diese zeigt vor allem: Obdachlosigkeit kann alle treffen. Für diesen politischen Grundton, die angenehme Situationskomik, die charakterstarken Figuren und die humanistische Moral behalte ich die Geschichte in bester Erinnerung. Sie mag keine literarische Höchstleistung sein, aber in der Sparte warmherziger Inspirationsromane ist es wirklich einer der besten.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Ein herzzerreißend gutes Jahreshighlight

Da, wo ich dich sehen kann
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Das ist das im besten Sinne schlimmste Buch, welches ich 2025 gelesen habe. Dass Jasmin Schreiber, die ich schon als meine Lieblingsautorin bezeichnen würde, großartig schreiben kann und meine Emotionen ...

Das ist das im besten Sinne schlimmste Buch, welches ich 2025 gelesen habe. Dass Jasmin Schreiber, die ich schon als meine Lieblingsautorin bezeichnen würde, großartig schreiben kann und meine Emotionen kitzelt, war mir völlig klar. Aber dieser Roman hat all meine Vorstellungen und Erwartungen zu Sternenstaub werden lassen.

Keiner anderen Person würde ich beim Romanthema „Femizîd“ auch nur annähernd so vertrauen wie Schreiber. Denn sie schreibt gleichermaßen messerscharf wie streichelnd zärtlich und geht damit genau dahin, wo es wehtun muss, damit sich etwas verändert. Und das allerwichtigste: Sie gibt dem Täter entgegen so vielen Berichten, Podcasts oder Dokus KEINE Bühne und fokussiert sich auf die, die in den Schatten der Tat rutschen: die Hinterbliebenen.

Schreiber legt den Finger wieder und wieder und wieder in die Wunde, findet dann weitere wunde Stellen und legt ihren Finger auch auf diese. Doch gleichzeitig nimmt sie ihre Lesenden durch die Solidarität sowie das Mitgefühl ihrer Figuren in den Arm und schafft es so, dass es beim Lesen zwar so so weh tut, aber gleichzeitig eben nicht zu sehr. Ich habe mich beim Lesen in so vielen Facetten gespürt: Wut, Trauer, Zuneigung, Verzweiflung, Freude - alles war da und hat mich lebendig fühlen lassen. Keine andere Autor*in schafft das bei mir so zuverlässig wie Schreiber.

Doch auch stilistisch und literarisch ist das Werk makellos, es hat ein gutes Tempo mit Entschleunigung an den richtigen Stellen. Manchmal brauchte ich eine kurze Pause, um alles sacken zu lassen und auch das ging problemlos. Außerdem sind die Figuren so vielschichtig, dass wir dadurch automatisch jegliches Schwarz-Weiß-Denken links liegen lassen und Menschen in der Fülle ihrer Menschlichkeit sehen müssen. Der Hass auf den Täter steht neben der Zuneigung zu ihm, gemeine Gedanken den Eltern des Täters gegenüber neben eigenen Schuldgefühlen als Elternteil der Verstorbenen. Alle Hinterbliebenen sind mehr als ihre Trauer, auch wenn diese viel und vielschichtig Raum einnimmt.

Deren Leben sind durch die Tat von verschiedenen Folgebelastungen geprägt: Zwangs- und Angststörungen, Depressionen, Erschöpfungszustände. Schreiber beschreibt feinfühlig, dass kein Mensch Schuld hat außer dem Täter und dass es leider sehr wahrscheinlich ist, dass die Betroffene nicht gerettet werden kann. Denn „Männer töten Frauen, weil sie es wollen und weil sie es können“. Damit beschreibt sie einen Verlust des Vertrauens gegenüber Männern und damit auch eines Sicherheitsgefühls - denn woher willst du schon wissen, wie er wirklich ist und ob er Frauen nicht doch genug hasst, um sie auch zu töten?! Bestimmt kennen viele Menschen diese Gedanken und es ist zu schrecklich, dass sich diese wohl auch nicht so bald in Luft auflösen werden.

Die Auseinandersetzung mit Schuldgefühlen kann hier auch auf alle möglichen anderen Szenarien übertragen werden, sodass mich das emotional wirklich zerstört hat. Schreiber ist einfach abgrundtief ehrlich, auch in Bezug auf Therapie. Die spielt eine zentrale Rolle im Trauerprozess verschiedener Figuren, was ich unglaublich wichtig finde. Es geht aber auch um männliche Nebenfiguren, die Therapie aus anderen Gründen in Anspruch genommen haben und um Figuren, die ihre eigenen Vorurteile gegenüber Therapie hinterfragen. Gleichzeitig ist sie eben auch kein Allheilmittel, vieles bleibt schlimm, aber doch oft die beste Chance von Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Sie findet ebenso klare Worte für True Crime Podcasts und Thriller (oft von Männern geschrieben), in denen Gewalt an Frauen nur der Unterhaltung dient oder auch gern die Charakterentwicklung des männlichen Protagonisten untermauert. Ich möchte, dass einfach alle Menschen mit entsprechenden Kapazitäten dieses Buch lesen. Es ist unglaublich hart, aber mindestens dreimal so wichtig. Natürlich werden es wieder vor allem Menschen lesen, die sich mit den Themen Femizîd oder patriarchale Gewalt schon auseinandergesetzt haben - also wahrscheinlich wieder mehrheitlich Betroffene. Doch auch als Person, die in diesem Bereich schon sensibilisiert ist, habe ich noch mal einiges dazugelernt und meine Sichtweise festigen können. Vor allem aber ist es eines dieser Bücher, die uns ins Fühlen zwingen und trotzdem auch sanft wieder heraus führen.

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