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Veröffentlicht am 16.06.2024

Austen 2.0 - ein Klassiker, hübsch anzusehen neu interpretiert

Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen
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Die Geschichte ist bekannt, oder? Bei den Fantas würde es heißen: „Junge trifft Mädchen“ und es ist kein Spoiler, dass aus dem Treffen ein happylyeverafter wird.
Jane Austens Meisterwerk gibt ist in unzähligen ...

Die Geschichte ist bekannt, oder? Bei den Fantas würde es heißen: „Junge trifft Mädchen“ und es ist kein Spoiler, dass aus dem Treffen ein

happylyeverafter wird.
Jane Austens Meisterwerk gibt ist in unzähligen Ausgaben, großartigen Verfilmungen und nun quasi Austen 2.0 als Graphic Novel.

Die Charaktere sind lebendig gezeichnet: sei es die von ihren Nerven geplagte Mrs. Bennet, Lydia, über die ich mich immer aufregen kann, weil ich sie einfach furchtbar finde, sowie die liebreizende Jane - und ich bin begeistert von der Darstellung von Elizabeth Bennet und Mr. Darcy.
Tara Spruit war sogar so freundlich, Mr. Collins ein nettes Äußeres zu verleihen.

Die Farben gefallen mir gut, sie sind stimmig und es macht Spaß, die Bilder zu betrachten. Der Moment, in dem Lizzy Pemberley zum ersten Mal sieht, sowie der erneute Antrag von Mr. Darcy, stehen den Szenen in den Verfilmungen in nichts nach.

Stolz und Vorurteil ist ein umfangreiches Werk, die Texte der Graphic Novel orientieren sich daran, in einigen Szenen wird aus dem Original zitiert. Der Komplexität der Erzählung ist es geschuldet, dass das Comicbuch nicht alle Handlungsstränge aufgreifen und Personen einbringen kann, die Geschichte wird jedoch im Wesentlichen wiedergegeben.

Austen Ultras mögen von der kreativen Freiheit bei der Umsetzung irritiert sein, auch mir waren Marys Interesse an Entomologie sowie die Begeisterung von Jane und Lizzy für nächtliche Ausflüge auf den Friedhof bisher entgangen; und ich habe mich gefragt, warum Anne de Bourgh mit einem Schirm auf dem Sofa sitzt? Egal.

Die Gliederung in Frühling, Sommer, Herbst & Happy End finde ich wunderbar und man spürt Seite für Seite die Begeisterung von Claudia Kühn und Tara Spruit für die Geschichte.

Der Ausdruck

janeite ist Ende 18Hundertirgendwann entstanden und gibt die Wertschätzung für das Werk von Jane Austen wieder. Diese Anerkennung war zu der Zeit überwiegend männlich, daran hat sich jedoch inzwischen einiges geändert - und das hat ausdrücklich nicht nur etwas mit einem aus dem Tümpel von Pemberley auftauchenden Mr. Darcy zu tun.

Nun also Austen als Comicbuch. Warum nicht? Die Geschichten von Jane Austen sind zeitlos, ihr Humor und ihre Ironie sind wunderbar, sie war eine interessante, kluge und moderne Frau – ich möchte annehmen, dass es ihr gefallen würde, ihre Geschichte in dieser Form zu erleben.

Wenn man bedenkt, dass die Verfilmung der BBC ca. 6 Stunden lang ist, dann ist nachvollziehbar, dass ein Comicbuch mit 250 Seiten nicht alle Feinheiten und Spitzfindigkeiten aufgreifen kann, nicht alle Charaktere Platz zwischen den Seiten finden. Zum einen ist es schade, die Ungeschicktheit von Mr. Collins, das anmaßende Verhalten von Lady Catherine de Bourgh und die wunderbaren Gardiners nur angedeutet zu erleben, aber vielleicht macht es die Lesenden, die Jane Austen bisher nicht für sich entdeckt haben, neugierig auf ihr Werk.

Es war ein Vergnügen, das obstinate headstrong girl Elizabeth Bennet in dieser Graphic Novel zu erleben und ich wünsche dem Comicbuch viele begeisterte Lesende.
Die Graphic Novel gefällt mir gut, sie ist eine feine Interpretation der schönsten Liebesgeschichten aller Zeiten.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Interessant, kurzweilig gund mit Tiefe

Richtig gutes Essen
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Richtig gutes Essen / Junko Takase
 
„Humorvoll und klug stellt Junko Takase die Frage, warum wir im Leben falsch abbiegen, und zeigt anhand einer Bürogemeinschaft die Absurditäten des modernen Zusammenlebens ...

Richtig gutes Essen / Junko Takase
 
„Humorvoll und klug stellt Junko Takase die Frage, warum wir im Leben falsch abbiegen, und zeigt anhand einer Bürogemeinschaft die Absurditäten des modernen Zusammenlebens auf.“ (aus dem Klappentext)
 
Dieser Satz hat mich neugierig gemacht und so habe ich den Instantnudelholiker (mit dem Talent seltsame Entscheidungen zu treffen) Nitani, die forsche (bisweilen wenig zimperliche) Ex-Cheerleaderin Oshio und die ruhige (überschaubar belastbare) Hobbybäckerin Ashikawa kennengelernt, die im selben Unternehmen tätig sind.
 
Für Nitani ist Essen ein notwendiges Übel, er findet seine hauptsächlich aus Fertiggerichten bestehende Ernährung völlig okay. Eher zufällig kommt er Ashikawa näher, sie kocht gelegentlich für ihn und bringt so einen Hauch von geregeltem Leben in seinen Alltag. Nitani ist von ihr ebenso fasziniert wie genervt, ihm ist klar, dass er die Erwartungen seiner Familie und der Gesellschaft erfüllt, wenn er die häusliche Ashikawa heiratet, aber nur, weil ihm das klar ist, muss er es ja nicht umsetzen - und schließlich ist da auch noch Oshio, unkonventionell und so ganz anders als Ashikawa. Mit ihr kann man ein Bier trinken über Kolleg*innen lästern – auch & besonders über Ashikawa. Oshio belässt es nicht dabei, schlecht über die Kollegin zu reden, sie spielt ihr übel mit und Nitani ist daran nicht unbeteiligt. All das hat Einfluss auf das Miteinander, auf die Bürogemeinschaft, die Arbeit und Karriere. Wie wird es weitergehen?
 
Junko Takase lässt den Lesenden am Leben einer Bürogemeinschaft teilhaben, erzählt von alten Werten und neuem Denken, von Rollen und Erwartungen, von Entscheidungen und Ehrlichkeit. Es ist ein kurzer Einblick in das Miteinander einer Gemeinschaft, die sich nicht gesucht, sondern aus beruflichen Gründen ergeben hat.
 
„Oshio hatte verloren, Ashikawa hatte gewonnen. Es war ein Kampf zwischen Stärke und Schwäche unter dem Anschein eines Ringens um Richtig und Falsch.“ (S.143)
 
Nitani, Ashikawa und Oshio sind die zentralen Figuren der Geschichte, aus ihren unterschiedlichen Charakteren ergeben sich Spannungen, sie verfolgen ihre Ziele auf eigene Art und Weise – sie spielen Rollen, verstellen sich, machen mehr oder weniger sich und anderen etwas vor.
Die Momente von Nitani und Ashikawa werden in der 3. Person beschrieben, Oshio erzählt von ihren Begegnungen mit Nitani. Ich habe diese Perspektivwechsel als irritierend empfunden, sie haben den Lesefluss beeinflusst und tragen vermutlich auch dazu bei, dass ich die Figuren distanziert wahrgenommen habe und nicht mit ihnen warm geworden bin.
 
Anhand des Titels bin ich zunächst ein wenig davon ausgegangen, dass es in der Geschichte auch darum gehen könnte, wer wem dem Joghurt aus dem Kühlschrank der Kaffeeküche geräubert hat, ich wurde jedoch schnell eines Besseren belehrt und fand mich als Beobachtende der schönen Momente und tiefen Abgründe einer japanischen Bürogemeinschaft und den zwischenmenschlichen Gemütsbewegungen der Mitarbeitenden wieder.
 
Ich habe interessiert das Miteinander in einem Büro in Japan verfolgt und stelle fest, dass büroalltäglich Begeben- und Befindlichkeiten unabhängig vom Standort des Büros sind.
„Richtig gutes Essen“ ist eine interessante Geschichte, die mich in ihrer Kurzweiligkeit und Tiefe gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

eine leise Erzählung für gemütliche Lesemomente

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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„Ich hatte schon vor einer ganzen Weile lernen müssen, dass aus gestern heute und aus heute morgen werden würde, ganz egal, ob nun jemand gestorben war oder nicht.“ (S.7)

Nach dem Tod ihrer Großmutter ...

„Ich hatte schon vor einer ganzen Weile lernen müssen, dass aus gestern heute und aus heute morgen werden würde, ganz egal, ob nun jemand gestorben war oder nicht.“ (S.7)

Nach dem Tod ihrer Großmutter erfährt Yeonhwa bei der Testamentseröffnung, dass sie nicht nur deren Konditorei geerbt hat, sondern auch, das mit dem Geschäft ist ein hoher Schuldenbetrag verbunden. Die 27-jährige ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, um die Konditorei „Hwawoldang“, die die Familie schon seit Generationen betreibt und all dem, was damit verbunden ist hat sie sich jedoch nie großartig gekümmert. Die Verstorbene hat ihrer Enkelin folgende Hinweise hinterlassen:

„Erstens: Du musst das Hwawoldang wenigstens einen Monat lang vernünftig führen. Zweitens: Du darfst die Konditorei nur von 22 Uhr bis Mitternacht öffnen.
Drittens: Lebe in der Vorfreude auf alles, was dich noch erwartet.“ (S.15)

Aufgrund der Schulden und der geringen Möglichkeiten, diese durch einen Verkauf zu tilgen, entschließt Yeonhwa sich, die Konditorei zunächst einmal zu übernehmen.

In dem Laden begegnet sie Sawol, der sich als Großhändler für Zutaten aller Art und Schamane vorstellt und schon bald nach der Öffnung betritt die erste Kundin den Laden. Yeonhwa erkennt schnell, dass ihre Großmutter keine übliche Konditorei geführt hat, denn manche KundInnen haben sehr spezielle Wünsche – und auch Sawol ist enger mit ihrem Leben verbunden, als ihr zunächst bewusst war.

Wird die junge Frau die Bäckerei einen Monat führen, so dass sich die Prophezeiung ihrer Großmutter erfüllt, und sie alles im Leben bekommt, was sie braucht?

Lee Onhwa erzählt eine berührende Geschichte mit vielen kleinen zauberhaften Momenten im Dies- und Jenseits, von Verbindungen über eine Trennung hinaus und wie es ist, als Wind umherzuziehen.

Eine leise und solide Erzählung, nicht für die Ewigkeit, aber für gemütliche Lesemomente.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Interessant, irritierend, anders!

Es gibt einen Gott, und ihr ist langweilig
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„Es gibt einen Gott, und ihr ist langweilig“ - ein sensationeller Titel, ein großartiges Cover und ein grandios formulierter Klappentext!
 
- „Es gibt einen Gott, und ihr ist langweilig.“ Mit diesen Worten ...

„Es gibt einen Gott, und ihr ist langweilig“ - ein sensationeller Titel, ein großartiges Cover und ein grandios formulierter Klappentext!
 
- „Es gibt einen Gott, und ihr ist langweilig.“ Mit diesen Worten begann es. Ruhig vorgetragen, aus dem Munde des ehemaligen Hafenarbeiters Jürgen Prassnik, sollten sie die Ordnung unserer Welt auf den Kopf stellen. (S.13) -
 
Von einem Moment auf den anderen ist alles anders – denn einhergehend mit dieser Information, erfahren die Menschen auch, dass ihre bisherigen Werte nun wertlos sind und stattdessen Kreativität das Maß aller Dinge ist.
 
- „Vergesst das Geld! Schreibt ein Lied, ein Buch, malt etwas, bringt Gott zum Lachen. … sie will einfach nur unterhalten werden. Und sie heißt Singu“ (S.19) -
 
Und damit’s für alle klar ist, gibt’s „Sieben Grundsätze“ für die neue Weltordnung, z.B.
 
- „Wer es schafft, Singu zu unterhalten, bekommt die Unsterblichkeit geschenkt. An einem besseren Ort, versteht sich.“ (S.37) -
 
So sieht’s aus – für eine ordentliche Mütze Kreativität gibt’s das ewige Leben; man sollte jedoch immer beachten, dass es nicht möglich ist zu schummeln und Singu alles sieht.
Tja, da steht nun manch einer dumm da, wie zum Beispiel der extrem reiche Geschäftsmann Imre Potkulcs, der sich zwar alles leisten kann, jedoch null kreativ ist.
 
„Was kann denn jemand wie ich an Künstlerischen erschaffen? Was ist da völlig ohne Vorerfahrung machbar? Ich meine, wo anfangen?“ (S.105)
 
Mit dem obdachlosen Jazzmusiker Adam und Sara, die in einem Café arbeitet und Geschichten schreibt, hat’s das Leben bisher zwar nur so semi-gut gemeint, aber nun scheint ihre große Stunde gekommen zu sein.
Wem wird es gelingen Singu zufriedenzustellen – und ist diese neue Weltordnung wirklich so toll, wie es erscheint?

Der Prolog ist kurz und knapp, über die fünf Phasen
 
Leugnen
Zorn
Verhandeln
Depression
Akzeptanz
 
führt die Geschichte zu einem interessanten Nachwort. Die Charaktere werden lebhaft und nachvollziehbar beschrieben, ich habe viel Sympathie für Sara und Adam und für letzten nicht nur, weil ihn der Autor darüber nachdenken lässt, ob ein Trimmrad, das in einen öffentlichen Park zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung steht auch „Hometrainer“ genannt werden kann. Das ist genau mein Humor!
Die Geschichte, die bisherige Werte in Frage stellt, den „weil man mit Geld nicht alles kaufen kann“-Gedanken aufgreift und Kreativität als Maß aller Dinge ausruft, ist ein interessantes Gedankenexperiment. Christian Schulte-Loh überlässt den Ausgang der Geschichte der Fantasie des Lesenden.
 
Die Idee der Geschichte gefällt mir richtig gut, für mich hätte sie jedoch durchaus eine Prise mehr vom britischen Humor und ein Hauch weniger Längen haben dürfen. Gerade diese führen ein wenig dazu, dass die Erzählung manchmal etwas lost erscheint. Das hätte echt nicht sein müssen, denn die einzelnen Handlungsstränge ansich sind interessant, jedoch wird es durch die häufigen Wechsel der Perspektiven unruhig, aber vielleicht gehört das zum Konzept und ist die Extra-Portion Kreativität für das ewige Leben.

Der Roman von Christian Schulte-Loh erzählt unterhaltsam eine unvergleichliche Geschichte angereichert mit einem speziellen Humor. Interessant, mitunter irritierend und anders unterhält das Buch auf besondere Art und Weise.

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